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Modelle zur Erklärung der Geschichte: Unterschied zwischen den Versionen

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Der Philosoph (Diskussion | Beiträge)
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== Multifaktorialer Ansatz ==
== Multifaktorialer Ansatz ==
Mehrheitlich geht die heutige Forschung davon aus, dass keines dieser Modelle allein geschichtliche Abläufe erklären kann. Geschichte wird aus einem Zusammenspiel von ökonomischen, geografischen und soziologischen Faktoren, technologischen Entwicklungen sowie gesellschaftlichen Normen und Narrativen gesehen. Dabei haben neben diesen abstarkten Faktoren aber auch Einzelpersonen mit ihrem Wirken sowie zufällige Ereignisse einen Einfluß auf den Verlauf der Geschichte. Ein finales Endzeil der Geschichte wird mehrheitlich verneint. Obwohl zyklische historische Prozesse anerkannt werden, wird doch die Einmaligkeit jeder historischen Epoche und Entwicklung betont und ein generell zyklischer Ablauf, wie z.B in Spenglers Theorien, abgelehnt.
Mehrheitlich geht die heutige Forschung davon aus, dass keines dieser Modelle allein geschichtliche Abläufe erklären kann. Geschichte wird aus einem Zusammenspiel von ökonomischen, geografischen und soziologischen Faktoren, technologischen Entwicklungen sowie gesellschaftlichen Normen und Narrativen gesehen. Dabei haben neben diesen abstarkten Faktoren aber auch Einzelpersonen mit ihrem Wirken sowie zufällige Ereignisse einen Einfluß auf den Verlauf der Geschichte. Ein finales Endzeil der Geschichte wird mehrheitlich verneint. Obwohl zyklische historische Prozesse anerkannt werden, wird doch die Einmaligkeit jeder historischen Epoche und Entwicklung betont und ein generell zyklischer Ablauf, wie z.B in Spenglers Theorien, abgelehnt.
Beispiel: Wenn man über die Ursachen für den Aufstieg und Erfolg des Römischen Reiches nachdenkt, kann man verschiedene Faktoren in Betracht ziehen:
Geografie: Rom hatte eine für den Handel günstige zentrale Lage im Mittelmeer. Das ermöglichte wirtschafliche Beziehungen mit Spanien, Nordafrika, dem östlichen Mittelmeer und dem Orient. Aber allein dies kann Roms Erfolg nicht erklären. Auch Karthago oder die griechischen Städte hatten eine ähnlich günstige Lage, gingen aber schließlich unter. Der geografische Ansatz allein kann uns die Frage also nicht befrieigend beantworten.
Technologie: Roms technologisches Geschick in Wasserbau war einer der Erfolgsfaktoren, der die Ernährung großer Bevölkerungen im trockenen Mittelmeerraum erst möglich machte. Auch das moderne Straßensystem der Römer begünstigte ihren Erfolg. Andererseits hatten auch die Babylonier bereits früher ein relativ modernes Straßensystem etabliert und auch die römischen Wassersysteme waren bereits vorher bekannt. Man kann die stabile republikanische Ordnung als Ursache des römischen Erfolges sehen. Also Institutionen als Motor der Geschichte. Andererseits gab es auch bei den Alten Griechen demokratische Formen und Rom war auch als Diktatur und Kaiserreich erfolgreich. Allein diese Erklärung reicht nicht aus.
Große Männer und der Zufall: Mehrmals stand Roms Macht auch zur Disposition: Ein paar kleinere militärische Fehlentscheidungen und Zufälle beim Kampf gegen Hannibal, und nicht Rom hätte Karthago ausgelöscht sondern genau umgekehrt wäre es gelaufen. Und hätte Rom zum rechten Zeitpunkt nicht auch die richtigen Großen Männer wie Julius Caesar, Mark Aurel oder Kaiser Augustus gehabt, wäre sein Erfolg auch nicht konstant geblieben.

Version vom 16. März 2023, 10:26 Uhr

In der Geschichtswissenschaft und Geschichtsphilosophie gibt es verschiedene Modelle und Schulen zur Erklärung der Triebkräfte der Geschichte. Man kann fünf Richtungen unterscheiden:

Technologie

Technologie ist der dominierende Antreiber der geschichtlichen Entwicklung und man kann die Zukunft am besten prognostizieren indem man technologische Trends extrapoliert. Vorhersagen wohin sich die Welt entwickelt können gemacht werden indem man die aufkommenden Technologien jeder Ära nimmt und sie bis zu ihrer logischen Schlussfolgerung weiter denkt.

Beispiele: Die Erfindung des Verbrennungsmotors führte zwangsläufig dazu, dass die Menschen diesen zur Steigerung ihrer Mobilität nutzten. Dies führte dann auch zu einer Änderung der Siedlungsstruktur mit Trennung von Wohnung und Arbeitsplatz, Wohnbezirken ind den Vororten und Supermärkten auf der grünen Wiese. Die Erfindung der Dampfmaschine beirkte eine Mechanisierung der Produktion, was vieles von der Landflucht der Bauern als Arbeiter in die Städte über die Entstehung sozialistischer Parteien bis zum Kolonialismus zwecks Erschließung neuer Märkte für Rohstoffimport und Warenexport erklärt.

Vertreter dieser Richtung sind Carlota Perez, Mitchel Waldrop oder Vaclav Smil.

Geografie und Demografie

Die natürlichen geofrafischen Voraussetungen sind der Motor der historischen Entwicklung. Wir können Entwicklungen am besten verstehen indem wir die geografischen und auch demografischen Rahmenbedingungen betrachten.

Beispiele: Deutschland verhielt sich häufig militärisch aggresiv, weil es in der Mitte Europas in einem schwer zu verteidigenden Gebiet zwischen Polen und Russland sowie Frankreich lag. Die USA waren erfolgreich aufgrund ihrer reichen natürlichen Ressourcen und einer äußerst gut zu verteidigenden Lage mit Ozeanen auf beiden Seiten. Der Aufstieg der alten Ägypter und Perser zu Großreichen ist bedingt durch ihre für eine effektive Landwirtschaft essentielle und günstige Lage an großen Flüssen wie Nil oder Euphrat und Tigris.

Vertreter dieser Richtung sind John Mearsheimer, Peter Zeihan oder Jared Diamond.

Normen

Der Mensch ist ein sich Verhaltsnsnormen gebendes und diese dann befolgendes Wesen. Diese Normen verfestigen sich dann zu langlebigen instutionalisierten Formen. Diese sind dann ein wesentlicher Faktor der historischen Entwicklung.

Beispiele: Max Weber hat in seinem Werk Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus gezeigt, wie die religiösen Vorstellungen des Protestantismus von Luther und Calvin eine Ethik formten, die zu Fleiß, Erfolgsstreben, Akkumulation von Kapital und dem modernen Kapitalismus führten. Die in der islamischen Welt fehlende Aufklärung förderte ein Festhalten der Menschen an uralten religiösen Traditionen, was die Entwicklung zu modernen Gesellschaften hemmte und auch den technologisch-wirtschaftlichen Rückstand dieser Regionen erklärt.

Vertreter dieser Richtung sind Francis Fukuyama, Ronald Coase oder Douglass North.

Kulturelle Narrative

Die Kultur sowie deren Narrative sind primäre Antreiber von Geschichte. Diese entwickelt sich entlang dieser kulturellen Mythen. Darüber hinaus beeinflussen auch nationale Narrative die Geschichte.

Beispiele: Die vor Jahrhunderten von Philosophen der Aufklärung geprägten Vorstellungen von der Freiheit des Individuums führten zur Französischen Revolution, der Gründung der USA als Demokratie und beeinflussen auch heute noch viele Politiker in ihrem Wirken. Das bereits lange bestehende Narrativ von der Mission Russlands für die Einheit der slawischen Völker erklärt die expansive und agressive Politik der russischen Zaren, der Sowjetunion und Vladir Putins.

Ein Vertreter dieser Richtung ist Noah Yuval Harari.

Ökonomie

Die marxistische Schule sieht die Ökonomie als Triebfeder der Geschichte. Der ökonomische Wandel führt zu gesellschaftlichen Konflikten und Klassenkämpfen. Die Geschichte ist aus marxistischer Sicht eine Geschichte von Klaasenkämpfen. Auch einige nicht marxistische Historiker, wie z.B. Neil Ferguson, sehen die Ökonomie als Hauptantrieb der Geschichte.

Beispiele: Die bürgerlichen Revolutionen des 19. Jahrhunderts haben als Ursache das wirtschaftliche Erstarken des Bürgerstums und den ökonomischen Niedergang des Adels. Die Weltwirtschaftskrise der 1920er-Jahre und die Hyperinflation in Deutschland führte zu Verarmung, Existenzängsten und Unzufriedenheit vieler Deutscher mit der Demokratie der Weimarer Republik. Diese Faktoren begünstigten den Erfolg der aufstrebenden nationalsozialistischen Bewegung und führten letztendlich zu Holocaust und 2. Weltkrieg.

Vertreter dieser Richtung sind Karl Marx, Eduard Bernstein, Joe Studwell oder Neil Ferguson.

Finalität - Zyklik - Offenheit

Die chrisliche mittaelalterliche Geschichtsvorstellung ging von einem vorherbestimmten, d.h. determinierten Verlauf der Geschichte aus. Diese lief vom Anfang im Paradies aus das erste Erscheinen von Jesus Christus zu. Seitdem ist sie ein permanenter Kampf zwischen Gut und Böse, der in der Apokalypse mit dem Erscheinen des Antichrist und der abschließenden Errettung durch das zweite Erscheinen des Messias gipflet und seinen Abschluss findet. Am Ausgang der geschichtlichen Entwicklung besteht kein Zweifel.

Für Friedrich Hegel war die Weltgeschichte der langsame, mühevolle und schmerzliche Prozess, in dem das menschliche Bewusstsein zu einem immer weiter reflektierten, präzisen“ Wissen von der Freiheit des Geistes gelangt.

Ähnlich finalistisch wie die christliche Geschichtsvorstellung ist die marxistische Geschichtsvorstellung: Die Geschichte ist ein permanenter Klassenkampf, der zwangsläufig in der Revolution des Prolaetariats und der klassenlosen Gesellschaft endet.

Auch heutige nicht marxistische Denker bewegen sich teilweise im Rahmen dieser finalistischen Vorstellungen: So wird die Geschichte häufig als zwangsläufig auf demorkatische Zustände, eine diskriminierungsfreie Gesellschaft oder eine Weltregierung zulaufender Prozess interpretiert. So sieht Francis Fukuyama eine zwangsläufige Tendenz zur Entwicklung der liberaldemokratischen Systeme des Westens und den Abstieg des Kommunismus, was zum Ende der Geschichte führe.

Das zyklische Geschichtsverständnis ist sehr alt: Der Grieche Polybios meinte, natürliche Zyklus auf politischer Ebene zu erkennen. Politische Gemeinschaften seien demnach alternierend von Entstehung und Verfall geprägt. Spätere Historiker sahen die Geschichte als in Zyklen von Aufstieg, Blüte und Niedergang ablaufende Entwicklung einzelner Kulturen, und verneinen ein finales Ziel der Geschichte. Der bedeutendste Vertreter dieser Richtung war Oswald Spengler.

Ein dritter Ansatz erkennt in der Geschichte weder ein finales Ziel noch Zyklen. Die Geschichte läuft von sich wandelnden Faktoren angetrieben ohne Ziel und ohne zyklischen Verlauf ab.

Große Männer vs. Anonyme Faktoren

Bis gegen Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Geschihte vornehmlich als von Großen Männern gemacht geschrieben: Personen wie Julius Caesar, Karl der Große, Ludwig XIV., Friedrich der Große oder Otto von Bismarck mit ihrem Charakter, ihren Überzeugungen und ihrem politischen Wirken wurden als die wesentlichen Faktoren angesehen, welche den Verlauf der Geschichte bestimmen.

Im 20. Jahrhundert ist diese Betrachtungsweise zunehmend aus der Mode gekommen: Heute sieht man die Geschichte eher als ein von vielen anonymen gesellschaftlichen, ökonomischen, technologischen oder demografischen Faktoren bestimmten Prozess, bei dem auch zufällige Ereignisse eine Rolle spielen. Die Großen Männer von einst werden primär als Repräsentanten, Kulminationspunkte oder Vollstrecker abstrakter Entwicklungen gesehen.

Multifaktorialer Ansatz

Mehrheitlich geht die heutige Forschung davon aus, dass keines dieser Modelle allein geschichtliche Abläufe erklären kann. Geschichte wird aus einem Zusammenspiel von ökonomischen, geografischen und soziologischen Faktoren, technologischen Entwicklungen sowie gesellschaftlichen Normen und Narrativen gesehen. Dabei haben neben diesen abstarkten Faktoren aber auch Einzelpersonen mit ihrem Wirken sowie zufällige Ereignisse einen Einfluß auf den Verlauf der Geschichte. Ein finales Endzeil der Geschichte wird mehrheitlich verneint. Obwohl zyklische historische Prozesse anerkannt werden, wird doch die Einmaligkeit jeder historischen Epoche und Entwicklung betont und ein generell zyklischer Ablauf, wie z.B in Spenglers Theorien, abgelehnt.

Beispiel: Wenn man über die Ursachen für den Aufstieg und Erfolg des Römischen Reiches nachdenkt, kann man verschiedene Faktoren in Betracht ziehen:

Geografie: Rom hatte eine für den Handel günstige zentrale Lage im Mittelmeer. Das ermöglichte wirtschafliche Beziehungen mit Spanien, Nordafrika, dem östlichen Mittelmeer und dem Orient. Aber allein dies kann Roms Erfolg nicht erklären. Auch Karthago oder die griechischen Städte hatten eine ähnlich günstige Lage, gingen aber schließlich unter. Der geografische Ansatz allein kann uns die Frage also nicht befrieigend beantworten.

Technologie: Roms technologisches Geschick in Wasserbau war einer der Erfolgsfaktoren, der die Ernährung großer Bevölkerungen im trockenen Mittelmeerraum erst möglich machte. Auch das moderne Straßensystem der Römer begünstigte ihren Erfolg. Andererseits hatten auch die Babylonier bereits früher ein relativ modernes Straßensystem etabliert und auch die römischen Wassersysteme waren bereits vorher bekannt. Man kann die stabile republikanische Ordnung als Ursache des römischen Erfolges sehen. Also Institutionen als Motor der Geschichte. Andererseits gab es auch bei den Alten Griechen demokratische Formen und Rom war auch als Diktatur und Kaiserreich erfolgreich. Allein diese Erklärung reicht nicht aus.

Große Männer und der Zufall: Mehrmals stand Roms Macht auch zur Disposition: Ein paar kleinere militärische Fehlentscheidungen und Zufälle beim Kampf gegen Hannibal, und nicht Rom hätte Karthago ausgelöscht sondern genau umgekehrt wäre es gelaufen. Und hätte Rom zum rechten Zeitpunkt nicht auch die richtigen Großen Männer wie Julius Caesar, Mark Aurel oder Kaiser Augustus gehabt, wäre sein Erfolg auch nicht konstant geblieben.