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Dresdner Neoklassizismus und sozialistischer Neoklassizismus: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Dresden Haus Altmarkt 25, der Kopfbau von 1956-1957.jpg|mini|Haus Altmarkt 25, 1956-1957 ]]
'''Dresdner Neoklassizismus und sozialistischer Neoklassizismus''' sind Stilrichtungen der [[Architektur]], die teilweise in der Stadt [[Dresden]] in den 1930er Jahren auf den [[Neoklassizismus]] zurückgingen und in den 1950er und 1960er Jahren als [[sozialistischer Neoklassizismus]] wieder erstanden. Bekannte Beispiele sind das Gebäude [[Haus Altmarkt (Dresden)|Haus Altmarkt]], das frühere [[Centrum Warenhaus (Dresden Altmarkt)|Centrum-Warenhaus]] und das [[Café Prag (Dresden)|Café Prag]].


Das ehemalige '''Luftgaukommando''' ist ein Gebäudekomplex an der August-Bebel-Straße 19 im [[Dresden|Dresdner]] Stadtteil [[Strehlen (Dresden)|Strehlen]], der von 1935 bis 1938 nach Entwürfen von [[Wilhelm Kreis]] als Sitz des [[Luftgau-Kommando Dresden|Luftgaukommandos IV]] der [[Luftwaffe (Wehrmacht)|Luftwaffe der Wehrmacht]] erbaut wurde.Bemerkenswert ist der Figurenfries ''Fliegender Genius'' über den Rechteckfenstern des Mittelbaus. Der Mittelbau dient als Eingangshalle und ist wie ein [[Portikus]] gestaltet worden. Bildhauer war [[Karl Albiker]], der ein Schüler von [[Auguste Rodin]] und Professor an der [[Hochschule für Bildende Künste Dresden|Dresdner Kunstakademie]] war. Dargestellt werden [[Ikarus]], [[Vulcanus|Vulkan]] und einige [[Krieg]]er. An der Längsfront befinden sich auch die Reliefköpfe [[Otto Lilienthal]]s und des Generals [[Ernst Udet]].<ref>''Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Dresden.'' Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03110-3, S. 207.</ref> Der Stil war der eines „vergröbernden Neoklassizismus und national auftrumpfenden Monumentalismus“.<ref>http://www.das-neue-dresden.de/luftgaukommando.html</ref>
== Entwicklung ==
Baulich bemerkenswert bei der Dresdner Hoffnungskirche von 1936 sind einerseits das hohe Satteldach, andererseits der Eingangsbereich des Hauses: Drei Rundbögen ruhen auf Sandsteinkapitellen und darunter befindlichen Pfeilern. Die Kapitelle zeigen figürliche Darstellungen wie Menschen bei der Arbeit und biblische Themen.
[[Datei:Dresden Luftgaukommando, Figurenfries mit Ikarus (Mitte), flankiert von Vulkan und Kriegern von Karl Albiker.jpg|mini|Dresden Luftgaukommando, 1936]]
[[Datei:Dresden Luftgaukommando, Figurenfries mit Ikarus (Mitte), flankiert von Vulkan und Kriegern von Karl Albiker.jpg|mini|]]
[[Datei:Dresden Haus Güntzstraße 28, Relief Reinhold Langner 6 (a).jpg|mini|Reliefarbeiten am Studentenwohnheim Güntzstraße 28/28a, 1953 ]]
[[Datei:Dresden Hoffnungskirche, Figurenkapitell im Eingangsbereich.jpg|mini|]]
[[Datei:Dresden Haus Güntzstraße 28, Relief Reinhold Langner 6 (b).jpg|mini|Reliefarbeiten Güntzstraße 28, Güntzpalast, 1953 ]]
[[Datei:Dresden Haus Güntzstraße 28, Relief Reinhold Langner 6 (c).jpg|mini|Reliefarbeiten Güntzstraße 28, Güntzpalast, 1953 ]]
Das ehemalige Luftgaukommando ist ein Gebäudekomplex an der August-Bebel-Straße 19 im [[Dresden|Dresdner]] Stadtteil [[Strehlen (Dresden)|Strehlen]], der von 1935 bis 1938 nach Entwürfen von [[Wilhelm Kreis]] als Sitz des [[Luftgau-Kommando Dresden|Luftgaukommandos IV]] der [[Luftwaffe (Wehrmacht)|Luftwaffe der Wehrmacht]] erbaut wurde. Bemerkenswert ist der Figurenfries ''Fliegender Genius'' über den Rechteckfenstern des Mittelbaus. Der Mittelbau dient als Eingangshalle und ist wie ein [[Portikus]] gestaltet worden. Bildhauer war [[Karl Albiker]], der ein Schüler von [[Auguste Rodin]] und Professor an der [[Hochschule für Bildende Künste Dresden|Dresdner Kunstakademie]] war. Dargestellt werden [[Ikarus]], [[Vulcanus]] und einige [[Krieg]]er. An der Längsfront befinden sich auch die Reliefköpfe [[Otto Lilienthal]]s und des Generals [[Ernst Udet]].<ref>''Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Dresden.'' Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03110-3, S. 207.</ref> Der Stil war der eines „vergröbernden Neoklassizismus und national auftrumpfenden Monumentalismus“.<ref>http://www.das-neue-dresden.de/luftgaukommando.html</ref>


==== Sozialististischer Neoklassizismus (ab 1951) ====
Beim Luftangriff auf Dresden wurde die Stadt zu großen Teilen zerstört. Im Sinne des damaligen Kulturprogramms wurde seit 1951 gemäß der „16 Grundsätze zum Städtebau“ in einem das „Nationale Kulturerbe fortführenden Baustil“ gebaut. Resultat war ein Baustil des sozialistischen Neoklassizismus, der teilweise historisierend den [[Dresdner Barock]] aufnimmt, wobei Wert auf eine „handwerklich aufwendige Bauweise“<ref>Paul, XXV.</ref> gelegt wurde.
<gallery caption="Reliefs im Stil des sozialistischen Neoklassizismus" class="center">
ReliefBlochmannstraße.jpg|Relief von [[Magdalene Kreßner]] am Gebäude [[Blochmannstraße 1–19|Blochmannstraße&nbsp;1]]
Dresden-Johannstadt Klinik für Orthopädie det.jpg|Relief von [[Magdalene Kreßner]] am Eingang der orthopädischen Klinik in der [[Johannstadt]]
Dresden-Dreikönigsschule-det2-Eingang.jpg|Fries über dem Portal des [[Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst des Freistaates Sachsen (Gebäude)|Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst]] von [[Herbert Volwahsen]] und Weiss
Dresden-Dreikönigsschule-det1.jpg|oberer Fries über dem Portal des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst von Magdalene Kreßner, [[Rudolf Löhner]] und Peters
</gallery>


Beim Luftangriff auf Dresden wurde die Stadt zu großen Teilen zerstört. Im Sinne des damaligen Kulturprogramms wurde seit 1951 gemäß der „16 Grundsätze zum Städtebau“ in einem das „Nationale Kulturerbe fortführenden Baustil“ gebaut. Resultat war ein Baustil des [[Sozialistischer Klassizismus|Sozialistischen Neoklassizismus]], der historisierend den [[Dresdner Barock]] zitiert, wobei Wert auf eine „handwerklich aufwendige Bauweise“<ref>Paul, XXV.</ref> gelegt wurde.
Die Baugruppe [[Grunaer Straße 7–41 (Dresden)|Grunaer Straße 7–41]] (ab 1951 von Bernhard Klemm) war das erste Beispiel für Architektur in diesem Baustil, wobei die „Dresdner Bautradition anklingen soll[te].“<ref>Lupfer u. a., Objektnr. 78</ref>


Die Baugruppe [[Grunaer Straße 7–41 (Dresden)|Grunaer Straße 7–41]] (ab 1951 von Bernhard Klemm) war das erste Beispiel für Architektur in diesem Baustil des Sozialistischen Klassizismus, wobei die „Dresdner Bautradition anklingen soll[te].“<ref>Lupfer u. a., Objektnr. 78</ref>
Andere Beispiele sind die Bauten um die [[Kreuzkirche (Dresden)|Kreuzkirche]] und die Bebauung in der [[Weiße Gasse|Weißen Gasse 1–8]], die in den Jahren 1959/1960 vom Architekten [[Herbert Schneider (Architekt)|Herbert Schneider]] in „traditioneller Bauweise mit Sandtstein-Putzfassaden“ errichtet wurde.


Andere Beispiele sind die Bauten um die [[Kreuzkirche (Dresden)|Kreuzkirche]], so die Bebauung [[Weiße Gasse#Beschreibung|Weiße Gasse 1–8]], die in den Jahren 1959/1960 vom Architekten [[Herbert Schneider (Architekt)|Herbert Schneider]] in „traditioneller Bauweise mit Sandtstein-Putzfassaden“ errichtet wurde.
Auf der Westseite der Seestraße&nbsp;– nördlich des Dr.-Külz-Rings&nbsp;– steht der 300 Meter lange Gebäudekomplex Altmarkt 21–25 / Seestraße 2–16 mit dem ehemaligen Warenhaus „Centrum“, der unter der ursprünglichen Adresse Altmarkt 13–25 von 1953 bis 1958 nach Entwürfen der Architekten [[Johannes Rascher]], [[Gerhard Guder]] und Gerhard Müller errichtet wurde. Aus der Gebäudefront ragen die Häuser Seestraße 8 und 10 mit dem Café Prag bis fast an den Straßenrand der Seestraße hervor. In Anlehnung an die Dresdner Bautradition erhielten die siebengeschossigen Bauten eine Sandstein-Putz-Fassade. Andere Beispiele sind die Straßen in der [[Pirnaische Vorstadt|Pirnaischen Vorstadt]], wie die Mathildenstraße, Seidnitzer Straße und Zirkusstraße.


Auf der Westseite der Seestraße&nbsp;– nördlich des Dr.-Külz-Rings&nbsp;– steht der 300 Meter lange Gebäudekomplex [[Altmarkt 21–25 / Seestraße 2–16]], der unter der ursprünglichen Adresse Altmarkt 13–25 von 1953 bis 1958 nach Entwürfen der Architekten [[Johannes Rascher]], [[Gerhard Guder]] und Gerhard Müller errichtet wurde. Aus der Gebäudefront ragen die Häuser Seestraße 8 und 10 mit dem [[Café Prag (Dresden)|Café Prag]] bis fast an den Straßenrand der Seestraße hervor. In Anlehnung an die Dresdner Bautradition erhielten die siebengeschossigen Bauten eine Sandstein-Putz-Fassade. Andere Beispiele sind die Straßen in der [[Pirnaische Vorstadt|Pirnaischen Vorstadt]], wie die Mathildenstraße, Seidnitzer Straße und Zirkusstraße.
Die von 1953 bis 1958 um den [[Altmarkt (Dresden)|Altmarkt]] errichteten Gebäude lassen den Dresdner Barock weitgehend verschwinden. Die [[Nürnberger Straße (Dresden)|Nürnberger Straße]] (1953–1954, Albert Patitz) war der größte Wohnkomplex „in der für die frühen 50er Jahre typischen an der Altmarkt-Bebauung orientierten historisierenden Gestaltung“.<ref>Lupfer u. a., Objektnr. 116</ref>
 
Der von 1953 bis 1958 wiederhergestellte [[Altmarkt (Dresden)|Altmarkt]] zitiert den Dresdner Barock. Bemerkenswert sind dabei die heute denkmalgeschützten Gebäude [[Haus Altmarkt (Dresden)|Haus Altmarkt]], das frühere [[Centrum Warenhaus (Dresden Altmarkt)|Centrum-Warenhaus]] und das [[Café Prag (Dresden)|Café Prag]].
 
Die [[Nürnberger Straße (Dresden)|Nürnberger Straße]] (1953–1954, Albert Patitz) war der größte Wohnkomplex „in der für die frühen 50er Jahre typischen an der Altmarkt-Bebauung orientierten historisierenden Gestaltung“.<ref>Lupfer u. a., Objektnr. 116</ref>


Bei dem Eckturm der [[Ingenieurschule für Verkehrstechnik (Dresden)|Ingenieurschule für Verkehrstechnik]] „wurde in der architektonischen Gestaltung der Versuch unternommen, einzelne architektonische Motive und in der Gliederung der Formen an den Dresdner Barock anzuknüpfen.“<ref>Deutsche Architektur 6, 1954, S. 262–264.</ref>
Bei dem Eckturm der [[Ingenieurschule für Verkehrstechnik (Dresden)|Ingenieurschule für Verkehrstechnik]] „wurde in der architektonischen Gestaltung der Versuch unternommen, einzelne architektonische Motive und in der Gliederung der Formen an den Dresdner Barock anzuknüpfen.“<ref>Deutsche Architektur 6, 1954, S. 262–264.</ref>
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Weitere Beispiele für neoklassizistische Bauten der Nachkriegszeit sind die [[Ehemalige Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ (Gebäude)|Musikhochschule „Carl Maria von Weber“]] (1951), der [[Trefftz-Bau]] (1953–1955), das [[Fritz-Löffler-Gymnasium]] (1956) oder das [[Institutsgebäude für Landtechnik]] (1959). Die „barockisierend-klassizistische Eingangsbetonung“ der [[Arbeiter-und-Bauern-Fakultät Dresden|Arbeiter-und-Bauern-Fakultät]], errichtet von 1959 bis 1964, ist eines der Beispiele für die „großartige Portalarchitektur Dresdens“.
Weitere Beispiele für neoklassizistische Bauten der Nachkriegszeit sind die [[Ehemalige Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ (Gebäude)|Musikhochschule „Carl Maria von Weber“]] (1951), der [[Trefftz-Bau]] (1953–1955), das [[Fritz-Löffler-Gymnasium]] (1956) oder das [[Institutsgebäude für Landtechnik]] (1959). Die „barockisierend-klassizistische Eingangsbetonung“ der [[Arbeiter-und-Bauern-Fakultät Dresden|Arbeiter-und-Bauern-Fakultät]], errichtet von 1959 bis 1964, ist eines der Beispiele für die „großartige Portalarchitektur Dresdens“.


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Nachdem Stalin 1953 gestorben war, fand eine Wende in der Stadtbaupolitik der DDR statt, und die DDR-Architektur wandte sich von der stalinistischen Architekturdoktrin und der Nationalen Bautradition ab. Man folgte nun der „neuen Sachlichkeit – mit deutlich weniger Ausschmückung und Zierrat“<ref>[http://www.das-neue-dresden.de/buerohochhaus-pirnaischer-platz.html Büro- und Geschäftshaus Wilsdruffer Straße 3 in Dresden/Pirnaischer Platz]</ref> und forderte eine Industrialisierung des Bauwesens.<ref name="MR2">[http://www.kulturpalast-dresden-erhalten.de/ ''Initiative zum Erhalt des Dresdner Kulturpalasts'']</ref> Unter Chruschtschow gab es zwar weniger kulturelle Reglementierung, trotzdem mussten weiterhin „traditionelle Elemente“ in den Bau aufgenommen werden. So musste auf das von 1959 bis 1960 [[Haus Wilsdruffer Straße 3 (Dresden)|Eckhaus am Pirnaischen Platz]] ein Walmdach gesetzt und [[Elbsandstein|heimischer Sandstein]] verwendet werden. Das Gebäude ist an den Ecken mit Sandstein eingefasst und zeigt eine Rasterfassade mit rostroten Keramik-Brüstungsfeldern. Den oberen Abschluss des Hochbaus bilden ein säulenbestandener [[Laubengang]] und das geforderte Walmdach. Auch das [[Mensa-Gebäude Reichenbachstraße (Dresden)|Mensa-Gebäude an der Reichenbachstraße]] hat eine Rasterfassade mit Walmdach. Das Gebäude [[Fetscherstraße 33–37]] wurde 1958 bis 1960 zur Schließung einer Baulücke in traditioneller Bauweise mit flachem Satteldach und [[Loggia|laubenartig]] wirkenden Balkonen zwischen hervorgezogenen Treppenhäusern in Ziegelmauerwerk erbaut.
Fotothek df ps 0002860 Stadt ^ Stadtlandschaften.jpg|Häuserzeile Café Prag bis Haus Altmarkt 25
Dresden Altmarkt Hauser Neu.jpg|Haus Wilsdruffer Straße 19–21
Ingenieurschule für Verkehrstechnik Dresden.jpg|Ingenieurschule für Verkehrstechnik
Brunnenfigur Fritz-Löffler-Gymnasium.jpg|Fritz-Löffler-Gymnasium mit Brunnenplastik ''Junge Naturforscher'' von Walter Reinhold
Dresden-Altmarkt-19-21-detail.jpg|Haus Altmarkt
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<gallery heights="100" widths="300" caption="Güntzpalast im Stil der Dresdner Bautradition – Synthese von Kunst (elf Reliefs) und Architektur" class="center">
Eine Rasterfassade mit Ziegeldach zeigt auch das [[Güntzpalast|TU-Studentenwohnheim an der Güntzstraße]] (1953–1955). Es ist ein herausragendes „Beispiel des Übergangsstils zwischen Tradition und Moderne“. So schmücken die südliche Rasterfassade elf [[Relief]]s von [[Reinhold Langner]] zu Dresdens Geschichte, wie das Relief ''Wissenschaftlicher Fortschritt durch Dampfkraft – 1839 in Dresden'' oder das Relief ''Erinnerung an die [[Luftangriffe auf Dresden|Zerstörung der Stadt – 13. Februar 1945]]'':<ref>[http://www.guentzpalast.de/guentzpalast/historische-architektur/ Bilder der Reliefs]</ref> „Besonderes Augenmerk gilt den feinen relief[[Plastik (Kunst)|plastischen]] Sandsteinarbeiten, die ganz im [[Antike|klassischen Formenkanon]] ruhen. (…) Auch hier ist noch ganz klar der Wunsch ablesbar, eine fest in der Dresdner Bautradition verwurzelte Synthese von Kunst und Architektur miteinander zu verbinden.“<ref>[http://www.das-neue-dresden.de/studentenwohnheim-guentzstrasse.html ''Studentenwohnheim Güntzstraße: Klare 50er-Jahre Architektur''], das-neue-dresden.de</ref>
Güntzstraße 28 Dresden Güntzpalast Relief Reinhold Langner 6, Frauenkirche Ausschnitt.jpg|Güntzstraße 28, Relief von Reinhold Langner mit der Frauenkirche
Güntzstraße 28 Dresden Güntzpalast Relief Reinhold Langner 5, Kronentor Ausschnitt.jpg|Relief von Reinhold Langner mit dem Kronentor
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Nachdem Stalin 1953 gestorben war, fand eine Wende in der Stadtbaupolitik der DDR statt, und die DDR-Architektur wandte sich von der stalinistischen Architekturdoktrin und der Nationalen Bautradition ab. Man folgte nun der „neuen Sachlichkeit – mit deutlich weniger Ausschmückung und Zierrat“<ref>[http://www.das-neue-dresden.de/buerohochhaus-pirnaischer-platz.html Büro- und Geschäftshaus Wilsdruffer Straße 3 in Dresden/Pirnaischer Platz]</ref> und forderte eine Industrialisierung des Bauwesens.<ref name="MR2">[http://www.kulturpalast-dresden-erhalten.de/ ''Initiative zum Erhalt des Dresdner Kulturpalasts'']</ref> Unter Chruschtschow gab es zwar weniger kulturelle Reglementierung, trotzdem mussten weiterhin „traditionelle Elemente“ in den Bau aufgenommen werden. So musste auf das von 1959 bis 1960 [[Haus Wilsdruffer Straße 3 (Dresden)|Eckhaus am Pirnaischen Platz]] ein Walmdach gesetzt und [[Elbsandstein|heimischer Sandstein]] verwendet werden. Das Gebäude ist an den Ecken mit Sandstein eingefasst und zeigt eine Rasterfassade mit rostroten Keramik-Brüstungsfeldern. Den oberen Abschluss des Hochbaus bilden ein säulenbestandener [[Laubengang]] und das geforderte Walmdach. Auch das [[Mensa-Gebäude Reichenbachstraße (Dresden)|Mensa-Gebäude an der Reichenbachstraße]] hat eine Rasterfassade mit Walmdach. Das Gebäude [[Fetscherstraße 33–37]] wurde 1958 bis 1960 zur Schließung einer Baulücke in traditioneller Bauweise mit flachem Satteldach und [[Loggia|laubenartig]] wirkenden Balkonen zwischen hervorgezogenen Treppenhäusern in Ziegelmauerwerk erbaut.
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== Einzelnachweise ==
<references/>
== Literatur ==
* {{Literatur|Autor=Manfred Zumpe|Titel=Die Brühlsche Terrasse in Dresden|Verlag=Verlag für Bauwesen|Ort=Berlin|Jahr=1991|ISBN=3-345-00207-8}}
* Fritz Löffler: ''Das alte Dresden. Geschichte seiner Bauten.'' E. A. Seemann, Leipzig 1981, ISBN 3-363-00007-3.


Eine Rasterfassade mit Ziegeldach zeigt auch das [[Güntzpalast|TU-Studentenwohnheim an der Güntzstraße]] (1953–1955). Es ist ein herausragendes „Beispiel des Übergangsstils zwischen Tradition und Moderne“. So schmücken die südliche Rasterfassade elf [[Relief]]s von [[Reinhold Langner]] zu Dresdens Geschichte, wie das Relief ''Wissenschaftlicher Fortschritt durch Dampfkraft – 1839 in Dresden'' oder das Relief ''Erinnerung an die [[Luftangriffe auf Dresden|Zerstörung der Stadt – 13. Februar 1945]]'':<ref>[http://www.guentzpalast.de/guentzpalast/historische-architektur/ Bilder der Reliefs]</ref> „Besonderes Augenmerk gilt den feinen relief[[Plastik (Kunst)|plastischen]] Sandsteinarbeiten, die ganz im [[Antike|klassischen Formenkanon]] ruhen. (…) Auch hier ist noch ganz klar der Wunsch ablesbar, eine fest in der Dresdner Bautradition verwurzelte Synthese von Kunst und Architektur miteinander zu verbinden.“<ref>[http://www.das-neue-dresden.de/studentenwohnheim-guentzstrasse.html ''Studentenwohnheim Güntzstraße: Klare 50er-Jahre Architektur''], das-neue-dresden.de</ref>
[[Kategorie:Dresden]]

Aktuelle Version vom 17. Februar 2025, 19:28 Uhr

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Haus Altmarkt 25, 1956-1957

Dresdner Neoklassizismus und sozialistischer Neoklassizismus sind Stilrichtungen der Architektur, die teilweise in der Stadt Dresden in den 1930er Jahren auf den Neoklassizismus zurückgingen und in den 1950er und 1960er Jahren als sozialistischer Neoklassizismus wieder erstanden. Bekannte Beispiele sind das Gebäude Haus Altmarkt, das frühere Centrum-Warenhaus und das Café Prag.

Entwicklung

Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes: Datei fehlt
Dresden Luftgaukommando, 1936
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Reliefarbeiten am Studentenwohnheim Güntzstraße 28/28a, 1953
Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes: Datei fehlt
Reliefarbeiten Güntzstraße 28, Güntzpalast, 1953
Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes: Datei fehlt
Reliefarbeiten Güntzstraße 28, Güntzpalast, 1953

Das ehemalige Luftgaukommando ist ein Gebäudekomplex an der August-Bebel-Straße 19 im Dresdner Stadtteil Strehlen, der von 1935 bis 1938 nach Entwürfen von Wilhelm Kreis als Sitz des Luftgaukommandos IV der Luftwaffe der Wehrmacht erbaut wurde. Bemerkenswert ist der Figurenfries Fliegender Genius über den Rechteckfenstern des Mittelbaus. Der Mittelbau dient als Eingangshalle und ist wie ein Portikus gestaltet worden. Bildhauer war Karl Albiker, der ein Schüler von Auguste Rodin und Professor an der Dresdner Kunstakademie war. Dargestellt werden Ikarus, Vulcanus und einige Krieger. An der Längsfront befinden sich auch die Reliefköpfe Otto Lilienthals und des Generals Ernst Udet.[1] Der Stil war der eines „vergröbernden Neoklassizismus und national auftrumpfenden Monumentalismus“.[2]

Beim Luftangriff auf Dresden wurde die Stadt zu großen Teilen zerstört. Im Sinne des damaligen Kulturprogramms wurde seit 1951 gemäß der „16 Grundsätze zum Städtebau“ in einem das „Nationale Kulturerbe fortführenden Baustil“ gebaut. Resultat war ein Baustil des sozialistischen Neoklassizismus, der teilweise historisierend den Dresdner Barock aufnimmt, wobei Wert auf eine „handwerklich aufwendige Bauweise“[3] gelegt wurde.

Die Baugruppe Grunaer Straße 7–41 (ab 1951 von Bernhard Klemm) war das erste Beispiel für Architektur in diesem Baustil, wobei die „Dresdner Bautradition anklingen soll[te].“[4]

Andere Beispiele sind die Bauten um die Kreuzkirche und die Bebauung in der Weißen Gasse 1–8, die in den Jahren 1959/1960 vom Architekten Herbert Schneider in „traditioneller Bauweise mit Sandtstein-Putzfassaden“ errichtet wurde.

Auf der Westseite der Seestraße – nördlich des Dr.-Külz-Rings – steht der 300 Meter lange Gebäudekomplex Altmarkt 21–25 / Seestraße 2–16 mit dem ehemaligen Warenhaus „Centrum“, der unter der ursprünglichen Adresse Altmarkt 13–25 von 1953 bis 1958 nach Entwürfen der Architekten Johannes Rascher, Gerhard Guder und Gerhard Müller errichtet wurde. Aus der Gebäudefront ragen die Häuser Seestraße 8 und 10 mit dem Café Prag bis fast an den Straßenrand der Seestraße hervor. In Anlehnung an die Dresdner Bautradition erhielten die siebengeschossigen Bauten eine Sandstein-Putz-Fassade. Andere Beispiele sind die Straßen in der Pirnaischen Vorstadt, wie die Mathildenstraße, Seidnitzer Straße und Zirkusstraße.

Die von 1953 bis 1958 um den Altmarkt errichteten Gebäude lassen den Dresdner Barock weitgehend verschwinden. Die Nürnberger Straße (1953–1954, Albert Patitz) war der größte Wohnkomplex „in der für die frühen 50er Jahre typischen an der Altmarkt-Bebauung orientierten historisierenden Gestaltung“.[5]

Bei dem Eckturm der Ingenieurschule für Verkehrstechnik „wurde in der architektonischen Gestaltung der Versuch unternommen, einzelne architektonische Motive und in der Gliederung der Formen an den Dresdner Barock anzuknüpfen.“[6]

Ebenfalls neoklassizistische Bauten sind die 1956 erbaute Chirurgische Klinik, die Hochschule für Verkehrswesen (1954–1960) und die Palucca Schule Dresden (1953–1955). Auch die Scheune als Jugendheim errichtet oder das BSZ Bau und Technik Dresden spricht die traditionelle Formensprache bestehend aus Putzfassade mit Sandsteingliederungen.

Die Architektur der Freilichtbühne „Junge Garde“ aus dem Jahr 1955 ähnelt in der Formensprache dem Kavaliershäuschen im Großen Garten.

Weitere Beispiele für neoklassizistische Bauten der Nachkriegszeit sind die Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ (1951), der Trefftz-Bau (1953–1955), das Fritz-Löffler-Gymnasium (1956) oder das Institutsgebäude für Landtechnik (1959). Die „barockisierend-klassizistische Eingangsbetonung“ der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät, errichtet von 1959 bis 1964, ist eines der Beispiele für die „großartige Portalarchitektur Dresdens“.

Nachdem Stalin 1953 gestorben war, fand eine Wende in der Stadtbaupolitik der DDR statt, und die DDR-Architektur wandte sich von der stalinistischen Architekturdoktrin und der Nationalen Bautradition ab. Man folgte nun der „neuen Sachlichkeit – mit deutlich weniger Ausschmückung und Zierrat“[7] und forderte eine Industrialisierung des Bauwesens.[8] Unter Chruschtschow gab es zwar weniger kulturelle Reglementierung, trotzdem mussten weiterhin „traditionelle Elemente“ in den Bau aufgenommen werden. So musste auf das von 1959 bis 1960 Eckhaus am Pirnaischen Platz ein Walmdach gesetzt und heimischer Sandstein verwendet werden. Das Gebäude ist an den Ecken mit Sandstein eingefasst und zeigt eine Rasterfassade mit rostroten Keramik-Brüstungsfeldern. Den oberen Abschluss des Hochbaus bilden ein säulenbestandener Laubengang und das geforderte Walmdach. Auch das Mensa-Gebäude an der Reichenbachstraße hat eine Rasterfassade mit Walmdach. Das Gebäude Fetscherstraße 33–37 wurde 1958 bis 1960 zur Schließung einer Baulücke in traditioneller Bauweise mit flachem Satteldach und laubenartig wirkenden Balkonen zwischen hervorgezogenen Treppenhäusern in Ziegelmauerwerk erbaut.

Eine Rasterfassade mit Ziegeldach zeigt auch das TU-Studentenwohnheim an der Güntzstraße (1953–1955). Es ist ein herausragendes „Beispiel des Übergangsstils zwischen Tradition und Moderne“. So schmücken die südliche Rasterfassade elf Reliefs von Reinhold Langner zu Dresdens Geschichte, wie das Relief Wissenschaftlicher Fortschritt durch Dampfkraft – 1839 in Dresden oder das Relief Erinnerung an die Zerstörung der Stadt – 13. Februar 1945:[9] „Besonderes Augenmerk gilt den feinen reliefplastischen Sandsteinarbeiten, die ganz im klassischen Formenkanon ruhen. (…) Auch hier ist noch ganz klar der Wunsch ablesbar, eine fest in der Dresdner Bautradition verwurzelte Synthese von Kunst und Architektur miteinander zu verbinden.“[10]

Vergleich zu Wikipedia




Einzelnachweise

  1. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Dresden. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03110-3, S. 207.
  2. http://www.das-neue-dresden.de/luftgaukommando.html
  3. Paul, XXV.
  4. Lupfer u. a., Objektnr. 78
  5. Lupfer u. a., Objektnr. 116
  6. Deutsche Architektur 6, 1954, S. 262–264.
  7. Büro- und Geschäftshaus Wilsdruffer Straße 3 in Dresden/Pirnaischer Platz
  8. Initiative zum Erhalt des Dresdner Kulturpalasts
  9. Bilder der Reliefs
  10. Studentenwohnheim Güntzstraße: Klare 50er-Jahre Architektur, das-neue-dresden.de

Literatur

  •  Manfred Zumpe: Die Brühlsche Terrasse in Dresden. Verlag für Bauwesen, Berlin 1991, ISBN 3-345-00207-8.
  • Fritz Löffler: Das alte Dresden. Geschichte seiner Bauten. E. A. Seemann, Leipzig 1981, ISBN 3-363-00007-3.