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Baummetapher: Unterschied zwischen den Versionen
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Der '''Baum des Wissens''' ist ein klassisches | Der '''Baum des Wissens''' ist ein klassisches [[Ordnungssystem]], das der [[Botanik|botanischen]] [[Semantik]] entlehnt ist.<ref>https://de.wikipedia.org/wiki/Baum_des_Wissens</ref> Der Übersetzer und Kommentator [[Boëthius]] visualisierte das System im 6. Jahrhundert erstmals als Baum,<ref>Boethius, ''In Porphyrium commentariorum III'', in: Migne, ''Patrologia Latina'' 64, 103.</ref> und [[Petrus Hispanus]] führte es um 1240 unter dem Namen '''Porphyrianischer Baum''' (''Arbor porphyriana'') in die Wissenschaftsgeschichte ein.<ref>Petrus Hispanus, ''Summulae logicales'', Tractatus II, Kap. 11.</ref> | ||
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Vergleichbare Strukturen liegen mehreren spätantiken und mittelalterlichen [[Enzyklopädie]]n zugrunde, etwa [[Ramon Llull]]s ''Arbor scientiae'' (1295) oder dem ''Theatrum humanae vitae'' [[Theodor Zwinger der Ältere|Theodor Zwingers]], 1565. Die auch von [[Francis Bacon]] (1561–1626) aufgenommene Metapher wurde zuletzt von [[Denis Diderot|Diderot]] in der [[Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers|''Encyclopédie'']] genutzt, wobei sich Grenzen ihrer Nützlichkeit zeigten. | Vergleichbare Strukturen liegen mehreren spätantiken und mittelalterlichen [[Enzyklopädie]]n zugrunde, etwa [[Ramon Llull]]s ''Arbor scientiae'' (1295) oder dem ''Theatrum humanae vitae'' [[Theodor Zwinger der Ältere|Theodor Zwingers]], 1565. Die auch von [[Francis Bacon]] (1561–1626) aufgenommene Metapher wurde zuletzt von [[Denis Diderot|Diderot]] in der [[Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers|''Encyclopédie'']] genutzt, wobei sich Grenzen ihrer Nützlichkeit zeigten. | ||
Version vom 18. Januar 2020, 05:01 Uhr
Der Baum des Wissens ist ein klassisches Ordnungssystem, das der botanischen Semantik entlehnt ist.[1] Der Übersetzer und Kommentator Boëthius visualisierte das System im 6. Jahrhundert erstmals als Baum,[2] und Petrus Hispanus führte es um 1240 unter dem Namen Porphyrianischer Baum (Arbor porphyriana) in die Wissenschaftsgeschichte ein.[3]
Allgemeines
Vergleichbare Strukturen liegen mehreren spätantiken und mittelalterlichen Enzyklopädien zugrunde, etwa Ramon Llulls Arbor scientiae (1295) oder dem Theatrum humanae vitae Theodor Zwingers, 1565. Die auch von Francis Bacon (1561–1626) aufgenommene Metapher wurde zuletzt von Diderot in der Encyclopédie genutzt, wobei sich Grenzen ihrer Nützlichkeit zeigten.
Baum der Wissenschaft nannte Descartes „das große Buch der Welt“, die Gesamtheit des Wissens und der Wissenschaften.
Vor der Baummetapher wurde Wissen als kreisförmig anzuordnen verstanden, siehe Sieben Freie Künste.
Verschiedene Varianten der Baummetapher
- Baum des Lebens
- Baum der Erkenntnis
- Baum der Erkenntnis von Gut und Böse
- Baum des Wissens
- Baum der Wissenschaft
- Baum der Philosophie
Zitate
- "Auf die Bäume, Ihr Affen, der Wald wird gefegt." (Volkslied)
- "Dies ist doch keine Baumschule, hier" (Ein Lehrer aus der Mittelstufe)
- "Ich bin eine tausendhährige Eiche und ein ewiger Jungbrunnen zugleich." (Joachim Stiller)
Kritik
In der Neuzeit wurde das klassische Ordnungssystem fundamental hinterfragt:
- Ludwig Wittgenstein argumentierte für die Unmöglichkeit einer hierarchischen Klassifikation bestimmter Kategorien und führte als Alternative den Begriff der Familienähnlichkeit ein.
- Der Philosoph Michel Foucault stellt in Die Ordnung der Dinge (1974) jegliche Kategoriensysteme in Frage, da sie einer Raum-Zeit-Gebundenheit unterliegen; er zeigt in seiner Archäologie des Wissens, dass jedes Kategoriensystem willkürlich wirkt, sobald es aus einer Außenperspektive betrachtet wird (vgl. Taxonomie).
- Weitere postmoderne Kritik äußerten Deleuze und Guattari, die das Rhizom als Wissensmetapher einführten.
- Auch das Netzwerk wird in diesem Zusammenhang genannt.
Literatur
- Robert Darnton: The Business of Enlightenment. A Publishing History of the Encyclopédie, 1775–1800. HUP, Cambridge (Mass.)/London 1979 (deutsch, gekürzt: Glänzende Geschäfte. Die Verbreitung von Diderots Enzyklopädie oder: Wie verkauft man Wissen mit Gewinn? Wagenbach, Berlin 1993).
- Manuel Lima: The Book of Trees: Visualizing Branches of Knowledge. Vorwort Ben Shneiderman.Princeton Architectural Press, New York 2014, ISBN 978-1-616-89218-0.
- Fernando Domínguez Reboiras u. a. (Hrsg.): Arbor scientiae, Der Baum des Wissens von Ramon Lull: Akten des Internationalen Kongresses aus Anlaß des 40-jährigen Jubiläums des Raimundus-Lullus-Instituts der Universität Freiburg i. Br. (Subsidia Lvlliana; 1). Turnhout, Brepols 2002, ISBN 2-503-51215-1.
- Alexandre Saint-Yves d'Alveydre: L'Archéomètre. 1903.
- Steffen Siegel: Wissen, das auf Bäumen wächst. Das Baumdiagramm als epistemologisches Dingsymbol im 16. Jahrhundert. In: Frühneuzeit-Info 15 (2004), S. 42–55.
- Steffen Siegel: Tabula. Figuren der Ordnung um 1600. Akademie, Berlin 2009, ISBN 978-3-05-004563-4
- Steffen Siegel: Im Wald des Wissens. Sichtbare Ordnungen der Enzyklopädie auf der Schwelle zwischen Kultur und Natur. In: Christoph Markschies et al. (Hrsg.): Atlas der Weltbilder. Berlin 2011, ISBN 978-3-05-004521-4, S. 280–293.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Baum_des_Wissens
- ↑ Boethius, In Porphyrium commentariorum III, in: Migne, Patrologia Latina 64, 103.
- ↑ Petrus Hispanus, Summulae logicales, Tractatus II, Kap. 11.
Andere Lexika
Wikipedia kennt dieses Lemma (Baummetapher) vermutlich nicht.
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