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Sklaverei in Brasilien: Unterschied zwischen den Versionen
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== Import von Sklaven aus Afrika == | == Import von Sklaven aus Afrika == | ||
Eingeschleppte Krankheiten, hohe Mortalitätsraten auf den Plantagen und die Sklavenjagden dezimierten die [[Indianer|indianische]] Bevölkerung aber bald so stark, dass die Pflanzer zunehmend dazu übergingen, Sklaven aus [[Afrika]] zu importieren. <ref>J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: ''Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei'', C.H. Beck, München, 2007, S. 213</ref> Mit dem System der Sklaverei waren die Portugiesen seit dem Jahr 1500 vertraut, als sie damit begannen, auf der Insel Sao Tome Zuckerrohrplantagen durch schwarze Sklaven bewirtschaften zu lassen. Mit dem christlichen König des Kongo schlossen sie einen Vertrag, der Ihnen seine Kriegsgefangenen gegen Bezahlung in Waffen als Sklaven zusicherte. Ab 1538 begann dann auch der Import schwarzer Sklaven nach Brasilien. <ref>Ursula Prutsch und Enrique Rodrigues-Moura: ''Brasilien - Eine Kulturgeschichte'', transcript, 2014, S. 35 und 36</ref> Der direkte Sklavenhandel Brasiliens mit Afrika begann in den 1550er-Jahren. In den folgenden drei Jahrhunderten wurden dann mehr als 3,9 Millionen Afrikaner nach Brasilien verschleppt. Andere Forscher kommen mit 4,8 Millionen <ref>Herbert S. Klein und Francisco Vidal Luna: ''Slavery in Brazil'', Cambridge University Press, 2010, S. 14</ref> und sogar 5 bis 6 Millionen <ref>Ursula Prutsch und Enrique Rodrigues-Moura: ''Brasilien - Eine Kulturgeschichte'', transcript, 2014, S. 35</ref> auf noch höhere Zahlen. Damit nahm das portugiesische Amerika mit fast 41 % den mit Abstand größten Teil der Sklavenimporte in die Amerikas auf. <ref>J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: ''Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei'', C.H. Beck, München, 2007, S. 213</ref> | Eingeschleppte Krankheiten, hohe Mortalitätsraten auf den Plantagen und die Sklavenjagden dezimierten die [[Indianer|indianische]] Bevölkerung aber bald so stark, dass die Pflanzer zunehmend dazu übergingen, Sklaven aus [[Afrika]] zu importieren. <ref>J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: ''Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei'', C.H. Beck, München, 2007, S. 213</ref> Mit dem System der Sklaverei waren die Portugiesen seit dem Jahr 1500 vertraut, als sie damit begannen, auf der Insel Sao Tome Zuckerrohrplantagen durch schwarze Sklaven bewirtschaften zu lassen. Mit dem christlichen König des Kongo schlossen sie einen Vertrag, der Ihnen seine Kriegsgefangenen gegen Bezahlung in Waffen als Sklaven zusicherte. Ab 1538 begann dann auch der Import schwarzer Sklaven nach Brasilien. <ref>Ursula Prutsch und Enrique Rodrigues-Moura: ''Brasilien - Eine Kulturgeschichte'', transcript, 2014, S. 35 und 36</ref> Der direkte Sklavenhandel Brasiliens mit Afrika begann in den 1550er-Jahren. In den folgenden drei Jahrhunderten wurden dann mehr als 3,9 Millionen Afrikaner nach Brasilien verschleppt. Andere Forscher kommen mit 4,8 Millionen <ref>Herbert S. Klein und Francisco Vidal Luna: ''Slavery in Brazil'', Cambridge University Press, 2010, S. 14</ref> und sogar 5 bis 6 Millionen <ref>Ursula Prutsch und Enrique Rodrigues-Moura: ''Brasilien - Eine Kulturgeschichte'', transcript, 2014, S. 35</ref> auf noch höhere Zahlen. Damit nahm das portugiesische Amerika mit fast 41 % den mit Abstand größten Teil der Sklavenimporte in die Amerikas auf. <ref>J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: ''Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei'', C.H. Beck, München, 2007, S. 213</ref> | ||
== Lebenswirklichkeit und Kultur der schwarzen Sklaven Brasiliens == | |||
=== Arbeitsleben === | |||
== Der Weg zur Abschaffung der Sklaverei == | == Der Weg zur Abschaffung der Sklaverei == | ||
Im Vergleich mit dem übrigen [[Lateinamerika]] und vor allem den [[USA]] entwickelte sich die Anti-Sklaverei-Bewegung in Brasilien relativ spät und langsam. Die Initiative hierzu ging ursprünglich von [[Großbritannien]] aus. Seit 1810 hatten den Briten [[Portugal]] und später auch dem nach Unabhängigkeit strebenden Brasilien eine Reihe von internationalen Verträgen abgerungen, die den Import afrikanischer Sklaven zunächst beschränkte und schließlich ganz verbot. <ref>J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: ''Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei'', C.H. Beck, München, 2007, S. 214</ref> Doch erst fünf Jahre nach dem entsprechenden Vertragsabschluss mit den Briten beschloss die brasilianische [[Legislative]] 1831 ein Gesetz, das den Handel mit aus Afrika verschleppten Sklaven verbot und alle für frei erklärte. <ref>Robert Edgar Conrad: ''The Destruction of Brazilian Slavery 1850-1888'', University of California Press, 1972, S. 22</ref> Brasilianische Sklavenhändler fanden aber Mittel und Wege, dieses Verbot für etwas zwei Jahrzehnte zu umgehen, so dass während dieser Zeitspanne noch mehr als 500.000 Afrikaner illegal nach Brasilien eingefüht wurden und bis an ihr Lebensende Sklaven blieben. In denn 1830er-Jahren und erneut 1848 unternahmen liberal geführte Regierungen brasilianischer Provinzen allerdings stärkere Anstrengungen, den Sklavenhandel zu unterbinden. Im Jahr 1835 kommt es in [[Salvador]] zu einem Aufstand schwarzer, [[muslim]]ischer Sklaven, der bedeutendsten Revolte städtischer Sklaven in Brasilien. <ref>João José Reis: ''Slave Rebellion in Brazil - The Muslim Uprising of 1835 in Bahia'', Taylor & Francis, 1995, S. xiii</ref> <ref>[https://blackwomenofbrazil.co/the-1835-revolt-of-the-males/ ''The 1835 Revolt of the Malês: The Legacy of the black Muslims that rebelled in Bahia 53 years before the abolition of slavery''] </ref>1838 und 1848 kommt es in [[Maranhão]] und [[Espirito Sante]] zu weiteren Sklavenaufständen. <ref>Celso Thomas Castilho: ''Slave Emancipation and Transformations in Brazilian Political Citizenship'', University of Pittsburgh Press, 2016, S. 159</ref> <ref>Chirly dos Santos-Stubbe und Hannes Stubbe: ''Kleines Lexikon der Afrobrasilianistik - Eine Einführung mit Bibliografie'', Vandenhoeck & Ruprecht, 2004, S. 530</ref> 1848 begannen einige Zeitungen in [[Rio de Janeiro]] - teils mit britischer Unterstützung - mit Kampagnen gegen den Sklavenhandel. Im Jahr 1850 unternahm Großbritannien eine entscheidende diplomatische Initiative, welche Brasilien schließlich zwang, den Sklavenhandel auch faktisch zu beenden, womit die die wichtigste Nachschubsquelle für die Sklaverei in Brasilien trocken gelegt war. Die Institutuon der Sklaverei konnte allerdings bis in die 1860er-Jahre weitgehend unangefochten fortbestehen. Erst die Abschaffung der Sklaverei in den [[USA]] nach der Niederlage der Südstaaten 1865 markierte auch in Brasilien einen Umbruch: Selbst die Sklavenhalter begriffen nun, dass sie das Ende der Sklaverei in Brasilien höchstens noch hinausschieben, aber dennoch nicht verhindern konnten. <ref>J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: ''Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei'', C.H. Beck, München, 2007, S. 214 und 215</ref> Das [[Lei do Ventre Livre]] (dt.: ''Gesetz des freien Bauches'') vom 28. September 1871 befreite Neugeborene von Sklavinnen <ref>Angela Randolpho Paiva: ''Brasilianischer Katholizismus''; in Thomas Kèuhn und Jessâe Souza (Hrsg.): ''Das Moderne Brasilien - Gesellschaft, Politik und Kultur in der Peripherie des Westens'', Springer-Verlag, 2006, S. 197</ref> und kappte damit die letzte verbleibende Nachschubquelle für das Fortbestehen der Sklaverei in Brasilien. | Im Vergleich mit dem übrigen [[Lateinamerika]] und vor allem den [[USA]] entwickelte sich die Anti-Sklaverei-Bewegung in Brasilien relativ spät und langsam. Die Initiative hierzu ging ursprünglich von [[Großbritannien]] aus. Seit 1810 hatten den Briten [[Portugal]] und später auch dem nach Unabhängigkeit strebenden Brasilien eine Reihe von internationalen Verträgen abgerungen, die den Import afrikanischer Sklaven zunächst beschränkte und schließlich ganz verbot. <ref>J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: ''Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei'', C.H. Beck, München, 2007, S. 214</ref> Doch erst fünf Jahre nach dem entsprechenden Vertragsabschluss mit den Briten beschloss die brasilianische [[Legislative]] 1831 ein Gesetz, das den Handel mit aus Afrika verschleppten Sklaven verbot und alle für frei erklärte. <ref>Robert Edgar Conrad: ''The Destruction of Brazilian Slavery 1850-1888'', University of California Press, 1972, S. 22</ref> Brasilianische Sklavenhändler fanden aber Mittel und Wege, dieses Verbot für etwas zwei Jahrzehnte zu umgehen, so dass während dieser Zeitspanne noch mehr als 500.000 Afrikaner illegal nach Brasilien eingefüht wurden und bis an ihr Lebensende Sklaven blieben. In denn 1830er-Jahren und erneut 1848 unternahmen liberal geführte Regierungen brasilianischer Provinzen allerdings stärkere Anstrengungen, den Sklavenhandel zu unterbinden. Im Jahr 1835 kommt es in [[Salvador]] zu einem Aufstand schwarzer, [[muslim]]ischer Sklaven, der bedeutendsten Revolte städtischer Sklaven in Brasilien. <ref>João José Reis: ''Slave Rebellion in Brazil - The Muslim Uprising of 1835 in Bahia'', Taylor & Francis, 1995, S. xiii</ref> <ref>[https://blackwomenofbrazil.co/the-1835-revolt-of-the-males/ ''The 1835 Revolt of the Malês: The Legacy of the black Muslims that rebelled in Bahia 53 years before the abolition of slavery''] </ref>1838 und 1848 kommt es in [[Maranhão]] und [[Espirito Sante]] zu weiteren Sklavenaufständen. <ref>Celso Thomas Castilho: ''Slave Emancipation and Transformations in Brazilian Political Citizenship'', University of Pittsburgh Press, 2016, S. 159</ref> <ref>Chirly dos Santos-Stubbe und Hannes Stubbe: ''Kleines Lexikon der Afrobrasilianistik - Eine Einführung mit Bibliografie'', Vandenhoeck & Ruprecht, 2004, S. 530</ref> 1848 begannen einige Zeitungen in [[Rio de Janeiro]] - teils mit britischer Unterstützung - mit Kampagnen gegen den Sklavenhandel. Im Jahr 1850 unternahm Großbritannien eine entscheidende diplomatische Initiative, welche Brasilien schließlich zwang, den Sklavenhandel auch faktisch zu beenden, womit die die wichtigste Nachschubsquelle für die Sklaverei in Brasilien trocken gelegt war. Die Institutuon der Sklaverei konnte allerdings bis in die 1860er-Jahre weitgehend unangefochten fortbestehen. Erst die Abschaffung der Sklaverei in den [[USA]] nach der Niederlage der Südstaaten 1865 markierte auch in Brasilien einen Umbruch: Selbst die Sklavenhalter begriffen nun, dass sie das Ende der Sklaverei in Brasilien höchstens noch hinausschieben, aber dennoch nicht verhindern konnten. <ref>J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: ''Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei'', C.H. Beck, München, 2007, S. 214 und 215</ref> Das [[Lei do Ventre Livre]] (dt.: ''Gesetz des freien Bauches'') vom 28. September 1871 befreite Neugeborene von Sklavinnen <ref>Angela Randolpho Paiva: ''Brasilianischer Katholizismus''; in Thomas Kèuhn und Jessâe Souza (Hrsg.): ''Das Moderne Brasilien - Gesellschaft, Politik und Kultur in der Peripherie des Westens'', Springer-Verlag, 2006, S. 197</ref> und kappte damit die letzte verbleibende Nachschubquelle für das Fortbestehen der Sklaverei in Brasilien. | ||
Version vom 22. August 2020, 17:04 Uhr
Die Sklaverei in Brasilien erstreckte sich über einen Zeitraum von über 400 Jahre und wurde erst 1888 mit der Lei Áurea (dt.: Goldenes Gesetz) offiziell abgeschafft.
Sklaverei im indigenen Brasilien vor 1516
Lange bevor die ersten portugiesischen Siedler sich 1516 in Brasilien niederließen, war es üblich dass native Bevölkerungsgruppen wie die Papanase, Guaianase oder Tupinambá Angehörige anderer nativer Gruppen versklavten. Die gefangenen und versklavten Personen lebten und arbeiteten dabei in den Gemeinschaften in die sie verschleppt wurden. Dabei dienten sie auch als Trophäen der kriegerischen Kraft des sie versklavenden Stammes. Einige Sklaven konnten fliehen, erreichten aber wegen der Stigmatisierung als ehemalige Sklaven in ihren Herkunftsstämmen nie wieder ihren einstigen gesellschaftlichen Status. In der Sklaverei heirateten manche sogar als Zeichen der Akzeptanz aber auch Unterwerfung. Für von kannibalistischen Stämmen Versklavte bestand jederzeit die Gefahr der blutrünstigen rituellen Opferung.
Versklavung der Ureinwohner ab 1516
Am 22. April des Jahres 1500 landete eine portugiesische Flotte unter dem Kommando von Pedro Álvares Cabral nahe der heutigen Stadt Porto Seguro in der brasilianischen Provinz Bahia. Die eigentliche Kolonisation des Landes begann dann erst ab dem Jahr 1516. Die Portugiesen begannen schon bald damit, einheimischen Stämmen Sklaven abzukaufen oder auch selber Ureinwohner gefangen zu nehmen und zu versklaven. Diese arbeiteten überwiegend auf von den Portugiesen errichteten Zuckerrohrplantagen. Die Ausbeutung indianischer Sklaven erreichte zwischen 1540 und 1570 ihren Höhepunkt. [1] Gegen die Versklavung der Ureinwohner sprachen sich - obwohl sie zu Anfang die Versklavung der Indios als Gerechten Krieg verteidigt hatten - bald viele der ab 1549 nach Brasilien gekommenen Jesuiten aus. Regelmäßig überfielen Siedler jesuitische Missionen um die dort ansässigen Indios zu versklaven. Im Gegensatz zu den puritanisch geprägten Siedlern in Nordamerika hatten die portugiesischen Siedler keine Probleme damit, mit Indio-Frauen zusammenzuleben und gewisse Elemente der indianischen Kultur selber anzunehmen. So war dann im 16. und 17. Jahrhhundert das einheimische Tupi-Guarani und nicht Portugiesisch Umgangssprache in Brasilien. [2] Obwohl der Anteil afrikanischer Sklaven später immer mehr an Bedeutung zunahm, blieb die Versklavung der indigenen Bevölkerung Brasiliens, beonders in entlegenen Regionen wie dem Amazonas-Becken - bis nach Ende des 17. Jahrhunderts eine nicht zu vernachlässigende Tatsache. [3] Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Versklavung der indigenen Bevölkerung Brasiliens wurde lange zugunsten der Erforschung der Geschichte der schwarzen Sklaven Brasiliens vernachlässigt. [4]
Import von Sklaven aus Afrika
Eingeschleppte Krankheiten, hohe Mortalitätsraten auf den Plantagen und die Sklavenjagden dezimierten die indianische Bevölkerung aber bald so stark, dass die Pflanzer zunehmend dazu übergingen, Sklaven aus Afrika zu importieren. [5] Mit dem System der Sklaverei waren die Portugiesen seit dem Jahr 1500 vertraut, als sie damit begannen, auf der Insel Sao Tome Zuckerrohrplantagen durch schwarze Sklaven bewirtschaften zu lassen. Mit dem christlichen König des Kongo schlossen sie einen Vertrag, der Ihnen seine Kriegsgefangenen gegen Bezahlung in Waffen als Sklaven zusicherte. Ab 1538 begann dann auch der Import schwarzer Sklaven nach Brasilien. [6] Der direkte Sklavenhandel Brasiliens mit Afrika begann in den 1550er-Jahren. In den folgenden drei Jahrhunderten wurden dann mehr als 3,9 Millionen Afrikaner nach Brasilien verschleppt. Andere Forscher kommen mit 4,8 Millionen [7] und sogar 5 bis 6 Millionen [8] auf noch höhere Zahlen. Damit nahm das portugiesische Amerika mit fast 41 % den mit Abstand größten Teil der Sklavenimporte in die Amerikas auf. [9]
Lebenswirklichkeit und Kultur der schwarzen Sklaven Brasiliens
Arbeitsleben
Der Weg zur Abschaffung der Sklaverei
Im Vergleich mit dem übrigen Lateinamerika und vor allem den USA entwickelte sich die Anti-Sklaverei-Bewegung in Brasilien relativ spät und langsam. Die Initiative hierzu ging ursprünglich von Großbritannien aus. Seit 1810 hatten den Briten Portugal und später auch dem nach Unabhängigkeit strebenden Brasilien eine Reihe von internationalen Verträgen abgerungen, die den Import afrikanischer Sklaven zunächst beschränkte und schließlich ganz verbot. [10] Doch erst fünf Jahre nach dem entsprechenden Vertragsabschluss mit den Briten beschloss die brasilianische Legislative 1831 ein Gesetz, das den Handel mit aus Afrika verschleppten Sklaven verbot und alle für frei erklärte. [11] Brasilianische Sklavenhändler fanden aber Mittel und Wege, dieses Verbot für etwas zwei Jahrzehnte zu umgehen, so dass während dieser Zeitspanne noch mehr als 500.000 Afrikaner illegal nach Brasilien eingefüht wurden und bis an ihr Lebensende Sklaven blieben. In denn 1830er-Jahren und erneut 1848 unternahmen liberal geführte Regierungen brasilianischer Provinzen allerdings stärkere Anstrengungen, den Sklavenhandel zu unterbinden. Im Jahr 1835 kommt es in Salvador zu einem Aufstand schwarzer, muslimischer Sklaven, der bedeutendsten Revolte städtischer Sklaven in Brasilien. [12] [13]1838 und 1848 kommt es in Maranhão und Espirito Sante zu weiteren Sklavenaufständen. [14] [15] 1848 begannen einige Zeitungen in Rio de Janeiro - teils mit britischer Unterstützung - mit Kampagnen gegen den Sklavenhandel. Im Jahr 1850 unternahm Großbritannien eine entscheidende diplomatische Initiative, welche Brasilien schließlich zwang, den Sklavenhandel auch faktisch zu beenden, womit die die wichtigste Nachschubsquelle für die Sklaverei in Brasilien trocken gelegt war. Die Institutuon der Sklaverei konnte allerdings bis in die 1860er-Jahre weitgehend unangefochten fortbestehen. Erst die Abschaffung der Sklaverei in den USA nach der Niederlage der Südstaaten 1865 markierte auch in Brasilien einen Umbruch: Selbst die Sklavenhalter begriffen nun, dass sie das Ende der Sklaverei in Brasilien höchstens noch hinausschieben, aber dennoch nicht verhindern konnten. [16] Das Lei do Ventre Livre (dt.: Gesetz des freien Bauches) vom 28. September 1871 befreite Neugeborene von Sklavinnen [17] und kappte damit die letzte verbleibende Nachschubquelle für das Fortbestehen der Sklaverei in Brasilien.
Siehe auch
Literatur
- J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei, C.H. Beck, München, 2007, Seite 213 bis 218
- Herbert S. Klein und Francisco Vidal Luna: Slavery in Brazil, Cambridge University Press, 2010
- Kátia M. de Queirós Mattoso: To be a Slave in Brazil / 1550-1888, Rutgers University Press, 1986
- Ursula Prutsch und Enrique Rodrigues-Moura: Brasilien - Eine Kulturgeschichte, transcript, 2014
- Robert Brent Toplin: The abolition of slavery in Brazil, Scribner, New York, 1972
- Robert Edgar Conrad: The Destruction of Brazilian Slavery 1850-1888, University of California Press, 1972
Weblinks
- Camila Loureiro Dias: Indigenous Labor in Native and Brazilian Colonial History - A Historiographic Assessment
- In Brazil the wounds of slavery will not heal auf www.dw.com
Einzelnachweise
- ↑ J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei, C.H. Beck, München, 2007, S. 213
- ↑ Ursula Prutsch und Enrique Rodrigues-Moura: Brasilien - Eine Kulturgeschichte, transcript, 2014, S. 33 bis 35
- ↑ Bandeirantes, Natives, and Indigenous Slavery auf der Seite der Brown University Library
- ↑ Camila Loureiro Dias: Indigenous Labor in Native and Brazilian Colonial History - A Historiographic Assessment
- ↑ J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei, C.H. Beck, München, 2007, S. 213
- ↑ Ursula Prutsch und Enrique Rodrigues-Moura: Brasilien - Eine Kulturgeschichte, transcript, 2014, S. 35 und 36
- ↑ Herbert S. Klein und Francisco Vidal Luna: Slavery in Brazil, Cambridge University Press, 2010, S. 14
- ↑ Ursula Prutsch und Enrique Rodrigues-Moura: Brasilien - Eine Kulturgeschichte, transcript, 2014, S. 35
- ↑ J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei, C.H. Beck, München, 2007, S. 213
- ↑ J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei, C.H. Beck, München, 2007, S. 214
- ↑ Robert Edgar Conrad: The Destruction of Brazilian Slavery 1850-1888, University of California Press, 1972, S. 22
- ↑ João José Reis: Slave Rebellion in Brazil - The Muslim Uprising of 1835 in Bahia, Taylor & Francis, 1995, S. xiii
- ↑ The 1835 Revolt of the Malês: The Legacy of the black Muslims that rebelled in Bahia 53 years before the abolition of slavery
- ↑ Celso Thomas Castilho: Slave Emancipation and Transformations in Brazilian Political Citizenship, University of Pittsburgh Press, 2016, S. 159
- ↑ Chirly dos Santos-Stubbe und Hannes Stubbe: Kleines Lexikon der Afrobrasilianistik - Eine Einführung mit Bibliografie, Vandenhoeck & Ruprecht, 2004, S. 530
- ↑ J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei, C.H. Beck, München, 2007, S. 214 und 215
- ↑ Angela Randolpho Paiva: Brasilianischer Katholizismus; in Thomas Kèuhn und Jessâe Souza (Hrsg.): Das Moderne Brasilien - Gesellschaft, Politik und Kultur in der Peripherie des Westens, Springer-Verlag, 2006, S. 197