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Hauptstammlinien des europäischen Judentums: Unterschied zwischen den Versionen

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== Vermischung der sepharadischen und aschkenasischen Juden ==  
== Vermischung der sepharadischen und aschkenasischen Juden ==  
Es kann davon ausgegangen werden, dass sephardische Juden über [[Italien]] und [[Frankreich]] nach Deutschland eingewandert sind und aschkenasische Juden wahrscheinlich aus Osteuropa und über die [[Donau]]länder. Bei den deutschsprachigen Juden wurde die Unterscheidung im 19. und 20. Jahrhundert besonders betont. Zeitweise wurden die Sephardim als „Westjuden“ und die Aschkenasim als „Ostjuden“ bezeichnet. Dass Deutschland die Region der Überschneidung der sephardischen und aschkenasischen Gruppen war, zeigt sich auch in den unterschiedlichen religiösen Traditionen. Ein Beispiel ist der jüdische Friedhof in [[Hamburg]]-Altona, da hier Aschkenasim und Sepharden auf einem Friedhof ruhen. Im aschkenasischen Teil des Friedhofs sind die Grabsteine stehend aufgestellt und tragen hebräische Inschriften, während im sephardischen Teil Grabplatten in den Boden eingelassen wurden, die oft portugiesische Inschriften tragen und reich mit Reliefs geschmückt sind.
Es kann davon ausgegangen werden, dass sephardische Juden über [[Italien]] und [[Frankreich]] nach Deutschland eingewandert sind und aschkenasische Juden entweder auch von Italien oder über die osteuropäischen [[Donau]]länder eingewandert sind. Bei den deutschsprachigen Juden wurde die Unterscheidung im 19. und 20. Jahrhundert besonders betont. Zeitweise wurden die Sephardim als „Westjuden“ und die Aschkenasim als „Ostjuden“ bezeichnet. Dass Deutschland die Region der Überschneidung der sephardischen und aschkenasischen Gruppen war, zeigt sich auch in den unterschiedlichen religiösen Traditionen. Ein Beispiel ist der jüdische Friedhof in [[Hamburg]]-Altona, da hier Aschkenasim und Sepharden auf einem Friedhof ruhen. Im aschkenasischen Teil des Friedhofs sind die Grabsteine stehend aufgestellt und tragen hebräische Inschriften, während im sephardischen Teil Grabplatten in den Boden eingelassen wurden, die oft portugiesische Inschriften tragen und reich mit Reliefs geschmückt sind.


Während vor dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] das liberale Judentum in Deutschland stark vertreten war, finden sich heutzutage eher orthodoxe Vertreter, die teilweise von jüdischen Zuwanderern aus Osteuropa unterstützt werden. Der [[Holocaust]] stellt einen tiefen Einschnitt in der jüdischen Geschichte dar, so dass dadurch die Unterscheidung in Sephardim und Aschkenasim oft ihre Bedeutung verloren hat, zumal sich die Gruppe seit Gründung des Staates [[Israel]] vermischt haben. Allerdings spielen die unterschiedlichen [[Religion|religiösen]] Traditionen in den jüdischen Gemeinden weltweit noch eine Rolle.
Während vor dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] das liberale Judentum in Deutschland stark vertreten war, finden sich heutzutage eher orthodoxe Vertreter, die teilweise von jüdischen Zuwanderern aus Osteuropa unterstützt werden. Der [[Holocaust]] stellt einen tiefen Einschnitt in der jüdischen Geschichte dar, so dass dadurch die Unterscheidung in Sephardim und Aschkenasim oft ihre Bedeutung verloren hat, zumal sich die Gruppe seit Gründung des Staates [[Israel]] vermischt haben. Allerdings spielen die unterschiedlichen [[Religion|religiösen]] Traditionen in den jüdischen Gemeinden weltweit noch eine Rolle.

Version vom 8. Juni 2017, 14:13 Uhr

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Vermutete genetische Stammlinien des Judentums

Als Hauptstammlinien des europäischen Judentums gelten traditionell die Sephardim und die Aschkenasim. Diese Bezeichnungen wurden im Zuge der weltweiten Migration des Judentums auch international verwendet, haben heutzutage jedoch nur noch eine geringe Bedeutung, beispielsweise bei den religiösen Traditionen.

Die Pflege der jüdischen Stammlinie soll - wie bei Adelsgeschlechtern - die Bedeutung der Familie betonen.

→ siehe auch Alle aschkenasischen Juden stammen von nur 350 Vorfahren ab

Hintergrund

Die rabbinische Tradition unterteilte das Judentum in Sephardim und Aschkenasim. Beide Bezeichnungen sind in Europa entstanden und kennzeichneten über Jahrhunderte auch verschiedene Kulturkreise innerhalb des Judentums. Ein Kennzeichen des historischen Judentums war, dass über die jüdische Namenskodierung der Zusammenhang innerhalb Stammlinie hergestellt und so für die Nachkommen verständlich gemacht wurde. Ein Beispiel findet sich in der Bibel: Demnach muss der Messias dem Stamm Juda angehören (1. Buch Mose 49, 10) und ein direkter männlicher Nachkomme (Sohn nach Sohn) von König David (1. Chronik 17, 11; Psalm 89, 29-38; Jeremia 33, 17; 2. Samuel 7, 12-16) und König Salomon sein (1. Chronik 22, 10; 2. Chronik 7, 18).

Sephardim

Die etymologische Bedeutung Sepharad (Sephardi) bezieht sich im Alten Testament auf Spanien. Ab dem 10. Jahrhundert v. Chr. ist Handel phönizischer Seefahrer mit den südspanischen Küstenregionen nachweisbar. Spätestens ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. gründeten die Phönizier Kolonien, die als Basen für den Handel dienten; später folgten Griechen, vor allem aus dem späteren Marseille. Nach dem Ersten Punischen Krieg gegen Rom eroberten die Karthager ab 237 v. Chr. den Süden und Osten. Cartagena war ihr wichtigster Stützpunkt. Nach der Niederlage im zweiten Krieg mussten die Karthager die Halbinsel 206/205 v. Chr. räumen. Der Widerstand gegen die Besetzung durch Rom dauerte im Süden von 197 bis 179 v. Chr. Nach dem Sieg des Tiberius Gracchus d. Ä. brach der Aufstand zusammen, 179 kam es zu einem Vertrag mit den Lusonern. Die ersten sicheren Dokumente von jüdischen Siedlungen auf spanischem Boden gibt es aus der Römerzeit. Schon vor der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 n. Chr. durch Titus leben Juden nicht nur in Palästina sondern im ganzen Mittelmeerraum. Eine verstärkte Ansiedlung von Juden in Spanien setzte mit den gescheiterten Aufständen der Juden gegen die römische Herrschaft (dem Jüdischen Krieg 66 bis 74 n. Chr. und dem Bar-Kochba-Aufstand 132 bis 135 n. Chr.) ein.

Somit scheint die heutige lateinische Bezeichnung Corpus Separatum für ein Gebiet ohne die volle Souveränität, über den Begriff Sepharad herleitbar. Es bezeichnet somit Juden, die nicht die vollen römischen Bürgerrechte hatten. Es scheint auch naheliegend zu sein, dass auch in Gallien, dem heutigen Frankreich, die dort lebenden Juden als sepharadkdinische Juden, durch Juden mit vollen römischen Rechten, bezeichnet wurden.

Aschkenasim

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Die sepharadischen und aschkenasischen Ursprungsgebiete

Die Bezeichnung Aschkenas wurde in der mittelalterlichen rabbinischen Literatur für Deutschland verwendet. Nach Berichten der Bibel (Gen 10,1-3 EU)[1] war Aschkenas ein Sohn von Gomer und Enkel des Japhet. Somit sollten die aschkenasischen Juden Nachfahren von Noah sein.

Chasaren, Krimtschaken und Karäer

Die aschkenasischen Juden sind eher den östlichen Gebieten Europas zuzuordnen. Nach einer Theorie sollen die aschkenasischen Juden Nachfahren der Chasaren sein. Ein Hinweis hierauf ist, dass Aschkenasim nach eigenen Aussagen Nachfahren von Juden aus mittel-, nord- und osteuropäischen Ländern sind. Sollte die aschkenasischen Juden aus Osteuropa nach Deutschland eingewandert sein, besteht auch die Möglichkeit, dass neben den Chasaren die Krimtschaken oder die Karäer Vorfahren der deutschen aschkenasischen Juden sein können.

  • Die Krimtschaken sind eine auf der Krim (Ukraine) ansässige turksprachige Minderheit jüdischen Glaubens. Sie gehören der talmudischen Richtung des Judentums an, deren Sprache als fast ausgestorben gilt.
  • Karäer: Einige vermuten als ethnischen Ursprung Teile des jüdischen Volkes, die nicht nach Palästina zurückgekehrt seien, nachdem sie um 720 v. Chr. aus dem Nordreich von den Assyrern verschleppt worden waren, oder nachdem das Babylonische Exil des Südreichs um 540 v. Chr. endete. Als Vorfahren der heutigen Karäer werden meist die Krim-Karäer vermutet, eine Volksgruppe, die im frühen Mittelalter (8.–10. Jahrhundert) in den Gebieten des Schwarzen und des Mittelmeeres siedelte. Diskutiert wird auch, ob sie Nachfahren oder lediglich Zeitgenossen der Chasaren (7.–11. Jahrhundert) sind, welche zu den Turkvölkern zählen. Jehuda ha-Levi erwähnt in seinem Buch Sefer haKuzari unter anderem folgendes: Die Tatsache, dass der damalige Oberbefehlshaber der chasarischen Armee, Bulan Bek, zu einer Art „nicht-normativem“ Judentum konvertierte und dass im Chasarenreich eine der ältesten Karäerschulen der „Tiflissim“ aktiv war, verweisen darauf, dass der Chasarenfürst selbst, seine Gefolgschaft und später auch der Kagan (Herrscher) zum jüdischen Karäertum konvertierten. Außerdem berichtet der Chasarenkönig Joseph in seiner Korrespondenz mit Chasdai ibn Schaprut, dass das sogenannte „normative“ Judentum erst vom Khan Obadiah, d. h. nach gut 200 Jahren eingeführt worden war.

Diese These, dass die Chasaren Juden waren sowie dass die Chasaren die Vorfahren der Ost-Juden sind, wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert.[2]

Aschkelon

Des Weiteren kann es gut möglich sein, dass sich der Begriff Aschenas auf eine jüdische Stammlinie bezieht, die von Aschkelon in Israel die Region nach Zentral Europa eingewandert ist. Aschkelon war schon in der Bronzezeit eine wichtige Handelsstadt. Lokal wurden Wein und Olivenöl produziert, die Stadt wurde aber vor allem durch den Zwischenhandel reich. Der Hafen diente dem Handel mit dem östlichen Mittelmeer, vor allem mit Phönizien im Norden und mit Zypern. Die Küstenstraße verband die Stadt mit Ägypten und Syrien. Wie Funde aus einem Wrack vor der spanischen Küste in Playa de la Isla, Mazarrón belegen, wurde Olivenöl aus Aschkelon in den typischen ovoiden Krügen auch in das westliche Mittelmeer exportiert.

Römisch jüdische Stammlinie

Während der Reformation beauftragten Askanier, Anhaltiner, Geistliche mit der Erstellung einer neuen Familienchronik. Die erstellte anhaltische Chronica von ca. 1538 lieferte eine lückenlose Chronik des Adelsgeschlechtes der Askanier. Ur-Ahne soll der Römer Aribo, Fürst von Ursin, gewesen sein. Er wurde um 669 zum römischen Generalstatthalter der deutschen und der wendischen Lande ernannt. Durch die angebliche Nachfahrenschaft der Askanier der Ursiner-Stammlinie stellt eine verwandtschaftliche Beziehung zu einem der einflussreichen Adelsfamilie im Mittelalter her, den Orsini. Laut den Quellen sollen die Orsini auch in den Abstammungslegenden anderer deutscher Adelsgeschlechter vertreten sein.[3] Somit kann sich die Bezeichnung Aschkenas in der mittelalterlichen rabbinischen Literatur auch auf das Adelsgeschlecht der Askanier beziehen. Diese sollte jüdisch-römisch sein.

Vermischung der sepharadischen und aschkenasischen Juden

Es kann davon ausgegangen werden, dass sephardische Juden über Italien und Frankreich nach Deutschland eingewandert sind und aschkenasische Juden entweder auch von Italien oder über die osteuropäischen Donauländer eingewandert sind. Bei den deutschsprachigen Juden wurde die Unterscheidung im 19. und 20. Jahrhundert besonders betont. Zeitweise wurden die Sephardim als „Westjuden“ und die Aschkenasim als „Ostjuden“ bezeichnet. Dass Deutschland die Region der Überschneidung der sephardischen und aschkenasischen Gruppen war, zeigt sich auch in den unterschiedlichen religiösen Traditionen. Ein Beispiel ist der jüdische Friedhof in Hamburg-Altona, da hier Aschkenasim und Sepharden auf einem Friedhof ruhen. Im aschkenasischen Teil des Friedhofs sind die Grabsteine stehend aufgestellt und tragen hebräische Inschriften, während im sephardischen Teil Grabplatten in den Boden eingelassen wurden, die oft portugiesische Inschriften tragen und reich mit Reliefs geschmückt sind.

Während vor dem Zweiten Weltkrieg das liberale Judentum in Deutschland stark vertreten war, finden sich heutzutage eher orthodoxe Vertreter, die teilweise von jüdischen Zuwanderern aus Osteuropa unterstützt werden. Der Holocaust stellt einen tiefen Einschnitt in der jüdischen Geschichte dar, so dass dadurch die Unterscheidung in Sephardim und Aschkenasim oft ihre Bedeutung verloren hat, zumal sich die Gruppe seit Gründung des Staates Israel vermischt haben. Allerdings spielen die unterschiedlichen religiösen Traditionen in den jüdischen Gemeinden weltweit noch eine Rolle.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart
  2. Das Chasaren-Märchen, Der Historiker Shaul Stampfer widerlegt eine populäre Legende[1] Jüdische Allgemeine, Ulrich Sahm, 03.07.2014
  3. DIE ERFINDUNG DER ASKANIER, Dynastische Erinnerungsstiftung der Fürsten von Anhalt an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, Michael Hecht, Zeitschrift für Historische Forschung, Vol. 33, No. 1 (2006), pp. 1-31, Published by: Duncker & Humblot GmbH, Stable URL: http://www.jstor.org/stable/43572226[2]