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Geschichte der Juden in Tunesien: Unterschied zwischen den Versionen
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== Ab 1956 == | == Ab 1956 == | ||
* Zum Zeitpunkt der tunesischen Unabhängigkeit im Jahr 1956 lebten circa 85.000 Juden in Tunesien. | * Zum Zeitpunkt der tunesischen Unabhängigkeit im Jahr 1956 lebten circa 85.000 Juden in Tunesien. | ||
* Der [[Sechs-Tage-Krieg]] im Jahr 1967 und die ständigen [[Israel|israelisch]]-arabischen Konflikte führten zu großen Auswanderungswellen tunesischer Juden. | * Der [[Sechs-Tage-Krieg]] im Jahr 1967 und die ständigen [[Israel|israelisch]]-arabischen Konflikte führten in der Folge daraus resultierender arabischer bzw. tunesischer Feindschaft zu großen Auswanderungswellen tunesischer Juden. | ||
* Im Jahr 2002 ereignete sich auf Djerba ein hinterhältiger und feiger Anschlag arabischer Terroristen auf die dortige [[Synagoge]]. Dabei kamen 19 Menschen ums Leben. <ref>Wolfgang Benz: ''Handbuch des Antisemitismus - Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart'', Band I, K. G. Saur Verlag, München, 2008, Länder und Regionen, Seite 89 und 90</ref> | * Im Jahr 2002 ereignete sich auf Djerba ein hinterhältiger und feiger Anschlag arabischer Terroristen auf die dortige [[Synagoge]]. Dabei kamen 19 Menschen ums Leben. <ref>Wolfgang Benz: ''Handbuch des Antisemitismus - Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart'', Band I, K. G. Saur Verlag, München, 2008, Länder und Regionen, Seite 89 und 90</ref> | ||
* Heute leben weniger als 2.000 Juden in Tunesien. Diese wohnen hauptsächlich in Tunis und auf der Insel Djerba. | * Heute leben weniger als 2.000 Juden in Tunesien. Diese wohnen hauptsächlich in Tunis und auf der Insel Djerba. | ||
* Diese sind besonders seit dem ''Arabischen Frühling'' einer zunehmenden Diskriminierung ausgesetzt. Die jüdische Gemeinde in Tunesien ist inzwischen vom Aussterben bedroht. <ref>Anja Schliebitz und Jochen Klinckmüller: ''Baedecker-Allianz Reiseführer - Tunesien'', 2008, Seite 36</ref> <ref>[http://www.dw.de/juden-in-ägypten-und-tunesien-in-sorge/a-16398652 ''Arabische Welt - Juden in Ägypten und Tunesien in Sorge'']</ref> | * Diese sind besonders seit dem ''Arabischen Frühling'' einer zunehmenden Diskriminierung ausgesetzt. Die jüdische Gemeinde in Tunesien ist inzwischen vom Aussterben bedroht. <ref>Anja Schliebitz und Jochen Klinckmüller: ''Baedecker-Allianz Reiseführer - Tunesien'', 2008, Seite 36</ref> <ref>[http://www.dw.de/juden-in-ägypten-und-tunesien-in-sorge/a-16398652 ''Arabische Welt - Juden in Ägypten und Tunesien in Sorge'']</ref> | ||
* Im Jahr 2011 wurden im Rahmen der Sturzes von Präsident Ben Ali zweimal jüdische Einrichtungen angegriffen. Bei einem der Übergriffe versuchten Islamisten in die Hauptsynagoge von Tunis einzudringen und riefen dabei judenfeindliche Parolen. <ref>[http://de.qantara.de/Zwischen-Hoffen-und-Bangen/20293c22147i0p93/index.html ''Juden in Nordafrika - Zwischen Hoffen und Bangen'']</ref> | * Im Jahr 2011 wurden im Rahmen der Sturzes von Präsident Ben Ali zweimal jüdische Einrichtungen angegriffen. Bei einem der Übergriffe versuchten Islamisten in die Hauptsynagoge von Tunis einzudringen und riefen dabei judenfeindliche Parolen. <ref>[http://de.qantara.de/Zwischen-Hoffen-und-Bangen/20293c22147i0p93/index.html ''Juden in Nordafrika - Zwischen Hoffen und Bangen'']</ref> | ||
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Version vom 30. September 2013, 14:00 Uhr
Die Geschichte der Juden in Tunesien umfasst einen Zeitraum von mehr als 2000 Jahren. Sie lebten in diesem Zeitraum unter wechselnden Herrschern wie Karthagern, Römern, Vandalen, Byzantinern, Arabern, Osmanen, europäischen Kolonialmächten und ab 1956 im Staat Tunesien. Die einst großen jüdischen Gemeinden in Tunesien sind heute fast verschwunden. Die verbliebenen ca. 2000 Juden sind Misstrauen und Diskriminierung ausgesetzt, und durch den Arabischen Frühling ist ihre Lage noch schwieriger geworden.
Karthagische Zeit
- Schon zu Zeiten der Karthager soll es im Norden Tunesiens jüdische Gemeinden gegeben haben.
- Manche Forscher datieren die erste jüdische Besiedlung auf den Zeitpunkt der Zerstörung des ersten Tempels durch Nebukadnezar im Jahr 586 v. Chr.. Andere gehen noch weiter zurück und nehmen eine jüdische Besiedlung schon für das 10. vorchristliche Jahrhundert an. [1]
Römische Zeit
- Nachweisbar sind jüdische Siedlungen allerdings erst für die römische Zeit nach der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr..
- Durch diesen Exodus entstanden bsp. die beiden jüdischen Gemeinden auf Djerba.
- In den nachchristlichen Jahrhunderten kam es im tunesischen Gebiet zu Aufständen gegen die Römer. Viele Juden flohen zu den Berbern an den Rand der Sahara.
- Unter den bis zum Jahr 533 herrschenden Vandalen hatten die Juden bei der Religionsausübung freie Hand und innere Autonomie. [2]
- Auch zur Zeit Kaiser Justinians, der im Jahr 535 in Nordafrika das Judentum verbot, flüchteten viele Juden in die Wüste, wo sie auch viele Berber zum jüdischen Glauben bekehrten, teilweise aber auch selber "berberisiert" wurden. [3]
Arabische Zeit
- Nach der arabischen Eroberungswelle im 7. Jahrhundert lebten die Juden unter arabischer Herrschaft relativ frei. Das jüdische Leben unter den Arabern blieb dennoch von wechselnden Phasen der Sicherheit und Repression geprägt. [4]
- Hauptsiedlungspunkt der Juden in Tunesien war bis zum 11. Jahrhundert die Stadt Kairouan.
- Wegen Einfällen der Beni-Hilal-Nomaden flohen die Juden erneut. Viele ließen sich vor den Toren von Tunis im Dorf Melassine nieder.
- Gegen Ende des 11. Jahrhunderts wurde ihnen innerhalb der Mauern von Tunis ein eigenes Stadtviertel (Hara) zugeteilt.
- Viele Juden strömten mit Abschluss der Reconquista (Eroberung Granadas im Jahr 1492) nach Nordafrika und Tunesien. [5] Diese zugewanderten Juden (Grana) waren kulturell weiter entwickelt als die einheimischen Juden und fühlten sich diesen auch überlegen.
- Die arabischen Herrscher bedienten sich dieses jüdischen Fachwissens. Viele Juden hatten hohe Ämter z.B. in der Finanzverwaltung inne. Ihr Haupttätigkeitsgebiet war allerdings der Fernhandel mit europäischen Mächten. Daneben waren sie auch auf dem Gebiet der Schmuckherstellung aktiv.
Osmanische Zeit
- Tunesien erlebte im 18. und 19. Jahrhundert eine Renaissance jüdischen Denkens. Namen, die hier genannt werden müssen, sind Abraham Cohen, der Großrabbiner Isaac Lumbroso, Nathan Borgel oder Uziel el-Haïk. [6]
- 1856 wurden Christen, Juden und Muslime auf französischen Druck hin rechtlich gleichgestellt.
Neuzeit
- Im Jahr 1883 wurde Tunesien französisches Protektorat.
- Das Leben der tunesischen Juden wurde dadurch freier von Benachteiligungen und Diskriminierungen.
- Ihnen wurden eigene Organisationen und die Errichtung von Schulen gestattet.
- Dafür kam jetzt andererseits der europäisch-christliche Antisemitismus auch in Tunesien zur Entfaltung.
- Um 1914 lebten noch um die 70.000 Juden in Tunesien. [7]
- Im Jahr 1923 ermöglichte ein Gesetz den tunesischen Juden die Annahme der französischen Staatsbürgerschaft.
- Ab Mitte der 1920er-Jahre kam es aufgrund des zunehmenden arabischen Nationalismus zu gehäuften Gewalttaten gegen Juden. [8]
- Nach der Niederlage Frankreichs im Zweiten Weltkrieg unterstand Tunesien dem Vichy-Regime. Die dortigen Juden wurden einem neuen Statut unterworfen. Sie wurden sukzessive aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen und ihre Organisationen aufgelöst und ihre Presse unterdrückt. Später folgte die Einziehung ihres Vermögens und ihres Besitzes.
- Am 9. November 1942 besetzten deutsche und italienische Truppen Tunesien. Es wurden Arbeitslager für Juden eingerichtet. Über 2500 Juden starben innerhalb eines halben Jahres in Tunesien. [9]
Ab 1956
- Zum Zeitpunkt der tunesischen Unabhängigkeit im Jahr 1956 lebten circa 85.000 Juden in Tunesien.
- Der Sechs-Tage-Krieg im Jahr 1967 und die ständigen israelisch-arabischen Konflikte führten in der Folge daraus resultierender arabischer bzw. tunesischer Feindschaft zu großen Auswanderungswellen tunesischer Juden.
- Im Jahr 2002 ereignete sich auf Djerba ein hinterhältiger und feiger Anschlag arabischer Terroristen auf die dortige Synagoge. Dabei kamen 19 Menschen ums Leben. [10]
- Heute leben weniger als 2.000 Juden in Tunesien. Diese wohnen hauptsächlich in Tunis und auf der Insel Djerba.
- Diese sind besonders seit dem Arabischen Frühling einer zunehmenden Diskriminierung ausgesetzt. Die jüdische Gemeinde in Tunesien ist inzwischen vom Aussterben bedroht. [11] [12]
- Im Jahr 2011 wurden im Rahmen der Sturzes von Präsident Ben Ali zweimal jüdische Einrichtungen angegriffen. Bei einem der Übergriffe versuchten Islamisten in die Hauptsynagoge von Tunis einzudringen und riefen dabei judenfeindliche Parolen. [13]
Links und Quellen
Siehe auch
Weblinks
Bilder / Fotos
Videos
Quellen
Literatur
Einzelnachweise
- ↑ [1]
- ↑ «Land der Farben und des Lichts» - «Abrahams Söhne» blicken auf über 2.500 Jahre Präsenz in Tunesien zurück
- ↑ Dumont Reise-Taschenbücher: Djerba & Südtunesien, DuMont Buchverlag, Köln, 1997, Seite 116
- ↑ Wolfgang Benz: Handbuch des Antisemitismus - Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart, Band I, K. G. Saur Verlag, München, 2008, Länder und Regionen Seite 374
- ↑ Barbara Waldis: Trotz der Differenz: interkulturelle Kommunikation bei maghrebinisch-europäischen Paarbeziehungen in der Schweiz und in Tunesien, Waxmann, München und Berlin, 1998, Seite 83
- ↑ «Land der Farben und des Lichts» - «Abrahams Söhne» blicken auf über 2.500 Jahre Präsenz in Tunesien zurück
- ↑ Eine ignorierte Geschichte - Die Vertreibung der Juden aus den arabischen Staaten auf www.israelnet.de
- ↑ Götz Aly und Wolf Gruner: Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band II, Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, München, 2009, Seite 104
- ↑ Bella Gutterman und Avner Shalev (Hrsg.): Zeugnisse des Holocaust - Gedenken in Yad Vashem, 2005, Seite 81
- ↑ Wolfgang Benz: Handbuch des Antisemitismus - Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart, Band I, K. G. Saur Verlag, München, 2008, Länder und Regionen, Seite 89 und 90
- ↑ Anja Schliebitz und Jochen Klinckmüller: Baedecker-Allianz Reiseführer - Tunesien, 2008, Seite 36
- ↑ Arabische Welt - Juden in Ägypten und Tunesien in Sorge
- ↑ Juden in Nordafrika - Zwischen Hoffen und Bangen
Andere Lexika
Wikipedia kennt dieses Lemma (Geschichte der Juden in Tunesien) vermutlich nicht.