PlusPedia wird derzeit technisch modernisiert. Aktuell laufen Wartungsarbeiten. Für etwaige Unannehmlichkeiten bitten wir um Entschuldigung; es sind aber alle Artikel zugänglich und Sie können PlusPedia genauso nutzen wie immer.

Neue User bitte dringend diese Hinweise lesen:

Anmeldung - E-Mail-Adresse Neue Benutzer benötigen ab sofort eine gültige Email-Adresse. Wenn keine Email ankommt, meldet Euch bitte unter NewU25@PlusPedia.de.

Hinweis zur Passwortsicherheit:
Bitte nutzen Sie Ihr PlusPedia-Passwort nur bei PlusPedia.
Wenn Sie Ihr PlusPedia-Passwort andernorts nutzen, ändern Sie es bitte DORT bis unsere Modernisierung abgeschlossen ist.
Überall wo es sensibel, sollte man generell immer unterschiedliche Passworte verwenden! Das gilt hier und im gesamten Internet.
Aus Gründen der Sicherheit (PlusPedia hatte bis 24.07.2025 kein SSL | https://)

Bei PlusPedia sind Sie sicher: – Wir verarbeiten keine personenbezogenen Daten, erlauben umfassend anonyme Mitarbeit und erfüllen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vollumfänglich. Es haftet der Vorsitzende des Trägervereins.

PlusPedia blüht wieder auf als freundliches deutsches Lexikon.
Wir haben auf die neue Version 1.43.3 aktualisiert.
Wir haben SSL aktiviert.
Hier geht es zu den aktuellen Aktuelle Ereignissen

Marianne (H.) D.: Unterschied zwischen den Versionen

Aus PlusPedia
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die Seite wurde neu angelegt: „{{Personendaten |NAME=D., Marianne H. |ALTERNATIVNAMEN= |KURZBESCHREIBUNG=Stenographin |GEBURTSDATUM=12.08.1920 |GEBURTSORT=Lüdenscheid |STERBEDATUM=15.09.1943 |…“
 
 
(17 dazwischenliegende Versionen von 3 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
{{Personendaten
{{Personendaten
|NAME=D., Marianne H.
|NAME=D., Marianne (H.)
|ALTERNATIVNAMEN=
|ALTERNATIVNAMEN=
|KURZBESCHREIBUNG=Stenographin
|KURZBESCHREIBUNG=Stenographin
Zeile 9: Zeile 9:
}}
}}


'''Marianne H. D.''' <ref>Der Familienname ist aus Gründen des Datenschutzes abgekürzt. Der Name ist dem Hauptautor dieses PlusPedia-Artikels bekannt.</ref> wurde am 12.08.1920 in Lüdenscheid geboren.
'''Marianne (H.) D.'''<ref>Der Familienname ist aus Gründen des Datenschutzes abgekürzt. Der Name ist dem Hauptautor dieses PlusPedia-Artikels bekannt.</ref> (* 12. August 1920 in [[Lüdenscheid]]; gest. 15. September 1943 in  [[Hadamar]]) war ein Opfer der [[NS-Euthanasie]].  


== Werdegang ==
== Lebenslauf ==
Als "Gute Schülerin" ging sie, im Anschluß an die Volksschule, in den Jahren 1930-1935 in das Mädchenlyzeum Lüdenscheid.<br/>
Als "gute Schülerin" ging sie, im Anschluss an die [[Volksschule]], in den Jahren 1930-1935 auf das Mädchenlyzeum Lüdenscheid.<br/>
Sie lernte anschließend den Beruf der Stenographin und wurde in einem Lüdenscheider Unternehmen angestellt.
Sie lernte anschließend den Beruf der Stenographin und wurde in einem Lüdenscheider Unternehmen angestellt.


1939 wurde die Hasenscharte, an der sie litt, opperativ behandelt. Hierbei kam es, vermutlich, zu Komplikationen.<br/>
1939 wurde die Hasenscharte, an der sie litt, operativ behandelt. Hierbei kam es vermutlich zu Komplikationen. In diesem Jahr begann der [[Zweiter Weltkrieg|Zweite Weltkrieg]]. Marianne bekam wegen des Ausbruchs des Krieges schwere Angstzustände und [[Selbstmord]]gedanken.<br/>
Zu dieser Zeit begann der II. Weltkrieg. Marianne bekam wegen des Ausbruchs des Krieges schwere Angstzustände und Selbstmordgedanken.<br/>
1940 wurde sie daher zur Behandlung in das [[Landeskrankenhaus]] Warstein eingewiesen.<br/>
1940 wurde sie daher zur Behandlung in das Landeskrankenhaus Warstein eingewiesen.<br/>
Dort wurde, mit Datum vom 27.02.1940, in ihre Krankenakte eingetragen:
Dort wurde, mit Datum vom 27.02.1940, in ihre Krankenakte eingetragen:
{{Zitat1
{{Zitat1
  |Text="Erzählte heute Mittag spontan: "In der Nacht war es fürchterlich, es war der Teufel, ich habe ihn nicht gesehen, aber die fürchterlichen Stimmen (gehört) – dann kam der Tod, der über mich wehte, der hauchte mich an"."
  |Text=Erzählte heute Mittag spontan: "In der Nacht war es fürchterlich, es war der Teufel, ich habe ihn nicht gesehen, aber die fürchterlichen Stimmen (gehört) – dann kam der Tod, der über mich wehte, der hauchte mich an".
 
  |Autor=
  |Autor=
  |Quelle=
  |Quelle=
  |ref= }}
  |ref= }}
Marianne wurde Ende Februar 1940 einer Pyrifer-Kur unterzogen, welche ihre Angstzustände besserte, so das sie am 9. Mai 1940 entlassen werden konnte.<br/>
Marianne wurde Ende Februar 1940 einer Pyrifer-Kur<ref>Pyrifer: ein Präparat aus Bakterieneiweißstoffen der Coligruppe - wurde zur Fiebertherapie eingesetzt</ref> unterzogen, welche ihre Angstzustände besserte, so das sie am 9. Mai 1940 entlassen werden konnte.<br/>


Das Erbgesundheitsgericht Arnsberg stellte im Sommer 1941 fest:
Das Erbgesundheitsgericht Arnsberg stellte im Sommer 1941 fest:
{{Zitat1
{{Zitat1
  |Text="Die Bürogehilfin Marianne D. aus Lüdenscheid, zur Zeit in der Provinzialheilanstalt in Warstein ... leidet an Schizophrenie; sie ist somit erbkrank und gemäß §1 des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933 unfruchtbar zu machen. ... Die Betroffene ist selbst gegen den Antrag... Marianne D. war bis Herbst 1939 unauffällig, dann trat plötzlich eine Wesensveränderung bei ihr ein. Sie wurde unruhig und misstrauisch, sah ‚fremde Augen’, bekannte Personen mit veränderter Gestalt und den Teufel. Die Gestalten schlugen sie und versuchten, sie zu vergiften. Stimmen sprachen zu ihr und sagten ihr, was sie tun solle. All das machte am 15.Februar 1940 ihre Aufnahme in die Provinzialheilanstalt Warstein notwendig. ... Nach Durchführung einer Ende Februar 1940 einsetzenden Pyrifer-Kur trat seit Anfang April 1940 bald Besserung ein, die anhielt und am 9. Mai 1940 ihre Entlassung ermöglichte. .. Ende Dezember 1940 wurde Marianne D. dann wieder auffällig. Sie arbeitete nicht mehr, blieb dauernd zu Bett liegen, hatte akustische und optische Sinnestäuschungen und äußerte Wahnideen. ...Am 21. April d.J. wurde deshalb die zweite Einweisung in die Prov. Heilanstalt Warstein notwendig. Auch jetzt war sie wieder bewusstseinsklar und orientiert, aber zerfahren in ihren Gedankengängen. Die Sinnestäuschungen hielten an, ebenso die Wahnideen. So glaubte sie, Adolf Hitler werde sie heiraten, er hole sie demnächst in Warstein ab. Sie nannte sich fortan nicht mehr Marianne, sondern Hannelore. Marianne sei ein französischer Name und Adolf Hitler könne doch nur Deutsche heiraten."
  |Text=Die Bürogehilfin Marianne D. aus Lüdenscheid, zur Zeit in der Provinzialheilanstalt in Warstein ... leidet an Schizophrenie; sie ist somit erbkrank und gemäß §1 des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933 unfruchtbar zu machen. ... <br/>
Die Betroffene ist selbst gegen den Antrag...<br/>
Marianne D. war bis Herbst 1939 unauffällig, dann trat plötzlich eine Wesensveränderung bei ihr ein. Sie wurde unruhig und misstrauisch, sah ‚fremde Augen’, bekannte Personen mit veränderter Gestalt und den Teufel. Die Gestalten schlugen sie und versuchten, sie zu vergiften. Stimmen sprachen zu ihr und sagten ihr, was sie tun solle. All das machte am 15.Februar 1940 ihre Aufnahme in die Provinzialheilanstalt Warstein notwendig. ...<br/>
Nach Durchführung einer Ende Februar 1940 einsetzenden Pyrifer-Kur trat seit Anfang April 1940 bald Besserung ein, die anhielt und am 9. Mai 1940 ihre Entlassung ermöglichte. ...<br/>
Ende Dezember 1940 wurde Marianne D. dann wieder auffällig. Sie arbeitete nicht mehr, blieb dauernd zu Bett liegen, hatte akustische und optische Sinnestäuschungen und äußerte Wahnideen. ...<br/>
Am 21. April d.J. wurde deshalb die zweite Einweisung in die Prov. Heilanstalt Warstein notwendig. Auch jetzt war sie wieder bewusstseinsklar und orientiert, aber zerfahren in ihren Gedankengängen. Die Sinnestäuschungen hielten an, ebenso die Wahnideen. So glaubte sie, Adolf Hitler werde sie heiraten, er hole sie demnächst in Warstein ab. Sie nannte sich fortan nicht mehr Marianne, sondern Hannelore. Marianne sei ein französischer Name und Adolf Hitler könne doch nur Deutsche heiraten.
  |Autor=
  |Autor=
  |Quelle=(Beschluss des Erbgesundheitsgerichts Arnsberg vom 14.7.1941)  
  |Quelle=(Beschluss des Erbgesundheitsgerichts Arnsberg vom 14.7.1941)  
Zeile 37: Zeile 40:
Dort hieß es:
Dort hieß es:
{{Zitat1
{{Zitat1
  |Text="Hierdurch (<ref>durch die Eingaben an NSDAP und Reichskanzlei</ref>) werden zahlreiche Behörden in Anspruch genommen. Marianne D. leidet an blühenden Wahnideen und handelt danach. Wegen ihres krankhaften Geisteszustandes ist eine sofortige Wiedereinlieferung in die Heil- und Pflegeanstalt Warstein erforderlich."
  |Text=Hierdurch (<ref>durch die Eingaben an NSDAP und Reichskanzlei</ref>) werden zahlreiche Behörden in Anspruch genommen. Marianne D. leidet an blühenden Wahnideen und handelt danach. Wegen ihres krankhaften Geisteszustandes ist eine sofortige Wiedereinlieferung in die Heil- und Pflegeanstalt Warstein erforderlich.
  |Autor=
  |Autor=
  |Quelle=
  |Quelle=
Zeile 43: Zeile 46:
Mariannes Eltern wollten sie indes zu Hause versorgen. Dennoch gab der Oberbürgermeister der Ortspolizei in Lüdenscheid die Anweisung, daß Marianne H. D. in die Provinzialheilanstalt Warstein zwangsweise einzuweisen sei.<br/>
Mariannes Eltern wollten sie indes zu Hause versorgen. Dennoch gab der Oberbürgermeister der Ortspolizei in Lüdenscheid die Anweisung, daß Marianne H. D. in die Provinzialheilanstalt Warstein zwangsweise einzuweisen sei.<br/>


[[Datei:Hadamar_friedhof01_PlusPedia.jpg|thumb|"Mensch, achte den Menschen"<br>Gedenkstele auf dem Friedhof der NS-Euthanasieopfer bei der NS-Gedenkstätte Hadamar (bei Limburg/ Lahn)]]
<gallery>
PlusPedia mhd Anzeige.jpg|Todesanzeige der Marianne (H.) D.
Hadamar_friedhof01_PlusPedia.jpg|Gedenkstele auf dem Friedhof der [[NS-Euthanasie]]opfer in Hadamar
</gallery>
 
Von Warstein aus wurde sie, aufgrund des oben zitierten Beschluss des Erbgesundheitsgerichts Arnsberg am 23.07.1942 zur Zwangssterilisation nach Paderborn gebracht.<br/>
Von Warstein aus wurde sie, aufgrund des oben zitierten Beschluss des Erbgesundheitsgerichts Arnsberg am 23.07.1942 zur Zwangssterilisation nach Paderborn gebracht.<br/>
Sie kehrte nach Warstein zurück und wurde in die Tötungsklinik nach Hadamar verlegt.<br/>
Sie kehrte nach Warstein zurück und wurde in die Tötungsklinik nach Hadamar verlegt.<br/>
Zeile 51: Zeile 58:


== Weitere Opfer ==
== Weitere Opfer ==
Weitere 55 Lüdenscheider Opfer der Euthanasie der NS-Zeit sind in dem "Lüdenscheider Gedenkbuch für die Opfer von Verfolgung und Krieg der Nationalsozialisten 1933 - 1945" (s. u.) aufgeführt.
Weitere 55 Lüdenscheider Opfer der [[NS-Euthanasie|Euthanasie]] der NS-Zeit sind in dem "Lüdenscheider Gedenkbuch für die Opfer von Verfolgung und Krieg der Nationalsozialisten 1933 - 1945" (s. u.) aufgeführt.


== Literatur/ Quellennachweis ==
== Literatur/ Quellennachweis ==
Zeile 58: Zeile 65:


== Widmung ==
== Widmung ==
Marianne H. D. steht hier bei PlusPedia stellvertretend für die über '''100.000 Menschen''', die im Rahmen der [[NS-Euthanasie ("T4-Aktion")]] - auch nach August 1941 - von der NS-Diktatur zwangssterilisiert und ermordet wurden.<br> Viele Zwangssterilisierte Menschen sind dem Tod entronnen und mussten, teils bis heute, mit dem Makel leben, der ihnen angetan wurde. Auch für diese Menschen steht dieser Artikel.
Marianne H. D. steht hier bei PlusPedia stellvertretend für die über '''100.000 Menschen''', die im Rahmen der [[NS-Euthanasie]] ("T4-Aktion") - auch nach August 1941 - von der NS-Diktatur zwangssterilisiert und ermordet wurden.<br> Viele Zwangssterilisierte Menschen sind dem Tod entronnen und mussten, teils bis heute, mit dem Makel leben, der ihnen angetan wurde. Auch für diese Menschen steht dieser Artikel.
Einige Opfer sind, bis heute, namenlos geblieben.
Einige Opfer sind, bis heute, namenlos geblieben.


== Dank ==
== Dank ==
Grundlage der Orginalversion dieses PlusPedia-Artikels sind Notizen des Lüdenscheider Historikers Matthias Wagner <ref>http://www.luedenscheid.de/buerger/ehrungen/sp_auto_5612.php - Träger der Ehrennadel der Stadt Lüdenscheid für den Einsatz für die Lüdenscheider Stadtgeschichte, Auszeichnung im September 2005</ref>, welche er anhand der Krankenakte im Archiv der Gedenkstätte Hadamar für die geplante Dauerausstellung "[[Ge-Denk-Zellen Altes Rathaus Lüdenscheid]]" anfertigte. Herzlichen Dank vom Erstautor dieses PlusPedia-Artikels an H. Wagner.
Grundlage der Orginalversion dieses PlusPedia-Artikels sind Notizen des Lüdenscheider Historikers Matthias Wagner <ref>http://www.luedenscheid.de/buerger/ehrungen/sp_auto_5612.php - Träger der Ehrennadel der Stadt Lüdenscheid für den Einsatz für die Lüdenscheider Stadtgeschichte, Auszeichnung im September 2005</ref>, welche er anhand der Krankenakte im Archiv der Gedenkstätte Hadamar für die geplante Dauerausstellung "[[Ge-Denk-Zellen Altes Rathaus Lüdenscheid]]" anfertigte. Herzlichen Dank vom Erstautor dieses PlusPedia-Artikels an H. Wagner.
[[Kategorie:NS-Opfer]]
[[Kategorie:NS-Verbrechen]]
[[Kategorie:Person im Zweiten Weltkrieg]]


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
<references />
<references />
{{PPA-Zirkon}}
[[Kategorie:NS-Opfer]]

Aktuelle Version vom 19. Oktober 2020, 08:04 Uhr

😃 Profil: D., Marianne (H.)
Beruf Stenographin
Persönliche Daten
12.08.1920
Lüdenscheid
15.09.1943
Hadamar


Marianne (H.) D.[1] (* 12. August 1920 in Lüdenscheid; gest. 15. September 1943 in Hadamar) war ein Opfer der NS-Euthanasie.

Lebenslauf

Als "gute Schülerin" ging sie, im Anschluss an die Volksschule, in den Jahren 1930-1935 auf das Mädchenlyzeum Lüdenscheid.
Sie lernte anschließend den Beruf der Stenographin und wurde in einem Lüdenscheider Unternehmen angestellt.

1939 wurde die Hasenscharte, an der sie litt, operativ behandelt. Hierbei kam es vermutlich zu Komplikationen. In diesem Jahr begann der Zweite Weltkrieg. Marianne bekam wegen des Ausbruchs des Krieges schwere Angstzustände und Selbstmordgedanken.
1940 wurde sie daher zur Behandlung in das Landeskrankenhaus Warstein eingewiesen.
Dort wurde, mit Datum vom 27.02.1940, in ihre Krankenakte eingetragen:

„Erzählte heute Mittag spontan: "In der Nacht war es fürchterlich, es war der Teufel, ich habe ihn nicht gesehen, aber die fürchterlichen Stimmen (gehört) – dann kam der Tod, der über mich wehte, der hauchte mich an".“

Marianne wurde Ende Februar 1940 einer Pyrifer-Kur[2] unterzogen, welche ihre Angstzustände besserte, so das sie am 9. Mai 1940 entlassen werden konnte.

Das Erbgesundheitsgericht Arnsberg stellte im Sommer 1941 fest:

„Die Bürogehilfin Marianne D. aus Lüdenscheid, zur Zeit in der Provinzialheilanstalt in Warstein ... leidet an Schizophrenie; sie ist somit erbkrank und gemäß §1 des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933 unfruchtbar zu machen. ...
Die Betroffene ist selbst gegen den Antrag...
Marianne D. war bis Herbst 1939 unauffällig, dann trat plötzlich eine Wesensveränderung bei ihr ein. Sie wurde unruhig und misstrauisch, sah ‚fremde Augen’, bekannte Personen mit veränderter Gestalt und den Teufel. Die Gestalten schlugen sie und versuchten, sie zu vergiften. Stimmen sprachen zu ihr und sagten ihr, was sie tun solle. All das machte am 15.Februar 1940 ihre Aufnahme in die Provinzialheilanstalt Warstein notwendig. ...
Nach Durchführung einer Ende Februar 1940 einsetzenden Pyrifer-Kur trat seit Anfang April 1940 bald Besserung ein, die anhielt und am 9. Mai 1940 ihre Entlassung ermöglichte. ...
Ende Dezember 1940 wurde Marianne D. dann wieder auffällig. Sie arbeitete nicht mehr, blieb dauernd zu Bett liegen, hatte akustische und optische Sinnestäuschungen und äußerte Wahnideen. ...
Am 21. April d.J. wurde deshalb die zweite Einweisung in die Prov. Heilanstalt Warstein notwendig. Auch jetzt war sie wieder bewusstseinsklar und orientiert, aber zerfahren in ihren Gedankengängen. Die Sinnestäuschungen hielten an, ebenso die Wahnideen. So glaubte sie, Adolf Hitler werde sie heiraten, er hole sie demnächst in Warstein ab. Sie nannte sich fortan nicht mehr Marianne, sondern Hannelore. Marianne sei ein französischer Name und Adolf Hitler könne doch nur Deutsche heiraten.“

– (Beschluss des Erbgesundheitsgerichts Arnsberg vom 14.7.1941)

Zwischen den beiden Einweisungen nach Warstein schrieb Marianne eine Reihe von Briefen an verschiedene Behörden, immer mit der Bitte verbunden, man solle sich mit ihrer Situation befassen.
Der Lüdenscheider Amtsarzt Dr. Kuester schrieb daher im Juli 1942 an den Lüdenscheider Oberbürgermeister Schumacher einen Brief.
Dort hieß es:

„Hierdurch ([3]) werden zahlreiche Behörden in Anspruch genommen. Marianne D. leidet an blühenden Wahnideen und handelt danach. Wegen ihres krankhaften Geisteszustandes ist eine sofortige Wiedereinlieferung in die Heil- und Pflegeanstalt Warstein erforderlich.“

Mariannes Eltern wollten sie indes zu Hause versorgen. Dennoch gab der Oberbürgermeister der Ortspolizei in Lüdenscheid die Anweisung, daß Marianne H. D. in die Provinzialheilanstalt Warstein zwangsweise einzuweisen sei.

Von Warstein aus wurde sie, aufgrund des oben zitierten Beschluss des Erbgesundheitsgerichts Arnsberg am 23.07.1942 zur Zwangssterilisation nach Paderborn gebracht.
Sie kehrte nach Warstein zurück und wurde in die Tötungsklinik nach Hadamar verlegt.
Am 15.09.1943 starb sie dort an den Folgen einer Behandlung.
In der Regel bestand diese aus Nahrungsentzug und einer Überdosis an Medikamenten oder aus der Vergasung in einem Kellerraum der Klink.
In der Todesurkunde ist, als "offizielle" Todesursache "Grippe" eingetragen.

Weitere Opfer

Weitere 55 Lüdenscheider Opfer der Euthanasie der NS-Zeit sind in dem "Lüdenscheider Gedenkbuch für die Opfer von Verfolgung und Krieg der Nationalsozialisten 1933 - 1945" (s. u.) aufgeführt.

Literatur/ Quellennachweis

Widmung

Marianne H. D. steht hier bei PlusPedia stellvertretend für die über 100.000 Menschen, die im Rahmen der NS-Euthanasie ("T4-Aktion") - auch nach August 1941 - von der NS-Diktatur zwangssterilisiert und ermordet wurden.
Viele Zwangssterilisierte Menschen sind dem Tod entronnen und mussten, teils bis heute, mit dem Makel leben, der ihnen angetan wurde. Auch für diese Menschen steht dieser Artikel. Einige Opfer sind, bis heute, namenlos geblieben.

Dank

Grundlage der Orginalversion dieses PlusPedia-Artikels sind Notizen des Lüdenscheider Historikers Matthias Wagner [4], welche er anhand der Krankenakte im Archiv der Gedenkstätte Hadamar für die geplante Dauerausstellung "Ge-Denk-Zellen Altes Rathaus Lüdenscheid" anfertigte. Herzlichen Dank vom Erstautor dieses PlusPedia-Artikels an H. Wagner.

Einzelnachweise

  1. Der Familienname ist aus Gründen des Datenschutzes abgekürzt. Der Name ist dem Hauptautor dieses PlusPedia-Artikels bekannt.
  2. Pyrifer: ein Präparat aus Bakterieneiweißstoffen der Coligruppe - wurde zur Fiebertherapie eingesetzt
  3. durch die Eingaben an NSDAP und Reichskanzlei
  4. http://www.luedenscheid.de/buerger/ehrungen/sp_auto_5612.php - Träger der Ehrennadel der Stadt Lüdenscheid für den Einsatz für die Lüdenscheider Stadtgeschichte, Auszeichnung im September 2005

Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Marianne (H.) D.) vermutlich nicht.

---