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Geschichte der Judenverfolgung im Mittelalter: Unterschied zwischen den Versionen

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== Verfolgung der Juden zur Zeit der ersten Kreuzzüge im böhmischen Reich ==
== Verfolgung der Juden zur Zeit der ersten Kreuzzüge im böhmischen Reich ==

Version vom 24. Mai 2010, 10:03 Uhr

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Verfolgung der Juden zur Zeit der ersten Kreuzzüge im böhmischen Reich

Als Hauptinformationsquelle für diesen Abschnitt ist das in Prag 1906 erschienene Buch "Zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien von 906 bis 1620" von Gottlieb Bondy verwendet worden. In seinem Vorwort zu dem Buch schreibt Bondy über seine Beweggründe und seine eigenen Hauptinformationsquellen:

„Meinem Berufe nach Kaufmann und Industrieller, ausserdem mehr 40 Jahre im öffentlichen Leben habe ich dennoch stets das lebhafteste Interesse für das Schicksal und die Geschichte meiner jüdischen Glaubensgenossen empfunden. Die Geschichte der über die ganze Welt zerstreuten 10 Millionen Juden ist von vielen Historikern in anerkannt wertvollen Werken in vollendetster Weise, auch sonst in vielen Einzelschriften bearbeitet worden, aber eine Lücke werden mit mir wohl viele Glaubensgenossen mit empfunden haben. Es ist dies der Mangel einer möglichst vollständigen Spezial-Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien, welche den eingehendsten Einblick in deren Schicksale, ihr kulturelles Leben und Verhältnis zu den übrigen Bewohnern, Herrschern und Regierungsorganen des Königreiches Böhmen, der Markgrafschaft Mähren und des Herzogtums Schlesien bieten würde. Bemüht diesem Mangel abzuhelfen, suchte ich vor Allem mich zu überzeugen, ob genügendes Materiale für die Schaffung einer derartigen Spezialgeschichte vorhanden sei. In habe zumeist die in den Bibliotheken des kön. böhm. Landesmuseums und der k. k. Universität vorhandenen Schriften durchgeforscht, von denselben Abschriften genommen und andere mir aus den Archiven von Pilsen, Eger, Kolin etc. verschafft.“

– Gottlieb Bondy: Zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien von 906 bis 1620, HG: Gottlieb Bondy, Prag 1906; ebd. S. III;


Bis 1100

Im Jahre 1096 (in der Zeit des ersten Kreuzzuges) entstand unter der böhmischen Bevölkerung eine große Bewegung zu einer Wallfahrt nach der heiligen Stadt Jerusalem. So blieb nur eine geringe Bevölkerung auf den Burgen und in den Dörfern in Böhmen zurück. Es begann die erste Verfolgung der böhmischen Juden:

„Ein Teil der Wallfahrer, welcher durch Böhmen zog, überfiel die Juden und taufte sie; diejenigen, welche sich widersetzten, wurden getödtet. Bischof Kosmas, durch seine Gerechtigkeitsliebe bewogen, versuchte vergeblich zu verwehren, dass die Juden wider ihren Willen getauft werden; denn er hatte niemand, der ihm Beistand geleistet hätte, indem Herzog Bretislaw mit seinem Heere in Polen weilte. Nach kurzwer zeit legten die Juden das Christentum wieder ab und kehrten zum mosaischen Glauben zurück. In derselben Zeit wollten die nach Böhmen gekommenen Kreuzfahrer von den Juden Geld erpressen oder sie gefangennehmen. Der König widmete der Sache nur wenig Aufmerksamkeit, er meinte, jeder solle sich selbst wehren; infolge dessen wurden die Kreuzfahrer von den Juden überfallen und an zweihundert Deutsche dabei erschlagen.“

– Gottlieb Bondy: Zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien von 906 bis 1620, HG: Gottlieb Bondy, Prag 1906; ebd. S. 5; Abschn. 10


Im Jahre 1098 schlug die Bevölkerung zurück. Gottlieb Bondy schreibt dazu:

„Nach der gezwungenen Taufe der Juden (1096) und nach ihrer Rückkehr zu ihrer urspünglichen Religion mussten dieselben von dem Volke und von der Behörde viele Widerwärtigkeiten erleiden; deshalb wollten schon viele das Land verlassen. Im Jahre 1098 wurde dem Herzoge Bretislaw berichtet, dass mehrere Juden sich geflüchtet haben und andere ihren Reichtum insgeheim teils nach Polen, teils nach Ungarn verschleppten. Dadurch erzürnt sandte der Fürst seinen kanzler, welcher die Ältesten der Juden (majores natu) zusammenrief und an sie eine Ansprache richtete, in welcher es hiess, dass die Juden nur so arm, wie sie hieher gekommen sind, wieder fortziehen dürfen; dass sie getauft wurden, sei nicht auf Geheiss des Fürsten, sondern nach dem Willen Gottes geschehen. Hierauf wurden die Juden im Auftrage des Herzogs geplündert und man liess ihnen nur soviel Getreide, als sie zum Leben nötig hatten - "O, wie viel Geld wurde den Juden genommen; nicht einmal aus der brennenden Stadt Troja wurde soviel Reichtum auf dem euboischen Ufer zusammengetragen."
Kosmas, Fontes rerum hohem. II. 140. Pulk. V 253“

– Gottlieb Bondy: Zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien von 906 bis 1620, HG: Gottlieb Bondy, Prag 1906; ebd. S. 6; Abschn. 11

Bis 1200

Bei der Auswanderung der Juden im Jahr blieben einige wenige Juden in Böhmen zurück. Sie erlangten, trotz Verfolgung wieder an Einfluss und Reichtum. Unter ihnen auch ein Prager Jude namens Jakob Apella. Er errang den Zutritt zum Herzog Wladislaw. Um noch mehr an Einfluss zu erlangen nahm er den christlichen Glauben an und ließ sich taufen. In seiner Synagoge ließ er einen christlichen Altar errichten und weihen. Hierdurch errang er bei Herzog Wladislaw zu noch mehr Ansehen, dass er ihn zum ersten Beamten im Königreich Böhmen ernannte.

„Allein bald gereute es den Juden, dass er Christ geworden ist, er trat wieder zum Judentume über, zerstörte in einer Nacht den geweihten Altar und warf die Reliquien in den Abort. Als dies dem Herzoge bekannt wurde, liess er den Juden festnehmen und in einen schweren Kerker setzen. All sein Gut wurde eingezogen und in die herzogliche Schatzkammer übertragen. Seine Freunde aber erlegten 3000 Pfund Silber und 100 Pfund Gold, damit der Jude nicht hingerichtet werde. Der Herzog kaufte dafür alle christlichen Sklaven von den Juden los und verordnete zugleich, dass von nun an kein Christ mehr den Juden dienen dürfe.
Kosmas, Fontes rer. boh. II 190. Neue böhmische Chronik von F. M. Fehl 1792 II 130-132.“

– Gottlieb Bondy: Zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien von 906 bis 1620, HG: Gottlieb Bondy, Prag 1906; ebd. S. 7; Abschn. 13