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Als '''Loudness War in der Metalmusik''' bezeichnet man in diesem Genre den Versuch der Bands / Toningenieure / Plattenfirmen ihre Aufnahmen mit einem immer höheren Aufnahmepegel zu versehen, wobei die [[Dynamik]] der Musik zunehmend auf der Strecke bleibt.
[[Datei:Sakrileg-Blackmetal.jpg|thumb|355px|Gerade in der Metalmusik, hier die Band [[Sakrileg]], gilt ein hoher Lautstärkepegel fälschlicherweise oft als Garant für die angestrebte Härte und Brutalität der Musik.]] Als '''Loudness War in der Metalmusik''' bezeichnet man in diesem Genre den Versuch der Bands / Toningenieure / Plattenfirmen ihre Aufnahmen mit einem immer höheren Aufnahmepegel zu versehen, wobei die [[Dynamik]] der Musik zunehmend auf der Strecke bleibt.
== Details ==
== Details ==
[[Datei:Loudness War-Metallica - Black Sabbath.JPG|thumb|425px|Von links nach rechts die Pegelverläufe kurzer Auschnitte der Songs ''Transilvania'' von [[Iron Maiden]] (1980), ''Heaven and Hell'' von [[Black Sabbath]] (1987) und ''The Judas Kiss'' von [[Metallica]] (2009).]]
* Seit über 20 Jahren ist man generell in der Pop- und Rockmusik zunehmend bemüht, den Aufnahmepegel immer höher zu schrauben. <ref>Anm.: Das erste Musiklabel, das diesen Trick bereits in den sechziger Jahren anwandte, war die legendäre Soulschmiede [[Motown]]. Wenn ein Kneipenbesucher sie in der Jukebox drückte, klangen die Singles von [[Marvin Gaye]], den [[Supremes]] oder den [[Temptations]] schärfer als die der Konkurrenz. ([http://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/02/Loudness-War siehe ''Loudness War - Volle Dröhnung''])</ref> Man verspricht sich davon eine höhere Aufmerksamkeit des Hörers. <ref>Anm.: Nach dem selben Prinzip läuft es im Fernsehen, wo die Werbeeinblendungen heutzutage um circa 9 ''Db'' lauter sind als das eigentliche Fernsehprogramm vor und nach den Werbeblöcken.</ref>
* Seit circa 20 Jahren ist man in der Pop- und Rockmusik generell bemüht, den Aufnahmepegel immer höher zu schrauben. Man verspricht sich davon eine höhere Aufmerksamkeit des Hörers. Da es auf [[CD]]`s aber ein Lausstärkemaximum gibt (0 [[Dezibel]]), ist dies ab einer gewissen Grenze nur dadurch möglich, indem man mittels eines [[Kompressor]]s die leiseren Stellen im Lautstärkepegel anhebt. Dies ebnet die Unterschiede zwischen ''Laut'' und ''Leise'', die Musik ja gerade spannend und hörenswert machen, ein. Ein Song pendelt nun fast immer auf demselben Lautstärkeniveau.
* Als die Band [[Guns'n'Roses]] im Jahr [[1987]] ihr Album ''Appetite for Destruction'' herausbrachte, setzte sie in punkto ''Loudness'' neue Maßstäbe. Weil der fette Sound beim Publikum gut ankam, zogen nun andere Studios nach und produzierten ebenfalls lauter. <ref>[http://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/02/Loudness-War/seite-2 ''www.zeit.de'']</ref>
* Der US-amerikanische Musiker und Produzent [[Colin Marston]] meinte zu den Gründen für den ''Loudness War'' u.a.: [[Datei:Loudness War-Metallica - Black Sabbath.JPG|thumb|445px|Von links nach rechts die Pegelverläufe kurzer Auschnitte der Songs ''Transilvania'' von [[Iron Maiden]] (1980), ''Heaven and Hell'' von [[Black Sabbath]] (1987) und ''The Judas Kiss'' von [[Metallica]] (2009).]]
:''"Many engineers tout that heavily compressed material can sound good, but its takes a lot work. I generally agree, but I am also of the belief that at a certain point, the material can never really sound great at the current industry level volumes. Where do you feel the point of no return is when it comes to applying dynamic range compression and is there some material that really warrants copious amounts of it?"'' <ref>[http://www.metal-fi.com/interview-colin-marston-of-menegroth/ Interview: Colin Marston of Menegroth The Thousand Caves ''www.metal-fi.com'']</ref>
* Da es auf [[CD]]`s aber ein Lausstärkemaximum gibt (0 [[Dezibel]]), ist eine Steigerung der Lautstärke ab einer gewissen Grenze nur dadurch möglich, indem man mittels eines [[Kompressor]]s die leiseren Stellen im Lautstärkepegel anhebt. Dies ebnet die Unterschiede zwischen ''Laut'' und ''Leise'', die Musik ja gerade spannend und hörenswert machen, ein. Ein Song pendelt nun fast immer auf demselben Lautstärkeniveau.
* Dies zeigt ein Vergleich zwischen älteren und neueren Aufnahmen:
* Dies zeigt ein Vergleich zwischen älteren und neueren Aufnahmen:
[[Datei:Kompressoren.JPG|thumb|285px|Mittels [[Kompressor]]en werden in Tonstudios die Dynamikabstufungen der Musik eingeebnet.]]
:* Das Album ''Brothers in Arms'' von [[Dire Straits]] hatte im Jahr [[1985]] noch eine Range von 17 ''Db''. Auch [[Bruce Springsteen]]s ''Born in the USA'' hatte noch 17 ''Db''. Selbst harte Musik, wie z.B. ''Ace of Spades'' von [[Motörhead]] hatte 11 ''Db'' Range zwischen leiseren und lauterem Teilen.
:* Das Album ''Brothers in Arms'' von [[Dire Straits]] hatte im Jahr [[1985]] noch eine Range von 17 ''Db'' zwischen ''Leise'' und ''Laut''. Auch [[Bruce Springsteen]]s ''Born in the USA'' hatte noch 17 ''Db''. Selbst harte Musik, wie z.B. ''Ace of Spades'' von [[Motörhead]] hatte noch 11 ''Db'' Range zwischen leiseren und lauterem Teilen. <ref>[http://productionadvice.co.uk/loudness-war-infographic/ ''www.productionadvice.co.uk'']</ref>
:* Später wurde dieser ''Db''-Abstand immer geringer. [[Justin Bieber]]s Album ''My World 2.0'' von 2010 hatte nur noch 6 ''Db''. Damit sind Aufnahmen des weichgespülten Popsängers effektiv lauter als die älteren Aufnahmen der Rumpelrocker von Motörhead. Den wohl geringsten Db-Abstand hat ''Death Magnetic'' von [[Metallica]] aus dem Jahr [[2009]]. Hier sind es nur noch 3 ''Db''. Entsprechend einheitlich und ungenießbar hört sich dieser Klangbrei dann auch an.
:* Später wurde dieser ''Db''-Abstand dann immer geringer. [[Justin Bieber]]s Album ''My World 2.0'' von 2010 hatte nur noch 6 ''Db''. Damit sind Aufnahmen des weichgespülten Popsängers effektiv lauter als die älteren Aufnahmen der Rumpelrocker von Motörhead. Den wohl geringsten Db-Abstand hat ''Death Magnetic'' von [[Metallica]] aus dem Jahr [[2009]]. Hier sind es nur noch 3 ''Db''. Entsprechend einheitlich und ungenießbar hört sich dieser Klangbrei dann auch an.
* Dazu kommt ein weiteres Problem: Um ein ganzen Song auf fast maximalem Pegel bei fast 0 ''Db'' zu halten, werden sogar kurze Klangspitzen (''Peaks'') abgeschnitten, was zum unangenehmen Höreffekt des [[Clipping]] führt. <ref>[http://www.audiohq.de/viewtopic.php?id=23#Clipping ''AudioHQ » Grundlagen und Hintergrundwissen » ReplayGain (Lautstärkeanpassung)'']</ref> Auf ''Metallicas'' Album ''Death Magnetic'' ist dies leider zu hören. <ref>[http://www.stereo.de/service/artikel/report-lautheitswahn-in-der-musikproduktion/ ''STEREO fühlt dem Dynamikwahn auf den Zahn'']</ref>
* Dazu kommt ein weiteres Problem: Um ein ganzen Song auf fast maximalem Pegel bei fast 0 ''Db'' zu halten, werden sogar kurze Klangspitzen (''Peaks'') abgeschnitten, was zum unangenehmen Höreffekt des [[Clipping]] führt. Auf ''Metallicas Death Magnetic'' ist dies zu hören.
[[Datei:Loudness War Smoke on the water.JPG|thumb|295px|Pegelunterschiede in [[Deep Purple]]s Song ''[[Machine Head (Album)#Smoke on the water|Smoke on the Water]]'' - oben die Originalversion von 1972 und unten eine remasterte Version von 2010.]]
[[Datei:Loudness War Smoke on the water.JPG|thumb|325px|Pegelunterschiede in [[Deep Purple]]s Song ''[[Machine Head|Smoke on the Water]]'' - oben die Originalversion von 1972 und unten eine remasterte Version von 2010.]]
* Auch wenn man innerhalb der Metalmusik vergleicht fällt diese Tendenz auf.
* Auch wenn man innerhalb der Metalmusik vergleicht fällt diese Tendenz auf.
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:* Während die Originalaufnahmen von [[Deep Purple]]s Album ''Burn'' von [[1974]] noch 12 ''Db'' aufweisen, sind es in der remasterten ''Japan Box'' von [[2010]] nur noch 8 ''Db''.
:* Während die Originalaufnahmen von [[Deep Purple]]s Album ''Burn'' von [[1974]] noch 12 ''Db'' aufweisen, sind es in der remasterten ''Japan Box'' von [[2010]] nur noch 8 ''Db''.
* Inzwischen sind auch viele Metal-Fans unzufrieden mit zu stark durch Kompression bearbeiteten Alben. <ref>[http://productionadvice.co.uk/death-metal-loudness-war/ ''www.productionadvice.co.uk'']</ref>
== Links und Quellen ==
== Links und Quellen ==
=== Siehe auch ===
=== Siehe auch ===
=== Weblinks ===
=== Weblinks ===
* [http://dr.loudness-war.info/ Infos zum Db-Abstand vieler Alben auf ''www.dr.loudness-war.info'']
* [http://productionadvice.co.uk/loudness-war-infographic/ Infos auf ''www.productionadvice.co.uk'']
* [http://www.stereo.de/service/artikel/report-lautheitswahn-in-der-musikproduktion/ ''STEREO fühlt dem Dynamikwahn auf den Zahn'']
==== Bilder / Fotos ====
==== Bilder / Fotos ====
==== Videos ====
==== Videos ====
* [https://www.youtube.com/watch?v=_qz7ZjJS9U8 ''Death Metal and the Loudness War'']
Als Loudness War in der Metalmusik bezeichnet man in diesem Genre den Versuch der Bands / Toningenieure / Plattenfirmen ihre Aufnahmen mit einem immer höheren Aufnahmepegel zu versehen, wobei die Dynamik der Musik zunehmend auf der Strecke bleibt.
Seit über 20 Jahren ist man generell in der Pop- und Rockmusik zunehmend bemüht, den Aufnahmepegel immer höher zu schrauben. [1] Man verspricht sich davon eine höhere Aufmerksamkeit des Hörers. [2]
Als die Band Guns'n'Roses im Jahr 1987 ihr Album Appetite for Destruction herausbrachte, setzte sie in punkto Loudness neue Maßstäbe. Weil der fette Sound beim Publikum gut ankam, zogen nun andere Studios nach und produzierten ebenfalls lauter. [3]
"Many engineers tout that heavily compressed material can sound good, but its takes a lot work. I generally agree, but I am also of the belief that at a certain point, the material can never really sound great at the current industry level volumes. Where do you feel the point of no return is when it comes to applying dynamic range compression and is there some material that really warrants copious amounts of it?"[4]
Da es auf CD`s aber ein Lausstärkemaximum gibt (0 Dezibel), ist eine Steigerung der Lautstärke ab einer gewissen Grenze nur dadurch möglich, indem man mittels eines Kompressors die leiseren Stellen im Lautstärkepegel anhebt. Dies ebnet die Unterschiede zwischen Laut und Leise, die Musik ja gerade spannend und hörenswert machen, ein. Ein Song pendelt nun fast immer auf demselben Lautstärkeniveau.
Dies zeigt ein Vergleich zwischen älteren und neueren Aufnahmen:
Das Album Brothers in Arms von Dire Straits hatte im Jahr 1985 noch eine Range von 17 Db zwischen Leise und Laut. Auch Bruce SpringsteensBorn in the USA hatte noch 17 Db. Selbst harte Musik, wie z.B. Ace of Spades von Motörhead hatte noch 11 Db Range zwischen leiseren und lauterem Teilen. [5]
Später wurde dieser Db-Abstand dann immer geringer. Justin Biebers Album My World 2.0 von 2010 hatte nur noch 6 Db. Damit sind Aufnahmen des weichgespülten Popsängers effektiv lauter als die älteren Aufnahmen der Rumpelrocker von Motörhead. Den wohl geringsten Db-Abstand hat Death Magnetic von Metallica aus dem Jahr 2009. Hier sind es nur noch 3 Db. Entsprechend einheitlich und ungenießbar hört sich dieser Klangbrei dann auch an.
Dazu kommt ein weiteres Problem: Um ein ganzen Song auf fast maximalem Pegel bei fast 0 Db zu halten, werden sogar kurze Klangspitzen (Peaks) abgeschnitten, was zum unangenehmen Höreffekt des Clipping führt. [6] Auf Metallicas Album Death Magnetic ist dies leider zu hören. [7]
Auch wenn man innerhalb der Metalmusik vergleicht fällt diese Tendenz auf.
Das Album Heaven and Hell von Black Sabbath aus dem Jahr 1987 hatte noch eine Db-Range von 13 Db.
Während ältere Alben von Iron Maiden noch zwischen 11 und 14 Db Pegelunterschiede aufweisen, hat z.B. das Album Heroes der Metalband Sabaton von 2014 nur noch 6 Db Abstand.
Aber auch bei remasterten Aufnahmen älterer Heavy Metal-Musik ist man vor dem Loudness War nicht sicher.
Während die Originalaufnahmen von Deep Purples Album Burn von 1974 noch 12 Db aufweisen, sind es in der remasterten Japan Box von 2010 nur noch 8 Db.
Inzwischen sind auch viele Metal-Fans unzufrieden mit zu stark durch Kompression bearbeiteten Alben. [8]
↑Anm.: Das erste Musiklabel, das diesen Trick bereits in den sechziger Jahren anwandte, war die legendäre Soulschmiede Motown. Wenn ein Kneipenbesucher sie in der Jukebox drückte, klangen die Singles von Marvin Gaye, den Supremes oder den Temptations schärfer als die der Konkurrenz. (siehe Loudness War - Volle Dröhnung)
↑Anm.: Nach dem selben Prinzip läuft es im Fernsehen, wo die Werbeeinblendungen heutzutage um circa 9 Db lauter sind als das eigentliche Fernsehprogramm vor und nach den Werbeblöcken.