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Talmud 3. Ordnung: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Hauptartikel [[Talmud]]'''
== Ordnungen und Traktate ==
== Ordnungen und Traktate ==
* [[Talmud|Talmund]]
* [[Talmud 1. Ordnung|1. Ordnung]]
* [[Talmud 1. Ordnung|1. Ordnung]]
* [[Talmud 2. Ordnung|2. Ordnung]]
* [[Talmud 2. Ordnung|2. Ordnung]]
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* [[Talmud 4. Ordnung|4. Ordnung]]
* [[Talmud 4. Ordnung|4. Ordnung]]
* [[Talmud 5. Ordnung|5. Ordnung]]
* [[Talmud 5. Ordnung|5. Ordnung]]
* [[Talmud 6. Ordnung|6. Ordnung]]
== Dritte Ordnung ==
'''3. Ordnung: Naschim („Frauen“):'''<br>
'''rituelle Frauengesetze, Ehe und Eherecht (Verlöbnis, Vertrag, Bruch, Scheidung, Schwagerehe), Gelübde und Nasirat.'''


== 3. Ordnung ==
3.1 ''Jebamot/Jewamot'' („Schwägerinnen“, auch vokalisiert als Jawmut / Jabmut, Schwagerschaft; manchmal Naschim, Frauen, genannt; 16 Kapitel):<br>
Behandelt Schwagerehe, Leviratsehe, Eheverbote <ref>Leviratsehe, Jibbum, gesetzlich vorgeschriebene Ehe einer kinderlosen Witwe mit dem Bruder des verstorbenen Mannes, Dt. 25, Thema der biblischen Tamar- / Gen. 38, und Ruth-Geschichte; Leviratsehe konnte durch Chaliza (Chaliza / Chaluza = "Ausziehen", nämlich des Schuhs) abgelöst werden, welche Zeremonie später die Leviratsehe gänzlich ersetzt hat.</ref>; darüber hinaus Aufnahme von Ammonitern usw. in die Gemeinde; Stellung der Proselyten; Weigerung einer Unmündigen, bei ihrem Mann zu bleiben; Bezeugung des Todes eines Ehemanns.


3. Ordnung: Naschim („Frauen“): rituelle Frauengesetze, Ehe und Eherecht
3.2 ''Ketub(b)ot'' (Heiratsverträge, Eheurkunden; eigentlich: "das Geschriebene", "Hochzeitsverschreibungen"; 13 Kapitel):<br>
                                          (Verlöbnis, Vertrag, Bruch, Scheidung, Schwagerehe), Gelübde und Nasirat
Handelt über den Ehevertrag, Kidduschin, formelles Verlöbnis, bei dem der Ehevertrag (Ketuba) unterschrieben wird, womit die Frau bereits rechtskräftig verheiratet ist, obwohl sie noch nicht mit dem Mann zusammenleben darf, bevor nicht die Heimführung, die tatsächliche Hochzeit (nissuin) unter der chuppa, stattgefunden hat (vgl. weiter bei Kidduschin, 3. Ordnung, 7. Traktat); Ketubba ist sowohl der Ehevertrag als auch die in ihm der Frau für den Fall der Scheidung oder des Todes des Mannes ausgesetzte Summe; weiter: über die Heirat von Jungfrauen; Strafgeld bei Vergewaltigung eines Mädchens; Pflichten des Manns und der Frau gegeneinander; Besitz der Frau; Erbrecht nach der Frau; Rechte der Witwe.
3.1 Jebamot/Jewamot („Schwägerinnen“, auch vokalisiert als Jawmut /
 
                                                  Jabmut, Schwagerschaft; manchmal Naschim, Frauen, genannt;
3.3 ''Nedarim'' ("Gelübde"; 11 Kapitel):<br>
                                                  16 Kapitel): behandelt Schwagerehe, Leviratsehe, Eheverbote
Über Gelübde <ref>hierin das "Patriotismus-Gebot" für den Juden, Staatstreue ist religiöse Vorschrift, ist Gesetz wie von Gott, Nedarim 28b.</ref>; Aufhebung von Gelübden; Qorban; vier von vornherein ungültige Gelübde; Notlügen; Deutung von Gelübden; welche Gelübde kann ein Gelehrter erlassen? Wer kann einer Frau oder Tochter die Gelübde aufheben, welche Gelübde?
                                                  [Leviratsehe, Jibbum, gesetzlich vorgeschriebene Ehe einer kinderlosen
 
                                                  Witwe mit dem Bruder des verstorbenen Mannes, Dt. 25, Thema der
3.4 ''Nazir/ Nasir'' („Nasiräer“; 9 Kapitel), auch: Nezirut, "Nasiräergelübde":<br>
                                                  biblischen Tamar- / Gen. 38, und Ruth-Geschichte; Leviratsehe konnte
Über das Nasiräat, den Nasiräer und sein Gelübde / Asketentum zur Zeit des Tempels; Nasir = "Geweihter", Nasiräer, der ein freiwilliges Gelübde abgelegt hat, auf eine gewisse Zeit sich des Weines zu enthalten und sein Haupthaar nicht zu scheren, sondern lang wachsen zu lassen (Nu 6); auch über Nasiräergelübde von Frauen und Sklaven.
                                                  durch Chaliza (Chaliza / Chaluza = "Ausziehen", nämlich des Schuhs)  
 
                                                  abgelöst werden, welche Zeremonie später die Leviratsehe gänzlich
3.5 (3.6) ''Gittin'' („Scheidebriefe“, "Scheidungsurkunden"; 9 Kapitel):<br>
                                                  ersetzt hat]; darüber hinaus Aufnahme von Ammonitern usw. in die
Scheidungsrecht (Ehescheidung, Ausstellung des Get) <ref>einige Erläuterungen:<br> - Get, Plural Gittin; Sefer keritut, der Scheidebrief des Mannes an die Frau. Die Frau muss mit der Scheidung einverstanden sein. Sie kann auch Bedingungen in bezug auf Unterschrift und monatliche Alimentenzahlungen stellen, bevor sie die Scheidungsurkunde akzeptiert.<br>
                                                  Gemeinde; Stellung der Proselyten; Weigerung einer Unmündigen, bei
- Aguna = "Angekettete", eine verlassene Ehefrau, deren Ehemann sich weigert, eine religiöse Scheidung, einen Get, zu gewähren (es gab Fälle, in denen versucht wurde, den Mann durch – teils jahrelange – Haft zum Einverständnis mit der Scheidung zu zwingen. Die "Aguna" darf nach der Halacha nicht wieder heiraten, solange der Tod des Mannes nicht erwiesen ist (ein grosses Problem, z. B. bei im Kriege Verschollenen).<br>
                                                  ihrem Mann zu bleiben; Bezeugung des Todes eines Ehemanns
Eine religiöse Scheidung gibt es nur mit Zustimmung des Ehemannes. Frauen ohne Get (Scheidebrief) sind aus religiöser Sicht trotz ziviler Scheidung nach wie vor an ihren Ehemann gebunden. Sie können innerhalb der Orthodoxie nicht wieder heiraten, und wenn sie es ausserhalb tun,
3.2 Ketub(b)ot (Heiratsverträge, Eheurkunden; eigentlich: "das
werden etwaige Kinder aus dieser Ehe nicht als legitim anerkannt.<br>
                                                  Geschriebene", "Hochzeitsverschreibungen"; 13 Kapitel): handelt über
Männer können dagegen erneut heiraten, ohne dass ihnen oder möglichem Nachwuchs Konsequenzen drohen.<br>
                                                  den Ehevertrag, Kidduschin, formelles Verlöbnis, bei dem der  
- Mamser, Mamserim: Nachkomme(n) aus einer halachisch verbotenen Beziehung, etwa aus bestimmten blutsverwandten Beziehungen, oder das aussereheliche (nicht das uneheliche) Kind einer jüdischen Frau mit einem Juden. Mamser gelten zwar als Juden, sind auch in allen rechtlichen Belangen gleichberechtigt, dürfen aber keinen Juden untadeliger Herkunft, sondern nur andere Mamser oder aber Proselyten heiraten. Auch ihre Kinder und Kindeskinder gelten für immer als Mamserim.</ref>; in Gittin finden sich auch die Geschichte von Kamza und Bar-Kamza zur Veranschaulichung von grundlosem Hass (ssinat chinam) sowie die Traditionen über die beiden grossen Aufstände der Jahre 66-70 und 132-135 (55b-58a)
                                                  Ehevertrag (ketuba) unterschrieben wird, womit die Frau bereits
 
                                                  rechtskräftig verheiratet ist, obwohl sie noch nicht mit dem Mann
3.6 (3.5) ''Sota(h)'' ("die Ausschweifende", "untreu Werdende"):<br>
                                                  zusammenleben darf, bevor nicht die Heimführung, die tatsächliche
Die des Ehebruchs verdächtige Frau; 9 Kapitel; Gesetze über den Ehebruch (vgl. Nu. 5); Durchführung des Eifersuchtsordals vor dem grossen Gerichtshof; Unterschiede zwischen Israeliten und Priestern in Rechten und Strafen; wann gibt man das "Eifersuchtswasser" nicht zu trinken?<br>
                                                  Hochzeit (nissuin) unter der chuppa, stattgefunden hat (vgl. weiter bei
Nur auf hebräisch zu sagende Formeln; Tötung eines Kalbes durch Genickbruch, wenn ein Mörder unbekannt bleibt/nicht gefunden wird (dieser Brauch hörte später mit dem Überhandnehmen der Mordfälle auf); im Anhang: Vorzeichen des Messias.
                                                  Kidduschin, 3. Ordnung, 7. Traktat); Ketubba ist sowohl der
 
                                                  Ehevertrag als auch die in ihm der Frau für den Fall der Scheidung
3.7 ''Qidduschin/ Kidduschin'' („Antrauung“, "Verlöbnis"; wörtlich: "Heiligungen"; 4 Kapitel):<br>
                                                  oder des Todes des Mannes ausgesetzte Summe; weiter: über die Heirat
Behandelt die Antrauung/Verlöbnis und andere Ehefragen.<br>
                                                  von Jungfrauen; Strafgeld bei Vergewaltigung eines Mädchens;
Was ist im Grundsatz die orthodoxe Lehre von der Ehe, wie gestaltet sich eine jüdische Hochzeit?<br>Wenn ein Mann eine  Frau heiraten will, muss er sie in Gegenwart von mindestens zwei Zeugen erwerben, und danach wird sie seine Frau. Mit einem von den drei folgenden Dingen kann eine Frau erworben werden:<br>
                                                  Pflichten des Manns und der Frau gegeneinander; Besitz der Frau;
1. mit Silber (oder Geld; auf hebräisch das gleiche Wort: Kessef),<br>
                                                  Erbrecht nach der Frau; Rechte der Witwe
2. mit einer Urkunde (so genannte Eheurkunde), Schetar, oder<br>
3.3 Nedarim ("Gelübde"; 11 Kapitel): über Gelübde [hierin das "Patriotismus-
3. durch Beischlaf, Biah (die Weisen untersagten diese Form der Besitznahme).<br>
                                                  Gebot" für den Juden, Staatstreue ist religiöse Vorschrift, ist Gesetz
Diese Dinge werden überall als Eheschliessung oder Anlobung bezeichnet.<br>
                                                  wie von Gott, Nedarim 28b]; Aufhebung von Gelübden; Qorban; vier
Und eine Frau, die auf eine dieser drei Arten erworben wurde, wird als geheiligt oder angelobt bezeichnet. Der Ring Von den drei Formen der Besitznahme hat sich heute nur noch die durch Silber / Geld erhalten.<br>
                                                  von vornherein ungültige Gelübde; Notlügen; Deutung von Gelübden;
Die Höhe des Betrages ist nicht festgelegt, heute gilt als üblich die Anheiligung / Besitznahme durch einen einfachen Goldring. Das Anlegen des Ringes ist ein zentrales Element bei der Chuppa und der Eheschliessung. Dieser Akt symbolisiert nicht etwa die Eheschliessung, sondern er vollzieht sie. Aus diesem Grund muss der Bräutigam den Ring gekauft haben, sonst ist die Eheschliessung nicht rechtsgültig. Der Vorschrift gemäss müssen beide Ringe den gleichen Wert haben, und es muss ein Goldring ohne Schmucksteine oder eine sonstige Verzierung sein, und er muss aus einem Stück gegossen sein.
                                                  welche Gelübde kann ein Gelehrter erlassen? Wer kann einer Frau oder
 
                                                  Tochter die Gelübde aufheben, welche Gelübde?
Der Mann heiligt durch seine Eheschliessung die Frau, er wird umgekehrt nicht durch sie geheiligt:<br>
3.4 Nazir / Nasir („Nasiräer“; 9 Kapitel), auch: Nezirut, "Nasiräergelübde":
Er ist der Mann (hebr. = Besitzer), und sie ist seine ihm angetraute Frau. Der Bräutigam sagt bei seiner Eheschliessung:<br>
                                                über das Nasiräat, den Nasiräer und sein Gelübde / Asketentum zur Zeit
"Du bist mir mit diesem Ring geheiligt, nach dem Glauben Moses und Israels."<br>
                                                des Tempels; Nasir = "Geweihter", Nasiräer, der ein freiwilliges
Danach ist sie jedem anderen Mann verboten.<br>
                                                Gelübde abgelegt hat, auf eine gewisse Zeit sich des Weines zu
Die Verlobung: Früher gab es eine klare Trennung zwischen der Verlobung (= Eheschliessung) und der Heirat (= die Frau zieht in das Haus ihres Mannes ein). Heute findet beides zur gleichen Zeit in einer Zeremonie statt. Die Verlobung (Erusin = Anloben) ist heute eine gegenseitige Verpflichtung, zu gegebener Zeit einander zu heiraten. Diese Verpflichtung wird im Rahmen eines "Abkommens" aufgesetzt, in dem die Verpflichtungen der Schwiegereltern festgehalten werden, deren Kinder heiraten. In diesen "Bedingungen" ist das Hochzeitsdatum festgelegt sowie auch, wer für die Kosten der Hochzeit und die Bedürfnisse des jungen Paares aufkommt. Diese Bedingungen sind im allgemeinen bindend. Die Eheschliessung ist nur dann gültig, wenn beide Partner ihre volle Zustimmung dazu gegeben haben. Wenn die "Bedingungen" unterschrieben werden, zerbricht man einen Teller - so wie der Bräutigam später bei der Hochzeit ein Glas zerbricht.<ref>Im Unterschied dazu: Schidduch = vorläufige Entscheidung einer Verhandlung um eine mögliche Ehe, insbesondere in vorwiegend ostjüdischen Familien; enthält auch Tenaim: Bestimmungen, die bei einer Entlobung erfüllt werden müssen. Anlässlich der Zusammenkunft beider Familien zur Unterzeichnung der Tenaim findet selbstverständlich eine kleine Feier statt, die auch eine bestimmte Zeremonie begleitet.</ref>
                                                enthalten und sein Haupthaar nicht zu scheren, sondern lang wachsen zu
 
                                                lassen (Nu 6); auch über Nasiräergelübde von Frauen und Sklaven
Später wurde aus Erusin > Kidduschin, heiligende Bestimmung; und die Eheschliessung heisst Nissuin.<br>
3.5  (3.6) Gittin („Scheidebriefe“, "Scheidungsurkunden"; 9 Kapitel):  
Der Schabbat vor der Chuppa Am Schabbat vor der Hochzeit ehrt man den Bräutigam durch das Aufrufen zur Toralesung und meistens zum Maftir, danach liest er dann die Haftara. In der Synagoge singt man zu seinen Ehren Lieder, und die Frauen werfen von der Frauengalerie Süssigkeiten auf ihn herab, damit das Leben des jungen Paares versüsst wird. In vielen Gemeinden ist es üblich, dass die Braut bei dieser Gelegenheit nicht in der Synagoge anwesend ist, denn das Paar sieht sich mehrere Tage vor der Hochzeit nicht. In einigen Gemeinden sieht es sich erst am Hochzeitstag selbst in dem Augenblick wieder, in dem der Bräutigam sich anschickt, das Gesicht der Braut mit dem Brautschleier zu verdecken. Am Schabbat vor der Hochzeit findet ein grosser Kiddusch statt, bei dem der Bräutigam aus der Tora zitiert.<br>
                                                Scheidungsrecht (Ehescheidung, Ausstellung des Get) [einige
In der Zwischenzeit leisten die Freundinnen der Braut, die zu Hause geblieben ist, Gesellschaft. Dieser Schabbat heisst ihr zu Ehren "Schabbat der Braut". Der Bräutigam wird dagegen an seinem Hochzeitstag als König betrachtet, und deshalb begleitet man ihn am Tag seiner Hochzeit auch genauso, wie man einen König begleiten würde. Der Tag der Hochzeit Der Tag der Hochzeit wird dem Datum entsprechend festgelegt, das für den ersten Geschlechtsverkehr des jungen Paares in der Hochzeitsnacht geeignet ist (entsprechend der Menstruation der Braut; sie muss in der Hochzeitsnacht rein sein).<br>
                                                Erläuterungen: Get, Plural Gittin; Sefer keritut, der Scheidebrief des
Andere Gesichtspunkte (ob der Festsaal frei ist, Verwandte aus dem Ausland anreisen können, Prüfungen abgelegt sind o. Ä.) spielen dabei
                                                Mannes an die Frau. Die Frau muss mit der Scheidung einverstanden
erst in zweiter Linie eine Rolle. Bevor die Braut unter die Chuppa tritt, muss sie sich in der Mikwe gereinigt haben. Für Braut und Bräutigam ist der Hochzeitstag wie ein Versöhnungstag, an dem sie ein ganz neues Kapitel ihres Lebens beginnen. Es ist ein Tag, an dem sie vor sich Rechenschaft ablegen, an dem sie füreinander Verantwortung übernehmen. Entsprechend der Halacha fastet das junge Paar am Tag seiner Hochzeit, um sich einerseits ganz auf Ernst und Bedeutung der Hochzeit zu konzentrieren, und andererseits, um sich daran erinnern zu lassen, dass es jetzt an der Zeit ist, die Jugend hinter sich zu lassen und die Ehe als neue Menschen zu beginnen. Der Mensch wird erst dann als Mensch bezeichnet, wenn der Mann die Frau gefunden hat; denn vorher haben sie noch nicht das Stadium der Vollkommenheit erreicht. Die Vorschriften für das Fasten verlangen vom Bräutigam und von der  Braut, dass sie bis nach der Eheschliessung fasten. Findet die Hochzeit allerdings in den späten Abendstunden statt, dürfen sie, sobald die ersten Sterne am Himmel zu sehen sind, eine leichte Mahlzeit essen.  
                                                sein. Sie kann auch Bedingungen in bezug auf Unterschrift und
(An bestimmten Tagen muss das Paar überhaupt nicht fasten; an bestimmten Tagen findet überhaupt keine Hochzeit statt.) Es ist üblich, dass die Eltern der Braut dem Bräutigam am Hochzeitstag einen neuen Tallit schenken, in den er sich am Tag nach der Hochzeit für das Morgengebet einhüllt. Der Bräutigam schenkt seiner Braut an diesem Tag seinerseits ein Gebetbuch, auf dessen Rücken ihre Initialen eingeprägt sind, einen Blumenstrauss (den er zur Hochzeit mitbringt) und eine kleine Flasche Parfüm. Die Ketubba Als erster Akt am Hochzeitsabend wird die Ketubba, d.h. der Ehevertrag, von zwei Zeugen (die nicht zur Familie gehören dürfen) und dem Bräutigam unterschrieben. Das muss vor der Hochzeit stattfinden; denn es ist verboten, mit einer Frau allein zu bleiben, ohne dass eine Ketubba ihre Rechte sichert. Die Ketubba ist eine Urkunde, die die Rechte der Frau aufführt, zu denen sich der Ehemann verpflichtet (3 Rechte):<br>
                                                monatliche Alimentenzahlungen stellen, bevor sie die
1. Unterhalt (Sch´era),<br>
                                                Scheidungsurkunde akzeptiert. – Aguna =  "Angekettete", eine
2. Bekleidung (Kesuta),<br>
                                                verlassene Ehefrau, deren Ehemann sich weigert, eine religiöse
3. Geschlechtsverkehr (Onata).<br>
                                                Scheidung, einen Get, zu gewähren (es gab Fälle, in denen versucht
Sie regelt auch die Versorgung der Frau mit dem Vermögen des Mannes im Falle einer Scheidung oder beim Tod des Ehemannes.
                                                wurde, den Mann durch – teils jahrelange – Haft zum Einverständnis
 
                                                mit der Scheidung zu zwingen. Die "Aguna" darf nach der Halacha
Die Hochzeit selbst:<br>
                                                nicht wieder heiraten, solange der Tod des Mannes nicht erwiesen ist
Nach der Unterschrift unter die Ketubba beginnt sogleich die Hochzeit selbst. Die Braut sitzt auf ihrem Brautstuhl; zu ihrer Seite stehen die beiden Mütter. Den Bräutigam begleiten die beiden Väter, während er auf sie zugeht, um ihr Gesicht für die Zeremonie unter der Chuppa und den Weg dorthin zu bedecken. Die Brautführer werden als "Schuschbinim" bezeichnet. Da der Bräutigam am Tag seiner Hochzeit einem König gleicht, geht er nicht allein, sondern erhält zu Ehren des Tages eine Begleitung, genau wie auch die Braut. Diese Brautführer sind in der Regel die Eltern: zwei Väter für den Bräutigam und zwei Mütter für die Braut. Der Bräutigam geht zur Braut wie Gott auf den Sinai in einer Feuerwolke herniederstieg. Die Brautführer und die Gäste halten während der Hochzeitszeremonie Kerzen in den Händen.<br>
                                                (ein grosses Problem, z. B. bei im Kriege Verschollenen). Eine religiöse
Der Bräutigam, von den beiden Brautführern begleitet, die Kerzen in den Händen haltend, schreitet zum Brautstuhl, auf dem die Braut sitzt. Er ergreift den Schleier auf ihrem Kopf mit beiden Händen und bedeckt damit ihr Gesicht, damit bringt der Bräutigam seinen Besitzanspruch auf seine Partnerin zum Ausdruck.<br>
                                                Scheidung gibt es nur mit Zustimmung des Ehemannes. Frauen ohne
Der Rabbiner sagt zur Braut den gleichen Segen, den Rebekka während ihrer Hochzeit mit Isaak hörte:<br>
                                                Get (Scheidebrief) sind aus religiöser Sicht trotz ziviler Scheidung nach
"Du, unsere Schwester, werde Mutter von tausendmal Zehntausend!"<br>
                                                wie vor an ihren Ehemann gebunden. Sie können innerhalb der
Vom Brautstuhl schreitet der Bräutigam zur Chuppa, und während er schon unter ihr steht, wird die Braut zu ihm geführt. Es ist ein weit verbreiteter Brauch, dass die Braut mit ihren Brautführern den Bräutigam siebenmal umkreist, bevor sie sich neben ihn stellt. Nach dem Segensspruch über den Wein sagt der Rabbiner den Segensspruch für die Verlobung. Braut und Bräutigam nehmen einen Schluck Wein. Danach werden zwei Zeugen aufgerufen, um der Eheschliessung selbst beizuwohnen, wenn sich der Bräutigam an die Braut wendet und zu ihr sagt:<br>
                                                Orthodoxie nicht wieder heiraten, und wenn sie es ausserhalb tun,
"Du bist mir mit diesem Ring nach der Religion Moses und Israels geheiligt".<br>
                                                werden etwaige Kinder aus dieser Ehe nicht als legitim anerkannt.
Damit streift er ihr den Ring über den Zeigefinger ihrer rechten Hand (keinen anderen Finger!). Nun liest der Rabbiner die Ketubba vor, und der Bräutigam legt sie mit der rechten Hand in die rechte Hand der Braut. Dann sagt der Rabbiner die sieben Segenssprüche der Eheschliessung:<br>
                                                Männer können dagegen erneut heiraten, ohne dass ihnen oder
1. Frucht des Weinstocks,<br>
                                                möglichem Nachwuchs Konsequenzen drohen. -- Mamser, Mamserim:
2. alles zu seiner Ehre erschaffen,<br>
                                                Nachkomme(n) aus einer halachisch verbotenen Beziehung, etwa aus
3. den Menschen gebildet,<br>
                                                bestimmten blutsverwandten Beziehungen, oder das aussereheliche
4. den Menschen nach seinem Bilde,<br>
                                                (nicht das uneheliche) Kind einer jüdischen Frau mit einem Juden.  
5. die unfruchtbar war, in ihr versammeln sich ihre Kinder in Freude,<br>
                                                Mamser gelten zwar als Juden, sind auch in allen rechtlichen Belangen
6. dass sich die Liebenden freuen,<br>
                                                gleichberechtigt, dürfen aber keinen Juden untadeliger Herkunft,
7. Dank an Gott.<br>
                                                sondern nur andere Mamser oder aber Proselyten heiraten. Auch ihre
Braut und Bräutigam trinken nach den sieben Segenssprüchen nochmals einen Schluck Wein, und der Bräutigam zertritt das Glas mit dem rechten Fuss (in einigen Gemeinden zertritt er es zu einem anderen Zeitpunkt), denn gerade bei der Gründung der eigenen privaten Familie betont man die Verbindung und Identifizierung mit dem Haus Israel als Ganzem, dessen Symbol - der Tempel - immer noch zerstört ist und dessen Bewohner grösstenteils immer noch zerstreut in der Diaspora leben. Das Glas ist Ausdruck der Identifizierung mit der Zerstörung und der Unvollkommenheit. Nach anderen symbolisiert das Glas die Zerbrechlichkeit der Ehe. Die Eheschliessungszeremonie endet damit, dass sich das Paar in ein Zimmer zurückzieht, in dem es allein ist. Die Zeugen der Eheschliessung begleiten Braut und Bräutigam bis zu diesem Zimmer, in dem sie sich zum ersten Mal als Mann und Frau gegenüberstehen. Hier essen sie auch ihre erste leichte Mahlzeit nach dem Fasten und nach der Erregung durch die Ereignisse um die Hochzeit. Erst nachdem die beiden eine Zeit lang allein waren, ist die Eheschliessungszeremonie beendet. In den orientalischen Gemeinden ist dies erst nach dem Hochzeitsmahl in der Hochzeitsnacht der Fall. Es sollte hervorgehoben werden, dass der Geschlechtsverkehr in der Hochzeitsnacht im Judentum als eine Pflicht gilt wie jede andere, die beide Parteien erfüllen müssen. Angesichts dessen sieht die Halacha vor, dass das junge Paar seine Kontakte fortsetzen darf, selbst wenn nach der ersten Berührung jungfräuliches Blut fliesst. Nach den ersten Kontakten in der Hochzeitsnacht gilt die Frau als unrein für vier bzw. fünf Tage, danach beginnt sie ggf. mit der rituellen Reinigung (vgl. Nida). Das Judentum betont auch die Bedeutung, sich mit Braut und Bräutigam an ihrem Hochzeitstag zu freuen, und diese Freude ist eine Pflicht. Sie kommt nicht in einem aufwändigen Festmahl, noch in einem lauten Orchester zum Ausdruck, sondern in der aufrichtigen Freude, durch Gesang und Tanz vor der Braut. Zur Hochzeit gehört auch die Pflichtmahlzeit, in deren Verlauf Torakommentare und erneut die "sieben Segenssprüche" von den Anwesenden zu hören sind. Diese Mahlzeit kann auch später, im engeren Familienkreis, stattfinden und wird im Verlaufe von sieben Tagen wiederholt (z. B. Familie des Bräutigams, der Braut, Arbeitskollegen, Kommilitonen usw.: Schewa Jamim Hamischte). Dort kann man sich viel intensiver um seine Gäste kümmern und seinerseits von ihnen Freundschaft und Anerkennung empfangen. Eine "Hochzeitsreise" kennt die jüdische Tradition nicht. Entsprechend den Vorschriften über die Reinhaltung der Familie darf der junge Ehemann seine Frau nach der Hochzeitsnacht nicht anrühren.
                                                Kinder und Kindeskinder gelten für immer als Mamserim]; in Gittin 
                                                finden sich auch die Geschichte von Kamza und Bar-Kamza zur
                                                Veranschaulichung von grundlosem Hass (ssinat chinam) sowie die
                                                Traditionen über die beiden grossen Aufstände der Jahre 66-70 und
                                                132-135 (55b-58a)
3.(3.5)  Sota(h) ("die Ausschweifende", "untreu Werdende"): die des
                                                Ehebruchs verdächtige Frau; 9 Kapitel; Gesetze über den Ehebruch
                                                (vgl. Nu. 5); Durchführung des Eifersuchtsordals vor dem grossen
                                                Gerichtshof; Unterschiede zwischen Israeliten und Priestern in Rechten
                                                und Strafen; wann gibt man das "Eifersuchtswasser" nicht zu trinken?
                                                Nur auf hebräisch zu sagende Formeln; Tötung eines Kalbes durch
                                                Genickbruch, wenn ein Mörder unbekannt bleibt/nicht gefunden wird
                                                (dieser Brauch hörte später mit dem Überhandnehmen der Mordfälle
                                                auf); im Anhang: Vorzeichen des Messias
3.7 Qidduschin / Kidduschin („Antrauung“, "Verlöbnis"; wörtlich:
          "Heiligungen"; 4 Kapitel): behandelt die Antrauung/Verlöbnis und  
                                                andere Ehefragen [Was ist im Grundsatz die orthodoxe Lehre von der
                                                Ehe, wie gestaltet sich eine jüdische Hochzeit? Wenn ein Mann eine  
                                                Frau heiraten will, muss er sie in Gegenwart von mindestens zwei
                                                Zeugen erwerben, und danach wird sie seine Frau. Mit einem von den
                                                drei folgenden Dingen kann eine Frau erworben werden: 1. mit Silber
                                                (oder Geld; auf hebräisch das gleiche Wort: Kessef), 2. mit einer
                                                Urkunde (so genannte Eheurkunde), Schetar, oder 3. durch Beischlaf,
                                                Biah (die Weisen untersagten diese Form der Besitznahme). Diese
                                                Dinge werden überall als Eheschliessung oder Anlobung bezeichnet.
                                                Und eine Frau, die auf eine dieser drei Arten erworben wurde, wird als
                                                geheiligt oder angelobt bezeichnet. Der Ring  Von den drei Formen der
                                                Besitznahme hat sich heute nur noch die durch Silber / Geld erhalten.
                                                Die Höhe des Betrages ist nicht festgelegt, heute gilt als üblich die  
                                                Anheiligung / Besitznahme durch einen einfachen Goldring. Das
                                                Anlegen des Ringes ist ein zentrales Element bei der Chuppa und der
                                                Eheschliessung. Dieser Akt symbolisiert nicht etwa die Eheschliessung,  
                                                sondern er vollzieht sie. Aus diesem Grund muss der Bräutigam den
                                                Ring gekauft haben, sonst ist die Eheschliessung nicht rechtsgültig. Der
                                                Vorschrift gemäss müssen beide Ringe den gleichen Wert haben, und es
                                                muss ein Goldring ohne Schmucksteine oder eine sonstige Verzierung
                                                sein, und er muss aus einem Stück gegossen sein. Der Mann heiligt
                                                durch seine Eheschliessung die Frau, er wird umgekehrt nicht durch sie
                                                geheiligt: Er ist der Mann (hebr. = Besitzer), und sie ist seine ihm
                                                angetraute Frau. Der Bräutigam sagt bei seiner Eheschliessung: "Du bist
                                                mir mit diesem Ring geheiligt, nach dem Glauben Moses und Israels."
                                                Danach ist sie jedem anderen Mann verboten. Die Verlobung  Früher
                                                gab es eine klare Trennung zwischen der Verlobung (= Eheschliessung)
                                                und der Heirat (= die Frau zieht in das Haus ihres Mannes ein). Heute
                                                findet beides zur gleichen Zeit in einer Zeremonie statt. Die Verlobung
                                                (Erusin = Anloben) ist heute eine gegenseitige Verpflichtung, zu
                                                gegebener Zeit einander zu heiraten. Diese Verpflichtung wird im
                                                Rahmen eines "Abkommens" aufgesetzt, in dem die Verpflichtungen
                                                der Schwiegereltern festgehalten werden, deren Kinder heiraten. In
                                                diesen "Bedingungen" ist das Hochzeitsdatum festgelegt sowie auch,
                                                wer für die Kosten der Hochzeit und die Bedürfnisse des jungen Paares  
                                                aufkommt. Diese Bedingungen sind im allgemeinen bindend. Die
                                                Eheschliessung ist nur dann gültig, wenn beide Partner ihre volle
                                                Zustimmung dazu gegeben haben. Wenn die "Bedingungen"
                                                unterschrieben werden, zerbricht man einen Teller - so wie der
                                                Bräutigam später bei der Hochzeit ein Glas zerbricht. (Im Unterschied
                                                dazu: Schidduch = vorläufige Entscheidung einer Verhandlung um eine
                                                mögliche Ehe, insbesondere in vorwiegend ostjüdischen Familien;
                                                enthält auch Tenaim: Bestimmungen, die bei einer Entlobung erfüllt
                                                werden müssen. Anlässlich der Zusammenkunft beider Familien zur
                                                Unterzeichnung der Tenaim findet selbstverständlich eine kleine Feier
                                                statt, die auch eine bestimmte Zeremonie begleitet.) Später wurde aus
                                                Erusin > Kidduschin, heiligende Bestimmung; und die Eheschliessung
                                                heisst Nissuin. Der Schabbat vor der Chuppa  Am Schabbat vor der  
                                                Hochzeit ehrt man den Bräutigam durch das Aufrufen zur Toralesung
                                                und meistens zum Maftir, danach liest er dann die Haftara. In der  
                                                Synagoge singt man zu seinen Ehren Lieder, und die Frauen werfen von
                                                der Frauengalerie Süssigkeiten auf ihn herab, damit das Leben des  
                                                jungen Paares versüsst wird. In vielen Gemeinden ist es üblich, dass die
                                                Braut bei dieser Gelegenheit nicht in der Synagoge anwesend ist, denn
                                                das Paar sieht sich mehrere Tage vor der Hochzeit nicht. In einigen
                                                Gemeinden sieht es sich erst am Hochzeitstag selbst in dem Augenblick
                                                wieder, in dem der Bräutigam sich anschickt, das Gesicht der Braut mit
                                                dem Brautschleier zu verdecken. Am Schabbat vor der Hochzeit findet
                                                ein grosser Kiddusch statt, bei dem der Bräutigam aus der Tora zitiert.  
                                                In der Zwischenzeit leisten die Freundinnen der Braut, die zu Hause
                                                geblieben ist, Gesellschaft. Dieser Schabbat heisst ihr zu Ehren
                                                "Schabbat der Braut". Der Bräutigam wird dagegen an seinem
                                                Hochzeitstag als König betrachtet, und deshalb begleitet man ihn am
                                                Tag seiner Hochzeit auch genauso, wie man einen König begleiten
                                                würde. Der Tag der Hochzeit Der Tag der Hochzeit wird dem Datum
                                                entsprechend festgelegt, das für den ersten Geschlechtsverkehr des
                                                jungen Paares in der Hochzeitsnacht geeignet ist (entsprechend der
                                                Menstruation der Braut; sie muss in der Hochzeitsnacht rein sein).  
                                                Andere Gesichtspunkte (ob der Festsaal frei ist, Verwandte aus dem  
                                                Ausland anreisen können, Prüfungen abgelegt sind o. Ä.) spielen dabei
                                                erst in zweiter Linie eine Rolle. Bevor die Braut unter die Chuppa tritt,
                                                muss sie sich in der Mikwe gereinigt haben. Für Braut und Bräutigam
                                                ist der Hochzeitstag wie ein Versöhnungstag, an dem sie ein ganz neues
                                                Kapitel ihres Lebens beginnen. Es ist ein Tag, an dem sie vor sich
                                                Rechenschaft ablegen, an dem sie füreinander Verantwortung
                                                übernehmen. Entsprechend der Halacha fastet das junge Paar am Tag
                                                seiner Hochzeit, um sich einerseits ganz auf Ernst und Bedeutung der  
                                                Hochzeit zu konzentrieren, und andererseits, um sich daran erinnern zu
                                                lassen, dass es jetzt an der Zeit ist, die Jugend hinter sich zu lassen und
                                                die Ehe als neue Menschen zu beginnen. Der Mensch wird erst dann als
                                                Mensch bezeichnet, wenn der Mann die Frau gefunden hat; denn vorher
                                                haben sie noch nicht das Stadium der Vollkommenheit erreicht. Die
                                                Vorschriften für das Fasten verlangen vom Bräutigam und von der  
                                                Braut, dass sie bis nach der Eheschliessung fasten. Findet die Hochzeit
                                                allerdings in den späten Abendstunden statt, dürfen sie, sobald die
                                                ersten Sterne am Himmel zu sehen sind, eine leichte Mahlzeit essen.
                                                (An bestimmten Tagen muss das Paar überhaupt nicht fasten; an
                                                bestimmten Tagen findet überhaupt keine Hochzeit statt.) Es ist üblich,
                                                dass die Eltern der Braut dem Bräutigam am Hochzeitstag einen neuen
                                                Tallit schenken, in den er sich am Tag nach der Hochzeit für das
                                                Morgengebet einhüllt. Der Bräutigam schenkt seiner Braut an diesem
                                                Tag seinerseits ein Gebetbuch, auf dessen Rücken ihre Initialen
                                                eingeprägt sind, einen Blumenstrauss (den er zur Hochzeit mitbringt)
                                                und eine kleine Flasche Parfüm. Die Ketubba  Als erster Akt am
                                                Hochzeitsabend wird die Ketubba, d.h. der Ehevertrag, von zwei  
                                                Zeugen (die nicht zur Familie gehören dürfen) und dem Bräutigam
                                                unterschrieben. Das muss vor der Hochzeit stattfinden; denn es ist
                                                verboten, mit einer Frau allein zu bleiben, ohne dass eine Ketubba ihre
                                                Rechte sichert. Die Ketubba ist eine Urkunde, die die Rechte der Frau
                                                aufführt, zu denen sich der Ehemann verpflichtet (3 Rechte):
                                                1. Unterhalt (Sch´era), 2. Bekleidung (Kesuta), 3. Geschlechtsverkehr
                                                (Onata). Sie regelt auch die Versorgung der Frau mit dem Vermögen
                                                des Mannes im Falle einer Scheidung oder beim Tod des Ehemannes.
                                                Die Hochzeit selbst  Nach der Unterschrift unter die Ketubba beginnt
                                                sogleich die Hochzeit selbst. Die Braut sitzt auf ihrem Brautstuhl; zu  
                                                ihrer Seite stehen die beiden Mütter. Den Bräutigam begleiten die
                                                beiden Väter, während er auf sie zugeht, um ihr Gesicht für die  
                                                Zeremonie unter der Chuppa und den Weg dorthin zu bedecken. Die
                                                Brautführer werden als "Schuschbinim" bezeichnet. Da der Bräutigam  
                                                am Tag seiner Hochzeit einem König gleicht, geht er nicht allein,
                                                sondern erhält zu Ehren des Tages eine Begleitung, genau wie auch die
                                                Braut. Diese Brautführer sind in der Regel die Eltern: zwei Väter für
                                                den Bräutigam und zwei Mütter für die Braut. Der Bräutigam geht zur
                                                Braut wie Gott auf den Sinai in einer Feuerwolke herniederstieg. Die
                                                Brautführer und die Gäste halten während der Hochzeitszeremonie
                                                Kerzen in den Händen. Der Bräutigam, von den beiden Brautführern
                                                begleitet, die Kerzen in den Händen haltend, schreitet zum Brautstuhl,  
                                                auf dem die Braut sitzt. Er ergreift den Schleier auf ihrem Kopf mit
                                                beiden Händen und bedeckt damit ihr Gesicht, damit bringt der  
                                                Bräutigam seinen Besitzanspruch auf seine Partnerin zum Ausdruck.
                                                Der Rabbiner sagt zur Braut den gleichen Segen, den Rebekka während
                                                ihrer Hochzeit mit Isaak hörte: "Du, unsere Schwester, werde Mutter
                                                von tausendmal Zehntausend!" Vom Brautstuhl schreitet der Bräutigam
                                                zur Chuppa, und während er schon unter ihr steht, wird die Braut zu
                                                ihm geführt. Es ist ein weit verbreiteter Brauch, dass die Braut mit ihren
                                                Brautführern den Bräutigam siebenmal umkreist, bevor sie sich neben
                                                ihn stellt. Nach dem Segensspruch über den Wein sagt der Rabbiner den
                                                Segensspruch für die Verlobung. Braut und Bräutigam nehmen einen
                                                Schluck Wein. Danach werden zwei Zeugen aufgerufen, um der  
                                                Eheschliessung selbst beizuwohnen, wenn sich der Bräutigam an die  
                                                Braut wendet und zu ihr sagt: "Du bist mir mit diesem Ring nach der
                                                Religion Moses und Israels geheiligt". Damit streift er ihr den Ring über
                                                den Zeigefinger ihrer rechten Hand (keinen anderen Finger!) Nun liest
                                                der Rabbiner die Ketubba vor, und der Bräutigam legt sie mit der
                                                rechten Hand in die rechte Hand der Braut. Dann sagt der Rabbiner die  
                                                sieben Segenssprüche der Eheschliessung: 1. Frucht des Weinstocks,  
                                                2. alles zu seiner Ehre erschaffen, 3. den Menschen gebildet, 4. den
                                                Menschen nach seinem Bilde, 5. die unfruchtbar war, in ihr versammeln
                                                sich ihre Kinder in Freude, 6. dass sich die Liebenden freuen, 7. Dank
                                                an Gott. Braut und Bräutigam trinken nach den sieben Segenssprüchen
                                                nochmals einen Schluck Wein, und der Bräutigam zertritt das Glas mit
                                                dem rechten Fuss (in einigen Gemeinden zertritt er es zu einem anderen
                                                Zeitpunkt), denn gerade bei der Gründung der eigenen privaten Familie
                                                betont man die Verbindung und Identifizierung mit dem Haus Israel als
                                                Ganzem, dessen Symbol - der Tempel - immer noch zerstört ist und  
                                                dessen Bewohner grösstenteils immer noch zerstreut in der Diaspora
                                                leben. Das Glas ist Ausdruck der Identifizierung mit der Zerstörung und
                                                der Unvollkommenheit. Nach anderen symbolisiert das Glas die
                                                Zerbrechlichkeit der Ehe. Die Eheschliessungszeremonie endet damit,
                                                dass sich das Paar in ein Zimmer zurückzieht, in dem es allein ist. Die
                                                Zeugen der Eheschliessung begleiten Braut und Bräutigam bis zu
                                                diesem Zimmer, in dem sie sich zum ersten Mal als Mann und Frau
                                                gegenüberstehen. Hier essen sie auch ihre erste leichte Mahlzeit nach
                                                dem Fasten und nach der Erregung durch die Ereignisse um die
                                                Hochzeit. Erst nachdem die beiden eine Zeit lang allein waren, ist die
                                                Eheschliessungszeremonie beendet. In den orientalischen Gemeinden
                                                ist dies erst nach dem Hochzeitsmahl in der Hochzeitsnacht der Fall. Es
                                                sollte hervorgehoben werden, dass der Geschlechtsverkehr in der
                                                Hochzeitsnacht im Judentum als eine Pflicht gilt wie jede andere, die
                                                beide Parteien erfüllen müssen. Angesichts dessen sieht die Halacha
                                                vor, dass das junge Paar seine Kontakte fortsetzen darf, selbst wenn
                                                nach der ersten Berührung jungfräuliches Blut fliesst. Nach den ersten
                                                Kontakten in der Hochzeitsnacht gilt die Frau als unrein für vier bzw.
                                                fünf Tage, danach beginnt sie ggf. mit der rituellen Reinigung (vgl.
                                                Nida). Das Judentum betont auch die Bedeutung, sich mit Braut und
                                                Bräutigam an ihrem Hochzeitstag zu freuen, und diese Freude ist eine
                                                Pflicht. Sie kommt nicht in einem aufwändigen Festmahl, noch in
                                                einem lauten Orchester zum Ausdruck, sondern in der aufrichtigen
                                                Freude, durch Gesang und Tanz vor der Braut. Zur Hochzeit gehört
                                                auch die Pflichtmahlzeit, in deren Verlauf Torakommentare und erneut
                                                die "sieben Segenssprüche" von den Anwesenden zu hören sind. Diese
                                                Mahlzeit kann auch später, im engeren Familienkreis, stattfinden und
                                                wird im Verlaufe von sieben Tagen wiederholt (z. B. Familie des
                                                Bräutigams, der Braut, Arbeitskollegen, Kommilitonen usw.: Schewa
                                                Jamim Hamischte). Dort kann man sich viel intensiver um seine Gäste
                                                kümmern und seinerseits von ihnen Freundschaft und Anerkennung
                                                empfangen. Eine "Hochzeitsreise" kennt die jüdische Tradition nicht.  
                                                Entsprechend den Vorschriften über die Reinhaltung der Familie darf  
                                                der junge Ehemann seine Frau nach der Hochzeitsnacht nicht anrühren]


== Fussnoten ==
== Fussnoten ==
<references />
<references />
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Aktuelle Version vom 8. März 2019, 18:01 Uhr

Hauptartikel Talmud

Ordnungen und Traktate

Dritte Ordnung

3. Ordnung: Naschim („Frauen“):
rituelle Frauengesetze, Ehe und Eherecht (Verlöbnis, Vertrag, Bruch, Scheidung, Schwagerehe), Gelübde und Nasirat.

3.1 Jebamot/Jewamot („Schwägerinnen“, auch vokalisiert als Jawmut / Jabmut, Schwagerschaft; manchmal Naschim, Frauen, genannt; 16 Kapitel):
Behandelt Schwagerehe, Leviratsehe, Eheverbote [1]; darüber hinaus Aufnahme von Ammonitern usw. in die Gemeinde; Stellung der Proselyten; Weigerung einer Unmündigen, bei ihrem Mann zu bleiben; Bezeugung des Todes eines Ehemanns.

3.2 Ketub(b)ot (Heiratsverträge, Eheurkunden; eigentlich: "das Geschriebene", "Hochzeitsverschreibungen"; 13 Kapitel):
Handelt über den Ehevertrag, Kidduschin, formelles Verlöbnis, bei dem der Ehevertrag (Ketuba) unterschrieben wird, womit die Frau bereits rechtskräftig verheiratet ist, obwohl sie noch nicht mit dem Mann zusammenleben darf, bevor nicht die Heimführung, die tatsächliche Hochzeit (nissuin) unter der chuppa, stattgefunden hat (vgl. weiter bei Kidduschin, 3. Ordnung, 7. Traktat); Ketubba ist sowohl der Ehevertrag als auch die in ihm der Frau für den Fall der Scheidung oder des Todes des Mannes ausgesetzte Summe; weiter: über die Heirat von Jungfrauen; Strafgeld bei Vergewaltigung eines Mädchens; Pflichten des Manns und der Frau gegeneinander; Besitz der Frau; Erbrecht nach der Frau; Rechte der Witwe.

3.3 Nedarim ("Gelübde"; 11 Kapitel):
Über Gelübde [2]; Aufhebung von Gelübden; Qorban; vier von vornherein ungültige Gelübde; Notlügen; Deutung von Gelübden; welche Gelübde kann ein Gelehrter erlassen? Wer kann einer Frau oder Tochter die Gelübde aufheben, welche Gelübde?

3.4 Nazir/ Nasir („Nasiräer“; 9 Kapitel), auch: Nezirut, "Nasiräergelübde":
Über das Nasiräat, den Nasiräer und sein Gelübde / Asketentum zur Zeit des Tempels; Nasir = "Geweihter", Nasiräer, der ein freiwilliges Gelübde abgelegt hat, auf eine gewisse Zeit sich des Weines zu enthalten und sein Haupthaar nicht zu scheren, sondern lang wachsen zu lassen (Nu 6); auch über Nasiräergelübde von Frauen und Sklaven.

3.5 (3.6) Gittin („Scheidebriefe“, "Scheidungsurkunden"; 9 Kapitel):
Scheidungsrecht (Ehescheidung, Ausstellung des Get) [3]; in Gittin finden sich auch die Geschichte von Kamza und Bar-Kamza zur Veranschaulichung von grundlosem Hass (ssinat chinam) sowie die Traditionen über die beiden grossen Aufstände der Jahre 66-70 und 132-135 (55b-58a)

3.6 (3.5) Sota(h) ("die Ausschweifende", "untreu Werdende"):
Die des Ehebruchs verdächtige Frau; 9 Kapitel; Gesetze über den Ehebruch (vgl. Nu. 5); Durchführung des Eifersuchtsordals vor dem grossen Gerichtshof; Unterschiede zwischen Israeliten und Priestern in Rechten und Strafen; wann gibt man das "Eifersuchtswasser" nicht zu trinken?
Nur auf hebräisch zu sagende Formeln; Tötung eines Kalbes durch Genickbruch, wenn ein Mörder unbekannt bleibt/nicht gefunden wird (dieser Brauch hörte später mit dem Überhandnehmen der Mordfälle auf); im Anhang: Vorzeichen des Messias.

3.7 Qidduschin/ Kidduschin („Antrauung“, "Verlöbnis"; wörtlich: "Heiligungen"; 4 Kapitel):
Behandelt die Antrauung/Verlöbnis und andere Ehefragen.
Was ist im Grundsatz die orthodoxe Lehre von der Ehe, wie gestaltet sich eine jüdische Hochzeit?
Wenn ein Mann eine Frau heiraten will, muss er sie in Gegenwart von mindestens zwei Zeugen erwerben, und danach wird sie seine Frau. Mit einem von den drei folgenden Dingen kann eine Frau erworben werden:
1. mit Silber (oder Geld; auf hebräisch das gleiche Wort: Kessef),
2. mit einer Urkunde (so genannte Eheurkunde), Schetar, oder
3. durch Beischlaf, Biah (die Weisen untersagten diese Form der Besitznahme).
Diese Dinge werden überall als Eheschliessung oder Anlobung bezeichnet.
Und eine Frau, die auf eine dieser drei Arten erworben wurde, wird als geheiligt oder angelobt bezeichnet. Der Ring Von den drei Formen der Besitznahme hat sich heute nur noch die durch Silber / Geld erhalten.
Die Höhe des Betrages ist nicht festgelegt, heute gilt als üblich die Anheiligung / Besitznahme durch einen einfachen Goldring. Das Anlegen des Ringes ist ein zentrales Element bei der Chuppa und der Eheschliessung. Dieser Akt symbolisiert nicht etwa die Eheschliessung, sondern er vollzieht sie. Aus diesem Grund muss der Bräutigam den Ring gekauft haben, sonst ist die Eheschliessung nicht rechtsgültig. Der Vorschrift gemäss müssen beide Ringe den gleichen Wert haben, und es muss ein Goldring ohne Schmucksteine oder eine sonstige Verzierung sein, und er muss aus einem Stück gegossen sein.

Der Mann heiligt durch seine Eheschliessung die Frau, er wird umgekehrt nicht durch sie geheiligt:
Er ist der Mann (hebr. = Besitzer), und sie ist seine ihm angetraute Frau. Der Bräutigam sagt bei seiner Eheschliessung:
"Du bist mir mit diesem Ring geheiligt, nach dem Glauben Moses und Israels."
Danach ist sie jedem anderen Mann verboten.
Die Verlobung: Früher gab es eine klare Trennung zwischen der Verlobung (= Eheschliessung) und der Heirat (= die Frau zieht in das Haus ihres Mannes ein). Heute findet beides zur gleichen Zeit in einer Zeremonie statt. Die Verlobung (Erusin = Anloben) ist heute eine gegenseitige Verpflichtung, zu gegebener Zeit einander zu heiraten. Diese Verpflichtung wird im Rahmen eines "Abkommens" aufgesetzt, in dem die Verpflichtungen der Schwiegereltern festgehalten werden, deren Kinder heiraten. In diesen "Bedingungen" ist das Hochzeitsdatum festgelegt sowie auch, wer für die Kosten der Hochzeit und die Bedürfnisse des jungen Paares aufkommt. Diese Bedingungen sind im allgemeinen bindend. Die Eheschliessung ist nur dann gültig, wenn beide Partner ihre volle Zustimmung dazu gegeben haben. Wenn die "Bedingungen" unterschrieben werden, zerbricht man einen Teller - so wie der Bräutigam später bei der Hochzeit ein Glas zerbricht.[4]

Später wurde aus Erusin > Kidduschin, heiligende Bestimmung; und die Eheschliessung heisst Nissuin.
Der Schabbat vor der Chuppa Am Schabbat vor der Hochzeit ehrt man den Bräutigam durch das Aufrufen zur Toralesung und meistens zum Maftir, danach liest er dann die Haftara. In der Synagoge singt man zu seinen Ehren Lieder, und die Frauen werfen von der Frauengalerie Süssigkeiten auf ihn herab, damit das Leben des jungen Paares versüsst wird. In vielen Gemeinden ist es üblich, dass die Braut bei dieser Gelegenheit nicht in der Synagoge anwesend ist, denn das Paar sieht sich mehrere Tage vor der Hochzeit nicht. In einigen Gemeinden sieht es sich erst am Hochzeitstag selbst in dem Augenblick wieder, in dem der Bräutigam sich anschickt, das Gesicht der Braut mit dem Brautschleier zu verdecken. Am Schabbat vor der Hochzeit findet ein grosser Kiddusch statt, bei dem der Bräutigam aus der Tora zitiert.
In der Zwischenzeit leisten die Freundinnen der Braut, die zu Hause geblieben ist, Gesellschaft. Dieser Schabbat heisst ihr zu Ehren "Schabbat der Braut". Der Bräutigam wird dagegen an seinem Hochzeitstag als König betrachtet, und deshalb begleitet man ihn am Tag seiner Hochzeit auch genauso, wie man einen König begleiten würde. Der Tag der Hochzeit Der Tag der Hochzeit wird dem Datum entsprechend festgelegt, das für den ersten Geschlechtsverkehr des jungen Paares in der Hochzeitsnacht geeignet ist (entsprechend der Menstruation der Braut; sie muss in der Hochzeitsnacht rein sein).
Andere Gesichtspunkte (ob der Festsaal frei ist, Verwandte aus dem Ausland anreisen können, Prüfungen abgelegt sind o. Ä.) spielen dabei erst in zweiter Linie eine Rolle. Bevor die Braut unter die Chuppa tritt, muss sie sich in der Mikwe gereinigt haben. Für Braut und Bräutigam ist der Hochzeitstag wie ein Versöhnungstag, an dem sie ein ganz neues Kapitel ihres Lebens beginnen. Es ist ein Tag, an dem sie vor sich Rechenschaft ablegen, an dem sie füreinander Verantwortung übernehmen. Entsprechend der Halacha fastet das junge Paar am Tag seiner Hochzeit, um sich einerseits ganz auf Ernst und Bedeutung der Hochzeit zu konzentrieren, und andererseits, um sich daran erinnern zu lassen, dass es jetzt an der Zeit ist, die Jugend hinter sich zu lassen und die Ehe als neue Menschen zu beginnen. Der Mensch wird erst dann als Mensch bezeichnet, wenn der Mann die Frau gefunden hat; denn vorher haben sie noch nicht das Stadium der Vollkommenheit erreicht. Die Vorschriften für das Fasten verlangen vom Bräutigam und von der Braut, dass sie bis nach der Eheschliessung fasten. Findet die Hochzeit allerdings in den späten Abendstunden statt, dürfen sie, sobald die ersten Sterne am Himmel zu sehen sind, eine leichte Mahlzeit essen. (An bestimmten Tagen muss das Paar überhaupt nicht fasten; an bestimmten Tagen findet überhaupt keine Hochzeit statt.) Es ist üblich, dass die Eltern der Braut dem Bräutigam am Hochzeitstag einen neuen Tallit schenken, in den er sich am Tag nach der Hochzeit für das Morgengebet einhüllt. Der Bräutigam schenkt seiner Braut an diesem Tag seinerseits ein Gebetbuch, auf dessen Rücken ihre Initialen eingeprägt sind, einen Blumenstrauss (den er zur Hochzeit mitbringt) und eine kleine Flasche Parfüm. Die Ketubba Als erster Akt am Hochzeitsabend wird die Ketubba, d.h. der Ehevertrag, von zwei Zeugen (die nicht zur Familie gehören dürfen) und dem Bräutigam unterschrieben. Das muss vor der Hochzeit stattfinden; denn es ist verboten, mit einer Frau allein zu bleiben, ohne dass eine Ketubba ihre Rechte sichert. Die Ketubba ist eine Urkunde, die die Rechte der Frau aufführt, zu denen sich der Ehemann verpflichtet (3 Rechte):
1. Unterhalt (Sch´era),
2. Bekleidung (Kesuta),
3. Geschlechtsverkehr (Onata).
Sie regelt auch die Versorgung der Frau mit dem Vermögen des Mannes im Falle einer Scheidung oder beim Tod des Ehemannes.

Die Hochzeit selbst:
Nach der Unterschrift unter die Ketubba beginnt sogleich die Hochzeit selbst. Die Braut sitzt auf ihrem Brautstuhl; zu ihrer Seite stehen die beiden Mütter. Den Bräutigam begleiten die beiden Väter, während er auf sie zugeht, um ihr Gesicht für die Zeremonie unter der Chuppa und den Weg dorthin zu bedecken. Die Brautführer werden als "Schuschbinim" bezeichnet. Da der Bräutigam am Tag seiner Hochzeit einem König gleicht, geht er nicht allein, sondern erhält zu Ehren des Tages eine Begleitung, genau wie auch die Braut. Diese Brautführer sind in der Regel die Eltern: zwei Väter für den Bräutigam und zwei Mütter für die Braut. Der Bräutigam geht zur Braut wie Gott auf den Sinai in einer Feuerwolke herniederstieg. Die Brautführer und die Gäste halten während der Hochzeitszeremonie Kerzen in den Händen.
Der Bräutigam, von den beiden Brautführern begleitet, die Kerzen in den Händen haltend, schreitet zum Brautstuhl, auf dem die Braut sitzt. Er ergreift den Schleier auf ihrem Kopf mit beiden Händen und bedeckt damit ihr Gesicht, damit bringt der Bräutigam seinen Besitzanspruch auf seine Partnerin zum Ausdruck.
Der Rabbiner sagt zur Braut den gleichen Segen, den Rebekka während ihrer Hochzeit mit Isaak hörte:
"Du, unsere Schwester, werde Mutter von tausendmal Zehntausend!"
Vom Brautstuhl schreitet der Bräutigam zur Chuppa, und während er schon unter ihr steht, wird die Braut zu ihm geführt. Es ist ein weit verbreiteter Brauch, dass die Braut mit ihren Brautführern den Bräutigam siebenmal umkreist, bevor sie sich neben ihn stellt. Nach dem Segensspruch über den Wein sagt der Rabbiner den Segensspruch für die Verlobung. Braut und Bräutigam nehmen einen Schluck Wein. Danach werden zwei Zeugen aufgerufen, um der Eheschliessung selbst beizuwohnen, wenn sich der Bräutigam an die Braut wendet und zu ihr sagt:
"Du bist mir mit diesem Ring nach der Religion Moses und Israels geheiligt".
Damit streift er ihr den Ring über den Zeigefinger ihrer rechten Hand (keinen anderen Finger!). Nun liest der Rabbiner die Ketubba vor, und der Bräutigam legt sie mit der rechten Hand in die rechte Hand der Braut. Dann sagt der Rabbiner die sieben Segenssprüche der Eheschliessung:
1. Frucht des Weinstocks,
2. alles zu seiner Ehre erschaffen,
3. den Menschen gebildet,
4. den Menschen nach seinem Bilde,
5. die unfruchtbar war, in ihr versammeln sich ihre Kinder in Freude,
6. dass sich die Liebenden freuen,
7. Dank an Gott.
Braut und Bräutigam trinken nach den sieben Segenssprüchen nochmals einen Schluck Wein, und der Bräutigam zertritt das Glas mit dem rechten Fuss (in einigen Gemeinden zertritt er es zu einem anderen Zeitpunkt), denn gerade bei der Gründung der eigenen privaten Familie betont man die Verbindung und Identifizierung mit dem Haus Israel als Ganzem, dessen Symbol - der Tempel - immer noch zerstört ist und dessen Bewohner grösstenteils immer noch zerstreut in der Diaspora leben. Das Glas ist Ausdruck der Identifizierung mit der Zerstörung und der Unvollkommenheit. Nach anderen symbolisiert das Glas die Zerbrechlichkeit der Ehe. Die Eheschliessungszeremonie endet damit, dass sich das Paar in ein Zimmer zurückzieht, in dem es allein ist. Die Zeugen der Eheschliessung begleiten Braut und Bräutigam bis zu diesem Zimmer, in dem sie sich zum ersten Mal als Mann und Frau gegenüberstehen. Hier essen sie auch ihre erste leichte Mahlzeit nach dem Fasten und nach der Erregung durch die Ereignisse um die Hochzeit. Erst nachdem die beiden eine Zeit lang allein waren, ist die Eheschliessungszeremonie beendet. In den orientalischen Gemeinden ist dies erst nach dem Hochzeitsmahl in der Hochzeitsnacht der Fall. Es sollte hervorgehoben werden, dass der Geschlechtsverkehr in der Hochzeitsnacht im Judentum als eine Pflicht gilt wie jede andere, die beide Parteien erfüllen müssen. Angesichts dessen sieht die Halacha vor, dass das junge Paar seine Kontakte fortsetzen darf, selbst wenn nach der ersten Berührung jungfräuliches Blut fliesst. Nach den ersten Kontakten in der Hochzeitsnacht gilt die Frau als unrein für vier bzw. fünf Tage, danach beginnt sie ggf. mit der rituellen Reinigung (vgl. Nida). Das Judentum betont auch die Bedeutung, sich mit Braut und Bräutigam an ihrem Hochzeitstag zu freuen, und diese Freude ist eine Pflicht. Sie kommt nicht in einem aufwändigen Festmahl, noch in einem lauten Orchester zum Ausdruck, sondern in der aufrichtigen Freude, durch Gesang und Tanz vor der Braut. Zur Hochzeit gehört auch die Pflichtmahlzeit, in deren Verlauf Torakommentare und erneut die "sieben Segenssprüche" von den Anwesenden zu hören sind. Diese Mahlzeit kann auch später, im engeren Familienkreis, stattfinden und wird im Verlaufe von sieben Tagen wiederholt (z. B. Familie des Bräutigams, der Braut, Arbeitskollegen, Kommilitonen usw.: Schewa Jamim Hamischte). Dort kann man sich viel intensiver um seine Gäste kümmern und seinerseits von ihnen Freundschaft und Anerkennung empfangen. Eine "Hochzeitsreise" kennt die jüdische Tradition nicht. Entsprechend den Vorschriften über die Reinhaltung der Familie darf der junge Ehemann seine Frau nach der Hochzeitsnacht nicht anrühren.

Fussnoten

  1. Leviratsehe, Jibbum, gesetzlich vorgeschriebene Ehe einer kinderlosen Witwe mit dem Bruder des verstorbenen Mannes, Dt. 25, Thema der biblischen Tamar- / Gen. 38, und Ruth-Geschichte; Leviratsehe konnte durch Chaliza (Chaliza / Chaluza = "Ausziehen", nämlich des Schuhs) abgelöst werden, welche Zeremonie später die Leviratsehe gänzlich ersetzt hat.
  2. hierin das "Patriotismus-Gebot" für den Juden, Staatstreue ist religiöse Vorschrift, ist Gesetz wie von Gott, Nedarim 28b.
  3. einige Erläuterungen:
    - Get, Plural Gittin; Sefer keritut, der Scheidebrief des Mannes an die Frau. Die Frau muss mit der Scheidung einverstanden sein. Sie kann auch Bedingungen in bezug auf Unterschrift und monatliche Alimentenzahlungen stellen, bevor sie die Scheidungsurkunde akzeptiert.
    - Aguna = "Angekettete", eine verlassene Ehefrau, deren Ehemann sich weigert, eine religiöse Scheidung, einen Get, zu gewähren (es gab Fälle, in denen versucht wurde, den Mann durch – teils jahrelange – Haft zum Einverständnis mit der Scheidung zu zwingen. Die "Aguna" darf nach der Halacha nicht wieder heiraten, solange der Tod des Mannes nicht erwiesen ist (ein grosses Problem, z. B. bei im Kriege Verschollenen).
    Eine religiöse Scheidung gibt es nur mit Zustimmung des Ehemannes. Frauen ohne Get (Scheidebrief) sind aus religiöser Sicht trotz ziviler Scheidung nach wie vor an ihren Ehemann gebunden. Sie können innerhalb der Orthodoxie nicht wieder heiraten, und wenn sie es ausserhalb tun, werden etwaige Kinder aus dieser Ehe nicht als legitim anerkannt.
    Männer können dagegen erneut heiraten, ohne dass ihnen oder möglichem Nachwuchs Konsequenzen drohen.
    - Mamser, Mamserim: Nachkomme(n) aus einer halachisch verbotenen Beziehung, etwa aus bestimmten blutsverwandten Beziehungen, oder das aussereheliche (nicht das uneheliche) Kind einer jüdischen Frau mit einem Juden. Mamser gelten zwar als Juden, sind auch in allen rechtlichen Belangen gleichberechtigt, dürfen aber keinen Juden untadeliger Herkunft, sondern nur andere Mamser oder aber Proselyten heiraten. Auch ihre Kinder und Kindeskinder gelten für immer als Mamserim.
  4. Im Unterschied dazu: Schidduch = vorläufige Entscheidung einer Verhandlung um eine mögliche Ehe, insbesondere in vorwiegend ostjüdischen Familien; enthält auch Tenaim: Bestimmungen, die bei einer Entlobung erfüllt werden müssen. Anlässlich der Zusammenkunft beider Familien zur Unterzeichnung der Tenaim findet selbstverständlich eine kleine Feier statt, die auch eine bestimmte Zeremonie begleitet.

Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Talmud 3. Ordnung) vermutlich nicht.