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Julij Dmitrievič Engel: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Joel Engel''' (* [[1868]] in [[Berdyansk]] in der [[Ukraine]]; gest. [[11. Februar]] [[1927]] in [[Tel Aviv]]) war ein [[Judentum|jüdischer]] Komponist, Musiklehrer, Musikkritiker und Pionier der jüdischen [[Volksmusik]]forschung.
'''Julij Dmitrievič Engel''', bekannter als '''Joel Engel''', (* [[1868]] in [[Berdyansk]], damals [[Russisches Kaiserreich]]; gest. [[11. Februar]] [[1927]] in [[Tel Aviv]]) war ein [[Judentum|jüdischer]] Komponist, Musiklehrer, Musikkritiker und Pionier der jüdischen [[Volksmusik]]forschung. [[Datei:Joel Engel und Salomon An-Ski.jpg|thumb|415px|Joel Engel (links) und der Schriftsteller, Journalist und Ethnograph [[Salomon An-Ski]]]]
== Vita ==
== Vita ==
* Im Gegensatz zu den meisten anderen Juden [[Russland]]s wuchs er außerhalb des vom Staat [[Judentum|Juden]] zugewiesenen [[Ansiedlungsrayon]]s auf.
* Im Gegensatz zu den meisten anderen Juden [[Russland]]s wuchs er außerhalb des vom Staat den [[Judentum|Juden]] zugewiesenen [[Ansiedlungsrayon]]s auf. Er studierte zuerst [[Rechtswissenschaften]] in [[Charkiw]]. Ab 1893 studierte er dann auf Anregung von [[Pjotr Iljitsch Tschaikowski]] Musik am [[Moskau]]er Konservatorium.
=== Privates ===
* Nach seinem Studium arbeitete er als Musikredakteur für die Zeitung ''Russkije Vedomosti''. Dadurch wurde er zu einer einflussreichen Figur des russischen Musiklebens. Seine Artikel wurden sehr gelobt. Positiv über seine Beiträge sprachen sich u.a. die Komponisten [[Cesar Cui]] und [[Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow]] aus. [[Datei:Jüdisches Volkslied von Joel Engel.jpg|thumb|445px|Für jüdische Volksmusik typischer übermäßiger Sekundschritt (hier ''b - cis'') in Joel Engels ''5 Klavierstücke'' (op. 15, Nr. 1) aus dem Jahr 1919]]<ref>[[Irene Heskes]]: ''Passport to Jewish Music - Its History, Traditions, and Culture'', Greenwood Press, 1994, S. 146</ref> Er publizierte u.a. auch die russische Ausgabe von ''[[Hugo Riemann|Riemann]]s Musiklexikon''. Im Jahr [[1918]] musste er die Arbeit bei der Zeitung aufgeben, weil diese von den [[Bolschewist]]en verboten wurde. Er wandte sich vermehrt der Komposition eigener Werke zu.
==== Mitgliedschaften ====
==== Ehrungen ====
=== Ausbildung ===
* Er studierte zuerst [[Rechtswissenschaften]] in [[Charkiw]].
* Später studierte er dann auf Anregung von [[Tschaikowsky]] Musik am [[Moskau]]er Konservatorium.
=== Beruflicher Werdegang ===
==== Musikredakteur ====
* Nach seinem Studium arbeitete er als Musikredakteur für die Zeitung ''Russkiye Vedomosti''.
* Dadurch wurde er zu einer einflussreichen Figur des russischen Musiklebens.
* Er publizierte u.a. auch die russische Ausgabe von ''[[Hugo Riemann|Riemann]]s Musiklexikon''.
* Im Jahr [[1918]] musste er die Arbeit bei der Zeitung aufgeben, weil diese von den [[Bolschewist]]en verboten wurde. Er wandte sich vermehrt der Komposition eigener Werke zu.
==== Jüdische Musik ====
==== Jüdische Musik ====
* Bis zu einem Treffen mit [[Pessach Marek]] im Jahr [[1899]] hatte er kein großes Interesse an [[Jüdische Musik|jüdischer Musik]]. [[Datei:Jüdisches Volkslied von Joel Engel.jpg|thumb|470px|Für jüdische Volksmusik typischer übermäßiger Sekundschritt (hier ''b - cis'') in Joel Engels ''5 Klavierstücke'' (op. 15, Nr. 1) aus dem Jahr 1919]]
* Bis zum Jahr 1897 hatte Engel kein großes Interesse an [[Jüdische Musik|Jüdischer Musik]]. Zur Beschäftigung damit führte ihn ein Treffen mit dem einflussreichen russischen Kunstkritiker [[Wladimir Wassiljewitsch Stassow]] im Jahr 1897. Stassow, ein Befürworter des  russisch-slawischen in der Kunst, regte Engel an, sich mit der Musik seiner eigenen Volksgruppe zu befassen. Noch im selben Jahr begab er sich in das jüdische Ansiedlungsrayon um in den Dörfern jüdische Volksmusik zu sammeln. Diese arrangierte er dann in Moskau und präsentierte sie drei Jahre später in Vorträgen am ''Polytechnischen Museum'' von Moskau und der ''Ethnografischen Gesellschaft'' von [[Sankt Petersburg]]. Im Jahr 1902 präsentierte er die Ergebnisse zusammen mit [[Pesach Marek]], der ebenfalls jüdische Volksmusik sammelte, vor der Moskauer ''Gesellschaft für Naturwissenschaften, Anthropologie und Ethnographie'' (''ОЛЕАЭ'').<ref>Irene Heskes: ''Passport to Jewish Music - Its History, Traditions, and Culture'', Greenwood Press, 1994, S. 146 und 147</ref>
* Im Jahr [[1900]] kehrte er nach ''Berdyansk'' zurück, und begann hier mit dem Sammeln jüdischer Volksmusikmelodien.
* Sein Ziel war es, andere jüdischen Komponisten für ihr nationales musikalisches Erbe zu begeistern. Engel informierte die Zuhörerschaft dabei häufig auch in Vorträgen über den kulturellen und poetischen Hintergrund jüdischer Volksmusik. Ein Vortrag von Engel mit anschließendem Konzert war wohl eine der ersten Veranstaltungen speziell zu jüdischer Musik in Europa überhaupt. <ref>Beate Schröder-Nauenburg: ''"Der Eintritt des Jüdischen in die Welt der Kunstmusik'', ''Jüdische Musik - Band V'', Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2007, Seite 42</ref>  
* Diese Lieder arrangierte er teilweise selber und führte sie in Moskau auf, um andere jüdischen Komponisten für ihr nationales musikalisches Erbe zu begeistern. Engel informierte die Zuhörerschaft dabei häufig auch durch Vorträge über den kulturellen und poetischen Hintergrund jüdischer Volksmusik.
* Im Jahr [[1908]] gründete er mit anderen die ''[[Gesellschaft für jüdische Volksmusik in St. Petersburg]]''. Diese publizierte Noten jüdischer Volksmusik und veranstaltete Konzerte. Später weltbekannte Musiker, wie bsp. der Geiger [[Jascha Heifetz]], [[Joseph Achron]] oder der Pianist [[Leopold Godowsky]] nahmen daran teil.
* Ein Vortrag von Engel mit anschließendem Konzert war wohl einer der ersten Veranstaltungen speziell zu jüdischer Musik in Europa überhaupt. <ref>Beate Schröder-Nauenburg: ''"Der Eintritt des Jüdischen in die Welt der Kunstmusik'', ''Jüdische Musik - Band V'', Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2007, Seite 42</ref>  
* [[1912]] unternahm Engel mit [[Salomon An-Ski]] eine Expedition, bei der sie wie [[Bela Bartok]] Volksmusik phonografisch aufzeichneten.  
* Im Jahr [[1908]] gründete er mit anderen in [[St. Petersburg]] eine Gesellschaft für jüdische Volksmusik.
* [[1922]] ging er nach [[Berlin]], um dort und in [[Leipzig]] jüdische Musik in Konzertreihen zu präsentieren. In Berlin gründete er auch den Verlag ''Juval'', der jüdische Volksmusik sowie eigene Werke von ihm herausgab. <ref> Eckhard John und Heidy Zimmermann (Hrsg.): ''Jüdische Musik? -  Fremdbilder - Eigenbilder'', Böhlau Verlag, Köln, 2004, Seite 163</ref>
* Diese publizierte Noten jüdischer Volksmusik und veranstaltete Konzerte. Später weltbekannte Musiker, wie bsp. der Geiger [[Jascha Heifetz]], [[Joseph Achron]] oder der Pianist [[Leopold Godowsky]] nahmen daran teil.
* Im Jahr [[1924]] hielt er Konzerte und Vorträge in [[Palästina (Region)|Palästina]] ab. Er blieb dann gleich dort, und nahm eine Arbeit am ''Ron Shulamit-Konservatorium'' an. Nur drei Jahre nach seiner Übersiedlung nach Palästina starb er dann.  
* Im Jahr [[1912]] unternahm er mit [[Salomon An-Ski]] eine Expedition, bei der sie wie [[Bela Bartok]] Volksmusik phonografisch aufzeichneten.  
* Im Jahr [[1922]] ging er nach [[Berlin]], um hier jüdische Musik in Konzertreihen zu präsentieren.
* In Berlin gründete er auch den Verlag ''Juval'', der jüdische Volksmusik sowie eigene Werke von ihm herausgab. <ref> Eckhard John und Heidy Zimmermann (Hrsg.): ''Jüdische Musik? -  Fremdbilder - Eigenbilder'', Böhlau Verlag, Köln, 2004, Seite 163</ref>
* Im Jahr [[1924]] hielt er Konzerte und Vorträge im [[Israel]] ab.
* Er blieb dann gleich dort, und nahm eine Arbeit am ''Ron Shulamit-Konservatorium'' an.
* Seine lebenslange Pionierarbeit im Bereich der jüdischen Volksmusikforschung inspirierte zahlreiche jüdische Komponisten und löste eine ''"Renaissance jüdischer Musik"'' aus.
* Seine lebenslange Pionierarbeit im Bereich der jüdischen Volksmusikforschung inspirierte zahlreiche jüdische Komponisten und löste eine ''"Renaissance jüdischer Musik"'' aus.
* Mit dem russisch-jüdischen Komponisten und Musikethnologen Lazare Saminsky lag Engel wegen seinem gänzlich anderen Verständnis jüdischer Volksmusik quer. Während Saminsky nur von nichtjüdischen Kultureinflüssen unbeeinflusste Musik als authentisch gelten ließ, betonte Engel, dass jüdische Volksmusik immer in regem Austausch mit der umgebenden Kultur gestanden habe. Er meinte - durchaus dem heutigen Forschungsstand entsprechend - u.a.:
* Mit dem russisch-jüdischen Komponisten und Musikethnologen [[Lazare Saminsky]] lag Engel wegen seinem gänzlich anderen Verständnis jüdischer Volksmusik quer. Während Saminsky nur von nichtjüdischen Kultureinflüssen unbeeinflusste Musik als authentisch gelten ließ, betonte Engel, dass jüdische Volksmusik immer in regem Austausch mit der umgebenden Kultur gestanden habe. Er meinte - durchaus dem heutigen Forschungsstand entsprechend - u.a.:
:''"Welches Volkslied ist frei von Überlagerungen. Es sind doch nicht die Überlagerungen, die wirklich von Belang sind. Viel wichtiger ist die Frage, ob das jüdische Volkslied, als Ganzes betrachtet, eine eigene musikalische Spezifik aufweist. Und diese Frage ist zu bejahen. Ja mehr noch: Das jüdische Volkslied prägt dem, was es von seinen Nachbarn übernimmt, seine eigenen Züge auf."'' <ref> Eckhard John und Heidy Zimmermann (Hrsg.): ''Jüdische Musik? -  Fremdbilder - Eigenbilder'', Böhlau Verlag, Köln, 2004, Seite 164</ref>
:''"Welches Volkslied ist frei von Überlagerungen. Es sind doch nicht die Überlagerungen, die wirklich von Belang sind. Viel wichtiger ist die Frage, ob das jüdische Volkslied, als Ganzes betrachtet, eine eigene musikalische Spezifik aufweist. Und diese Frage ist zu bejahen. Ja mehr noch: Das jüdische Volkslied prägt dem, was es von seinen Nachbarn übernimmt, seine eigenen Züge auf."'' <ref>Eckhard John und Heidy Zimmermann (Hrsg.): ''Jüdische Musik? -  Fremdbilder - Eigenbilder'', Böhlau Verlag, Köln, 2004, Seite 164</ref>


==== Eigene Kompositionen ====
==== Eigene Kompositionen ====
[[Datei:Joel Engel Gedenktafel.jpg|thumb|410px|Gedenktafel für Joel Engel in [[Tel Aviv]]]]
* Engel komponierte neben jüdischen Volksliedern [[Klavier]]musik und [[Kammermusik]]. Großformatige und orchestrale Werke fehlen in seinem Oeuvre.
* Engel komponierte neben jüdischen Volksliedern [[Klavier]]musik und [[Kammermusik]]. Großformatige und orchestrale Werke fehlen in seinem Oeuvre.
* Viele seiner Kompositionen beruhen auf jüdischer Volksmusik.
* Viele seiner Kompositionen beruhen auf jüdischer Volksmusik.
* Er war einer der ersten Komponisten, die erkannten, dass jüdische Musik weniger auf der abendländischen Dur-Moll-[[Tonalität]] beruht, sondern eher auf nahöstlichen [[Modalleiter]]n basiert. Diese Erkenntnis setzte er auch in seinen Kompositionen um. So verwendet er bsp. in seiner ''Dybbuk-Suite, op. 35'' einen Akkord mit übermäßiger [[Quinte]] anstatt einen "normalen abendländischen Akkord". Sein Stück ''Volksweise'' aus den ''5 Klavierstücken, op. 19'' (siehe Bild 1) basiert bsp. mit dem übermäßigen Sekundschritt  ''b - cis'' auf der jüdischen Tonleiter ''Ahava Rabboh''.
* Er war einer der ersten Komponisten, die erkannten, dass jüdische Musik weniger auf der abendländischen Dur-Moll-[[Tonalität]] beruht, sondern eher auf nahöstlichen [[Modalleiter]]n basiert. Diese Erkenntnis setzte er auch in seinen Kompositionen um. So verwendet er bsp. in seiner ''Dybbuk-Suite, op. 35'' einen Akkord mit übermäßiger [[Quinte]] anstatt einen "normalen abendländischen Akkord". Sein Stück ''Volksweise'' aus den ''5 Klavierstücken, op. 19'' (siehe Bild 1) basiert bsp. mit dem übermäßigen Sekundschritt  ''b - cis'' auf der jüdischen Tonleiter ''[[Ahavah Rabbah-Modus|Ahava Rabbah]]''. Ungewöhnlich ist in diesem Stück auch die Tonkombination ''a - cis - f- a2'' in Takt vier der Komposition, (siehe Bild 1) die einen A-Dur-Akkord mit übermäßiger Quinte darstellt. 
* Viele seiner Kompositionen sind, trotz des Bemühens um die Verarbeitung jüdischer Volksmusik, doch deutlich von der russischen [[Salonmusik]] der Jahrhundertwende geprägt, und vermögen den heutigen Hörer nur noch bedingt zu überzeugen. <ref>Albert Weisser: ''The Modern Rennaisance of Jewish Music - Events and Figures'', Verlag Bloch, New York, 1954, Seite 73</ref>  
* Viele seiner Kompositionen sind, trotz des Bemühens um die Verarbeitung jüdischer Volksmusik, doch deutlich von der russischen [[Salonmusik]] der Jahrhundertwende geprägt, und vermögen den heutigen Hörer nur noch bedingt zu überzeugen. <ref>Albert Weisser: ''The Modern Rennaisance of Jewish Music - Events and Figures'', Verlag Bloch, New York, 1954, Seite 73</ref>  
* Er komponierte die Musik für das Stück [[Der Dybbuk]] (''דער דיבוק אָדער צווישן צוויי וועלט''). <ref>Anm.: Ursprünglich wollte diesen Stoff der große [[George Gershwin]] vertonen, was aber letztlich an Urheberrechtsfragen scheiterte</ref> Das Stück wurde das damals erfolgreichste Werk im "jüdischen Sujet". Es erlebte tausende von Aufführungen auf verschiedenen Kontinenten und in verschiedenen Sprachen. <ref>[http://www.milkenarchive.org/works/view/653 ''Milken Archive of Jewih Music'']</ref> Das Werk inspirierte auch andere, wie bsp. den [[USA|US-amerikanischen]] Komponisten [[Aaron Copland]]. <ref>Anm.: Dieser schrieb in Bezug auf sein Werk ''Vitebsk (Study on a Jewish Theme)'': ''"The Trio Vitebsk was completed in 1929 and first performed at a concert of the League of Composers in New York in February of thar year. The Jewish folk theme, which is used as an integral part of the work, was heard by the composer during a performance of An-sky? s play The Dybbuk. That circumstance supplied the composer with his title."''; zitiert nach Gabriella Safran und Steven J. Zipperstein (Hrsg.): ''The Worlds of S. An-sky - A Russian Jewish Intellectual at the Turn of the Century'', Stanford University Press, 2006, Seite 223 und 224</ref>
* Er komponierte die Musik für das Stück ''[[Der Dybbuk]]'' (''דער דיבוק אָדער צווישן צוויי וועלט''). <ref>Anm.: Ursprünglich wollte [[George Gershwin]] diesen Stoff vertonen, was aber letztlich an Urheberrechtsfragen scheiterte</ref> Das Stück wurde das damals erfolgreichste Werk im "jüdischen Sujet". Es erlebte tausende von Aufführungen auf verschiedenen Kontinenten und in verschiedenen Sprachen. <ref>[http://www.milkenarchive.org/works/view/653 ''Milken Archive of Jewih Music'']</ref> Das Werk inspirierte auch andere, wie bsp. den [[USA|US-amerikanischen]] Komponisten [[Aaron Copland]]. <ref>Anm.: Dieser schrieb in Bezug auf sein Werk ''Vitebsk (Study on a Jewish Theme)'': ''"The Trio Vitebsk was completed in 1929 and first performed at a concert of the League of Composers in New York in February of thar year. The Jewish folk theme, which is used as an integral part of the work, was heard by the composer during a performance of An-sky? s play The Dybbuk. That circumstance supplied the composer with his title."''; zitiert nach Gabriella Safran und Steven J. Zipperstein (Hrsg.): ''The Worlds of S. An-sky - A Russian Jewish Intellectual at the Turn of the Century'', Stanford University Press, 2006, Seite 223 und 224</ref>
* In Palästina wandte sich Engel verstärkt der Komposition von Liedern für Kinder zu. Zusammen mit dem jüdischen Erzieher [[Yehiel Halperin]] schrieb er z.B. 30 neue Lieder für Kindergärten. <ref>[http://lidemesta.cz/assets/media/files/17,%202015,%202/08_Burstyn_w.pdf Shai Burstyn: ''Across the Cultural Divide - Immigrant Oriental Jewish Children meet Israeli Folksong'']</ref> <ref>[https://www.kedem-auctions.com/content/five-books-hagina-publishing-house-jerusalem-1925-1930 ''Five Books by "HaGina" Publishing House - Jerusalem, 1925-1930'']</ref>
* Obwohl Joel Engels Kompositionen, wie bsp. die ''Dybbuk-Suite op. 35'', einst sehr populär waren, ist seine Musik heute großteils vergessen. <ref>[http://promusicahebraica.org/the-musical-tradition/composers/joel-engel/ ''Joel Engel - The Dybbuk Suite, op. 35 (1922)'' auf ''www.promusicahebraica.org'']</ref> <ref>[http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/judaica/ejud_0002_0005_0_05197.html Artikel über das Werk auf ''www.jewishvirtuallibrary.org'']</ref>
* Obwohl Joel Engels Kompositionen, wie bsp. die ''Dybbuk-Suite op. 35'', einst sehr populär waren, ist seine Musik heute großteils vergessen. <ref>[http://promusicahebraica.org/the-musical-tradition/composers/joel-engel/ ''Joel Engel - The Dybbuk Suite, op. 35 (1922)'' auf ''www.promusicahebraica.org'']</ref> <ref>[http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/judaica/ejud_0002_0005_0_05197.html Artikel über das Werk auf ''www.jewishvirtuallibrary.org'']</ref>


== Auftritte ==
== Ehrungen ==
== Links und Quellen ==
* Nach ihm ist der ''Joel-Engel-Preis'' für Komponisten der Stadt [[Tel Aviv]], <ref>[http://www.yivoencyclopedia.org/article.aspx/Engel_Yoel ''www.yivoencyclopedia.org'']</ref> in der es auch eine ''Joel Engel-Straße'' gibt, benannt.
=== Siehe auch ===
 
=== Weblinks ===
== Weblinks ==
* [http://imslp.org/wiki/Category:Engel,_Joel Noten von Kompositionen Joel Engels auf ''www.imslp.org'']
* [http://imslp.org/wiki/Category:Engel,_Joel Noten von Kompositionen Joel Engels auf ''www.imslp.org'']
* [http://www.albany.edu/news/releases/2006/0906/joel_engel.shtml ''UAlbany Jewish Studies Center Sponsors "Joel Engel: The Father of Jewish Folk Music"'']
* [http://www.albany.edu/news/releases/2006/0906/joel_engel.shtml ''UAlbany Jewish Studies Center Sponsors "Joel Engel: The Father of Jewish Folk Music"'']
==== Bilder / Fotos ====
==== Videos ====
==== Videos ====
=== Quellen ===
* [https://www.youtube.com/watch?v=ppKY8v2jgyE Jiddischer Vortrag über Joel Engel]
=== Literatur ===
* [https://www.youtube.com/watch?v=XfsNViaP4aQ Yehudi Wyner- an American composer, music educator, pianist and conductor and the son of Lazar Weiner (a Yiddish composer) - talks about the beginning of his father's career as a musician and other prominent Yiddish figures in the early 1920s, such as Perez Hirshbein and Joel Engel]
Jascha Nemtsov: ''Enzyklopädisches Findbuch zum Archiv der "Neuen Jüdischen Schule"'', Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2008, Seite 194 ff.
* [https://www.youtube.com/watch?v=PG9D3jOvH-k Jüdische Volksweise von Joel Engel]
=== Einzelnachweise ===
== Literatur ==
* Jascha Nemtsov: ''Enzyklopädisches Findbuch zum Archiv der "Neuen Jüdischen Schule"'', Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2008, Seite 194 ff.
* [[Irene Heskes]]: ''Passport to Jewish Music - Its History, Traditions, and Culture'', Greenwood Press, 1994, Seite 53, 55, 146-151, 213 und 214, 239 und 240, 245, 248 und 279
 
== Einzelnachweise ==
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😃 Profil: Engel, Julij Dmitrievič
Namen Engel, Joel
Persönliche Daten
1986
Berdjansk in der heutigen Ukraine
11. Februar 1927
Tel Aviv


Julij Dmitrievič Engel, bekannter als Joel Engel, (* 1868 in Berdyansk, damals Russisches Kaiserreich; gest. 11. Februar 1927 in Tel Aviv) war ein jüdischer Komponist, Musiklehrer, Musikkritiker und Pionier der jüdischen Volksmusikforschung.

Joel Engel (links) und der Schriftsteller, Journalist und Ethnograph Salomon An-Ski

Vita

Jüdische Musik

  • Bis zum Jahr 1897 hatte Engel kein großes Interesse an Jüdischer Musik. Zur Beschäftigung damit führte ihn ein Treffen mit dem einflussreichen russischen Kunstkritiker Wladimir Wassiljewitsch Stassow im Jahr 1897. Stassow, ein Befürworter des russisch-slawischen in der Kunst, regte Engel an, sich mit der Musik seiner eigenen Volksgruppe zu befassen. Noch im selben Jahr begab er sich in das jüdische Ansiedlungsrayon um in den Dörfern jüdische Volksmusik zu sammeln. Diese arrangierte er dann in Moskau und präsentierte sie drei Jahre später in Vorträgen am Polytechnischen Museum von Moskau und der Ethnografischen Gesellschaft von Sankt Petersburg. Im Jahr 1902 präsentierte er die Ergebnisse zusammen mit Pesach Marek, der ebenfalls jüdische Volksmusik sammelte, vor der Moskauer Gesellschaft für Naturwissenschaften, Anthropologie und Ethnographie (ОЛЕАЭ).[2]
  • Sein Ziel war es, andere jüdischen Komponisten für ihr nationales musikalisches Erbe zu begeistern. Engel informierte die Zuhörerschaft dabei häufig auch in Vorträgen über den kulturellen und poetischen Hintergrund jüdischer Volksmusik. Ein Vortrag von Engel mit anschließendem Konzert war wohl eine der ersten Veranstaltungen speziell zu jüdischer Musik in Europa überhaupt. [3]
  • Im Jahr 1908 gründete er mit anderen die Gesellschaft für jüdische Volksmusik in St. Petersburg. Diese publizierte Noten jüdischer Volksmusik und veranstaltete Konzerte. Später weltbekannte Musiker, wie bsp. der Geiger Jascha Heifetz, Joseph Achron oder der Pianist Leopold Godowsky nahmen daran teil.
  • 1912 unternahm Engel mit Salomon An-Ski eine Expedition, bei der sie wie Bela Bartok Volksmusik phonografisch aufzeichneten.
  • 1922 ging er nach Berlin, um dort und in Leipzig jüdische Musik in Konzertreihen zu präsentieren. In Berlin gründete er auch den Verlag Juval, der jüdische Volksmusik sowie eigene Werke von ihm herausgab. [4]
  • Im Jahr 1924 hielt er Konzerte und Vorträge in Palästina ab. Er blieb dann gleich dort, und nahm eine Arbeit am Ron Shulamit-Konservatorium an. Nur drei Jahre nach seiner Übersiedlung nach Palästina starb er dann.
  • Seine lebenslange Pionierarbeit im Bereich der jüdischen Volksmusikforschung inspirierte zahlreiche jüdische Komponisten und löste eine "Renaissance jüdischer Musik" aus.
  • Mit dem russisch-jüdischen Komponisten und Musikethnologen Lazare Saminsky lag Engel wegen seinem gänzlich anderen Verständnis jüdischer Volksmusik quer. Während Saminsky nur von nichtjüdischen Kultureinflüssen unbeeinflusste Musik als authentisch gelten ließ, betonte Engel, dass jüdische Volksmusik immer in regem Austausch mit der umgebenden Kultur gestanden habe. Er meinte - durchaus dem heutigen Forschungsstand entsprechend - u.a.:
"Welches Volkslied ist frei von Überlagerungen. Es sind doch nicht die Überlagerungen, die wirklich von Belang sind. Viel wichtiger ist die Frage, ob das jüdische Volkslied, als Ganzes betrachtet, eine eigene musikalische Spezifik aufweist. Und diese Frage ist zu bejahen. Ja mehr noch: Das jüdische Volkslied prägt dem, was es von seinen Nachbarn übernimmt, seine eigenen Züge auf." [5]

Eigene Kompositionen

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Gedenktafel für Joel Engel in Tel Aviv
  • Engel komponierte neben jüdischen Volksliedern Klaviermusik und Kammermusik. Großformatige und orchestrale Werke fehlen in seinem Oeuvre.
  • Viele seiner Kompositionen beruhen auf jüdischer Volksmusik.
  • Er war einer der ersten Komponisten, die erkannten, dass jüdische Musik weniger auf der abendländischen Dur-Moll-Tonalität beruht, sondern eher auf nahöstlichen Modalleitern basiert. Diese Erkenntnis setzte er auch in seinen Kompositionen um. So verwendet er bsp. in seiner Dybbuk-Suite, op. 35 einen Akkord mit übermäßiger Quinte anstatt einen "normalen abendländischen Akkord". Sein Stück Volksweise aus den 5 Klavierstücken, op. 19 (siehe Bild 1) basiert bsp. mit dem übermäßigen Sekundschritt b - cis auf der jüdischen Tonleiter Ahava Rabbah. Ungewöhnlich ist in diesem Stück auch die Tonkombination a - cis - f- a2 in Takt vier der Komposition, (siehe Bild 1) die einen A-Dur-Akkord mit übermäßiger Quinte darstellt.
  • Viele seiner Kompositionen sind, trotz des Bemühens um die Verarbeitung jüdischer Volksmusik, doch deutlich von der russischen Salonmusik der Jahrhundertwende geprägt, und vermögen den heutigen Hörer nur noch bedingt zu überzeugen. [6]
  • Er komponierte die Musik für das Stück Der Dybbuk (דער דיבוק אָדער צווישן צוויי וועלט). [7] Das Stück wurde das damals erfolgreichste Werk im "jüdischen Sujet". Es erlebte tausende von Aufführungen auf verschiedenen Kontinenten und in verschiedenen Sprachen. [8] Das Werk inspirierte auch andere, wie bsp. den US-amerikanischen Komponisten Aaron Copland. [9]
  • In Palästina wandte sich Engel verstärkt der Komposition von Liedern für Kinder zu. Zusammen mit dem jüdischen Erzieher Yehiel Halperin schrieb er z.B. 30 neue Lieder für Kindergärten. [10] [11]
  • Obwohl Joel Engels Kompositionen, wie bsp. die Dybbuk-Suite op. 35, einst sehr populär waren, ist seine Musik heute großteils vergessen. [12] [13]

Ehrungen

  • Nach ihm ist der Joel-Engel-Preis für Komponisten der Stadt Tel Aviv, [14] in der es auch eine Joel Engel-Straße gibt, benannt.

Weblinks

Videos

Literatur

  • Jascha Nemtsov: Enzyklopädisches Findbuch zum Archiv der "Neuen Jüdischen Schule", Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2008, Seite 194 ff.
  • Irene Heskes: Passport to Jewish Music - Its History, Traditions, and Culture, Greenwood Press, 1994, Seite 53, 55, 146-151, 213 und 214, 239 und 240, 245, 248 und 279

Einzelnachweise

  1. Irene Heskes: Passport to Jewish Music - Its History, Traditions, and Culture, Greenwood Press, 1994, S. 146
  2. Irene Heskes: Passport to Jewish Music - Its History, Traditions, and Culture, Greenwood Press, 1994, S. 146 und 147
  3. Beate Schröder-Nauenburg: "Der Eintritt des Jüdischen in die Welt der Kunstmusik, Jüdische Musik - Band V, Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2007, Seite 42
  4. Eckhard John und Heidy Zimmermann (Hrsg.): Jüdische Musik? - Fremdbilder - Eigenbilder, Böhlau Verlag, Köln, 2004, Seite 163
  5. Eckhard John und Heidy Zimmermann (Hrsg.): Jüdische Musik? - Fremdbilder - Eigenbilder, Böhlau Verlag, Köln, 2004, Seite 164
  6. Albert Weisser: The Modern Rennaisance of Jewish Music - Events and Figures, Verlag Bloch, New York, 1954, Seite 73
  7. Anm.: Ursprünglich wollte George Gershwin diesen Stoff vertonen, was aber letztlich an Urheberrechtsfragen scheiterte
  8. Milken Archive of Jewih Music
  9. Anm.: Dieser schrieb in Bezug auf sein Werk Vitebsk (Study on a Jewish Theme): "The Trio Vitebsk was completed in 1929 and first performed at a concert of the League of Composers in New York in February of thar year. The Jewish folk theme, which is used as an integral part of the work, was heard by the composer during a performance of An-sky? s play The Dybbuk. That circumstance supplied the composer with his title."; zitiert nach Gabriella Safran und Steven J. Zipperstein (Hrsg.): The Worlds of S. An-sky - A Russian Jewish Intellectual at the Turn of the Century, Stanford University Press, 2006, Seite 223 und 224
  10. Shai Burstyn: Across the Cultural Divide - Immigrant Oriental Jewish Children meet Israeli Folksong
  11. Five Books by "HaGina" Publishing House - Jerusalem, 1925-1930
  12. Joel Engel - The Dybbuk Suite, op. 35 (1922) auf www.promusicahebraica.org
  13. Artikel über das Werk auf www.jewishvirtuallibrary.org
  14. www.yivoencyclopedia.org

Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Julij Dmitrievič Engel) vermutlich nicht.