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Uhu: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Eulen aus Meyers 4 Auflage 1892.jpg|thumb|300px|Verschiedene Eulen, darunter ein Uhu (Nr.4)]]


Der '''Uhu''' ({{laS}} ''Bubo bubo'') gehört innerhalb der Ordnung der Eulen ''(Strigiformes)'' zur Gattung ''Bubo'' und ist die größte [[Eule]]nart weltweit. Er kommt im Großteil von [[Europa]], [[Asien]] und im Nordwesten [[Nordafrika]]s vor.<ref name="Glutz"> GLUTZ VON BLOTZHEIM, U. & K. M. BAUER (1980): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Bd. 9 Columbiformes – Piciformes. Wiesbaden. Artkapitel Uhu</ref> In Europa sind einige [[Insel]]n und in Asien sind [[Arabien]], der indische Subkontinent, [[Südostasien]] und [[Sibirien|Nordsibirien]] vom Uhu unbesiedelt. In den vom Uhu unbesiedelten Gebieten der Welt kommen meist andere Bubo-Arten vor.<ref>Del HOYO, J., A. ELLIOTT & J. SARGATAL (1999): Handbook of the Birds of the World, Vol. 5., Barcelona</ref> So lebt in der [[Tundra]] um den [[Nordpol]] die Schneeeule (''Bubo scandiaca'') und im Großteil von [[Nordamerika|Nord-]] und [[Südamerika]] der Virginia-Uhu (''Bubo virginianus''). Nur in der [[Antarktis]] und auf vielen Inseln fehlen der Uhu oder auch  andere Bubo-Arten gänzlich.
 
== Name und [[Mythologie]]==
Der heutige wissenschaftliche Name des Uhus ist ''Bubo bubo'', früher ''Bubo maximus''. Der ''Uhu'' wurde früher auch ''Schuhu, Buhu, Gauf, Auf, Jutzeule, Huw, Huher, Nachthuri und Adlereule'' genannt.<ref name="Gesner">GESNER, C. (1669 / Nachdr. 1981): Vollkommenes Vogelbuch. Hannover.</ref><ref name="Gattiker">GATTIKER, E. & L. GATTIKER (1989): Die Vögel im Volksglauben. Wiesbaden.</ref> Er wurde auch als ''Großherzog'' und als ''König'' (oder auch ''Herrscher'') der Nacht bezeichnet. Der Name Großherzog leitet sich aus der ihn umkreisenden Schar von Vögeln ab, welche ihn, sollte er sich bei Tag zeigen, umfliegt.<ref name="Gattiker" /> Die meisten Deutschen dürften heute dem Uhu und den anderen Eulenarten relativ vorurteilsfrei gegenüber stehen. Früher war dies ganz anders: Eulen waren gleichermaßen Gegenstand menschlicher Furcht und Ehrerbietung, Verachtung und Bewunderung. Über fast alle Völker und Kulturen hinweg galten Eulen als Geisterwesen. In der [[Antike]] waren Eulen und besonders der Uhu Sinnbild für die Unterwelt. Vor allem, wenn er sich in auffälliger Weise bei Tag zeigte, war dies das allerschlimmste Omen und bedeutete Unheil, Hunger, Krieg, Tod und Verderben.<ref name="Gattiker" /> Sowohl den [[Römisches Reich|Römern]] als auch den [[Germanen]] galt er als Schicksalsvogel. Das Muotis-Heer [[Wotan]]s (auch Odin genannt), der als Menschenvater in [[Walhall]] (oder Walhalla) thronte, führte nach der Mythologie der Germanen eine Anführerin auf einem riesigen Uhu an. Das Muotis-Heer, auch „wilde Jagd“ genannt, zog um Mitternacht mit Lärmen, Brausen, Jägerschreien und Hörnerklang herum, insbesondere wenn das Wetter sich änderte, bei nächtlichem Gewitter und bei Neumond.


Der ''Uhu'' ''Bubo bubo'' gehört zur Ordnung der ''Eulen'' ''(Strigiformes)'' und gehört zur Gattung der Uhus ''(Bubo)''. Der Uhu ist die größte Eulenart weltweit.
Noch im [[Mittelalter]] galt der Uhu in [[Deutschland]] als todbringender Bote des [[Teufel]]s. Einige traditionelle Uhu-Brutplätze heißen seit dieser Zeit z. B. Teufelsley oder Teufelskammer.<ref>DALBECK, L. (2001): Uhus in Mitteleuropa: Wechselvolles Schicksal der
größten Eule. Der Falke 48, 196-202.</ref>


Der Uhu findet sich in Europa, Nord- und Mittelasien, [[Nordafrika]], in großen [[Wald]]ungen und [[Gebirge]]n, in Deutschland besonders im Nordosten und im [[Bayern|bayrischen]] Hochgebirge, bisweilen auch in der Nähe des [[Mensch]]en, sitzt bei Tag in Felsen oder auf hohen Bäumen, jagt nachts [[Hasen]], [[Enten]], [[Hühnervögel]], [[Gänse]], [[Raben]], [[Krähen]], auch [[Bussard]]e und [[Igel]], meist aber [[Ratten]], [[Mäuse]] sowie selten [[Reptilien]] und [[Insekten]].
[[Datei:Albufera 23.JPG|thumb|300px|Uhukopf]]


== Namen und Mythologie==
Noch im 19. Jahrhundert verkörperte der Uhu bei Schriftstellern wie [[Johann Wolfgang von Goethe]] nur Düsteres und Trübseliges.<ref name="PIECHOCKI">PIECHOCKI, R. (1985): Der Uhu. NBB 108. Wittenberg.</ref> Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden Eulen zur Abwehr von Dämonen an Scheunentore genagelt. Noch 1952 schreibt RAMMNER:<ref>RAMMNER, W. (1952): Brehms Tierleben – Dritter Band: Vögel. Leipzig.</ref>
Der heutige wissenschaftliche Name des Uhus ist ''Bubo bubo'', früher ''Bubo maximus''. Der ''Uhu'' wurde früher auch ''Schuhu, Buhu, Gauf, Auf, Jutzeule, Huw, Huher, Nachthuri und Adlereule'' genannt (GESNER 1669, GATTIKER & GATTIKER 1989). Er wurde auch als ''Großherzog'' und als ''König'' (oder auch ''Herrscher'') der Nacht bezeichnet. Der Name Großherzog leitet sich aus der ihn umkreisende Schar von Vögeln ab, welche ihn, sollte er sich bei Tag zeigen, umfliegt und auf ihn hasst (GATTIKER & GATTIKER 1989). Die meisten Deutschen dürften heute dem Uhu und den anderen Eulenarten relativ vorurteilsfrei gegenüber stehen. Früher war dies ganz anders: Eulen waren gleichermaßen Gegenstand menschlicher Furcht und Ehrerbietung, Verachtung und Bewunderung.
Über fast alle Völker und Kulturen hinweg galten Eulen als Geisterwesen. In der Antike waren Eulen
und besonders der Uhu als Nachtvögel Sinnbild für die Unterwelt. Vor allem, wenn er sich in auffälliger Weise bei Tag zeigte, war dies das allerschlimmste Omen und bedeutete Unheil, Hunger, Krieg, Tod und Verderben (GATTIKER & GATTIKER 1989). Sowohl den Römern als auch den Germanen galt er als Schicksalsvogel. Das Muotis-Heer Wotans (auch Odin genannt), der als Menschenvater in Walhall (oder Walhalla) thronte, führte nach der Mythologie der Germanen eine Anführerin auf einem riesigen Uhu an. Das Muotis-Heer, auch „wilde Jagd“ genannt, zog um Mitternacht mit Lärmen, Brausen, Jägerschreien und Hörnerklang herum, wenn das Wetter sich änderte, bei nächtlichem Gewitter und bei Neumond.  


Noch im Mittelalter galt der Uhu in Deutschland als todbringender Bote des Teufels. Einige traditionelle Uhubrutplätze heißen seit dieser Zeit z. B. Teufelsley oder Teufelskammer (DALBECK 2001).
„Sein Geschrei hallt im Walde schauerlich wieder, so dass abergläubischen Leuten die Haare zu Berge stehen.“
 
Noch im 19. Jahrhundert verkörpert der Uhu bei Schriftstellern wie Goethe nur Düsteres und Trübseliges. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden Eulen zur Abwehr von Dämonen an Scheunentore genagelt (PIECHOCKI 1985). Noch 1952 schreibt RAMMNER: „Sein Geschrei hallt im Walde schauerlich
wieder, so dass abergläubischen Leuten die Haare zu Berge stehen.“
   
   
In Indien standen die Eulen hingegen für Weisheit und Hilfsbereitschaft (WEINSTEIN 1988). Auch glaubte die Bevölkerung Indiens daran, dass Eulen die Zukunft voraussagen könnten. Indianer-Völker verbinden Eulen mit Tapferkeit, einem scharfen Blick und Jagdglück (ebd.).
In [[Indien]] standen die Eulen hingegen für Weisheit und Hilfsbereitschaft.<ref>WEINSTEIN, K. (1988): Eulen – Vögel der Nacht in Kunst und Natur. Freiburg.</ref> Auch glaubte die Bevölkerung Indiens daran, dass Eulen die Zukunft voraussagen könnten. [[Indianer]]-Völker verbinden Eulen mit Tapferkeit, einem scharfen Blick und Jagdglück.


Noch im Mittelalter wurden Teile des Uhus in Europa in der Medizin verwendet, denn man schrieb ihnen allerlei Wirkungen zu (GESNER 1669, GATTIKER & GATTIKER 1989). In China werden Uhus und andere Eulen immer noch in der Medizin genutzt. Uhus wurden auch einfach gegessen. In Gesners Vogelbuch von 1669 steht:
Noch im Mittelalter wurden Teile des Uhus in Europa in der [[Medizin]] verwendet, denn man schrieb ihnen allerlei Wirkungen zu.<ref name="Gattiker" /><ref name="Gesner" /> In [[China]] werden Uhus und andere Eulen immer noch in der Medizin genutzt. Uhus wurden auch gegessen. In Gessners Vogelbuch von 1669 steht:<ref name="Gesner" />
   
   
„Wann der grosse Berguhu fett ist wird er von etlichen gessen: dann sein Fleisch soll ganz süß un wohlgeschmackt sein wann man ihn recht kochet und wohl zubereitet.“
„Wann der grosse Berguhu fett ist wird er von etlichen gessen: dann sein Fleisch soll ganz süß un wohlgeschmackt sein wann man ihn recht kochet und wohl zubereitet.“


Der Uhu war einst in Mitteleuropa weit verbreitet. Seine Rufe („Geschrei“) waren im Volk so bekannt, dass noch heute zahlreiche, inzwischen längst aufgegebene Brutplätze Namen tragen wie Uhufelsen, Am Schuwutt oder Uhulegge. Im NSG „Hönnetal“ bei Balve im Sauerland heißt der alte Uhubrutplatz bis heute ebenfalls Uhufelsen oder Uhuwand. Der alte Horstplatz selbst wird Uhuloch und der Eisenbahntunnel in der Nähe Uhutunnel genannt.
Der Uhu war einst in Mitteleuropa weit verbreitet. Seine Rufe („Geschrei“) waren im Volk so bekannt, dass noch heute zahlreiche, inzwischen längst aufgegebene Brutplätze Namen tragen wie Uhufelsen, Am Schuwutt oder Uhulegge.<ref name="LINDNER">LINDNER, M. (2003/2004): Ein wechselwolles Schicksal des Königs der Nacht. Irrgeister 20/21: 50-73</ref> Im NSG „Hönnetal“ bei Balve im [[Sauerland]]] heißt der alte Uhubrutplatz bis heute ebenfalls Uhufelsen oder Uhuwand. Der alte [[Horst]]platz selbst wird Uhuloch und der Eisenbahntunnel in der Nähe Uhutunnel genannt.


== Aussehen==
== Aussehen==
[[Datei:Dr Malu Celli mit Uhu.JPG|thumb|300px|Dr. [[Malu Celli]], Animal Events Presenter im [[Wikipedia:Bristol Zoo|Bristol Zoo]], mit Uhu]]
[[Datei:Uhu 03.jpg|thumb|300px|Uhu von der Seite]]
Der Uhu ist die weltweit größte Eule, worauf schon der englische Name Eagle Owl (= Adlereule) hindeutet. Männchen werden durchschnittlich 61 cm groß und Weibchen durchschnittlich 67 cm (alle Daten für Mitteleuropa). Tatsächlich erreichen von den deutschen Greifvögeln und Eulen nur die Adler eine größere Flügelspannweite. Die Flügelspannweite der Männchen ist durchschnittlich 157 cm und der Weibchen durchschnittlich 168 cm. Das Gewicht beträgt bei Uhu-Männchen 1600 bis 2100 g, wobei das Durchschnittsgewicht 1900 g ist. Bei Uhu-Weibchen 2200 bis 3200 g, Durchschnittsgewicht 2600 g.
[[Datei:Uhu 04.jpg|thumb|300px|Rücken und Flügel eines Uhus]]
Der Uhu ist die weltweit größte Eule, worauf schon der englische Name Eagle Owl (= Adlereule) hindeutet.<ref name="Mebs"> MEBS, T. & W. SCHERZINGER (2000): Die Eulen Europas. Stuttgart.</ref> Männchen werden durchschnittlich 61 cm groß und Weibchen durchschnittlich 67 cm (alle Daten für Mitteleuropa). Tatsächlich erreichen von den deutschen Greifvögeln und Eulen nur die [[Adler]] eine größere Flügelspannweite. Die Flügelspannweite der Männchen ist durchschnittlich 157 cm und der Weibchen durchschnittlich 168 cm. Das Gewicht beträgt bei Uhu-Männchen 1600 bis 2100 g, wobei das Durchschnittsgewicht 1900 g ist. Bei Uhu-Weibchen 2200 bis 3200 g, Durchschnittsgewicht 2600 g.


Aufgrund seiner Größe, des massigen Körpers, des großen, breiten, flachen Kopfes mit den Federohren und den großen, orangegelben Augen ist der Uhu unverwechselbar. Er hat einen starken, fast bauchigen [[Schnabel]], dazu große, einen unvollständigen [[Schleier]], stumpfe [[Flügel]] und einen kurzen, fast gerade abgeschnittenen [[Schwanz]]. Das Gefieder ist oberseits ocker und rostbraun mit dunkler Fleckung und Bänderung, unterseits ein wenig heller; Schwung- und Schwanzfedern sind braun und gelb gezeichnet, die Ohrbüschel sind schwarz, der Schnabel dunkel blaugrau. Die 6-9 cm langen Federohren stehen schräg zur Seite ab und werden nur bei Erregung steil aufgerichtet. Beim Rufen wird durch Aufblähen des Halses ein weißer Kehlfleck sichtbar.
Aufgrund seiner Größe, des massigen Körpers, des großen, breiten, flachen Kopfes mit den Federohren und den großen, orangegelben Augen ist der Uhu unverwechselbar. Er hat einen starken, fast bauchigen Schnabel, dazu große Augen, einen unvollständigen [[Schleier]], stumpfe Flügel und einen kurzen, fast gerade abgeschnittenen Schwanz. Das Gefieder ist oberseits ocker und rostbraun mit dunkler Fleckung und Bänderung, unterseits ein wenig heller; Schwung- und Schwanzfedern sind braun und gelb gezeichnet, die Ohrbüschel sind schwarz, der Schnabel dunkel blaugrau. Die 6-9 cm langen Federohren stehen schräg zur Seite ab und werden nur bei Erregung steil aufgerichtet. Beim Rufen wird durch Aufblähen des Halses ein weißer Kehlfleck sichtbar.


Kennzeichnend für das Flugbild sind der massive Kopf und die breiten, abgerundeten Flügel mit hellerer Unterseite. Der Vogel hat einen kräftigen, stetigen Flug mit flachem Flügelschlag. Beim Gleiten wirkt er wie ein großer [[Mäusebussard]]. Seine Fänge erinnern im Flug an Boxerhandschuhe
Kennzeichnend für das Flugbild sind der massive Kopf und die breiten, abgerundeten Flügel mit hellerer Unterseite. Der Vogel hat einen kräftigen, stetigen Flug mit flachem Flügelschlag. Beim Gleiten wirkt er wie ein großer [[Mäusebussard]]. Seine Fänge erinnern im Flug an Boxerhandschuhe
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== Rufe==
== Rufe==
Die meisten Menschen werden nie einen Uhu gesehen haben, jedoch weit mehr haben ihn bereits gehört.
Die meisten Menschen werden nie einen Uhu gesehen haben, jedoch weit mehr haben ihn bereits gehört.
Schon GESNER schrieb im 16. Jahrhundert:  
Schon GESSNER schrieb im 16. Jahrhundert:<ref name="Gesner" />
„Der Uhu hat zu Nacht ein scheußlich Geschrey von welchem er dann seinen Nahmen bekommen.“  
„Der Uhu hat zu Nacht ein scheußlich Geschrey von welchem er dann seinen Nahmen bekommen.“  
Der Lautumschreibung seines Gesangs verdankt der Uhu sowohl seinen deutschen als auch seinen wissenschaftlichen Namen. Der Gesang des Männchens hat neben Werbe-, auch eine Drohfunktion gegen Rivalen, flüggen Jungvögeln und Feinden. Er wird freisitzend von exponierten Warten, sowohl von Felsen als auch von Bäumen, hervorgebracht. Auch Gebäude, Masten und ähnliches werden genutzt. Die Rufaktivität des Weibchens ist deutlich geringer. Beim Rufen wird durch Aufblähen der Kehlregion der weiße Kehlfleck sichtbar. Uhurufe sind das ganze Jahr über zu hören (KOHLER 1994). Außerhalb der Balz- und Brutzeit hört man aber meist nur vereinzelte, eher zufällig erscheinende Rufe. Im Herbst beginnt teilweise bereits ab Ende August die Herbstbalz. Der Höhepunkt der Herbstbalz
liegt gewöhnlich Ende Oktober. Je nach Witterung endet sie im Verlauf des Dezembers oder geht
ohne Unterbrechung in die eigentliche Balz über. Ab Mitte Januar (teilweise Mitte Dezember) hört man den namensgebenden Reviergesang des Männchens häufiger. Der Gesang, ein monotones, zweisilbiges
und nachhallendes „buho“ oder „uujo“, ist weithallend zu hören, unter günstigen Bedingungen weiter als 1,5 km (ausnahmsweise bis 4 km) (GLUTZ & BAUER 1980). Der Balzruf wirkt auf größere Distanz einsilbig, wobei in der freien Landschaft nur die erste Silbe („uuh“) und im Wald nur die zweite Silbe („hoo“) zu hören ist. Weibchen rufen etwas höher, rauher „uhju“. Der Gesang und andere Uhurufe werden je nach Entfernung, Beobachter und „Stimmung“ des Vogels unterschiedlich
wahrgenommen. Die Hochbalz beginnt meist Anfang bis Mitte Februar und ebbt nach der Eiablage rasch ab. Unverpaarte Männchen können bis zur Herbstbalz durchrufen, wobei aber
die Rufaktivität nach und nach nachlässt. Verwitwete Weibchen rufen besonders intensiv, um einen neuen Partner anzulocken. Die Rufintensität ist individuell verschieden. Sie hängt von der Dauer der Paarbindung (je eingespielter das Paar, desto geringer die Rufintensität) und Siedlungsdichte (Rivalennähe) ab. Bei geringer Uhudichte rufen Uhus nicht nur weniger, sondern sie beginnen auch später während der Nacht zu rufen (PENTERIANI ET AL. 2002). Dies erhöht bei Kontrollen die Gefahr, Uhus bei geringer Dichte zu überhören oder zu verpassen. Dazu kommt, dass Uhus allgemein auch schlecht auf die Klangattrappe (mit Kassettenrecorder abgespielte Uhurufe) reagieren (BERGERHAUSEN 1994 b). In der Hochbalz erfolgt der Gesang in kurzen Intervallen, teilweise pausenlos. In Niederösterreich wurden einmal zwischen 16:46 und 19:45 Uhr ca. 700 Rufe eines Männchens gezählt. Ein anderes Uhumännchen befand sich währenddessen nur 500 m entfernt (LEDITZNIG 1999). Der Gesang beginnt bei einzelnen Männchen zur Hochbalz bis zu einer Stunde vor Sonnenuntergang, meist aber 10 bis 70 Minuten nach Sonnenuntergang. Das Rufmaximum der Nacht befindet sich in der ersten Stunde nach Sonnenuntergang. Die Rufintensität nimmt bis Mitternacht weiter ab, um dann bis zum
Sonnenaufgang wieder anzusteigen (GLUTZ & BAUER 1980). Nur bei starkem Wind ist die Rufaktivität
eingeschränkt. Auf Gesangsimitation können beide Geschlechter antworten. In der Hochbalz, zum Höhepunkt der abendlichen Gesangsaktivität, unmittelbar vor der Kopula, singen Männchen „hohoho“ und Weibchen „huhuhu“ im Duett, um in einem „lachenden“ Stakkato und zwitscherndem Schirken „wiwiwiwi“ bei der Kopula zu enden. Während der Zeit der Beuteversorgung durch das Männchen bettelt das Weibchen „chriä“ oder „chwait“. Die Nestlinge betteln erst „djchü“ und später
„tchschatt“. Die Bettelrufe sind über einen Kilometer weit zu hören und erinnern an Geräusche wie
beim Kiesschaufeln. Je älter die Jungen werden, desto grober hört sich dieses Kiesschaufeln an. Bei Streit um Futter und Beunruhigung knappen die Jungvögel laut mit dem Schnabel. Auch nach der Abwanderung vom eigentlichen Brutplatz betteln die flüggen Junguhus, bis sie das elterliche Revier verlassen, was teilweise erst Anfang Dezember geschieht. Die Bettellaute werden ausdauernd, in kurzen Intervallen, weithin hörbar und teilweise über mehrere Stunden hervorgebracht.
Diese Bettellaute eignen sich deshalb gut dazu, nachträglich einen Brutnachweis zu erbringen, ohne dass man den eigentlichen Brutplatz gefunden hat. Ein Problem ist heute, auch im Sauerland, dass meist in unmittelbarer Nähe der Uhureviere Straßen liegen und auch am Wochenende zwischen 18:00 und 20:00 Uhr, zur Zeit unserer Uhukontrollen, noch reger Autoverkehr herrscht. Bei der Kontrolle muss teilweise regelrecht auf eine Lücke im Verkehr gewartet werden, um die Uhus überhaupt hören zu können. Aber auch die Uhus können sich durch Straßenlärm gestört fühlen. In Thüringen wurden wegen der Zunahme des Verkehrslärms nach 1990 mehrere Horste in Felsen an Autobahnen und anderen Fernverkehrsstraßen verlassen (GÖRNER 1998). Die Rufplätze können, wie eine Telemetriestudie
zeigt, anfangs bis zu 2,5 km vom späteren Brutplatz entfernt liegen. Deshalb kann es während der Balz durchaus zu ruffreien Tagen am späteren Brutplatz kommen. Die Tageseinstände liegen zu Balzbeginn 50 bis 5500 m (durchschnittlich 640 m) vom späteren Brutplatz entfernt (LEDITZNIG 1999). Zur Hochbalz beträgt die durchschnittliche Entfernung zum späteren Brutplatz nur noch 155 m.


== Fortpflanzung==
Der Umschreibung seiner Lautgebung verdankt der Uhu sowohl seinen deutschen als auch seinen wissenschaftlichen Namen. Der Laut des Männchens hat neben Werbe- auch eine Drohfunktion gegen Rivalen, flügge Jungvögel und Feinde. Er wird freisitzend von exponierten Warten, sowohl von Felsen als auch von Bäumen, vorgebracht. Auch Gebäude, Masten und ähnliches werden genutzt. Die Rufaktivität des Weibchens ist deutlich geringer. Beim Rufen wird durch Aufblähen der Kehlregion der weiße Kehlfleck sichtbar. Uhurufe sind das ganze Jahr über zu hören.<ref>KOHLER, A. (1994): Der Uhu im Pfälzerwald – Der Uhu Bubo bubo und sein Rufverhalten im Pfälzischen Wasgau. Natur und Kultur im Wasgau 1.</ref> Außerhalb der Balz- und Brutzeit hört man aber meist nur vereinzelte, eher zufällig erscheinende Rufe. Im Herbst beginnt teilweise bereits ab Ende August die Herbstbalz. Der Höhepunkt der Herbstbalz liegt gewöhnlich Ende Oktober. Je nach Witterung endet sie im Verlauf des Dezembers oder geht ohne Unterbrechung in die eigentliche [[Balz]] über.  
Uhus wollen am direkten Brutplatz im Rücken Dekkung haben und gleichzeitig die Umgebung beobachten,
ohne sich selbst beobachtet zu fühlen. Wichtig sind ein freier Anflug und Störungsfreiheit. Auch
dürfen sichere Tageseinstände nicht mehr als 500 m vom Brutplatz entfernt sein (BERGERHAUSEN ET AL.
1989). Tageseinstände befinden sich in deckungsreichen Waldbäumen, meist Nadelbäumen, in Felsen
oder an Gebäuden mit freier Rundsicht, wobei Wetterschutz wichtiger als gute Ausblickmöglichkeit
ist (GLUTZ & BAUER 1980). In Niederösterreich waren 89 % der Tageseinstände von flüggen Junguhus
Nadelbäume, meist Fichten, der Rest lag in Laubgehölzen mit dichtem Astwerk und/oder Misteln, meist
Pappeln (LEDITZNIG 1999). Gut geeignete Brutplätze werden, sofern nicht verändert, über viele Jahre genutzt, mitunter auch über Jahrzehnte von mehreren Generationen von Uhus. Trotz Störungen
mit Brutverlust halten einzelne Paare jahrelang am gleichen Horstplatz fest, während andere
Paare trotz erfolgreicher Brut wechseln. Dies könnte daran liegen, dass in manchen Steinbrüchen keine gleichwertigen Ausweichplätze zur Verfügung stehen. Uhus können schon einjährig geschlechtsreif sein, brüten aber in der Regel erst dreijährig erfolgreich im Freiland (MEBS & SCHERZINGER 2000). Im Wallis brütete ab März 2003 ein Uhuweibchen, das erst im
April 2002 geschlüpft war, erfolgreich (AEBISCHER 2003). Früher hielt man Uhus für monogam und reviertreu (GLUTZ & BAUER 1985). Bei Telemetriestudien stellte sich heraus, dass dies falsch sein könnte und der Uhu, wie scheinbar auch die meisten anderen Vogelarten, nicht strikt monogam lebt und Revier und Partner durchaus wechseln kann und auch „fremdgeht“ (DALBECK 2003).


Die Revierabgrenzung und Paarbildung erfolgt meist während der Herbstbalz. Nur ein 50 ha großes Horstrevier scheint gegen Artgenossen verteidigt zu werden. Als Extremwert in der Literatur werden 400 m Minimalentfernung zwischen zwei gleichzeitig besetzten Brutplätzen genannt (MEBS & SCHERZINGER 2000). Dies zeigen auch laufende Forschungen in einem wegen des zahlreichen Vorkommens von Kaninchen und Wasservögeln sehr nahrungsreichem Gebiet in Andalusien bei Sevilla. Hier gibt es mehrere Brutplätze mit Abständen von 400 m. Ob es beim Uhu eine Selbstregulation der Bestände
Ab Mitte Januar (teilweise Mitte Dezember) hört man den namensgebenden Reviergesang des Männchens häufiger: ein monotones, zweisilbiges und nachhallendes „buho“ oder „uujo“, ist weithallend zu hören, unter günstigen Bedingungen weiter als 1,5 km (ausnahmsweise bis 4 km).<ref name="Glutz" /> Der Balzruf wirkt auf größere Distanz einsilbig, wobei in der freien Landschaft nur die erste Silbe („uuh“) und im Wald nur die zweite Silbe („hoo“) zu hören ist. Weibchen rufen etwas höher, rauher „uhju“. Die Uhurufe werden je nach Entfernung, Beobachter und „Stimmung“ des Vogels unterschiedlich wahrgenommen. Die Hochbalz beginnt meist Anfang bis Mitte Februar und ebbt nach der Eiablage rasch ab. Unverpaarte Männchen können bis zur Herbstbalz durchrufen, wobei aber die Rufaktivität nach und nach nachlässt. Verwitwete Weibchen rufen besonders intensiv, um einen neuen Partner anzulocken.  
ab einer bestimmten Uhudichte gibt, ist noch unklar, wird aber vermutet (LEDITZNIG 1999, GÖRNER 2002). GÖRNER (2002) schreibt dazu: „Es gibt aus jüngster Zeit mehrere Hinweise, dass Kämpfe zwischen Uhus um den besten Brutplatz stattfinden und im Ergebnis der Störungen die Vögel nicht mehr zur Brut schreiten“. Zur Balz erfolgen neben dem Gesang auch demonstrative
Revierflüge, wobei auch Flügelklatschen vorkommt. Das Männchen scharrt („muldet“) mit
Krallen und Schnabel Mulden von durchschnittlich 30 cm Durchmesser und versucht, das Weibchen zur
potenziellen Nistmulde zu locken (GLUTZ & BAUER 1980). Nistmulden können ab Anfang Dezember gescharrt werden. Aber auch Einzelvögel (auch Weibchen) scharren Nistmulden (LEDITZNIG 1999). Die
spätere Nistmulde wird durch das Weibchen ausgewählt. Wie bei den meisten anderen Eulen und Greifen versorgen die Männchen bereits vor der Eiablage die Weibchen mit Beute. Die Fütterung des Weibchens kann bereits Anfang Dezember beginnen (LEDITZNIG 1999). In die blanke Mulde ohne Nistmaterial legt das Weibchen, mit einem Legeabstand zwischen den Eiern von 3 bis 4 Tagen, meist 2 bis 3 Eier, ausnahmsweise bis 5 Eier. Die Eiablage erfolgt in Mitteleuropa von Ende Januar bis Ende Mai, meist im März (GLUTZ & BAUER 1980). Es findet eine Jahresbrut statt, bei Verlust des Geleges vor dem Schlüpfen kann bei guter Ernährungslage auch ein Nachgelege gezeitigt werden. Durchschnittlich 20 % der Paare brütet überhaupt nicht und durchschnittlich nur 65 % der Brutpaare,
also der Paare mit Gelege, brüten erfolgreich (MEBS & SCHERZINGER 2000). Nur die Weibchen brüten. Erst wenn das Gelege vollständig ist, wird fest gebrütet und das Gelege nur während der Nacht verlassen (LEDITZNIG 1999). Bei starken Störungen, meist verursacht durch Menschen, wird das Gelege auch am Tage verlassen. Das Weibchen kehrt dann meist erst bei Dunkelheit zum Gelege zurück. Die Eier können auch mehrere Stunden ohne Bebrütung bei Temperaturen um 0 Grad überleben. In der Nacht können auch in der Nähe rufende Rivalinnen das Weibchen veranlassen, das Gelege zu verlassen (LEDITZNIG 1999). Wenn das Gelege ungeschützt ist, kann es zu Verlusten durch Prädatoren wie Marder und Rabenvögeln kommen. Während der Brutpausen suchen die Weibchen meist die gleichen Stellen, in der Regel nur 20- 200 m entfernt vom Brutplatz, zur Kotabgabe und zur Beuteübernahme auf. Diese Stellen sind durch die sogenannten „Brutschisse“ sehr gut zu finden und liegen mit relativ geringen Abweichungen auf Horstniveau. Von diesen Plätzen aus findet der Uhukenner in der Regel sehr schnell den eigentlichen Nistplatz.


Nach 34 Tagen schlüpfen die weißen Dunenjungen. Falls das Gelege unbefruchtet ist oder die Embryos
Die Rufintensität ist individuell verschieden.<ref>PENTERIANI, V., GALLARDO, M. & H. CAZASSUS (2001): Conspecific density biases passive auditory surveys. J. Field Ornithol. 74/4, 387-391.</ref> Sie hängt von der Dauer der Paarbindung (je eingespielter das Paar, desto geringer die Rufintensität) und Siedlungsdichte (Rivalennähe) ab. Bei geringer Uhudichte rufen Uhus nicht nur weniger, sondern sie beginnen auch später während der Nacht zu rufen. Dies erhöht bei Kontrollen die Gefahr, Uhus bei geringer Dichte zu überhören oder zu verpassen. Dazu kommt, dass Uhus allgemein auch schlecht auf die Klangattrappe (mit MP3 Player, früher mit Kassettenrecorder, abgespielte Uhurufe) reagieren. In der Hochbalz erfolgen die Rufe in kurzen Intervallen, teilweise pausenlos. In Niederösterreich wurden einmal zwischen 16:46 und 19:45 Uhr ca. 700 Rufe eines Männchens gezählt. Ein anderes Uhumännchen befand sich währenddessen nur 500 m entfernt.<ref
meist auf Grund von Störungen, abgestorben sind, wird das Gelege noch 1 bis 2 Wochen weiter bebrütet. Die frisch geschlüpften Jungen werden intensiv gehudert und unter dem Brustgefieder gefüttert. Während dieser Huderphase kann es bei wetterungeschützten Brutplätzen bei schlechtem Wetter vorkommen, dass die Jungen sterben (GLUTZ & BAUER 1980). Nach 4 Wochen können die Jungen auf
name="leditznig">LEDITZNIG. C. (1999): Zur Ökologie einer Uhupopulation im Südwesten NÖ’s. Diss. Univ. Bodenkultur, Wien. 203 pp.</ref> Die Lautgebung beginnt bei einzelnen Männchen zur Hochbalz bis zu einer Stunde vor Sonnenuntergang, meist aber 10 bis 70 Minuten nach Sonnenuntergang. Das Rufmaximum der Nacht befindet sich in der ersten Stunde nach Sonnenuntergang. Die Rufintensität nimmt bis Mitternacht weiter ab, um dann bis zum Sonnenaufgang wieder anzusteigen.<ref name="Glutz" /> Nur bei starkem Wind ist die Rufaktivität eingeschränkt. Auf Gesangsimitation bzw. Vorspielen von Uhurufen können beide Geschlechter antworten.  
den Sohlen gehen, vorher wird auf den Fersen getrippelt. Falls es der Brutplatz zulässt, z. B. bei Bodenbruten, verlassen ihn die Junguhus teilweise bereits nach 3 1/2 Wochen (MEBS & SCHERZINGER 2000). Sie treten in die sogenannte Infantristenphase oder Wanderphase ein. Sie können
bis zu 280 m vom Nistplatz entfernt angetroffen werden, wobei sie zwischenzeitlich zum Nistplatz zurückwandern können (GÖRNER 1998). Sie werden weiter mit Nahrung versorgt und suchen aktiv Deckung auf. Das Verlassen des Brutplatzes durch Abwandern während der Infantristenphase kann Verluste durch Feinde, heute meist Fuchs und Wildschwein, mit sich bringen Die Jungen werden in der Regel aber erfolgreich von den Eltern verteidigt. Problematisch wird es bei menschlichen Störungen, weil dann die Altvögel die Jungen schutzlos zurücklassen. Untersuchungen in Thüringen sprechen dafür, dass Jungvögel, die während der Infantristenphase ihre Umwelt zu Fuß kennenlernen, im weiteren Lebenslauf eine höhere Überlebensrate haben als Junge in unzugänglichen
Felsbrutplätzen. Unzugängliche Felsen können sie erst mit Erreichen der Flugfähigkeit verlassen.


Erste Flugversuche finden mit 8 Wochen statt, die volle Flugfähigkeit wird mit 10 Wochen erreicht. In Niederösterreich führte aber ein Uhupaar bereits seine 9 Wochen alten Jungen vom Brutplatz, einem Steinbruch in Betrieb, zu einen 1 km entfernten, stillgelegten Steinbruch, scheinbar wegen starker Störungen. Dieser Ausweichplatz wurde dann bis zur Abwanderung der Jungeulen genutzt (LEDITZNIG 1999). Männchen können die Junguhus nach dem Tod des Weibchens auch allein aufziehen, sofern die Jungen nicht mehr gehudert werden müssen. Bereits im Alter von 3 bis 4 Wochen beginnen Greif- und Beutefangspiele, alle Beuteerwerbshandlungen werden mit 80 Tagen beherrscht. Selbstständiges Jagen beginnt mit 5 Monaten. Die Ausflüge werden mit der Zeit immer länger, bis die Junguhus Anfang September bis Anfang Dezember aus dem elterlichen Revier abwandern (LEDITZNIG ET AL. 2001). Telemetrierte Junguhus legten bei der Abwanderung durchschnittlich 8,9 km und maximal 35 km pro Nacht zurück, maximal 3 bis 4 km pro Stunde (LEDITZNIG 1999, AEBISCHER 2003).
In der Hochbalz, zum Höhepunkt der abendlichen Gesangsaktivität, unmittelbar vor der [[Kopula]], singen Männchen „hohoho“ und Weibchen „huhuhu“ im Duett, um in einem „lachenden“ Stakkato und zwitscherndem Schirken „wiwiwiwi“ bei der Kopula zu enden.<ref name="Glutz" /> Während der Zeit der Beuteversorgung durch das Männchen bettelt das Weibchen „chriä“ oder „chwait“. Die Nestlinge betteln erst „djchü“ und später „tchschatt“. Die Bettelrufe sind über einen Kilometer weit zu hören und erinnern an Geräusche wie beim Kiesschaufeln. Je älter die Jungen werden, desto grober hört sich dieses Kiesschaufeln an. Bei Streit um Futter und Beunruhigung knappen die Jungvögel laut mit dem Schnabel. Auch nach der Abwanderung vom eigentlichen Brutplatz betteln die flüggen Junguhus, bis sie das elterliche Revier verlassen, was teilweise erst Anfang Dezember geschieht. Die Bettellaute werden ausdauernd, in kurzen Intervallen, weithin hörbar und teilweise über mehrere Stunden hervorgebracht. Diese Bettellaute eignen sich deshalb gut dazu, nachträglich einen Brutnachweis zu erbringen, ohne dass man den eigentlichen Brutplatz gefunden hat.  
In nahrungsreichen Gebieten nutzen die Junguhus temporäre Jagdgebiete von bis zu 200 km2 Größe,
häufig in Anlehnung an bestehende Brutreviere (LEDITZNIG 1999). Noch nicht geschlechtsreife Uhus
werden bei ausreichender Nahrungsgrundlage scheinbar von adulten fremden Uhus geduldet und einmal
nur 100 m vom Brutplatz eines fremden Paares beobachtet (ebd.).


Abwandernde Jungvögel meiden meist großflächig ausgeräumte und intensiv bewirtschaftete Agrargebiete. Sie verließen spätestens nach 3 Tagen solche nahrungsarme Gebiete (ebd.).
Ein Problem ist heute, dass meist in unmittelbarer Nähe der Uhureviere Straßen liegen und auch am Wochenende zwischen 18:00 und 20:00 Uhr, zur Zeit der Uhukontrollen, noch reger Autoverkehr herrscht.<ref name="LINDNER" /> Bei der Kontrolle muss teilweise regelrecht auf eine Lücke im Verkehr gewartet werden, um die Uhus überhaupt hören zu können. Aber auch die Uhus können sich durch Straßenlärm gestört fühlen. In [[Thüringen]] wurden wegen der Zunahme des Verkehrslärms nach 1990 mehrere [[Horst]]e in Felsen an Autobahnen und anderen Fernverkehrsstraßen verlassen.<ref>GÖRNER, M. (1998): Zur Populationsdynamik des Uhus (Bubo bubo) in Thüringen. Acta ornithoecologica 4, 3-27.</ref>
(AEBISCHER 2003). So kehrte ein am 25.09.03 abgewanderter Junguhu am 05.10.03 ins Revier seiner Eltern zurück und bettelte diese erneut an. Auch andere Uhus wanderten zunächst über größere
Strecken ab, um dann in die nähere und weitere Umgebung des elterlichen Reviers zurückzukehren.


Wie Ringfunde zeigen, wandern Junguhus durchschnittlich 80 km vom Ort des Erbrütens ab (MEBS
Die Rufplätze können, wie eine Telemetriestudie zeigte, anfangs bis zu 2,5 km vom späteren Brutplatz entfernt liegen.<ref name="leditznig" /> Deshalb kann es während der [[Balz]] durchaus zu ruffreien Tagen am späteren Brutplatz kommen. Die Tageseinstände liegen zu Balzbeginn 50 bis 5500 m (durchschnittlich 640 m) vom späteren Brutplatz entfernt. Zur Hochbalz beträgt die durchschnittliche Entfernung zum späteren Brutplatz nur noch 155 m.
& SCHERZINGER 2000). Die weiteste nachgewiesene Wanderstrecke beträgt 315 km. Dem einmal gewählten Einstandsgebiet bleiben Uhus scheinbar ein Leben lang treu, auch wenn sie im Gebiet Partner und Revier wechseln können.


== Lebensraum==
== Fortpflanzung==
Der Uhu zeigt von allen europäischen Eulen die größte Anpassungsleistung an verschiedene Lebensräume. Er meidet lediglich den dichten Wald. Neuere Erkenntnisse gehen davon aus, dass durch die pflanzenfressenden Großtiere (Auerochse, Wisent, Tarpan, Elch, Rothirsch) und Biber zumindest teilweise waldweideartige Waldstrukturen geschaffen wurden, die auch dem Uhu in prähistorischer Zeit in Mitteleuropa ausreichend Lebensraum gegeben haben dürften (BUNZEL-DRÜKE ET AL. 1993/94). Die Umwandlung der Urlandschaft in eine Kulturlandschaft wird die Verbreitung der Art gefördert haben. Die Erreichbarkeit von Beute dürfte durch die teils auch ausbeuterische vorindustrielle Land- und Forstwirtschaft (z. B. Heidebildung), heute oft fälschlicherweise einfach als
[[Datei:Eulen aus Meyers 4 Auflage 1892.jpg|thumb|300px|Verschiedene Eulen, darunter ein Uhu (Nr.4)]]
nur extensiv verklärt, verbessert worden sein, denn im Wald kann der Uhu nicht jagen.
Uhus wollen am direkten Brutplatz im Rücken Deckung haben und gleichzeitig die Umgebung beobachten, ohne sich selbst beobachtet zu fühlen.<ref name="Glutz" /> Wichtig sind ein freier Anflug und Störungsfreiheit. Auch dürfen sichere Tageseinstände nicht mehr als 500 m vom Brutplatz entfernt sein.<ref>BERGERHAUSEN, W. & K. RADLER (1989): Bilanz der Wiedereinbürgerung des Uhus (Bubo bubo) in der Bundesrepublik Deutschland. Natur u. Landschaft 64, 157-161.</ref> Tageseinstände befinden sich in deckungsreichen Waldbäumen, meist Nadelbäumen, in Felsen oder an Gebäuden mit freier Rundsicht, wobei Wetterschutz wichtiger als gute Ausblickmöglichkeit ist. In [[Niederösterreich]] waren 89 % der Tageseinstände von flüggen Junguhus Nadelbäume, meist [[Fichte]]n, der Rest lag in Laubgehölzen mit dichtem Astwerk und/oder [[Mistel]]n, meist  auf [[Pappel]]n.<ref name="leditznig" /> Gut geeignete Brutplätze werden, sofern nicht verändert, über viele Jahre genutzt, mitunter auch über Jahrzehnte von mehreren Generationen von Uhus. Trotz Störungen mit Brutverlust halten einzelne Paare jahrelang am gleichen Horstplatz fest, während andere Paare trotz erfolgreicher Brut wechseln. Dies könnte daran liegen, dass an manchen Brutplätzen keine gleichwertigen Ausweichplätze zur Verfügung stehen. Uhus können schon einjährig geschlechtsreif sein, brüten aber in der Regel erst dreijährig erfolgreich im Freiland.<ref name="Mebs" /> Im Wallis ([[Schweiz]]) brütete ab März 2003 ein Uhuweibchen, das erst im April 2002 geschlüpft war, erfolgreich.<ref name="Aebischer">AEBISCHER, A. (2003): Dispersion und Mortalität junger Uhus (Bubo bubo) untersucht mittels Radio- und Satelliten-Telemetrie. AG EULEN (Hrsg.): Internationales Symposium Dornbirn 2003: Ökologie und Schutz europäischer Eulen, 24. (Abstract).</ref>


== Brutplatz==
Früher hielt man Uhus für monogam und reviertreu.<ref name="Glutz" /> Bei Telemetriestudien stellte sich heraus, dass dies falsch ist und der Uhu, wie scheinbar auch die meisten anderen Vogelarten, nicht strikt monogam lebt und Revier und Partner durchaus wechseln kann und auch „fremdgeht“.<ref name="Dalbeck">DALBECK, L. (2003): Der Uhu Bubo bubo (L.) in Deutschland –
Der König der Nacht scheint Felsen und Steinbrüche, sofern sie vorhanden sind, als Brutplätze zu bevorzugen. In den letzten Jahren nehmen Boden-, Baum- und Gebäudebruten in Deutschland zu (DALBECK 2001). Vor allem im Flachland brüteten Uhus mangels Felsen aber schon immer am Boden und in Horsten von Greifvögeln, da Uhus wie alle Eulen keine Horste bauen. In Schleswig-Holstein befanden sich 2002 von 63 Bruten 40 (64 %) auf Bäumen, 43 % dieser Baumbrutenm fanden in speziellen Nistkästen, oben offenen Holzkisten, statt (HAMANN 2003). Da die meist zur
autökologische Analysen an einer wieder angesiedelten Population – Resümee eines Artenschutzprojekts. Aachen.</ref>
Baumbrut genutzten Greifvogelhorste nach 1 bis 2 Jahren zur weiteren Brut ungeeignet sind, bietet der Landesverband Eulenschutz in Schleswig-Holstein den Uhus zunehment Nistkästen an (Ende 2001: 49
Stück) (ASMUSSEN 2002). Bodenbruten sind zumindest im Flachland häufiger
(HAMANN 2003). In Weißrussland waren 38 von 55 Bruten von 1990 bis 2002 Bodenbruten (GRITSCHIK
& TISHECHKIN 2002). Im HSK gab es nach der Wiederbesiedlung zwei Brutplätze am Fuß von Steinbruchwänden und einen Brutplatz 2003 am Fuß eines Naturfelsens. Dieser Brutplatz befand sich am Hang eines wegen Naturverjüngung lückigen Buchenaltholzes am Fuß einer nur 2 m hohen und 3 m breiten Felsrippe. Dies zeigt, dass auch kleinste Felsen und Steinbrüche auf Bruten kontrolliert werden müssen. Außer dem seit 2003 besetzten Minifelsen gibt es nur einen weiteren Brutplatz an Naturfelsen: Der Bornstein im NSG „Bruchhauser Steine“, seit 1999 wieder besetzt, ist gleichzeitig auch ein historischer Brutplatz (bis 1876). Heute brüten Uhus zunehmend sogar an Gebäuden
(MEBS 1996). Aber bereits im 16. Jahrhundert brütete ein Paar an der Marienkirche in Wismar, wobei
der Türmer einen Teil der Beute für seine Küche nutzte (PIECHOCKI 1985). Auch GESNER stellte im 16. Jahrhundert fest: „Er wohnet auch gern in den Kirchen“.  


Der Uhu toleriert Menschennähe und ist durchaus kein Kulturflüchter. Der Uhu meidet allerdings zum Brüten in der Regel Plätze in zu großer Nähe zu Siedlungsbereichen (DALBECK 2003). Vermutlich sind
Die Revierabgrenzung und Paarbildung erfolgt meist während der Herbstbalz. Nur ein 50 [[Hektar]]en großes Horstrevier scheint gegen Artgenossen verteidigt zu werden. Als Extremwert in der Literatur werden 400 m Minimalentfernung zwischen zwei gleichzeitig besetzten Brutplätzen genannt.<ref name="Mebs" /> Dies zeigen auch laufende Forschungen in einem wegen des zahlreichen Vorkommens von Kaninchen und Wasservögeln sehr nahrungsreichen Gebiet in [[Andalusien]] bei [[Sevilla]]. Hier gibt es zahlreiche Brutplätze mit Abständen von 400 m. Ob es beim Uhu eine Selbstregulation der Bestände ab einer bestimmten Uhudichte gibt, ist noch unklar, wird aber vermutet.<ref name="leditznig" /> >
Störungen häufiger, je näher sich Siedlungen befinden. An den meist relativ gleichmäßig verlaufenden Steinbruchbetrieb gewöhnen sich Uhus scheinbar rasch. Es wurde sogar festgestellt, dass einige Jungtiere im Horst bei Ertönen des Sprengwarnsignals im Steinbruch aktiv eine Deckung aufsuchten (LEDITZNIG 1999). Die heutige Bevorzugung von Steinbrüchen und Felsen dürfte an der massiven Verfolgung in der Vergangenheit liegen. Die letzten Brutplätze in Deutschland nach dem Bestandszusammenbruch befanden sich in Felsen, weil diese schwerer zugänglich waren. Es dürfte so etwas wie eine Selektion auf diesen sichereren Brutplatztyp stattgefunden haben. Noch heute bevorzugen z. B. die Uhus der Eifel die höchsten Wände von Brüchen und Felsen. Je höher die
Wandhöhe, desto wahrscheinlicher ist eine Besiedlung (BERGERHAUSEN ET AL. 1989).


== Jagdgebiet==
Zur Balz erfolgen neben dem Gesang auch demonstrative Revierflüge, wobei auch Flügelklatschen vorkommt.<ref name="Glutz" />  Das Männchen scharrt („muldet“) mit Krallen und Schnabel Mulden von durchschnittlich 30 cm Durchmesser und versucht, das Weibchen zur potenziellen Nistmulde zu locken. Nistmulden können ab Anfang Dezember gescharrt werden. Aber auch Einzelvögel (auch Weibchen) scharren Nistmulden.<ref name="leditznig" /> Die spätere Nistmulde zur [[Ei]]ablage wird durch das Weibchen ausgewählt. Wie bei den meisten anderen Eulen und Greifen versorgen die Männchen bereits vor der Eiablage die Weibchen mit Beute.<ref name="Glutz" /> Die Fütterung des Weibchens kann bereits Anfang Dezember beginnen. In die blanke Mulde ohne Nistmaterial legt das Weibchen, mit einem Legeabstand zwischen den Eiern von 3 bis 4 Tagen, meist 2 bis 3 Eier, ausnahmsweise auch 1 oder 5 Eier. Die Eiablage erfolgt in Mitteleuropa von Ende Januar bis Ende Mai, meist im März.<ref name="Glutz" /> Es findet eine Jahresbrut statt, bei Verlust des Geleges vor dem Schlüpfen kann bei guter Ernährungslage auch ein Nachgelege gezeitigt werden.''
Das Streif- oder Jagdgebiet (heute meist als Home Range bezeichnet) eines Uhus ist, wie Telemetriestudien zeigen, zwischen 26 km2 und 128 km2 groß, wobei die Größe des Jagdgebiets im Laufe eines Jahres und von Jahr zu Jahr schwankt (LEDITZNIG 1999). Die Größe des Jagdgebiets wird dabei vom Beuteangebot bestimmt, wobei es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt. Ein Uhujagdgebiet kann bis zu 6 andere Uhureviere berühren oder ganz einschließen. Der Uhu meidet den dichten Wald auf Grund seiner großen Flügelspannweite (bis 1,70 m) zur Jagd. Er nutzt offene Flächen wie Kahlschläge, Gewässer, Wege und Aufforstungen. In Niederösterreich fanden
nur 4,1 % der Jagdflüge in Waldgebieten statt, obwohl 29,3 % der Fläche Wald war (LEDITZNIG
1999). In Offenlandbereichen von Wiesen und Äkkern fanden hingegen 89,3 % der Jagden statt. Die
Größe und die Diversität (Verschiedenartigkeit) des vorhandenen Offenland für die Jagd ist der wesentliche Faktor in Hinblick auf die Besiedlung und die Anzahl der ausfliegenden Jungen (PENTERIANI ET AL. 2001, DALBECK 2003). Je abwechselungsreicher dieses Offenland ist, desto mehr Lebensraum bietet es unterschiedlichen Beutetieren. Auch Mülldeponien und Gewässer sind für Uhus besonders nahrungsreich. Agrarsteppen werden gemieden. Brutpaare mit überdurchschnittlich viel Wald müssen überdurchschnittlich weit zum Jagen fliegen (LEDITZNIG 1999). Sie haben deshalb eine schlechtere Energiebilanz in Hinblick auf die Flugstrecke und der Größe der Beute. Um dies auszugleichen, müssten diese Uhus größere Beute schlagen, was aber normalerweise nicht möglich ist. Bei schlechter Nahrungsversorgung bleiben die Junguhus körperlich zurück. Sie können dann bis zu 20 % leichter sein als gleichaltrige Jungvögel anderer Bruten (ebd. 1999). In nahrungsarmen, meist waldreichen Revieren beginnen die Weibchen bereits früher (nach der Huderphase) zu jagen, während in nahrungsreichen Revieren die Junguhus weiterhin bewacht werden. Bei unbewachten Jungvögeln steigt das Prädationsrisiko an. Uhus mit nahrungsarmen Revieren beginnen später
zu brüten, haben weniger Eier und Bruterfolg (PENTERIANI ET AL. 2002). Auch die Lage des Brutplatzes zu den Jagdgebieten ist von Bedeutung (GÖRNER 1998). So ist es ungünstig,
wenn die Uhus die Beute von Tallagen zu einem deutlich höher gelegenen Brutplatz transportieren
müssen - wie z. B. an den Bruchhauser Steinen. Optimal hingegen ist es, wenn Uhus die Beute von einer Hochfläche zu einem tiefer gelegenen Horst schaffen können.


Das Klima im Brutgebiet wirkt sich sowohl makroklimatisch im Revier, als auch mikroklimatisch am Brutplatz aus (LEDITZNIG 1999, DALBECK 2003). So sinkt die Besiedlungswahrscheinlichkeit mit zunehmender Höhenlage. Das Klima beeinflusst die Phänologie der Vegetation sowie Abundanz und Erreichbarkeit (z. B. unter geschlossener Schneedecke) der Beutetiere. Mikroklimatische Faktoren wie Temperatur, Wind-, Regen- und Sonnenexposition entscheiden mit über die Eignung des Brutplatzes. So kann bei einem gegen Wettereinflüsse ungeschützten Brutplatz die Brut leichter verloren gehen. Darum ist der Bruterfolg der einzelnen Brutplätze sehr unterschiedlich. Wie bei
Durchschnittlich 20 % der Paare brüten überhaupt nicht und durchschnittlich nur 65 % der Brutpaare, also der Paare mit Gelege, brüten erfolgreich.<ref name="Mebs" /> Nur die Weibchen brüten. Erst wenn das Gelege vollständig ist, wird fest gebrütet und das Gelege nur während der Nacht verlassen.<ref name="leditznig" /> Bei starken Störungen, meist verursacht durch Menschen, wird das Gelege auch am Tage verlassen. Das Weibchen kehrt dann meist erst bei Dunkelheit zum Gelege zurück. Die Eier können auch mehrere Stunden ohne Bebrütung bei Temperaturen um 0 Grad überstehen. In der Nacht können auch in der Nähe rufende Rivalinnen das Weibchen veranlassen, das Gelege zu verlassen.<ref name="leditznig" /> Wenn das Gelege ungeschützt ist, kann es zu Verlusten durch Prädatoren wie [[Marder]] und [[Rabe]]nvögeln kommen. Während der Brutpausen suchen die Weibchen meist die gleichen Stellen, in der Regel nur 20- 200 m entfernt vom Brutplatz, zur Kotabgabe und zur Beuteübernahme auf. Diese Stellen sind durch die sogenannten „Brutschisse“ sehr gut zu finden und liegen mit relativ geringen Abweichungen auf Horstniveau. Von diesen Plätzen aus findet der Uhukenner in der Regel sehr schnell den eigentlichen Nistplatz.
anderen Vogelarten auch bringen einige optimale Brutplätze den Großteil der Jungvögel einer Population zum Ausfliegen. Andererseits gibt es pessimale Brutplätze, wo fast nie ein Bruterfolg gelingt und sie bei einem solchen nur maximal einen Jungvogel zum Ausfliegen bringen.


== Jagd==
Nach 34 Tagen Brut schlüpfen die weißen Dunenjungen. Falls das Gelege unbefruchtet ist oder die [[Embryo]]s, meist auf Grund von Störungen, abgestorben sind, wird das Gelege noch 1 bis 2 Wochen weiter bebrütet. Die frisch geschlüpften Jungen werden intensiv gehudert und unter dem Brustgefieder gefüttert. Während dieser Huderphase kann es bei wetterungeschützten Brutplätzen bei schlechtem Wetter vorkommen, dass die Jungen sterben.<ref name="Glutz" /> Nach 4 Wochen können die Jungen auf den Sohlen gehen, vorher wird auf den Fersen getrippelt. Falls es der Brutplatz zulässt, z. B. bei Bodenbruten, verlassen ihn die Junguhus teilweise bereits nach 3 1/2 Wochen.<ref name="Mebs" /> Sie treten in die sogenannte Infantristenphase oder Wanderphase ein. Sie können bis zu 280 m vom Nistplatz entfernt angetroffen werden, wobei sie zwischenzeitlich zum Nistplatz zurückwandern können.<ref>GÖRNER, M. (1998): Zur Populationsdynamik des Uhus (Bubo bubo) in Thüringen. Acta ornithoecologica 4, 3-27.</ref> Sie werden weiter mit Nahrung versorgt und suchen aktiv Deckung auf. Das Verlassen des Brutplatzes durch Abwandern während der Infantristenphase kann Verluste durch Feinde, heute meist [[Fuchs]] und [[Wildschwein]], mit sich bringen. Die Jungen werden in der Regel aber erfolgreich von den Eltern verteidigt. Problematisch wird es bei menschlichen Störungen, weil dann die Altvögel die Jungen schutzlos zurücklassen. Untersuchungen in Thüringen sprechen dafür, dass Jungvögel, die während der Infantristenphase ihre Umwelt zu Fuß kennenlernen, im weiteren Lebenslauf eine höhere Überlebensrate haben als Junge in unzugänglichen Felsbrutplätzen. Unzugängliche Felsen können sie erst mit Erreichen der Flugfähigkeit verlassen.
Durchschnittlich 20 Minuten nach Sonnenuntergang fliegt das Männchen vom Brutplatz ab und begibt
sich auf Jagd (GLUTZ & BAUER 1980). Ausnahmsweise kommen Jagden in der Dämmerung vor. Die
größten bekannt gewordenen Entfernungen zwischen Jagdgebiet und Brutplatz waren bei verschiedenen
Brutplätzen beim Männchen 7,3 bis 8,1 km und beim Weibchen 5,2 bis 11,5 km (LEDITZNIG 1999). Beim
Flug zum Jagdgebiet legen Männchen durchschnittlich 2,8 km und Weibchen durchschnittlich 2,6 km
zurück. Der Uhu wendet verschiedene Jagdtechniken, wie Ansitzwartenjagd, Pirschflug, Boden- und Flugjagd an. Beim Pirschflug fliegt der Uhu häufig nur 1m über dem Boden (LEDITZNIG 1999). In freiem Gelände fliegt er meist im Zick-Zack-Flug, an linearen Strukturen im Gebiet wie Hecken, Waldrändern und Gewässern patrouillierend entlang. Beutevögel werden in der Regel am Schlafplatz überrascht und getötet. Angriffe sind häufig auch erfolglos. Genauere Untersuchungen darüber scheinen bisher zu fehlen. In einem Fall wurden in 15 Minuten sieben erfolglose Angriffsversuche auf den gleichen Stockententrupp registriert (LEDITZNIG 1999). Die Beute wird meist an
bestimmten Orten am Brutplatz gerupft, gefressen oder deponiert (bei Beuteüberschuss werden Beutedepots angelegt). Im HSK war die größte gefundene Depotbeute ein Jungfuchs. Zumindest gerade selbständig gewordene Junguhus können in der nächsten Nacht zur Beute, die im Gelände liegengelassen wurde, zurückkehren.  


Nur kleine Beute wird unzerteilt verschlungen, größere gerupft. Größere Knochen zerbeißt oder durchbricht ein Uhu. Auf welche Weise er Igelhäute ausschält - es bleiben nur die ausgeschälten Igelhäute zurück - ist noch unklar. Wenn möglich trinkt der Uhu regelmäßig. Unverdaute Reste der Beute werden als Gewölle ausgewürgt. Die Gewölle sind im Mittel 72 mm (43 - 129 mm) lang und 34 mm (19 - 44 mm) dick und grau (MEBS & SCHERZINGER 2000). Uhugewölle sind wegen ihrer Größe unverwechselbar.
Erste Flugversuche finden mit 8 Wochen statt, die volle Flugfähigkeit wird mit 10 Wochen erreicht.<ref name="Glutz" /> Männchen können die Junguhus nach dem Tod des Weibchens auch allein aufziehen, sofern die Jungen nicht mehr gehudert werden müssen. Bereits im Alter von 3 bis 4 Wochen beginnen Greif- und Beutefangspiele, alle Beuteerwerbs-Handlungen werden mit 80 Tagen beherrscht. Selbstständiges Jagen beginnt mit 5 Monaten. Die Ausflüge werden mit der Zeit immer länger, bis die Junguhus Anfang September bis Anfang Dezember aus dem elterlichen Revier abwandern (LEDITZNIG ET AL. 2001). Telemetrierte Junguhus legten bei der Abwanderung durchschnittlich 8,9 km und maximal 35 km pro Nacht zurück, maximal 3 bis 4 km pro Stunde.<ref name="Aebischer" /><ref name="leditznig" /> In nahrungsreichen Gebieten nutzen die Junguhus temporäre Jagdgebiete von bis zu 200 km2 Größe, häufig in Anlehnung an bestehende Brutreviere.<ref name="leditznig" /> Noch nicht geschlechtsreife Uhus werden bei ausreichender Nahrungsgrundlage scheinbar von adulten fremden Uhus geduldet und wurden einmal nur 100 m vom Brutplatz eines fremden Paares beobachtet.
Abwandernde Jungvögel meiden großflächig ausgeräumte und intensiv bewirtschaftete Agrargebiete und dichte Waldgebiete. Sie verließen spätestens nach 3 Tagen solche nahrungsarme Gebiete.<ref name="leditznig" />


== Beute==
Wie Ringfunde zeigen, wandern Junguhus durchschnittlich 80 km vom Geburtsort ab.<ref name="Mebs" /> Die weiteste nachgewiesene Wanderstrecke beträgt in Deutschland 315 km. Dem einmal gewählten Einstandsgebiet bleiben Uhus scheinbar ein Leben lang treu, auch wenn sie im Gebiet Partner und Revier wechseln können.
Bei der Nahrungswahl zeigt sich der Uhu als Opportunist. Er jagt hauptsächlich diejenigen Beutetiere, die im jeweiligen Gebiet häufig und leicht erreichbar sind. Da der Uhu auch Aas annimmt, hat man schon Reste von Rehen und Hirschen bei ihm gefunden. Beute bis 3 kg Gewicht wird zum Horst transportiert (MEBS & SCHERZINGER 2000). Auffällig ist der hohe Anteil von geschwächten, behinderten und Knochenbrüche aufweisenden Beutetieren. In „Mäusejahren“ können diese Nager zur Hauptbeute werden. In Mitteleuropa bestehen zwischen 24 % und 43 % der Beute aus Mäusen und Ratten (MEBS & SCHERZINGER 2000). In Niederösterreich wurden in einem „Igeljahr“ 170 Igelschwarten
bei einem einzigen Brutpaar gefunden (LEDITZNIG 1999). In norddeutschen Mittelgebirgen hat man bei einer Untersuchung von 13.293 Beuteresten herausgefunden, dass Igel den Hauptanteil der
Beutemasse (25,6 %) ausmachen (Dahlbeck 2003). Ferner wurden jahreszeitliche Unterschiede bei der Beutewahl festgestellt (DAHLBECK 1994). Im Frühling und Sommer wurden viel Igel, Hasenartige, Greifvögel und Eulen geschlagen. Im Winter wurden Mäuse bedeutsam.


Nahrungszusammensetzung der Uhus aus dem nordwestdeutschen Mittelgebirgen 1986-
== [[Lebensraum]]==
1992 (verändert nach DALBECK 2003)
[[Datei:UHU-Steinbruch.jpg|thumb|Gut getarnter Uhu in Steinbruch]]
Beutetiere Anzahl Anteil % Masse %
Der Uhu zeigt von allen Eulen die größte Anpassungsleistung an verschiedene Lebensräume. Er meidet lediglich den dichten Wald, ausgeräumte Agralandschaften, Wüsten und Hochgebirge. Neuere Erkenntnisse gehen davon aus, dass durch die pflanzenfressenden Großtiere ([[Auerochse]], [[Wisent]], Tarpan, [[Elch]], [[Hirsch|Rothirsch]]) und [[Biber]] zumindest teilweise waldweideartige Waldstrukturen geschaffen wurden, die auch dem Uhu in prähistorischer Zeit in Mitteleuropa ausreichend Lebensraum gegeben haben dürften.<ref name="LINDNER" /> Die Umwandlung der Urlandschaft in eine Kulturlandschaft wird die Verbreitung der Art gefördert haben. Die Erreichbarkeit von Beute dürfte durch die teils auch ausbeuterische vorindustrielle Land- und Forstwirtschaft (z. B. Heidebildung), heute oft fälschlicherweise als nur extensiv verklärt, verbessert worden sein, denn im Wald kann der Uhu nicht jagen. In den letzten Jahren kommt es zunehmend zur Besiedlung von Stadtgebieten. Auch außerhalb des Siedlungsgebietes brütende bzw. ihr Einstandsgebiet habende Uhus nutzen zur Jagd die Siedlungsbereiche von Dörfern und Städten. Dabei werden insbesondere Parks und Gewässer genutzt. Auch Bereiche mit Wanderratten-Vorkommen wie z.B. Stallbereiche werden bevorzugt aufgesucht.
Igel 1583 11,91 25,6
Hasenartige: 2 Arten 1968 14,8 24,78
Mäuse: 13 Arten 3863 29,08 2,99
Ratten: 2 Arten 1533 11,53 9,88
Diverse Säugetiere: 14 Arten 324 2,22 2,43
Säugetiere: 32 Arten 9270 69,74 65,66
Tauben: 5 Arten 1257 9,45 10,45
Diverse Vögel: 62 Arten 2654 19,97 23,26
Vögel: 67 Arten 3911 29,42 33,71
Amphibien: 3 Arten 22 0,17 0,02
Fische: 6 Arten 69 0,52 0,59
Insekten: 3 Arten 20 0,15 0
Gesamt: 111 Arten 13293 100 100


== Menschliche Verfolgung==
== Brutplatz==
Nach einer Schätzung haben noch im 17. Jahrhundert 2500 Uhubrutpaare im Gebiet der Bundesrepublik in den Grenzen bis 1990 gelebt (BERGERHAUSEN & RADLER 1989). Um diese Zeit wurden erstmals zuverlässige Schusswaffen verfügbar und eine intensive „Raubzeugbekämpfung“ setzte ein. Als
[[Datei:Steinbruch.jpg|thumb|Steinbruch mit Uhubrutplatz (s. Markierung)]]
„Raubzeug“ wurden alle Tierarten verfolgt, von denen
[[Datei:Brütendes Uhuweibchen.JPG|thumb|Brütendes Uhuweibchen im stillgelegtem Steinbruch im Hochsauerlandkreis (NRW)]]
die Bevölkerung annahm, dass sie Haustiere und
Der "König der Nacht" scheint Felsen und Steinbrüche, sofern sie vorhanden sind, als Brutplätze zu bevorzugen. In den letzten Jahren nehmen Boden-, Baum- und Gebäudebruten in Deutschland zu. Auch Kies- und Sandgruben werden inzwischen besiedelt. Vor allem im Flachland brüteten Uhus mangels Felsen aber schon immer am Boden und in Horsten von Greifvögeln, da Uhus wie alle Eulen keine Horste bauen. In [[Schleswig-Holstein]] befanden sich 2002 von 63 Bruten 40 (64 %) auf Bäumen, 43 % dieser Baumbruten fanden in speziellen Nistkästen, oben offenen Holzkisten, statt.<ref>HAMANN, C. (2003): Jahresbericht 2002 Uhu. Eulenwelt 3, 5-8.</ref> Da die meist zur Baumbrut genutzten Greifvogelhorste nach 1 bis 2 Jahren zur weiteren Brut ungeeignet sind, bietet der Landesverband Eulenschutz in Schleswig-Holstein den Uhus zunehment Nistkästen an. Bodenbruten sind zumindest im Flachland häufiger, da dort Felsen bzw. Steinbrüche fehlen. In [[Weißrussland]] waren 38 von 55 Bruten von 1990 bis 2002 Bodenbruten.<ref>GRITSCHIK, W. W. & A. K. TISHECHKIN (2002): Eagle Owl (Bubo bubo) in Belarus: distribution and breeding biology. Subbuteo 5, 3-19. (russ.)</ref> Im Naturschutzgebiet „Bruchhauser Steine“ im Hochsauerland (NRW) wurde 1999 ein historischer Brutplatz, bis 1876 vom Uhu besiedelt, in den dortigen Felsen nach 123 Jahren wieder besetzt.<ref name="LINDNER" /> Heute brüten Uhus zunehmend sogar an Bauwerken. Aber bereits im 16. Jahrhundert brütete ein Paar an der Marienkirche in [[Wismar]].  
Wild fressen. Diese allgemeine „Raubzeugbekämpfung“
wurde durch Abschussprämien behördlich
gefördert. Tag- und Nachtraubvögel wurden
schlicht als Räuber und Diebe bezeichnet. Alles was
krumme Schnäbel und Fänge hatte, sollte ausgerottet
werden. Ab 1665 zahlte das Herzogtum Calenberg
(an der Leine im heutigen Niedersachsen gelegen),
soweit es sich heute noch rekonstruieren lässt, die ersten
Abschussprämien für Uhus in Deutschland
(BERGERHAUSEN & RADLER 1989). Es folgten das Herzogtum
Lüneburg 1695, Sachsen 1698, Österreich
1690 und Mecklenburg 1706. In Wittgenstein zahlten
die Behörden ab 1731 20 Albus pro abgegebenen
Uhufangpaar (KÖNIG 1967). Allein im Jahr 1735 wurden
in Wittgenstein nach alten Akten 5 junge Uhus
gefangen (als Hüttenuhus?). In den General-Tabellen
der Hochfürstlich Wittgenstein Berleburgischen Jagd
sind unter dem Raubzeug von 1735 bis 1847 23 Uhus
als geschossen oder gefangen verzeichnet. Für Jagdaufseher
und Förster war es darum äußerst lukrativ,
allem „Raubzeug“ nachzustellen.
Ob auch im Sauerland Uhuabschussprämien gezahlt
wurden, ist mir unbekannt und ließe sich nur durch
aufwendige Archivrecherche klären. In Preußen, zu
dem das Hochsauerland zu jener Zeit gehörte, wurden
nach einer amtlichen Statistik vom 1. April 1885
bis 31. März 1886 noch 190 Uhus erlegt (PIECHOCKI
1985).
Der Uhu wurde als Feind des Wildes angesehen. So
schreibt MEYER 1799: „Man kann ihn unter die ersten
Raubvögel rechnen, und besonders, wenn er Junge
hat, richtet er die größten Verwüstungen unter fliegendem
und vierfüßigem Wildbret an, da er sodann
junge Rebhühner, Auerhühner, Lämmer, Haasen u.
a. den Jungen zuschleppt, und daher der jungen Brut
des Wildbrets außerordentlich schädlich wird, indem
dasselbe sich größtenteils des Nachts ins Feld begibt
und sodann dem scharfen Gesichte, Geruche und
Klauen dieses schädlichen Eulengeschlechts Preis
gegeben ist; indem selbst der schnellfüßige Haase
niemals ihren Klauen entkommt.“ Dieses schrieb
Meyer nicht etwa im Zusammenhang mit der Jagd,
sondern in einem Buch über Naturbeobachtungen im
Sauerland.
Noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war bei
vielen Ornithologen eine Einteilung der Vögel in
nützlich oder schädlich verbreitet. Im Vogelbuch „Aus
Deutschlands Vogelwelt“ wurde 1936 der Uhu in der
Relation „Nutzen : Schaden“ mit 14:17 aufgeführt
(NORDMARK & ZUKOWSKY 1936). Diese Einteilung in
nützlich und schädlich erscheint uns heute mit unserem
ökologischen Grundwissen nicht mehr nachvollziehbar.
An Diskussionen über die Rabenvögel und
den Kormoran lässt sich aber noch heute ein ähnliches
emotionales, unwissenschaftliches Denken feststellen,
erfreulicherweise fast nicht mehr bei Ornithologen.
Einen kleinen Einblick über die Uhuverfolgung im
heutigen HSK geben die folgenden Mitteilungen
(FELDMANN 1963). Das letzte Brutpaar im Mühlenbachtal
bei Brilon-Thülen wurde abgeschossen. Ferner
wurde ein einzelnes Männchen noch 1897 oder
1899 an den Bruchhauser Steinen bei Olsberg-Bruchhausen
geschossen. Am Uhufelsen bei Brilon-Alme
wurde der Horst alljährlich ausgenommen.
Zu Todesfällen von Uhus kam es auch durch die früher
zur „Raubzeugbekämpfung“ häufig verwendeten
Tellereisen. Da der Uhu an Aas geht, wurde er absichtlich
oder unabsichtlich in Tellereisen gefangen.


Eine weitere wichtige Ursache für die Dezimierung,
Der Uhu toleriert Menschennähe und ist durchaus kein Kulturflüchter. Er meidet allerdings zum Brüten in der Regel Plätze in zu großer Nähe zu Siedlungsbereichen.<ref name="Dalbeck" /> Vermutlich sind Störungen häufiger, je näher sich Siedlungen befinden. An den meist relativ gleichmäßig verlaufenden Steinbruchbetrieb gewöhnen sich Uhus scheinbar rasch. Es wurde sogar festgestellt, dass einige Jungtiere im Horst bei Ertönen des Spreng-Warnsignals im Steinbruch aktiv eine Deckung aufsuchten.<ref name="leditznig" /> Die heutige Bevorzugung von Steinbrüchen und Felsen dürfte an der massiven Verfolgung in der Vergangenheit liegen. Die letzten Brutplätze in Deutschland nach dem Bestandszusammenbruch befanden sich in hohen Felsen, weil diese schwerer zugänglich waren. Es dürfte so etwas wie eine Selektion auf diesen sichereren Brutplatztyp stattgefunden haben. Noch heute bevorzugen Uhus die höchsten Wände von Steinbrüchen und Felsen. Je höher die Wandhöhe, desto wahrscheinlicher ist eine Besiedlung.
vielleicht sogar noch bedeutsamer als direkte Vernichtung,
war das Aushorsten von Junguhus für die
Hüttenjagd. So schreibt RAMMNER noch 1952: „Solche
gezähmten Uhue leisten bei der Krähenvertilgung
und der Raubvogelbekämpfung gute Dienste.
Bei der Hüttenjagd wurde der Uhu auf einem krückenartigen
Pfahl, der Jule, im freien Gelände gesetzt und
zu Bewegungen animiert. SCHMIDT beschrieb 1913:
„Durch diesen jähen Ruck seiner Sitzstange wird der
Uhu jedes Mal zum Flügelschlagen und anderen Bewegungen
veranlasst, durch die er sich den Vögeln
bemerkbar macht.“ Fast sämtliche Tagvögel erkennen
den Uhu als Feind und hassen auf ihn. Durch ihr
Hassen (eher ein Necken und Foppen) wollen sie den
Uhu aus ihrem Revier vertreiben. Dabei wird der Uhu
unter Warnrufen umkreist, teils sogar angegriffen,
oder die Vögel setzen sich auf den in günstiger
Schussentfernung stehenden sogenannten Fallbaum.
In einer getarnten Erdhütte verborgen, daher der
Name Hüttenjagd, befand sich der Jäger und schoss
die Möwen, Raben- und Greifvögel ab. Jäger fingen
einst sogar Singvögel bei der Hüttenjagd (SCHMIDT
1913). Die Singvögel blieben, wenn sie sich beim
Hassen setzten, an ausgelegten Leimruten hängen.
Noch um 1964 war die Hüttenjagd mit lebenden Uhus
in weiten Teilen Westeuropas verbreitet (verschiedene
Artikel in ICBP 1964). Sie wurde bis in die 70er
Jahre des letzten Jahrhunderts in beiden Teilen
Deutschlands ausgeübt.
Heute ist die Hüttenjagd mit lebenden Uhus in
Deutschland verboten. Sie wird teilweise noch mit
Uhupräparaten und Uhuattrappen gegen Rabenvögel
ausgeübt. LEMKE schreibt 1982 über die Hüttenjagd:
„Seit dem 16. Jahrhundert üblich, wird diese auch
kulturhistorisch bedeutsame Jagdart bei uns – überwiegend
aus Unkenntnis – kaum noch ausgeübt.“ In
Österreich ist die Hüttenjagd ebenfalls verboten. Zumindest
im Bundesland Vorarlberg gab es 2003 noch
3 gültige Ausnahmegenehmigungen zur Hüttenjagd
mit lebenden Uhus (Kilzer mld.).
Heute werden Greifvögel, die gleiche Hassreaktion
ausnutzend, zur Beringung, Markierung und
Besenderung von Ornithologen mit Uhuhilfe eingefangen.
Bei dieser aus dem Orient stammenden Methode
wird ein Uhu oder auch ein Uhupräparat hinter
ein Netz gestellt und der Greifvogel fliegt, wenn er
auf den Uhu hasst, ins Netz.
Mit ausgehorsteten Junguhus wurde ein richtiger
Handel betrieben (EPPLE 1987). FÜRSTENBERG schreibt
1910 über den Rückgang: „Diese traurige Tatsache
ist einzig und allein darin begründet, dass der Uhu
heute als recht einträgliche Handelsware gilt und die
Horste, mochten sie auch noch so schwer zu erreichen
sein, stets von hierauf besonders „eindressierten“
Ausnehmern ausgeraubt wurden.“ In Böhmen gab es
von 1895 bis 1904 350 Aushorstungen, ferner 100
Abschüsse, 50 Tellereisenopfer und 30 Eierdiebstähle
(HERRLINGER 1973). In Westfalen wurden von 1879
bis 1912 20 geschossen, 2 gefangen und 8 ausgehorstet.
Eine einzige Tierhandlung in Ulm bot im Sommer
1914 83 ausgehorstete Junguhus zum Kauf an
(HERRLINGER 1973). Einmalig war wohl das frühe
Vogelschutzgesetz von 1777 in Lippe-Detmold, welches
das Ausnehmen aller Vögel, also auch den sogenannten
schädlichen, verbot (ROCKENBAUCH 1998


Nachdem die Ornithologen schon ab Mitte des 19.
== Jagdgebiet==
Jahrhunderts den Rückgang des Uhus beklagten und
Das Streif- oder Jagdgebiet (heute meist als Home Range bezeichnet) eines Uhus ist, wie Telemetriestudien zeigen, zwischen 26 km2 und 128 km2 groß, wobei die Größe des Jagdgebiets im Laufe eines Jahres und von Jahr zu Jahr schwankt.<ref name="leditznig" /> Die Größe des Jagdgebiets wird dabei vom Beuteangebot bestimmt, wobei es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt. Ein Uhu-Jagdgebiet kann bis zu 6 andere Uhureviere berühren oder ganz einschließen. Der Uhu meidet den dichten Wald auf Grund seiner großen Flügelspannweite (bis 1,70 m) zur Jagd. Er nutzt offene Flächen wie Kahlschläge, Gewässer, Wege und Aufforstungen. In Niederösterreich fanden nur 4,1 % der Jagdflüge in Waldgebieten statt, obwohl 29,3 % der Fläche Wald war.<ref name="leditznig" /> In Offenlandbereichen von Wiesen und Äckern fanden hingegen 89,3 % der Jagden statt.  
seinen Schutz forderten, beginnen die Regierungen
um die vorletzte Jahrhundertwende langsam zu handeln.
ENGELMANN zitiert 1928 ein Schreiben des zuständigen
Ministeriums von 1904: „Das Ministerium
für Landwirtschaft, Domänen und Forsten
schreibt sehr treffend: „Man vergesse über der Erwägung
von der Nützlichkeit und Schädlichkeit der
Vögel nicht, dass sie der Schmuck und das belebende
Element der Natur sind, und schütze, ohne in besonderen
Fällen auf Selbsthilfe zu verzichten, auch
diejenigen Vögel, die zwar als vielfach schädlich
bekannt, aber jetzt schon so selten sind, dass ihre
dauernde Verfolgung einer Vernichtung der Art
gleichkäme. Dahin gehören u. a. die Adler, Zwergfalken,
der Uhu, der schwarze Storch, Eisvogel und
die Wasseramsel.“ Fürstenberg forderte 1910 hohe
Strafen für Erlegung, Nestraub und Ankauf geraubter
Uhus und ferner Prämien für erfolgreiche Bruten
und Anzeigen gegen Täter und Ankäufer. Der Naturschutz
forderte aber nicht nur Schutzmaßnahmen von
den Behörden, sondern er wurde auch selbst aktiv.
Im Jahr 1916 - „wie früher, so auch in diesem Jahr“ -
lobten die „Blätter für Naturschutz und Heimatpflege“
Schutzprämien für seltene Arten der Fauna und Flora
aus (BENECKE 1916). 20 Mark erhielten Forst- und
Jagdbeamte, aber auch andere Personen, in deren
Gebieten Uhus ungestört brüten durften. Besonders
bemerkenswert ist, dass BENECKE 1916 schrieb: „Wir
treiben also nicht in einem bestimmten Gebiete praktischen
Naturschutz, sondern überall, auch in uns
befreundeten Ländern, wie bisher z. B. Österreich,
und darauf kommt es an.“ Diese Prämien waren ausdrücklich
auch als Ersatz für die entgangenen Schussund
Fanggelder gedacht. Leider ist fast nichts über
dieses Schutzprämiensystem bekannt.
Die ersten Schutzgesetze im Deutschen Reich für Tagund
Nachtraubvögel griffen anfangs noch nicht, die
Bestände gingen weiter zurück. ENGELMANN schrieb
1928: „Alte Uhus wurden auf der Treibjagd, z. B.
bei Jena, vor vielen Zeugen geschossen, ohne dass
ein Hahn darum krähte. Ein Jäger fing in einem mit
Krähen bestückten, auf Füchse gestellten Tellereisen
binnen drei Tagen zwei alte Uhus, ein Paar. Und so
geht es weiter.“ Engelmann forderte zum Schutz von
seltenen Tag- und Nachtraubvögeln eine Meldepflicht
von Präparatoren. Präparatoren sollten nur noch mit
behördlicher Genehmigung seltene Arten wie Uhus
ausstopfen dürfen. Bei rückfälligen Sündern forderte
er Berufsverbot und bei Jägern Jagdscheinentziehung.
Erst Mitte der 30er Jahre erließ die
Reichsregierung unter den Nazis für diese Zeit vorbildliche
Gesetze zum Schutz der Natur. Da es zur
Nazizeit nicht ratsam war, die relativ gut überwachten
Gesetze zu brechen, dürfte es erstmals seit Jahrhunderten
wieder zu einem Bestandsanstieg der Uhupopulation
in Deutschland gekommen sein. Dieser
Anstieg dürfte auch in der noch waffenlosen Nachkriegszeit
angehalten haben. Da die Menschen während
des Zweiten Weltkrieges und in der Nachkriegszeit
andere Sorgen hatten, ist der Bestandsverlauf jener
Jahre fast nicht dokumentiert.
Die Bestände gingen in den 50er und 60er Jahren in
einigen Gebieten wieder zurück (GLUTZ & BAUER
1980). In der Eifel gab es die letzte Brut autochthoner
Uhus erst 1963. Nur noch in Bayern, Thüringen
und Sachsen brüteten Uhus. Mitte der 60er Jahren
setzten verstärkte Schutzbemühungen des Naturschutzes
ein. In Bayern und Ostdeutschland wurden nun
einzelne Horste bewacht oder zumindest überwacht
(FÖRSTEL 1983, GÖRNER 1998). In verschiedenen Bundesländern
begann der ehrenamtliche Naturschutz mit
Auswilderungen. Seit dieser Zeit befindet sich der
Uhubestand fast überall im Aufwind (siehe Tabelle
II.).
Tabelle II. Uhu-Brutbestandsangaben für
Deutschland (heutige Grenzen) nach Literatur
Jahr Brutpaare
1900 160 - 180
1930 50 - 70
1975 180 - 220
1999 740 - 846
Noch immer ist Deutschland nördlich der Mittelgebirge
fast uhufrei (z. B. Mecklenburg 0 - 1 Bp.). Nur
in Schleswig-Hostein gibt es heute auf Grund von
Auswilderungen 63 Brutpaare (2002) (HAMANN
2003). In Teilen von Bayern und Sachsen nimmt der
Uhubestand seit einigen Jahren ab (LANZ & STAAB
2002, Augst mdl.). Die Experten vor Ort vermuten
als Grund der zurückgehenden Reproduktion, Nahrungsmangel
als Hauptursache (Augst, Förstel, Mebs
mdl.). In Bayern wurde deshalb 2001 ein Artenhilfsprogramm
für den Uhu gestartet. Allerdings hat
sich der Bestand in Deutschland in den letzten Jahren
auf 830-950 Brutpaare (Datengrundlage aus den
Jahren 1998-2003) vergrößert (MEBS mdl.).


Die Größe und die Diversität (Verschiedenartigkeit) des vorhandenen Offenlands für die Jagd ist der wesentliche Faktor in Hinblick auf die Besiedlung und die Anzahl der ausfliegenden Jungen.<ref name="Dalbeck" /><ref>PENTERIANI, V., GALLARDO, M., ROCHE, P., & H. CAZASSUS (2001): Effects
of Landscape Spacial Structure and Composition on the Settlement of the Eagle Owl Bubo bubo in a Mediterranean Habitat. Ardea 89, 331-340.</ref> Je abwechselungsreicher dieses Offenland ist, desto mehr Lebensraum bietet es unterschiedlichen Beutetieren. Auch Mülldeponien und Gewässer sind für Uhus besonders nahrungsreich. Monotone Agrarsteppen werden gemieden. Brutpaare mit überdurchschnittlich viel Wald müssen überdurchschnittlich weit zum Jagen fliegen.<ref name="leditznig" /> Sie haben deshalb eine schlechtere Energiebilanz in Hinblick auf die Flugstrecke und die Größe der Beute. Um dies auszugleichen, müssten diese Uhus größere Beute schlagen, was aber normalerweise nicht möglich ist. Bei schlechter Nahrungsversorgung bleiben die Junguhus körperlich zurück. Sie können dann bis zu 20 % leichter sein als gleichaltrige Jungvögel anderer Bruten.<ref name="leditznig" /> In nahrungsarmen, meist waldreichen Revieren beginnen die Weibchen bereits früher (nach der Huderphase) Nachts zu jagen, während in nahrungsreichen Revieren die Junguhus weiterhin bewacht werden. Bei unbewachten Jungvögeln steigt das Prädationsrisiko an. Uhus mit nahrungsarmen Revieren beginnen später zu brüten, haben weniger Eier und Bruterfolg. <ref>PENTERIANI, V. GALLARDO, M. & P. ROCHE (2002): Landscape structure and food supply affect eagle owl (Bubo bubo) density and breeding performance: a case of intra-population heterogeneity. J. Zool. Lond. 257, 365-372.</ref> Auch die Lage des Brutplatzes zu den Jagdgebieten ist von Bedeutung. So ist es ungünstig, wenn die Uhus die Beute von Tallagen zu einem deutlich höher gelegenen Brutplatz transportieren müssen. Optimal hingegen ist es, wenn Uhus die Beute von einer Hochfläche bzw. Berg zu einem tiefer gelegenen Horst schaffen können.


== Auswilderung von gezüchteten Uhus==
Das [[Klima]] im Brutgebiet wirkt sich sowohl makroklimatisch im Revier, als auch mikroklimatisch am Brutplatz aus.<ref name="Dalbeck" /><ref name="leditznig" /> So sinkt die Besiedlungs-Wahrscheinlichkeit mit zunehmender Höhenlage. Das Klima beeinflusst die Phänologie der [[Vegetation]] sowie Abundanz und Erreichbarkeit (z. B. unter geschlossener Schneedecke) der Beutetiere. Mikroklimatische Faktoren wie Temperatur, Wind-, Regen- und Sonnenexposition entscheiden mit über die Eignung des Brutplatzes. So kann bei einem gegen Wettereinflüsse ungeschützten Brutplatz die Brut leichter verloren gehen. Darum ist der Bruterfolg der einzelnen Brutplätze sehr unterschiedlich. Wie bei anderen Vogelarten auch bringen einige optimale Brutplätze den Großteil der Jungvögel einer Population zum Ausfliegen. Andererseits gibt es pessimale Brutplätze, wo fast nie ein Bruterfolg gelingt und sie bei einem solchen nur maximal einen Jungvogel zum Ausfliegen bringen.
Bereits 1910, also noch mitten in der Rückgangsphase
auf Grund massiver Verfolgungen, wurden im Deutschen
Reich in Holstein und in der Göhrnde (Nieder
Direkte menschliche Verfolgung scheint heute in
Deutschland selten. Dafür nehmen menschliche Störungen
und durch Menschen verursachte Gefährdungen
zu. Aber es gibt immer wieder „Einzelfälle“, dass
Uhus abgeschossen werden. Im Kreis Soest bei
Erwitte wurde im März 2003 in der Brutnische (2002
dort 4 flügge Uhus) ein totes, schon mumifiziertes
Uhuweibchen entdeckt. Wie die Röntgenuntersuchung
zeigte, wurde der Uhu mit einer Kugel, also
nicht mit Schrot, in den Kopf geschossen (Hegemann
mail). Auch der Partner des Vogels war verschwunden.
Wahrscheinlich wurde auch das Männchen abgeschossen.
In Teilen Bayerns hat die Verfolgung scheinbar nie
aufgehört (SCHERZINGER 1987, Scherzinger mdl.)
Auch in Teilen Österreichs gibt es nach wie vor Nachstellungen
(Steiner mdl.). Überhaupt häufen sich in
letzter Zeit Meldungen, dass wieder verstärkt auf geschützte
Arten geschossen wird. Falls derartige Fälle
bekannt werden, bittet der VNV um sofortige Meldung,
um der Sache nachzugehen.


== Aktuelle Gefährdungen==
== Jagd==
[[Datei:Uhu-Rupfplatz.jpg|thumb|Uhu-Rupfplatz in einem stillgelegten Steinbruch im Sauerland(NRW) im Februar. Das rufende Uhupaar hält sich um den Steinbruch auf und nutzt bereits den Rupfplatz, obwohl die Brut noch nicht begonnen hat.]]
Durchschnittlich 20 Minuten ''nach Sonnenuntergang'' fliegt das Männchen vom Brutplatz ab und begibt sich auf Jagd.<ref name="Glutz" /> Ausnahmsweise kommen Jagden in der Dämmerung vor. Die größten bekannt gewordenen Entfernungen zwischen Jagdgebiet und Brutplatz waren bei verschiedenen Brutplätzen beim Männchen 7,3 bis 8,1 km und beim Weibchen 5,2 bis 11,5 km.<ref name="leditznig" /> Beim Flug zum Jagdgebiet legen Männchen durchschnittlich 2,8 km und Weibchen durchschnittlich 2,6 km zurück. Der Uhu wendet verschiedene Jagdtechniken, wie Ansitzwarten-Jagd, Pirschflug, Boden- und Flugjagd an. Beim Pirschflug fliegt der Uhu häufig nur 1 m über dem Boden.<ref name="leditznig" /> In freiem Gelände fliegt er meist im Zick-Zack-Flug an linearen Strukturen im Gebiet wie [[Hecke]]n, Waldrändern und Gewässern entlang. Beutevögel werden in der Regel am Schlafplatz überrascht und getötet. Angriffe sind häufig auch erfolglos. Genauere Untersuchungen darüber scheinen bisher zu fehlen. In einem Fall wurden in 15 Minuten sieben erfolglose Angriffsversuche auf den gleichen [[Stockente]]n-Trupp registriert.<ref name="leditznig" /> Die Beute wird meist an bestimmten Orten am Brutplatz gerupft, gefressen oder deponiert (bei Beuteüberschuss werden Beutedepots angelegt). Im Hochsauerland war die größte gefundene Depotbeute ein Jungfuchs. Zumindest gerade selbständig gewordene Junguhus können in der nächsten Nacht zur Beute, die im Gelände liegengelassen wurde, zurückkehren.


Im Umkreis von 300 m um besetzte Brutplätze sollten
Nur kleine Beute wie Mäuse wird unzerteilt verschlungen, größere gerupft. Größere Knochen zerbeißt oder durchbricht ein Uhu. Auf welche Weise er Igelhäute ausschält - es bleiben nur die ausgeschälten Igelhäute zurück - ist noch unklar. Wenn möglich trinkt der Uhu regelmäßig. Unverdaute Reste der Beute werden als Gewölle ausgewürgt. Die Gewölle sind im Mittel 72 mm (43 - 129 mm) lang und 34 mm (19 - 44 mm) dick und grau.<ref name="Mebs" /> Uhugewölle sind wegen ihrer Größe unverwechselbar.
keine Hochsitze errichtet werden, um Störungen
zu vermeiden (PIECHOCKI 1985). Falls, wie in einem
Fall im HSK, Hochsitze direkt in der Nähe des Brutplatzes
errichtet werden, kann es zu gravierenden Störungen
des Brutverlaufs kommen. Im besagten Brutplatz
hat es nach der Errichtung des Hochsitzes keinen
Bruterfolg mehr gegeben, obwohl dieser Platz
vorher einer der erfolgreichsten im HSK war (viel
Grünland im Revier), wovon unter anderem eine erfolgreiche
Viererbrut zeugt. Auch in Niedersachsen
sind Probleme mit Hochsitzen in der Nähe von Brutplätzen
festgestellt worden (BRANDT 2003).
In Deutschland und anderen Teilen Europas ist in
Felsgebieten der Hauptkonfliktpunkt bezüglich Störungen
des Uhus durch Menschen am Brutplatz das
Klettern (BRANDT 2003, DAHLBECK 2003, MIHELIC
2003). In Bayern bleiben durch Störungen von Kletterern
in Naturfelsen 10 bis 20 %, bei gutem
Frühjahrswetter sogar 40%, der Bruten erfolglos
(ebd.). Auch in Baden-Württemberg sind die Brutergebnisse
an Kletterfelsen, auch in NSG, unterdurchschnittlich.
So zeigt sich im Klettergebiet des mittleren
Rurtals, dass der Bruterfolg dort der bei weitem
schlechteste der Eifel ist (DALBECK 2003).
Bis heute gibt es in NRW keine Brutplätze, wo das
von Klettersportverbänden immer wieder geforderte
räumliche Nebeneinander und zeitliche Nacheinander
mit dem Uhu wirklich funktioniert. Die Kletterverbände
kommen mit diesen Ideen immer erst, wenn
ein Kletterverbot droht oder bereits besteht. Im HSK
zeigt sich der Konflikt Naturschutz und Klettersport
vor allen an den Bruchhauser Steinen (SCHUBERT
2001). Dort brüten sowohl Uhu als auch Wanderfalke.
Auch beim Wanderfalkenschutz treten ähnliche
Probleme mit Kletterern auf (ROCKENBAUCH 1998).
Bei der Aufstellung des neuen Landschaftsplans
Olsberg gibt es erhebliche Anstrengungen des Naturschutzes,
um das absolute Kletterverbot an den
Bruchhauser Steinen gegen die Lobby aus Kletterund
Touristikverbänden, die Stadt Olsberg und politische
Parteien zu verteidigen. Die Kletterer wollen
die Brutplätze von Uhu und Wanderfalke räumlich
und zeitlich vom Kletterbetrieb trennen. Die bisherigen
Erfahrungen mit den Kletterern in der Eifel und
im HSK zeigen, dass dabei letztlich Fauna und Flora
verlieren würden.
In den letzten Jahren sind an sechs verschiedenen
Stellen, davon in vier NSG, illegale Kletteraktivitäten
festgestellt worden (LINDNER 2003). Natürlich waren
auch die Grundstückseigentümer nicht informiert.
Auch zwei Brutplätze des Uhus, davon einer in einem
NSG, waren davon betroffen. In beiden Fällen
begann eine durch Kletterhaken gesicherte Kletterroute
direkt am Brutplatz des jeweiligen Uhupaars.
Ein Brutpaar gab vermutlich deshalb 2001 sein Gelege
auf, der andere Brutplatz ist seit der Brutzeit 2001
ganz verlassen. Auf Grund solcher Vorfälle genießen
die Kletterverbände kein Vertrauen beim Naturschutz.
Von den illegalen Aktivitäten haben die Verbände
angeblich keine Kenntnis und ihre Mitglieder machen
so etwas selbstverständlich nicht.
12.3 Verdrahtung der Landschaft
Ein besonders gravierendes Problem ist der Tod von
Uhus an Stromleitungen. Zwischen 21 und 49 % der
tot gefundenen Uhus sterben an Stromleitungen
(RICHARZ 2001, DALBECK 2003). Die meisten verenden
beim Sitzen auf Masten, beim Erdschluss zwischen
spannungsführenden Leitern und geerdeten
Bauteilen oder beim Kurzschluss zwischen Leiterseilen
verschiedener Spannung durch Stromschlag an
Mittelspannungsleitungen (1 bis 60 kV), da die
Isolationsstrecken von nur 5 bis 30 cm vom Uhu leicht
überbrückt werden. Ferner kommen auch Uhus beim
Leitungsanflug um. Für die sichere Umrüstung gefährlicher
Masten gibt es seit Jahren erprobte Verfahren
(RICHARZ 2001). Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft
im VNV (OAG) hat in den 90er Jahren
der damals noch zuständigen VEW alle damals bekannten
Uhubrutplätze mitgeteilt und um Entschärfung
gefährlicher Masten gebeten.
68
Mitte der 90er Jahre waren in Nordwestdeutschland
bereits ca. 90 % der gefährlichen Mittelspannungsmasten
umgerüstet (DALBECK 2003). Nach dem seit
04.04.2002 gültigen neuen Bundesnaturschutzgesetz
müssen alle alten Masten und Bauteile von Mittelspannungsleitungen
innerhalb von zehn Jahren gegen
Stromschlag für Vögel nachgerüstet werden.
Natürlich müssen auch alle neuen Leitungen gegen
Stromschlag gesichert sein. Dies ist ein vorbildliches
Gesetz zum Schutz der Vogelwelt in Deutschland. Die
meisten anderen Länder in Europa sind von solch
einem Gesetz noch weit entfernt.
Im HSK, wie auch im gesamten Hochspannungsnetz,
möchte die Firma RWE Net ihre Hochspannungsleitungen
durch Markierungen an den Leitungen in gefährlichen
Bereichen sicherer machen (BERNSHAUSEN
ET AL. 2000). Zur Zeit läuft durch die Staatliche Vogelwarte
für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland
im Auftrag von RWE Net eine Erfassung aller
gefährlichen Abschnitte der Hochspannungsleitungen
im Versorgungsnetz der ehemaligen VEW. Die OAG
des VNV hat der Vogelwarte alle heutigen Uhubrutplätze
und weitere für andere Vogelarten gefährliche
Bereiche gemeldet.
Weit ungünstiger sieht es am Freileitungsnetz der
Bahn-AG aus. Da die Bahnstrecken im HSK nicht
elektrifiziert sind, tritt dieses Problem hier nicht auf,
aber schon im Märkischen Kreis und im Kreis Soest.
Beim Leitungsanflug sterben die meisten Vögel, weil
sie das sogenannte Erdseil, das höchste Leitungsseil
von Hochspannungsmasten, nicht richtig wahrnehmen,
wobei die Reviervögel meist weniger betroffen
An einer Stromleitung zwischen Brilon-Messinghausen und -Hoppecke verendeter Uhu
(Foto: W. Limpinsel)
sind, es sterben vor allem Jung- und Zugvögel
(RICHARZ 2001).
Im Sauerland und Umgebung treten auf Grund der
vielen Weidezäune relativ viele Drahtanflüge als Todes-
und Verletzungsgrund auf (Limpinsel mdl.). Die
Uhus scheinen bei der Jagd entlang der Zäune zu fliegen,
um die Mäuse unter den Zäunen zu jagen, und
bleiben hängen. Dieses Problem wird nicht zu lösen
sein.
12.4 Verkehrsopfer
Zunehmend kommen Uhus bei der Jagd im Straßenund
Schienenverkehr um. In Süddeutschland sterben
mehr als 40 % der Uhus im Verkehr (DAHLBECK 2003).
Im HSK wurden in den letzten Jahren je drei Fälle
toter Uhus durch Straßen- und Schienenverkehr bekannt.
Um das Risiko für Uhus zu mindern, wurden ihnen
im Weserbergland bis zu 5 m hohe Sitzstangen an
Straßen angeboten (DALBECK 2003). Die Uhus müssen
dann nicht mehr Leitpfosten und Leitplanken als
Ansitzwarten nutzen. In verschiedenen Gebieten Europas
wurden Straßenränder durch Bepflanzung mit
Büschen und Bäumen für Eulen unattraktiv gemacht
(verschiedene Vorträge bei Tagungen der AG Eulen).
12.5 Vergiftungen
Bei der Bekämpfung von Wanderratten durch Gift,
z. B. Bromadiolon, kann es zu Sekundärvergiftungen
von Uhus kommen (GEMMEKE & JOERMANN 1993).
Bromadiolon wird häufig zur Rattenbekämpfung auf
Mülldeponien verwendet. Uhus sterben nicht beim
Fressen einer Ratte, sondern müssen mehrere vergif69
tete Ratten fressen, um eine tödliche Dosis aufzunehmen.
Da Uhus bevorzugt Beute schlagen, die
wegen Vergiftungserscheinungen leichter schlagbar
ist, kann dies vorkommen. Ein in Arnsberg noch lebend
gefundener Uhu starb 2000 nach veterinärmedizinischem
Befund an Vergiftungserscheinungen
(E. Hegemann mdl.).
12.6 Windkraftanlagen
Ein völlig neues Gefährdungspotenzial für den Uhu
und die gesamte Vogelwelt tritt in den letzten Jahren
durch die Windkraftanlagen auf. In NRW stehen zur
Zeit ca. 1500 Anlagen, im Jahr 2020 sollen es laut
Bündnis90/Die Grünen 2000 Anlagen sein
(Westfalenpost am 17.12.03). Windkraftanlagen verändern
nicht nur das Landschaftsbild nachhaltig, sondern
sie erzeugen auch Lärm und Schattenwurf. Eine
Scheuch- und Ablenkwirkung auf Zug- und Rastvögel
ist vielfach nachgewiesen (ISSELBÄCHER &
ISSELBÄCHER 2001). Während im rasanten Tempo in
Deutschland neue Anlagen, zum Großteil in riesigen
Windparks, errichtet werden, hinkt die wissenschaftliche
Forschung über deren Auswirkung auf Vögel
und andere Tierarten hoffnungslos hinterher.
Bisher wurden erst drei durch Vogelschlag an
Windkraftanlagen getötete Uhus gefunden (Bergerhausen
mdl.) – die Dunkelziffer wird hoch sein.
Ein Uhubrutpaar im Stadtgebiet Arnsberg hat, seitdem
eine Windkraftanlage oberhalb seines Brutplatzes
installiert wurde, nur im Jahr der Errichtung
einen Jungvogel aufgezogen. Danach gab es dort keine
Bruten mehr, obwohl das Paar regelmäßig balzte.
Andererseits gibt es bei Osnabrück seit Jahren erfolgreiche
Bruten nur ca. 25 m unterhalb von vier
Windkraftanlagen (Stangier mdl.). Diese unterschiedlichen
Beobachtungen zeigen einen dringenden
Forschungsbedarf über die Auswirkungen von
Windkraftanlagen auf nachtaktive Vögel (optische
und akustische Wahrnehmung der Rotorblätter).
Es kann als fahrlässig bezeichnet werden, eine Technik
in einem solchen Ausmaß in Deutschland und
Teilen Europas aufzubauen, bevor überhaupt deren
Auswirkung auf die Umwelt ausreichend untersucht
wurde.


== Beute==
Bei der Nahrungswahl zeigt sich der Uhu als Opportunist. Er jagt hauptsächlich diejenigen Beutetiere, die im jeweiligen Gebiet häufig und leicht erreichbar sind. Da der Uhu auch Aas annimmt, hat man schon Reste von [[Reh]]en und Hirschen bei ihm gefunden. Beute bis 3 kg Gewicht wird zum Horst transportiert.<ref name="Mebs" /> Auffällig ist der hohe Anteil von geschwächten, behinderten und Knochenbrüche aufweisenden Beutetieren. In „Mäusejahren“ können diese [[Nager]] zur Hauptbeute werden. In Mitteleuropa bestehen zwischen 24 % und 43 % der Beute aus Mäusen und [[Ratte]]n. In Niederösterreich wurden in einem „Igeljahr“ 170 Igelschwarten bei einem einzigen Brutpaar gefunden.<ref name="leditznig" />  In nordwestdeutschen Mittelgebirgen hat man bei einer Untersuchung von 13.293 Beuteresten und 111 verschiedenen Beutetierarten gefunden, dass [[Igel]] den Hauptanteil der Beutemasse (25,6 %) ausmachen.<ref name="Dalbeck" /> Neben den Igeln waren Hasenartige ([[Feldhase]] und Kaninchen), Ratten ([[Wanderratte]] und Hausratte), Mäuse (13 Arten) und [[Taube]]n (5 Arten) wichtige Beutetiergruppen. Daneben wurden noch 14 weitere Säugetierarten und 62 Vogelarten in der Beute nachgewiesen. Hingegen wurden nur einzelne [[Amphibien]], [[Fisch]]e und [[Entwicklung der Insekten|Insekten]] gefunden. Es wurden jahreszeitliche Unterschiede bei der Beutewahl festgestellt.<ref>DALBECK, L. (1994): Zur jahreszeitlichen Ernährung des Uhus (Bubo bubo) in der Nordeifel. Eulen-Rundblick 40/41, 7-14.</ref> Im Frühling und Sommer wurden viele Igel, Hasenartige, Greifvögel und Eulen geschlagen. Im Winter wurden Mäuse bedeutsam.


== Schutzmaßnahmen==
== Literatur ==
 
Bestand
Wie bei fast allen anderen Tierarten ist die
Habitatqualität auch für das Überleben des Uhus entscheidend.
Also, Artenschutz durch Biotopschutz!
Beim Uhu betrifft dies den Brutplatz, also bei uns im
Sauerland fast ausschließlich Steinbrüche, und das
Jagdgebiet.
13.1 Brutstandorte im HSK
Der Anteil von Steinbrüchen als Brutplatz schwankt
in Deutschland zwischen 0 % und 100 %. Im
steinbruchlosen Schleswig-Holstein gibt es keine
Steinbruchbruten. In Thüringen sind es schon 20 %
(GÖRNER 1998). Selbst in den relativ felsreichen Bundesländern
Baden-Württemberg und Bayern finden
schon jeweils um 50 % der Bruten in Brüchen statt
(ROCKENBAUCH 2001, LANZ & STAAB 2002), in Niedersachsen
schon 71 % (BRANDT 2003). Im MK und
dem Kreis Soest sind aktuell jeweils 100 % der Brutplätze
Steinbrüche.
Bis 1996 brüteten im HSK alle Uhus in Steinbrüchen.
Im HSK gab es seit der Wiederbesiedlung 1976
31 verschiedene Brutplätze, nur zwei (6,5 %) Brutplätze
waren in Naturfelsen. Weitere zwei Brutplätze
(6,5 %) gab es in von Menschen geschaffenen Felsstrukturen.
Es handelte sich dabei um den Felseinschnitt
einer stillgelegten Bahntrasse und um eine
Felswand, die bei der Erweiterung eines Industriebetriebs
in den Berg hinein entstand. Die anderen 27
Brutplätze (87 %) befanden sich in Steinbrüchen. Es
gab in 17 betriebenen und in 13 stillgelegten Brüchen
Bruten. Zwei Steinbrüche sind in beiden Kategorien
aufgeführt, da es in ihnen sowohl während des
Abbaus als auch nach Abbauende bzw. nach Wiederaufnahme
des Betriebs in einem stillgelegten Steinbruch
Bruten gab. Die Uhus brüteten in den
Steinbruchbereichen, in denen zur Balzzeit gerade
kein Gestein abgebaut wurde. In mindestens zwei
Fällen gab es nach Änderung der Abbaurichtung
während der Brutzeit Brutverluste. Beide Brüche
werden aber bis heute vom Uhu genutzt.
Insgesamt war der Bruterfolg überraschenderweise
in Steinbrüchen, die sich im Abbau befinden, besser
als in stillgelegten (genauere Auswertung erfolgt später).
Dies kann nur auf den Ausschluss von Störungen
wie Klettern u.s.w. zurückgeführt werden.
13.2 Steinbrüche als wichtiger Sekundärbiotop
Die Zusammenarbeit zwischen Uhuschützern im
HSK und den Steinbruchbetreibern ist recht unterschiedlich.
Im schlimmsten Fall einer Nichtzusammenarbeit
wurde nach der Bitte den Brutplatzbereich
vorerst vom Abbau zu verschonen, genau
dieser Bereich systematisch zersprengt, obwohl dort
später gar nicht abgebaut wurde (Gandras mdl.). In
diesem eher kleinen Steinbruch gab es seitdem nie
wieder eine Brut. In einem positiven Beispiel wird
aktuell der Brutplatzbereich nicht, wie eigentlich vor70
gesehen, mit Abraum verkippt.
Bei alten Abgrabungsgenehmigungen für Steinbrüche
wurde in ganz Westdeutschland fast immer eine
Verfüllung der „Landschaftsnarbe“ nach Beendigung
des Abbaus vorgesehen. Dadurch gehen deutschlandweit
immer wieder aktuelle und potenzielle Brutplätze
verloren (BRANDT 2003, LANZ & STAAB 2002).
Inzwischen haben auch die Naturschutzbehörden den
Wert von Steinbrüchen als Sekundärbiotop erkannt
(BAYERISCHES LANDESAMT FÜR UMWELTSCHUTZ 2001).
Aufgelassene Steinbrüche haben nicht nur für Uhus
und andere Felsbrüter, sondern auch für viele andere
Arten von Fauna und Flora eine große Bedeutung als
Sekundärbiotop (PODSCHOL ET AL. 1997). So wurde
im HSK in Steinbrüchen mit Uhuvorkommen auch
das nördlichste Vorkommen der Zippammer in Europa
entdeckt. Falls sich in der Nähe von Brüchen,
wie z. B. in den Stadtgebieten Brilon und Marsberg,
Magerrasen befinden, können sich diese in die stillgelegten
Steinbrüche ausbreiten. Leider entstanden
im HSK auch Steinbrüche direkt in Magerrasengebieten,
die so vernichtet wurden oder weiter vernichtet
werden, da gültige Abbaugenehmigungen
bestehen.
Auch für Amphibien haben Steinbrüche eine wichtige
Bedeutung. So befindet sich im HSK eins von nur
zwei Vorkommen der Kreuzkröte in einem stillgelegten
Bruch.
Leider wurden im HSK zwei Steinbrüche mit Uhubrutplätzen
in den 90er Jahren soweit mit Bodenaushub
und Bauschutt verkippt, dass sie als Brutplätze
unbrauchbar wurden. In einem weiteren Steinbruch
konnte 1998 zusammen mit der Untere Landschaftsbehörde
unseres Kreises (ULB HSK) eine Verkippung
eines Brutplatzes verhindert werden. Die ULB genehmigte
auf Grund des vom VNV gemeldeten Uhubrutplatzes
die Verkippung nicht. Auch ein anschließendes
Urteil des Verwaltungsgerichts bestätigte das
Verkippungsverbot.
Aktuell werden vier stillgelegte Steinbrüche mit Uhubrutplätzen
im HSK verkippt. Die für den Uhu und
andere Arten wichtigen Bereiche von zwei dieser
Steinbrüche wurden im Landschaftsplan Hoppecketal
als NSG geschützt. Zusammen mit der ULB HSK
wird der VNV versuchen, auch die beiden anderen
Brutplätze zu erhalten, indem der jeweilige Horstbereich
von der Verkippung ausgenommen wird.
Auch ohne Verkippung gehen in Deutschland Uhubrutplätze
durch Aufforstung, meist sogar im Zuge
von Rekultivierungsmaßnahmen, verloren (BRANDT
2003).
13.3 Mitarbeit des VNV an Genehmigungsverfahren
und Biotopverbesserungen
In den letzten Jahren wurden im HSK zwei Steinbrüche
neu erschlossen, ein weiterer soll in Kürze folgen.
Fast alle zur Zeit im Abbau befindlichen Steinbrüche
haben in den letzten Jahren für großzügige
Erweiterungsflächen Genehmigungen erhalten. Im
HSK wurde und wird der VNV bei allen Steinbruch-
Genehmigungsverfahren der letzten Jahre im Rahmen
seiner Mitwirkungsmöglichkeit nach § 58 (früher
§ 29) Bundesnaturschutzgesetz beteiligt und konnte/
kann so die Belange des Naturschutzes konstruktiv
vertreten.
Bereits beim Scopingtermin zu Beginn eines solchen
Verfahrens, bei dem Untersuchungsraum und -umfang
für den Genehmigungsantrag festgelegt werden, ist
der VNV meist durch ein Mitglied vertreten. Falls
dies nicht möglich ist, wird zumindest eine schriftliche
Stellungnahme abgegeben. Im Verfahren wird
vom VNV auf alle wichtigen Vorkommen der Flora
und Fauna, unter anderem des Uhus, hingewiesen.
Eine naturschutzfachliche Bewertung der geplanten
Steinbruchfläche ist schwierig, weil während der
Planungsphase noch nicht genau absehbar ist, welches
Artenspektrum sich wirklich ansiedeln wird.
Zumindest bei Erweiterungsverfahren liegt aber mit
der bereits bestehenden Abbaufläche eine Referenzfläche
vor.
Glücklicherweise wird in den letzten Jahren im HSK
als Folgenutzung für die nach dem Abbau stillgelegten
Steinbrüche meist „Naturschutz“ vorgesehen. Zumindest
der Großteil oder alle Felswände sollen in
den neu genehmigten Steinbrüchen oder Erweiterungen
erhalten werden. Dies ist in anderen Gebieten
von NRW und Deutschland leider bei weitem nicht
so. Für die Folgenutzung Naturschutz wurden in
Deutschland in der Regel zwischen 1 % und 10 %
der Steinbrüche bereitgestellt (RANFTL 2001). Teilweise
werden leider immer noch Aufforstungen der
Steinbruchsohle nach Abbauende vorgeschlagen und
genehmigt. Der VNV lehnt im Interesse der Natur
solche Aufforstungen mit anschließender Forstwirtschaft
ab. Ab einer bestimmten Baumhöhe, welche
von der Wandhöhe abhängt, ist der jeweilige Steinbruch
nicht mehr für Bruten des Uhus und anderer
Felsbrüter geeignet. Für fast alle anderen Arten der
Flora und Fauna geht der Lebensraum bereits bei der
für die Aufforstung nötigen Aufschüttung von Bodenmaterial
verloren.
Ein positiver Nebeneffekt der Folgenutzung Naturschutz:
Man spart das Geld der Rekultivierung. Denn
bei der Folgenutzung Naturschutz renaturiert sich die
Natur selbst.
71
Andererseits können Steinbruchbetreiber mit einer
Verkippung mit Bodenaushub und Bauschutt viel
verdienen; und dieses Material muss irgendwo entsorgt
werden. Wünschenswert wäre deshalb eine sorgfältige
Einzelfallentscheidung, da der Wert der Steinbrüche
für die Natur sehr unterschiedlich ist. Bei den
immer größer dimensionierten Brüchen wäre teilweise
eine Teilverkippung möglich, aber mindestens eine
potenzielle Brutwand muss für Felsbrüter ganz erhalten
bleiben.
Bei den Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für den
jeweiligen Steinbruch werden, aus Sicht der
Naturschutzverbände, immer noch meist völlig unzureichende
Vorschläge gemacht, die leider allzu oft
von der Bezirksregierung Arnsberg genehmigt werden.
Die Vorschläge des VNV werden oft nicht berücksichtigt.
Wenn Bedenken und Vorschläge des
VNV auch von den Fachbehörden, ULB-HSK, der
Höheren Landschaftsbehörde bei der Bezirksregierung
und der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung
und Forsten (LÖBF), geteilt werden, haben
sie eine Chance auf Berücksichtigung.
Der VNV schlägt z. B. regelmäßig die Anlage von
Brutnischen für Felsbrüter in den Stellungnahmen zu
Steinbruchverfahren vor. Im HSK ist geplant, dem
Uhu künstliche Brutnischen zu schaffen, wie dies
bereits in anderen Gebieten geschah (GLUTZ & BAUER
1980, GÖRNER 1998).
Im MK wurde bereits 1994 im Lennetal in einem stillgelegten
Steinbruch eine Brutnische durch zwei
Sprengungen durch das Naturschutzzentrum MK geschaffen
(Obergruber mdl.). Sogar die angrenzende
Bundesstraße musste dafür kurzzeitig gesperrt werden.
Im HSK wurden bisher nur Brutnischen für Wanderfalken
angelegt (LINDNER 1998). Seit 1999 wird eine
der neun geschaffenen Wanderfalkennischen vom
Uhu genutzt. Bis zur Brutzeit 2004 sollen in einem
inzwischen durch den VNV angekauften Steinbruch
zwei zugewachsene Brutplätze freigeschnitten und die
Nischen verbessert werden. Um den Uhus die
Nahrungsgrundlage und damit letztendlich das Überleben
zu sichern, ist es entscheidend, das Offenland,
hauptsächlich Grünland, in einem Umkreis von mindestens
5 km um den Brutplatz zu erhalten (BERGERHAUSEN
1997, LEDITZNIG 1999). Darum sollte es als
Landschaftsschutzgebiet auswiesen werden. Im Zuge
des Landschaftsplans Hoppecketal geschah dies auch
weitgehend.
Die Anlage von Aufforstungen und Weihnachtsbaumplantagen
müsste verhindert werden, was auf Grund
der Rechtslage leider nicht immer möglich ist. Da
die Uhus bis 1999 nur in Steinbrüchen, von denen
viele sich noch im Abbau befanden, brüteten, gab es
bis 1999 keine Bruten in NSG. 1999 brüteten im NSG
„Bruchhauser Steine“ erstmals Uhus in einem NSG.
Im seit 2002 rechtsverbindlichen Landschaftsplan
Hoppecketal wurden auch 5 Uhubrutplätze in stillgelegten
Steinbrüchen als NSG gesichert. Aktuell sind
im HSK nur 7 von 31 Brutplätzen als NSG geschützt.
Auch unter der Berücksichtigung, dass von den 31
Brutplätzen aktuell nur noch 28 Plätze für eine Besiedlung
in Frage kommen, machen die 7 besiedelten
NSG nur 25 % der Brutplätze aus. Der Anteil der
NSG mit Brutplätzen wird noch kleiner, wenn die
aktuell fünf potenziellen Brutplätze, Plätze mit einzelnen
Männchen, berücksichtigt werden. Bei den 33
Uhurevieren machen die 7 NSG-Brutplätze nur noch
21 % aus. Zumindest alle stillgelegten Steinbrüche
mit Uhuvorkommen, für die noch keine
Verkippungsgenehmigung besteht, sollten bei der
derzeitigen Aufstellung der noch fehlenden
Landschaftspläne im HSK und anderswo als NSG
oder Naturdenkmal (ND) dauerhaft geschützt werden.
Aber selbst im Landschaftsplan Hoppecketal wurde
ein stillgelegter Steinbruch mit Uhuvorkommen, inzwischen
auch Brutplatz der Zippammer, der praktisch
vollständig von einem NSG, gleichzeitig auch
FFH-Gebiet, umgeben ist, nicht geschützt. Auch
durch die Vogelschutz-Richtlinie (VSchRL) und die
Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) der Europäischen
Union wird die Schutzsituation des Uhus in
Deutschland und im HSK nicht viel besser (BRANDT
2003, DALBECK 2003). Dabei ist die Art in Anhang I
der VSchRL aufgeführt, also eine Art, für die spezielle
Schutzgebiete einzurichten sind. Bei der Auswahl
der Vogelschutzgebiete und FFH-Gebiete spielte der
Uhu praktisch keine Rolle (DALBECK 2003).
13.4 Einrichtung von Schutzzonen um die Brutplätze
Eine weitere Möglichkeit zum Uhuschutz, auch außerhalb
von Schutzgebieten, sind Horstschutzzonen.
In der DDR wurden bereits 1965 die ersten Horstschutzrichtlinien
für seltene Vogelarten eingeführt.
Diese Horstschutzrichtlinien finden sich nun in den
Landesnaturschutzgesetzen in Ostdeutschland wieder
(LANDESAMT FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ UND GEOLOGIE
MV 1999). Dabei wird mit zwei Schutzzonen
gearbeitet. In der Horstschutzzone I von 100 m um
den Horst ist es verboten die Bestockung oder den
Charakter des Gebiets zu verändern. Und in einer
festgelegten Zeit, meist 1. März bis 31. August, ist
jede Nutzung, auch die Jagd, verboten. In der Horstschutzzone
II (100-300 m um den Horst) ist ebenfalls
jede Nutzung in einer festgelegten Zeit, meist
wieder 1. März bis 31. August, verboten.
72
Bei der praktischen Umsetzung der Horstschutzrichtlinien
gibt es unter den heutigen Verhältnissen
in Ostdeutschland jedoch zahlreiche Vollzugsdefizite.
Die nun seit vielen Jahren in Ostdeutschland bestehenden
Horstschutzrichtlinien sind leider bisher nicht
einmal bei vielen Naturschützern in Westdeutschland
bekannt.
BERGERHAUSEN (1997) fordert speziell für den Uhu
eine 200m-Tabuzone (Schutz als NSG, ND) um aktuelle,
potenzielle sowie Traditions-Bruthabitate. Die
Ruhezone (Schutz zusammen mit Tabuzone als NSG)
sollte 500 m und die Vorsorgezone (Nahrungshabitat
als Landschaftsschutzgebiet) 5 km um Brutplätze umfassen.
In der Ruhezone soll die gängige Nutzung,
auch der Abbau, erlaubt sein. Spezielle Uhuschutzzonen
erscheinen jedoch illusorisch. Nur über
Einführung von allgemeinen Horstschutzrichtlinien
in westdeutschen Bundesländern wäre ein
Schutzzonenkonzept durchsetzbar.
1998 und 2003 konnte der VNV je einen Steinbruch
mit Uhukommen ankaufen. Um den im November
2003 angekauften Steinbruch liegen auch wertvolle
Magerrasen.
Diese Ankäufe waren nur durch die Bereitstellung
der Gelder durch die NRW-Stiftung möglich. Die Ankäufe
führte jeweils das Amt für Agrarordnung Soest
durch. Der Uhu und andere attraktive Arten wie z. B.
der Wanderfalke können dabei als „Flaggschiffarten“
für den Naturschutz genutzt werden, um Biotope und
deren Arteninventar zu schützen, um so anderen weniger
attraktiven Arten wie z. B. Schnecken, Käfern,
Flechten u.s.w. zu helfen. Denn solche Arten sind zum
Teil weit bedrohter als der Uhu, aber kein Hahn kräht
nach ihnen.
 
== Quelle==
*[http://www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=105320 Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892]
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== Einzelnachweise ==
<references/>
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== Weblinks ==
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* [http://www.ibercajalav.net/img/268_EagleOwlBbubo.pdf Ageing and sexing (PDF) by Javier Blasco-Zumeta]
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Aktuelle Version vom 13. September 2024, 13:49 Uhr

Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes: Datei fehlt Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Uhu (Begriffsklärung) aufgeführt.
Uhu
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Uhu (Bubo bubo)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Eule (Strigiformes)
Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
Gattung: Uhus (Bubo)
Art: Uhu
Wissenschaftlicher Name
Bubo bubo
(Linnaeus, 1758)


Der Uhu (lateinisch Bubo bubo) gehört innerhalb der Ordnung der Eulen (Strigiformes) zur Gattung Bubo und ist die größte Eulenart weltweit. Er kommt im Großteil von Europa, Asien und im Nordwesten Nordafrikas vor.[1] In Europa sind einige Inseln und in Asien sind Arabien, der indische Subkontinent, Südostasien und Nordsibirien vom Uhu unbesiedelt. In den vom Uhu unbesiedelten Gebieten der Welt kommen meist andere Bubo-Arten vor.[2] So lebt in der Tundra um den Nordpol die Schneeeule (Bubo scandiaca) und im Großteil von Nord- und Südamerika der Virginia-Uhu (Bubo virginianus). Nur in der Antarktis und auf vielen Inseln fehlen der Uhu oder auch andere Bubo-Arten gänzlich.

Name und Mythologie

Der heutige wissenschaftliche Name des Uhus ist Bubo bubo, früher Bubo maximus. Der Uhu wurde früher auch Schuhu, Buhu, Gauf, Auf, Jutzeule, Huw, Huher, Nachthuri und Adlereule genannt.[3][4] Er wurde auch als Großherzog und als König (oder auch Herrscher) der Nacht bezeichnet. Der Name Großherzog leitet sich aus der ihn umkreisenden Schar von Vögeln ab, welche ihn, sollte er sich bei Tag zeigen, umfliegt.[4] Die meisten Deutschen dürften heute dem Uhu und den anderen Eulenarten relativ vorurteilsfrei gegenüber stehen. Früher war dies ganz anders: Eulen waren gleichermaßen Gegenstand menschlicher Furcht und Ehrerbietung, Verachtung und Bewunderung. Über fast alle Völker und Kulturen hinweg galten Eulen als Geisterwesen. In der Antike waren Eulen und besonders der Uhu Sinnbild für die Unterwelt. Vor allem, wenn er sich in auffälliger Weise bei Tag zeigte, war dies das allerschlimmste Omen und bedeutete Unheil, Hunger, Krieg, Tod und Verderben.[4] Sowohl den Römern als auch den Germanen galt er als Schicksalsvogel. Das Muotis-Heer Wotans (auch Odin genannt), der als Menschenvater in Walhall (oder Walhalla) thronte, führte nach der Mythologie der Germanen eine Anführerin auf einem riesigen Uhu an. Das Muotis-Heer, auch „wilde Jagd“ genannt, zog um Mitternacht mit Lärmen, Brausen, Jägerschreien und Hörnerklang herum, insbesondere wenn das Wetter sich änderte, bei nächtlichem Gewitter und bei Neumond.

Noch im Mittelalter galt der Uhu in Deutschland als todbringender Bote des Teufels. Einige traditionelle Uhu-Brutplätze heißen seit dieser Zeit z. B. Teufelsley oder Teufelskammer.[5]

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Uhukopf

Noch im 19. Jahrhundert verkörperte der Uhu bei Schriftstellern wie Johann Wolfgang von Goethe nur Düsteres und Trübseliges.[6] Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden Eulen zur Abwehr von Dämonen an Scheunentore genagelt. Noch 1952 schreibt RAMMNER:[7]

„Sein Geschrei hallt im Walde schauerlich wieder, so dass abergläubischen Leuten die Haare zu Berge stehen.“

In Indien standen die Eulen hingegen für Weisheit und Hilfsbereitschaft.[8] Auch glaubte die Bevölkerung Indiens daran, dass Eulen die Zukunft voraussagen könnten. Indianer-Völker verbinden Eulen mit Tapferkeit, einem scharfen Blick und Jagdglück.

Noch im Mittelalter wurden Teile des Uhus in Europa in der Medizin verwendet, denn man schrieb ihnen allerlei Wirkungen zu.[4][3] In China werden Uhus und andere Eulen immer noch in der Medizin genutzt. Uhus wurden auch gegessen. In Gessners Vogelbuch von 1669 steht:[3]

„Wann der grosse Berguhu fett ist wird er von etlichen gessen: dann sein Fleisch soll ganz süß un wohlgeschmackt sein wann man ihn recht kochet und wohl zubereitet.“

Der Uhu war einst in Mitteleuropa weit verbreitet. Seine Rufe („Geschrei“) waren im Volk so bekannt, dass noch heute zahlreiche, inzwischen längst aufgegebene Brutplätze Namen tragen wie Uhufelsen, Am Schuwutt oder Uhulegge.[9] Im NSG „Hönnetal“ bei Balve im Sauerland] heißt der alte Uhubrutplatz bis heute ebenfalls Uhufelsen oder Uhuwand. Der alte Horstplatz selbst wird Uhuloch und der Eisenbahntunnel in der Nähe Uhutunnel genannt.

Aussehen

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Uhu von der Seite
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Rücken und Flügel eines Uhus

Der Uhu ist die weltweit größte Eule, worauf schon der englische Name Eagle Owl (= Adlereule) hindeutet.[10] Männchen werden durchschnittlich 61 cm groß und Weibchen durchschnittlich 67 cm (alle Daten für Mitteleuropa). Tatsächlich erreichen von den deutschen Greifvögeln und Eulen nur die Adler eine größere Flügelspannweite. Die Flügelspannweite der Männchen ist durchschnittlich 157 cm und der Weibchen durchschnittlich 168 cm. Das Gewicht beträgt bei Uhu-Männchen 1600 bis 2100 g, wobei das Durchschnittsgewicht 1900 g ist. Bei Uhu-Weibchen 2200 bis 3200 g, Durchschnittsgewicht 2600 g.

Aufgrund seiner Größe, des massigen Körpers, des großen, breiten, flachen Kopfes mit den Federohren und den großen, orangegelben Augen ist der Uhu unverwechselbar. Er hat einen starken, fast bauchigen Schnabel, dazu große Augen, einen unvollständigen Schleier, stumpfe Flügel und einen kurzen, fast gerade abgeschnittenen Schwanz. Das Gefieder ist oberseits ocker und rostbraun mit dunkler Fleckung und Bänderung, unterseits ein wenig heller; Schwung- und Schwanzfedern sind braun und gelb gezeichnet, die Ohrbüschel sind schwarz, der Schnabel dunkel blaugrau. Die 6-9 cm langen Federohren stehen schräg zur Seite ab und werden nur bei Erregung steil aufgerichtet. Beim Rufen wird durch Aufblähen des Halses ein weißer Kehlfleck sichtbar.

Kennzeichnend für das Flugbild sind der massive Kopf und die breiten, abgerundeten Flügel mit hellerer Unterseite. Der Vogel hat einen kräftigen, stetigen Flug mit flachem Flügelschlag. Beim Gleiten wirkt er wie ein großer Mäusebussard. Seine Fänge erinnern im Flug an Boxerhandschuhe

Das nachgewiesene Höchstalter des Uhus ist 27 Jahre im Freiland und sogar 68 Jahre im Gehege.

Rufe

Die meisten Menschen werden nie einen Uhu gesehen haben, jedoch weit mehr haben ihn bereits gehört. Schon GESSNER schrieb im 16. Jahrhundert:[3]

„Der Uhu hat zu Nacht ein scheußlich Geschrey von welchem er dann seinen Nahmen bekommen.“

Der Umschreibung seiner Lautgebung verdankt der Uhu sowohl seinen deutschen als auch seinen wissenschaftlichen Namen. Der Laut des Männchens hat neben Werbe- auch eine Drohfunktion gegen Rivalen, flügge Jungvögel und Feinde. Er wird freisitzend von exponierten Warten, sowohl von Felsen als auch von Bäumen, vorgebracht. Auch Gebäude, Masten und ähnliches werden genutzt. Die Rufaktivität des Weibchens ist deutlich geringer. Beim Rufen wird durch Aufblähen der Kehlregion der weiße Kehlfleck sichtbar. Uhurufe sind das ganze Jahr über zu hören.[11] Außerhalb der Balz- und Brutzeit hört man aber meist nur vereinzelte, eher zufällig erscheinende Rufe. Im Herbst beginnt teilweise bereits ab Ende August die Herbstbalz. Der Höhepunkt der Herbstbalz liegt gewöhnlich Ende Oktober. Je nach Witterung endet sie im Verlauf des Dezembers oder geht ohne Unterbrechung in die eigentliche Balz über.

Ab Mitte Januar (teilweise Mitte Dezember) hört man den namensgebenden Reviergesang des Männchens häufiger: ein monotones, zweisilbiges und nachhallendes „buho“ oder „uujo“, ist weithallend zu hören, unter günstigen Bedingungen weiter als 1,5 km (ausnahmsweise bis 4 km).[1] Der Balzruf wirkt auf größere Distanz einsilbig, wobei in der freien Landschaft nur die erste Silbe („uuh“) und im Wald nur die zweite Silbe („hoo“) zu hören ist. Weibchen rufen etwas höher, rauher „uhju“. Die Uhurufe werden je nach Entfernung, Beobachter und „Stimmung“ des Vogels unterschiedlich wahrgenommen. Die Hochbalz beginnt meist Anfang bis Mitte Februar und ebbt nach der Eiablage rasch ab. Unverpaarte Männchen können bis zur Herbstbalz durchrufen, wobei aber die Rufaktivität nach und nach nachlässt. Verwitwete Weibchen rufen besonders intensiv, um einen neuen Partner anzulocken.

Die Rufintensität ist individuell verschieden.[12] Sie hängt von der Dauer der Paarbindung (je eingespielter das Paar, desto geringer die Rufintensität) und Siedlungsdichte (Rivalennähe) ab. Bei geringer Uhudichte rufen Uhus nicht nur weniger, sondern sie beginnen auch später während der Nacht zu rufen. Dies erhöht bei Kontrollen die Gefahr, Uhus bei geringer Dichte zu überhören oder zu verpassen. Dazu kommt, dass Uhus allgemein auch schlecht auf die Klangattrappe (mit MP3 Player, früher mit Kassettenrecorder, abgespielte Uhurufe) reagieren. In der Hochbalz erfolgen die Rufe in kurzen Intervallen, teilweise pausenlos. In Niederösterreich wurden einmal zwischen 16:46 und 19:45 Uhr ca. 700 Rufe eines Männchens gezählt. Ein anderes Uhumännchen befand sich währenddessen nur 500 m entfernt.[13] Die Lautgebung beginnt bei einzelnen Männchen zur Hochbalz bis zu einer Stunde vor Sonnenuntergang, meist aber 10 bis 70 Minuten nach Sonnenuntergang. Das Rufmaximum der Nacht befindet sich in der ersten Stunde nach Sonnenuntergang. Die Rufintensität nimmt bis Mitternacht weiter ab, um dann bis zum Sonnenaufgang wieder anzusteigen.[1] Nur bei starkem Wind ist die Rufaktivität eingeschränkt. Auf Gesangsimitation bzw. Vorspielen von Uhurufen können beide Geschlechter antworten.

In der Hochbalz, zum Höhepunkt der abendlichen Gesangsaktivität, unmittelbar vor der Kopula, singen Männchen „hohoho“ und Weibchen „huhuhu“ im Duett, um in einem „lachenden“ Stakkato und zwitscherndem Schirken „wiwiwiwi“ bei der Kopula zu enden.[1] Während der Zeit der Beuteversorgung durch das Männchen bettelt das Weibchen „chriä“ oder „chwait“. Die Nestlinge betteln erst „djchü“ und später „tchschatt“. Die Bettelrufe sind über einen Kilometer weit zu hören und erinnern an Geräusche wie beim Kiesschaufeln. Je älter die Jungen werden, desto grober hört sich dieses Kiesschaufeln an. Bei Streit um Futter und Beunruhigung knappen die Jungvögel laut mit dem Schnabel. Auch nach der Abwanderung vom eigentlichen Brutplatz betteln die flüggen Junguhus, bis sie das elterliche Revier verlassen, was teilweise erst Anfang Dezember geschieht. Die Bettellaute werden ausdauernd, in kurzen Intervallen, weithin hörbar und teilweise über mehrere Stunden hervorgebracht. Diese Bettellaute eignen sich deshalb gut dazu, nachträglich einen Brutnachweis zu erbringen, ohne dass man den eigentlichen Brutplatz gefunden hat.

Ein Problem ist heute, dass meist in unmittelbarer Nähe der Uhureviere Straßen liegen und auch am Wochenende zwischen 18:00 und 20:00 Uhr, zur Zeit der Uhukontrollen, noch reger Autoverkehr herrscht.[9] Bei der Kontrolle muss teilweise regelrecht auf eine Lücke im Verkehr gewartet werden, um die Uhus überhaupt hören zu können. Aber auch die Uhus können sich durch Straßenlärm gestört fühlen. In Thüringen wurden wegen der Zunahme des Verkehrslärms nach 1990 mehrere Horste in Felsen an Autobahnen und anderen Fernverkehrsstraßen verlassen.[14]

Die Rufplätze können, wie eine Telemetriestudie zeigte, anfangs bis zu 2,5 km vom späteren Brutplatz entfernt liegen.[13] Deshalb kann es während der Balz durchaus zu ruffreien Tagen am späteren Brutplatz kommen. Die Tageseinstände liegen zu Balzbeginn 50 bis 5500 m (durchschnittlich 640 m) vom späteren Brutplatz entfernt. Zur Hochbalz beträgt die durchschnittliche Entfernung zum späteren Brutplatz nur noch 155 m.

Fortpflanzung

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Verschiedene Eulen, darunter ein Uhu (Nr.4)

Uhus wollen am direkten Brutplatz im Rücken Deckung haben und gleichzeitig die Umgebung beobachten, ohne sich selbst beobachtet zu fühlen.[1] Wichtig sind ein freier Anflug und Störungsfreiheit. Auch dürfen sichere Tageseinstände nicht mehr als 500 m vom Brutplatz entfernt sein.[15] Tageseinstände befinden sich in deckungsreichen Waldbäumen, meist Nadelbäumen, in Felsen oder an Gebäuden mit freier Rundsicht, wobei Wetterschutz wichtiger als gute Ausblickmöglichkeit ist. In Niederösterreich waren 89 % der Tageseinstände von flüggen Junguhus Nadelbäume, meist Fichten, der Rest lag in Laubgehölzen mit dichtem Astwerk und/oder Misteln, meist auf Pappeln.[13] Gut geeignete Brutplätze werden, sofern nicht verändert, über viele Jahre genutzt, mitunter auch über Jahrzehnte von mehreren Generationen von Uhus. Trotz Störungen mit Brutverlust halten einzelne Paare jahrelang am gleichen Horstplatz fest, während andere Paare trotz erfolgreicher Brut wechseln. Dies könnte daran liegen, dass an manchen Brutplätzen keine gleichwertigen Ausweichplätze zur Verfügung stehen. Uhus können schon einjährig geschlechtsreif sein, brüten aber in der Regel erst dreijährig erfolgreich im Freiland.[10] Im Wallis (Schweiz) brütete ab März 2003 ein Uhuweibchen, das erst im April 2002 geschlüpft war, erfolgreich.[16]

Früher hielt man Uhus für monogam und reviertreu.[1] Bei Telemetriestudien stellte sich heraus, dass dies falsch ist und der Uhu, wie scheinbar auch die meisten anderen Vogelarten, nicht strikt monogam lebt und Revier und Partner durchaus wechseln kann und auch „fremdgeht“.[17]

Die Revierabgrenzung und Paarbildung erfolgt meist während der Herbstbalz. Nur ein 50 Hektaren großes Horstrevier scheint gegen Artgenossen verteidigt zu werden. Als Extremwert in der Literatur werden 400 m Minimalentfernung zwischen zwei gleichzeitig besetzten Brutplätzen genannt.[10] Dies zeigen auch laufende Forschungen in einem wegen des zahlreichen Vorkommens von Kaninchen und Wasservögeln sehr nahrungsreichen Gebiet in Andalusien bei Sevilla. Hier gibt es zahlreiche Brutplätze mit Abständen von 400 m. Ob es beim Uhu eine Selbstregulation der Bestände ab einer bestimmten Uhudichte gibt, ist noch unklar, wird aber vermutet.[13] >

Zur Balz erfolgen neben dem Gesang auch demonstrative Revierflüge, wobei auch Flügelklatschen vorkommt.[1] Das Männchen scharrt („muldet“) mit Krallen und Schnabel Mulden von durchschnittlich 30 cm Durchmesser und versucht, das Weibchen zur potenziellen Nistmulde zu locken. Nistmulden können ab Anfang Dezember gescharrt werden. Aber auch Einzelvögel (auch Weibchen) scharren Nistmulden.[13] Die spätere Nistmulde zur Eiablage wird durch das Weibchen ausgewählt. Wie bei den meisten anderen Eulen und Greifen versorgen die Männchen bereits vor der Eiablage die Weibchen mit Beute.[1] Die Fütterung des Weibchens kann bereits Anfang Dezember beginnen. In die blanke Mulde ohne Nistmaterial legt das Weibchen, mit einem Legeabstand zwischen den Eiern von 3 bis 4 Tagen, meist 2 bis 3 Eier, ausnahmsweise auch 1 oder 5 Eier. Die Eiablage erfolgt in Mitteleuropa von Ende Januar bis Ende Mai, meist im März.[1] Es findet eine Jahresbrut statt, bei Verlust des Geleges vor dem Schlüpfen kann bei guter Ernährungslage auch ein Nachgelege gezeitigt werden.

Durchschnittlich 20 % der Paare brüten überhaupt nicht und durchschnittlich nur 65 % der Brutpaare, also der Paare mit Gelege, brüten erfolgreich.[10] Nur die Weibchen brüten. Erst wenn das Gelege vollständig ist, wird fest gebrütet und das Gelege nur während der Nacht verlassen.[13] Bei starken Störungen, meist verursacht durch Menschen, wird das Gelege auch am Tage verlassen. Das Weibchen kehrt dann meist erst bei Dunkelheit zum Gelege zurück. Die Eier können auch mehrere Stunden ohne Bebrütung bei Temperaturen um 0 Grad überstehen. In der Nacht können auch in der Nähe rufende Rivalinnen das Weibchen veranlassen, das Gelege zu verlassen.[13] Wenn das Gelege ungeschützt ist, kann es zu Verlusten durch Prädatoren wie Marder und Rabenvögeln kommen. Während der Brutpausen suchen die Weibchen meist die gleichen Stellen, in der Regel nur 20- 200 m entfernt vom Brutplatz, zur Kotabgabe und zur Beuteübernahme auf. Diese Stellen sind durch die sogenannten „Brutschisse“ sehr gut zu finden und liegen mit relativ geringen Abweichungen auf Horstniveau. Von diesen Plätzen aus findet der Uhukenner in der Regel sehr schnell den eigentlichen Nistplatz.

Nach 34 Tagen Brut schlüpfen die weißen Dunenjungen. Falls das Gelege unbefruchtet ist oder die Embryos, meist auf Grund von Störungen, abgestorben sind, wird das Gelege noch 1 bis 2 Wochen weiter bebrütet. Die frisch geschlüpften Jungen werden intensiv gehudert und unter dem Brustgefieder gefüttert. Während dieser Huderphase kann es bei wetterungeschützten Brutplätzen bei schlechtem Wetter vorkommen, dass die Jungen sterben.[1] Nach 4 Wochen können die Jungen auf den Sohlen gehen, vorher wird auf den Fersen getrippelt. Falls es der Brutplatz zulässt, z. B. bei Bodenbruten, verlassen ihn die Junguhus teilweise bereits nach 3 1/2 Wochen.[10] Sie treten in die sogenannte Infantristenphase oder Wanderphase ein. Sie können bis zu 280 m vom Nistplatz entfernt angetroffen werden, wobei sie zwischenzeitlich zum Nistplatz zurückwandern können.[18] Sie werden weiter mit Nahrung versorgt und suchen aktiv Deckung auf. Das Verlassen des Brutplatzes durch Abwandern während der Infantristenphase kann Verluste durch Feinde, heute meist Fuchs und Wildschwein, mit sich bringen. Die Jungen werden in der Regel aber erfolgreich von den Eltern verteidigt. Problematisch wird es bei menschlichen Störungen, weil dann die Altvögel die Jungen schutzlos zurücklassen. Untersuchungen in Thüringen sprechen dafür, dass Jungvögel, die während der Infantristenphase ihre Umwelt zu Fuß kennenlernen, im weiteren Lebenslauf eine höhere Überlebensrate haben als Junge in unzugänglichen Felsbrutplätzen. Unzugängliche Felsen können sie erst mit Erreichen der Flugfähigkeit verlassen.

Erste Flugversuche finden mit 8 Wochen statt, die volle Flugfähigkeit wird mit 10 Wochen erreicht.[1] Männchen können die Junguhus nach dem Tod des Weibchens auch allein aufziehen, sofern die Jungen nicht mehr gehudert werden müssen. Bereits im Alter von 3 bis 4 Wochen beginnen Greif- und Beutefangspiele, alle Beuteerwerbs-Handlungen werden mit 80 Tagen beherrscht. Selbstständiges Jagen beginnt mit 5 Monaten. Die Ausflüge werden mit der Zeit immer länger, bis die Junguhus Anfang September bis Anfang Dezember aus dem elterlichen Revier abwandern (LEDITZNIG ET AL. 2001). Telemetrierte Junguhus legten bei der Abwanderung durchschnittlich 8,9 km und maximal 35 km pro Nacht zurück, maximal 3 bis 4 km pro Stunde.[16][13] In nahrungsreichen Gebieten nutzen die Junguhus temporäre Jagdgebiete von bis zu 200 km2 Größe, häufig in Anlehnung an bestehende Brutreviere.[13] Noch nicht geschlechtsreife Uhus werden bei ausreichender Nahrungsgrundlage scheinbar von adulten fremden Uhus geduldet und wurden einmal nur 100 m vom Brutplatz eines fremden Paares beobachtet. Abwandernde Jungvögel meiden großflächig ausgeräumte und intensiv bewirtschaftete Agrargebiete und dichte Waldgebiete. Sie verließen spätestens nach 3 Tagen solche nahrungsarme Gebiete.[13]

Wie Ringfunde zeigen, wandern Junguhus durchschnittlich 80 km vom Geburtsort ab.[10] Die weiteste nachgewiesene Wanderstrecke beträgt in Deutschland 315 km. Dem einmal gewählten Einstandsgebiet bleiben Uhus scheinbar ein Leben lang treu, auch wenn sie im Gebiet Partner und Revier wechseln können.

Lebensraum

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Gut getarnter Uhu in Steinbruch

Der Uhu zeigt von allen Eulen die größte Anpassungsleistung an verschiedene Lebensräume. Er meidet lediglich den dichten Wald, ausgeräumte Agralandschaften, Wüsten und Hochgebirge. Neuere Erkenntnisse gehen davon aus, dass durch die pflanzenfressenden Großtiere (Auerochse, Wisent, Tarpan, Elch, Rothirsch) und Biber zumindest teilweise waldweideartige Waldstrukturen geschaffen wurden, die auch dem Uhu in prähistorischer Zeit in Mitteleuropa ausreichend Lebensraum gegeben haben dürften.[9] Die Umwandlung der Urlandschaft in eine Kulturlandschaft wird die Verbreitung der Art gefördert haben. Die Erreichbarkeit von Beute dürfte durch die teils auch ausbeuterische vorindustrielle Land- und Forstwirtschaft (z. B. Heidebildung), heute oft fälschlicherweise als nur extensiv verklärt, verbessert worden sein, denn im Wald kann der Uhu nicht jagen. In den letzten Jahren kommt es zunehmend zur Besiedlung von Stadtgebieten. Auch außerhalb des Siedlungsgebietes brütende bzw. ihr Einstandsgebiet habende Uhus nutzen zur Jagd die Siedlungsbereiche von Dörfern und Städten. Dabei werden insbesondere Parks und Gewässer genutzt. Auch Bereiche mit Wanderratten-Vorkommen wie z.B. Stallbereiche werden bevorzugt aufgesucht.

Brutplatz

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Steinbruch mit Uhubrutplatz (s. Markierung)
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Brütendes Uhuweibchen im stillgelegtem Steinbruch im Hochsauerlandkreis (NRW)

Der "König der Nacht" scheint Felsen und Steinbrüche, sofern sie vorhanden sind, als Brutplätze zu bevorzugen. In den letzten Jahren nehmen Boden-, Baum- und Gebäudebruten in Deutschland zu. Auch Kies- und Sandgruben werden inzwischen besiedelt. Vor allem im Flachland brüteten Uhus mangels Felsen aber schon immer am Boden und in Horsten von Greifvögeln, da Uhus wie alle Eulen keine Horste bauen. In Schleswig-Holstein befanden sich 2002 von 63 Bruten 40 (64 %) auf Bäumen, 43 % dieser Baumbruten fanden in speziellen Nistkästen, oben offenen Holzkisten, statt.[19] Da die meist zur Baumbrut genutzten Greifvogelhorste nach 1 bis 2 Jahren zur weiteren Brut ungeeignet sind, bietet der Landesverband Eulenschutz in Schleswig-Holstein den Uhus zunehment Nistkästen an. Bodenbruten sind zumindest im Flachland häufiger, da dort Felsen bzw. Steinbrüche fehlen. In Weißrussland waren 38 von 55 Bruten von 1990 bis 2002 Bodenbruten.[20] Im Naturschutzgebiet „Bruchhauser Steine“ im Hochsauerland (NRW) wurde 1999 ein historischer Brutplatz, bis 1876 vom Uhu besiedelt, in den dortigen Felsen nach 123 Jahren wieder besetzt.[9] Heute brüten Uhus zunehmend sogar an Bauwerken. Aber bereits im 16. Jahrhundert brütete ein Paar an der Marienkirche in Wismar.

Der Uhu toleriert Menschennähe und ist durchaus kein Kulturflüchter. Er meidet allerdings zum Brüten in der Regel Plätze in zu großer Nähe zu Siedlungsbereichen.[17] Vermutlich sind Störungen häufiger, je näher sich Siedlungen befinden. An den meist relativ gleichmäßig verlaufenden Steinbruchbetrieb gewöhnen sich Uhus scheinbar rasch. Es wurde sogar festgestellt, dass einige Jungtiere im Horst bei Ertönen des Spreng-Warnsignals im Steinbruch aktiv eine Deckung aufsuchten.[13] Die heutige Bevorzugung von Steinbrüchen und Felsen dürfte an der massiven Verfolgung in der Vergangenheit liegen. Die letzten Brutplätze in Deutschland nach dem Bestandszusammenbruch befanden sich in hohen Felsen, weil diese schwerer zugänglich waren. Es dürfte so etwas wie eine Selektion auf diesen sichereren Brutplatztyp stattgefunden haben. Noch heute bevorzugen Uhus die höchsten Wände von Steinbrüchen und Felsen. Je höher die Wandhöhe, desto wahrscheinlicher ist eine Besiedlung.

Jagdgebiet

Das Streif- oder Jagdgebiet (heute meist als Home Range bezeichnet) eines Uhus ist, wie Telemetriestudien zeigen, zwischen 26 km2 und 128 km2 groß, wobei die Größe des Jagdgebiets im Laufe eines Jahres und von Jahr zu Jahr schwankt.[13] Die Größe des Jagdgebiets wird dabei vom Beuteangebot bestimmt, wobei es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt. Ein Uhu-Jagdgebiet kann bis zu 6 andere Uhureviere berühren oder ganz einschließen. Der Uhu meidet den dichten Wald auf Grund seiner großen Flügelspannweite (bis 1,70 m) zur Jagd. Er nutzt offene Flächen wie Kahlschläge, Gewässer, Wege und Aufforstungen. In Niederösterreich fanden nur 4,1 % der Jagdflüge in Waldgebieten statt, obwohl 29,3 % der Fläche Wald war.[13] In Offenlandbereichen von Wiesen und Äckern fanden hingegen 89,3 % der Jagden statt.

Die Größe und die Diversität (Verschiedenartigkeit) des vorhandenen Offenlands für die Jagd ist der wesentliche Faktor in Hinblick auf die Besiedlung und die Anzahl der ausfliegenden Jungen.[17][21] Je abwechselungsreicher dieses Offenland ist, desto mehr Lebensraum bietet es unterschiedlichen Beutetieren. Auch Mülldeponien und Gewässer sind für Uhus besonders nahrungsreich. Monotone Agrarsteppen werden gemieden. Brutpaare mit überdurchschnittlich viel Wald müssen überdurchschnittlich weit zum Jagen fliegen.[13] Sie haben deshalb eine schlechtere Energiebilanz in Hinblick auf die Flugstrecke und die Größe der Beute. Um dies auszugleichen, müssten diese Uhus größere Beute schlagen, was aber normalerweise nicht möglich ist. Bei schlechter Nahrungsversorgung bleiben die Junguhus körperlich zurück. Sie können dann bis zu 20 % leichter sein als gleichaltrige Jungvögel anderer Bruten.[13] In nahrungsarmen, meist waldreichen Revieren beginnen die Weibchen bereits früher (nach der Huderphase) Nachts zu jagen, während in nahrungsreichen Revieren die Junguhus weiterhin bewacht werden. Bei unbewachten Jungvögeln steigt das Prädationsrisiko an. Uhus mit nahrungsarmen Revieren beginnen später zu brüten, haben weniger Eier und Bruterfolg. [22] Auch die Lage des Brutplatzes zu den Jagdgebieten ist von Bedeutung. So ist es ungünstig, wenn die Uhus die Beute von Tallagen zu einem deutlich höher gelegenen Brutplatz transportieren müssen. Optimal hingegen ist es, wenn Uhus die Beute von einer Hochfläche bzw. Berg zu einem tiefer gelegenen Horst schaffen können.

Das Klima im Brutgebiet wirkt sich sowohl makroklimatisch im Revier, als auch mikroklimatisch am Brutplatz aus.[17][13] So sinkt die Besiedlungs-Wahrscheinlichkeit mit zunehmender Höhenlage. Das Klima beeinflusst die Phänologie der Vegetation sowie Abundanz und Erreichbarkeit (z. B. unter geschlossener Schneedecke) der Beutetiere. Mikroklimatische Faktoren wie Temperatur, Wind-, Regen- und Sonnenexposition entscheiden mit über die Eignung des Brutplatzes. So kann bei einem gegen Wettereinflüsse ungeschützten Brutplatz die Brut leichter verloren gehen. Darum ist der Bruterfolg der einzelnen Brutplätze sehr unterschiedlich. Wie bei anderen Vogelarten auch bringen einige optimale Brutplätze den Großteil der Jungvögel einer Population zum Ausfliegen. Andererseits gibt es pessimale Brutplätze, wo fast nie ein Bruterfolg gelingt und sie bei einem solchen nur maximal einen Jungvogel zum Ausfliegen bringen.

Jagd

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Uhu-Rupfplatz in einem stillgelegten Steinbruch im Sauerland(NRW) im Februar. Das rufende Uhupaar hält sich um den Steinbruch auf und nutzt bereits den Rupfplatz, obwohl die Brut noch nicht begonnen hat.

Durchschnittlich 20 Minuten nach Sonnenuntergang fliegt das Männchen vom Brutplatz ab und begibt sich auf Jagd.[1] Ausnahmsweise kommen Jagden in der Dämmerung vor. Die größten bekannt gewordenen Entfernungen zwischen Jagdgebiet und Brutplatz waren bei verschiedenen Brutplätzen beim Männchen 7,3 bis 8,1 km und beim Weibchen 5,2 bis 11,5 km.[13] Beim Flug zum Jagdgebiet legen Männchen durchschnittlich 2,8 km und Weibchen durchschnittlich 2,6 km zurück. Der Uhu wendet verschiedene Jagdtechniken, wie Ansitzwarten-Jagd, Pirschflug, Boden- und Flugjagd an. Beim Pirschflug fliegt der Uhu häufig nur 1 m über dem Boden.[13] In freiem Gelände fliegt er meist im Zick-Zack-Flug an linearen Strukturen im Gebiet wie Hecken, Waldrändern und Gewässern entlang. Beutevögel werden in der Regel am Schlafplatz überrascht und getötet. Angriffe sind häufig auch erfolglos. Genauere Untersuchungen darüber scheinen bisher zu fehlen. In einem Fall wurden in 15 Minuten sieben erfolglose Angriffsversuche auf den gleichen Stockenten-Trupp registriert.[13] Die Beute wird meist an bestimmten Orten am Brutplatz gerupft, gefressen oder deponiert (bei Beuteüberschuss werden Beutedepots angelegt). Im Hochsauerland war die größte gefundene Depotbeute ein Jungfuchs. Zumindest gerade selbständig gewordene Junguhus können in der nächsten Nacht zur Beute, die im Gelände liegengelassen wurde, zurückkehren.

Nur kleine Beute wie Mäuse wird unzerteilt verschlungen, größere gerupft. Größere Knochen zerbeißt oder durchbricht ein Uhu. Auf welche Weise er Igelhäute ausschält - es bleiben nur die ausgeschälten Igelhäute zurück - ist noch unklar. Wenn möglich trinkt der Uhu regelmäßig. Unverdaute Reste der Beute werden als Gewölle ausgewürgt. Die Gewölle sind im Mittel 72 mm (43 - 129 mm) lang und 34 mm (19 - 44 mm) dick und grau.[10] Uhugewölle sind wegen ihrer Größe unverwechselbar.

Beute

Bei der Nahrungswahl zeigt sich der Uhu als Opportunist. Er jagt hauptsächlich diejenigen Beutetiere, die im jeweiligen Gebiet häufig und leicht erreichbar sind. Da der Uhu auch Aas annimmt, hat man schon Reste von Rehen und Hirschen bei ihm gefunden. Beute bis 3 kg Gewicht wird zum Horst transportiert.[10] Auffällig ist der hohe Anteil von geschwächten, behinderten und Knochenbrüche aufweisenden Beutetieren. In „Mäusejahren“ können diese Nager zur Hauptbeute werden. In Mitteleuropa bestehen zwischen 24 % und 43 % der Beute aus Mäusen und Ratten. In Niederösterreich wurden in einem „Igeljahr“ 170 Igelschwarten bei einem einzigen Brutpaar gefunden.[13] In nordwestdeutschen Mittelgebirgen hat man bei einer Untersuchung von 13.293 Beuteresten und 111 verschiedenen Beutetierarten gefunden, dass Igel den Hauptanteil der Beutemasse (25,6 %) ausmachen.[17] Neben den Igeln waren Hasenartige (Feldhase und Kaninchen), Ratten (Wanderratte und Hausratte), Mäuse (13 Arten) und Tauben (5 Arten) wichtige Beutetiergruppen. Daneben wurden noch 14 weitere Säugetierarten und 62 Vogelarten in der Beute nachgewiesen. Hingegen wurden nur einzelne Amphibien, Fische und Insekten gefunden. Es wurden jahreszeitliche Unterschiede bei der Beutewahl festgestellt.[23] Im Frühling und Sommer wurden viele Igel, Hasenartige, Greifvögel und Eulen geschlagen. Im Winter wurden Mäuse bedeutsam.

Literatur

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Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 GLUTZ VON BLOTZHEIM, U. & K. M. BAUER (1980): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Bd. 9 Columbiformes – Piciformes. Wiesbaden. Artkapitel Uhu
  2. Del HOYO, J., A. ELLIOTT & J. SARGATAL (1999): Handbook of the Birds of the World, Vol. 5., Barcelona
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 GESNER, C. (1669 / Nachdr. 1981): Vollkommenes Vogelbuch. Hannover.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 GATTIKER, E. & L. GATTIKER (1989): Die Vögel im Volksglauben. Wiesbaden.
  5. DALBECK, L. (2001): Uhus in Mitteleuropa: Wechselvolles Schicksal der größten Eule. Der Falke 48, 196-202.
  6. PIECHOCKI, R. (1985): Der Uhu. NBB 108. Wittenberg.
  7. RAMMNER, W. (1952): Brehms Tierleben – Dritter Band: Vögel. Leipzig.
  8. WEINSTEIN, K. (1988): Eulen – Vögel der Nacht in Kunst und Natur. Freiburg.
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 LINDNER, M. (2003/2004): Ein wechselwolles Schicksal des Königs der Nacht. Irrgeister 20/21: 50-73
  10. 10,0 10,1 10,2 10,3 10,4 10,5 10,6 10,7 MEBS, T. & W. SCHERZINGER (2000): Die Eulen Europas. Stuttgart.
  11. KOHLER, A. (1994): Der Uhu im Pfälzerwald – Der Uhu Bubo bubo und sein Rufverhalten im Pfälzischen Wasgau. Natur und Kultur im Wasgau 1.
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  13. 13,00 13,01 13,02 13,03 13,04 13,05 13,06 13,07 13,08 13,09 13,10 13,11 13,12 13,13 13,14 13,15 13,16 13,17 13,18 13,19 LEDITZNIG. C. (1999): Zur Ökologie einer Uhupopulation im Südwesten NÖ’s. Diss. Univ. Bodenkultur, Wien. 203 pp.
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  16. 16,0 16,1 AEBISCHER, A. (2003): Dispersion und Mortalität junger Uhus (Bubo bubo) untersucht mittels Radio- und Satelliten-Telemetrie. AG EULEN (Hrsg.): Internationales Symposium Dornbirn 2003: Ökologie und Schutz europäischer Eulen, 24. (Abstract).
  17. 17,0 17,1 17,2 17,3 17,4 DALBECK, L. (2003): Der Uhu Bubo bubo (L.) in Deutschland – autökologische Analysen an einer wieder angesiedelten Population – Resümee eines Artenschutzprojekts. Aachen.
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