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Geschichte der Judenverfolgung im Mittelalter/ Allgemein
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Geschichte der Judenverfolgung im Mittelalter
Geschichte der Judenverfolgung im Mittelalter/ Allgemein
Geschichte der Judenverfolgung im Mittelalter/ Böhmisches Reich (bis 1400)
Geschichte der Judenverfolgung im Mittelalter/ Böhmisches Reich (bis 1600)
Dieser Artikel ist in vorbereitender Arbeit...
Er wird hauptsächlich die
Geschichte der Judenverfolgung im Mittelalter
unter besonderer Berücksichtigung der Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien behandeln.
Da das Thema sehr umfangreich ist, wurde der Artikel bereits in der Entstehungsphase in Unterthemen geteilt.
Bis zur Entfernung der obigen Vorlagen bittet der Hauptautor diesen, sowie die Unterartikel nicht zu editieren.
Aufteilung des Themas in einzelne Lemma
0. Geschichte der Judenverfolgung im Mittelalter
Hauptartikel mit Kurzeinleitung und Inhaltsverzeichniss zu den folgenden Unterbereichen
(ist angelegt, wird noch weiterbearbeitet).
1. Geschichte der Judenverfolgung im Mittelalter/ Allgemein (derzeit diese Seite)
Detaillierter Artikel vom 6. bis 15 (od. 16.) Jahrhundert (ist angelegt, wird noch weiterbearbeitet).
2. Geschichte der Judenverfolgung im Mittelalter/ Böhmisches Reich (bis 1400)
Der jetzige Text (11. bis einschl. 14. Jahrhundert) (ist angelegt, wird noch weiterbearbeitet).
3. Geschichte der Judenverfolgung im Mittelalter/ Böhmisches Reich (bis 1600)
Der jetzige Text (ab 15. Jahrhundert)- (ist angelegt, wird noch weiterbearbeitet).
Zukünftiger Artikeltext ab hier - wird noch erweitert...
Um die Verfolgung der Juden des Mittelalters verstehen zu können, ist es notwendig, geschichtlich bis zurück in die Römerzeit zu blicken. Ganz langsam entwickelte sich, durch die Missionierung der christlichen Apostel, aus jüdische Gemeinden die ersten Christengemeinden. In dieser Zeit existierten die "alte" jüdische Glaubensgemeinden und die neuen Christengemeinschaften überwiegend friedlich nebeneinander. Doch es kam auch der Vorwurf auf, die Juden seien Schuld am Kreuzestod Jesu Christi.
Später wurde den Juden der Ausbruch der mittelalterlichen Pest vorgeworfen[1], sie würden christliche Kinder ermorden[2][3] und Hostienfrevel[4] begehen.
Die Vorgeschichte - Zerstreuung der Juden
Nach der Zerstörung des Zweiten Jerusalemer Tempels im Jahre 70 durch die Römer, so kann man durchaus feststellen, begann die große Flucht der Juden aus ihrer Heimat Palästina. Schon in den Jahren zuvor haben bereits mehr als die Hälfte der Juden außerhalb ihres verheißenen Landes gelebt.
In den angrenzenden Ländern, in Syrien, Babylonien, Ägytpen, ja sogar in Spanien und in Frankreich entstanden neue blühende jüdische Gemeinden welche, durch Missionierung schnell wuchsen.
Diese jüdischen Gemeinden waren es auch, die der Apostel Paulus aus seinen Missionsreisen besuchte, um ihnen vom wiederauferstandenen Messias zu erzählen.
132 bis 135 begehrten die noch in Palästina lebenden Juden gegen den römischen Kaiser Hadrian unter der Führung Bar Kochbas[5] auf. Der Aufstand scheiterte. Hadrian belegte die Ausübung der jüdischen Religionsvorschriften mit der Todesstrafe. In Jerusalem durften die Juden nicht mehr wohnen. 500.000 der ca. 1,3 Millionen Einwohner Palästinas wurden von den Römern getötet oder in die Sklaverei verkauft.
Erst Kaiser Caracalla erklärte im Jahre 212 die Juden des Römischen Reiches zu Vollbürgern. Viele verpflichteten sich im Römisichen Heer, andere Juden begleiteten die Römer bis in die neu gegründeten römischen Städte am Rhein und Britannien.[6]
Das älteste noch erhaltene Dokument über die Existenz einer jüdischen Gemeinschaft ist datiert auf den 18. Oktober 321.
Dort ordnet Kaiser Konstantin an, daß Juden, die einen vom Judentum zum Christentum übergetretenen...
„...
mit Steinen oder auf eine andere Art des Unwillens angreifen, sofort den Flammen übergeben und zusammen mit ihren Helfern verbrannt werden sollen. Ferner, wer aus der Bevölkerung ihrer abscheulichen Religion beitritt und ihren Zusammenkünften beiwohnt, soll mit ihnen die verdienten Strafen erhalten.“[7]
Am 11. Dezember 321 allerdings schreibt Konstantin an die römische Verwaltung in Köln folgendes:
„Allen Behörden erlauben wir durch allgemeines Gesetz, die Juden zur Kurie zu berufen...“[8][9]
Erste Gesetze gegen die Juden
Kaiser Theodosius II. war es, der im Jahre 408 das erste gegen die Juden gerichtete Gesetz veröffentlichte. Er verbot das Purim-Fest. Er war der Ansicht, daß die Juden während des Festes Nachbildungen von Kruzifixen verbrannten.[10]
In einem auf den 31. Januar 439 datiertem Dokument, wandte er sich wiederum gegen die Juden:
„Kein Jude ... soll Ämter und Würden erhalten. Ihm soll die Verwaltung der Stadt nicht erlaubt sein, auch soll er nicht das Amt eines Verteidigers der Stadt ausüben. Wir halten es für eine Sünde, daß Feinde der himmlischen Majestät und der römischen Gesetze die Vollstrecker unserer Gesetze sein sollen. ... Aus dem gleichen Grunde verbieten wir, daß irgendeine Synagoge ein neues Gebäude errichtet.
...“[11][12]
Das Frühmittelalter (500 - 1050 n. Chr.)
Durch Gründung erster Klöster, hauptsächlich durch die Benediktiner, verbreitet sich der (römisch-katholische) christliche Glaube.
Trotz massiver Missionierungsversuche und vereinzelte Represessalien halten die jüdischen Gemeinden an ihrem Glauben fest. Die Juden treten hauptsächlich als Händler auf. Ihre Geschäftsbeziehungen reichen bis nach Indien und China. Ebenso sollen sie Sklavenhandel betrieben haben,[13] welches jedoch Forschungen des israelischen Historikers Michael Toch widersprechen [14].
Immer wieder gab es auch Zwangstaufen jüdischer Erwachsener [15].
Doch nicht nur die Christen, sondern auch die Anhänger der ganz neu aufkeimende muslimischen Religion, durch Mohammed (570–632) postulliert, verfolgen die Juden. So wird über die Stadt Medina berichtet, daß, im Jahre 627, Anhänger Mohammeds zwischen 600 und 900 jüdische Männer ermordeten. Die Frauen und Kinder wurden unter den Siegern aufgeteilt[16].
Seit dem Jahre 768 Karl der Große - bis 771 teilte er sich die Regentschaft mit seinem Bruder Karlmann - durch Waffengewalt die sächsischen Heiden bekehrte, durften die Juden, als das Volk der Bibel, ihre Religion größtenteils wieder ungestört ausüben. Er schütze die Juden umfassend. Diese versprachen ihm dafür Gefolgschaft und Treue. Karl erlaubte ihnen sogar eine eigene Gerichtsbarkeit einzurichten, wo zivile Streitigkeiten beigelegt werden konnten. Juden durften weiterhin auch als Händler und Seefahrer ihren Lebensunterhalt verdienen. Wertvolle Handelsgüter wurden durch jüdische Handelshäuser nach Europa gebracht: Elfenbein, Seide, Reis, Zucker, Orangen, Parfüm, Rosenöl, Edelsteine, Kuzpfer und Glasgefäße.[17]
Erst Ludwig der Fromme, seit 814 deutscher Kaiser, ging die Juden etwas schärfer an. Er stelle sie zwar, wie Kaiser Karl, unter seinem Schutz. Doch mußten sie ihm die "Unterschutzstellung" durch eine Sondersteuer bezahlen.[18]
Ab 900 organisieren sich die ersten Handwerkerschaften in Zünfte, welche gleichermaßen christliche Buderschaften waren. Jüdische Handwerker durften nicht Mitglied werden und wurden aus ihren Handwerksberufen herausgedrängt. Sie mussten auf geächtete Berufe, z.B. Trödelhandel, Pfandleihe, Kreditvergaben ausweichen. Es wurden ihnen Zinseinnahmen in massvoller Höhe erlaubt. In den wirtschaftlichen Krisen dieser Zeit konnten viele arme Bauern ihre Zinsen nicht mehr zurückzahlen. Schnell kam daher auch der Vorwurf des "Judenwuchers" auf.[19] Im späteren Mittelalter wurde das Privileg des "Judenwuchers" teilweise gar von der Obrigkeit geduldet.[20]
Das Hochmittelalter (1050 - 1250 n. Chr.)
Ein Stadtteil für die Juden
Im Laufe der Jahre erkannte man zunehmend, daß die Städte, in denen Juden ihre Geschäfte betrieben, immer wohlhabender wurden. Bischof Rüdiger von Speyer erhob 1084 die kleine Ansiedlung Speyer zu einer Stadt und lud die Juden ein, in einem eigenen Stadtteil zu leben [21]:
„Ich, Rüdiger ...
Als ich den Weiler Speyer in eine Stadt verwandelte, glaubte ich, die Ehre unseres Ortes noch zu vergrößern, wenn ich die Juden vereinigte ... damit sie Übermut des Pöbels nicht beunruhigt würden, umgab ich sie mit einer Mauer."“[22]
Rüdiger verbriefte ihnen die volle Freiheit in der Stadt, Wehrrechte und -Pflichten und einen Begräbnissplatz.[23]
Papst Urban bereitet den Weg vor für den ersten Kreuzzug
Ein Jahr später, 1085, erstarkte die Macht des Papstes Urban II. Er sah sich zur Herrschaft über die Welt berufen. So kam es, im November 1095, zu einem Aufruf an alle Christen in Europa. Jerusalem sollte von den Heiden befreit werden:
„Sie beschneiden die Christen und das Blut der Beschneidung gießen sie auf den Altar oder in die Taufbecken. Es gefällt ihnen, andere zu töten, indem sie ihnen die Bäuche aufschneiden, ein Ende der Därme herausziehen und an einen Pfahl binden. Unter Hieben jagen sie sie um den Pfahl, bis die Eingeweide hervordringen und sie tot auf den Boden fallen. Ihr solltet von dem Umstand berührt sein, dass das Heilige Grab unseres Erlösers in der Hand des unreinen Volkes ist, das die heiligen Stätten schamlos und gotteslästerlich mit seinem Schmutz besudelt.“[24]
Hierbei ging es allerdings nicht um die Juden, sondern um die Muslime, welche in Jerusalem herrschten.
Allerdings berichtet der Chronist Salomo bar Simeon über Herzog Gottfried von Boullion über die Juden:
„Er tat den bösen Schwur, nicht anders seinen Weg zu ziehen, als indem er das Blut seines Erlösers an dem Blute Israels rächen und von jedem, der den Namen Jude trägt, weder Rest noch Flüchtling übrig lassen werde...“[23]
Die Juden baten Deutschlands Kaiser Heinrich IV. um Hilfe. Heinrich wies Bouillon an, die Juden nicht zu verfolgen. Für diesen Schutz jedoch forderte Heinrich den Juden eine hohe Geldzahlung ein. Daraufhin baten die Juden Deutschlands Kaiser Heinrich IV. um Hilfe. Dieser wies Bouillon an, sie ungeschoren zu lassen, erlegte ihnen dafür aber eine hohe Geldzahlung an ihn auf. Verschuldete Adlige ergriffen die Gelegenheit, ihre verhassten Gläubiger und jüdischen Geldverleiher zu beseitigen.[23]
Papst Urban ruft zum Kreuzzug auf
Am 26.11.1095 ruft Papst Urban II. vor dem Konzil in Clermont (Südfrankreich) in einer Predigt zu dem ersten Kreuzzug auf:
„Zieht nach Jerusalem...
Jerusalem ist geknechtet von unseren gottlosen Feinden...
Gewinnt das Land von den heiden zurück! Fürchtet euch nicht! Denen, die auf dieser Fahrt ihr Leben lassen, sind ihre Sünden vergeben. Das verspreche ich kraft des Amtes, das Gott mir verliehen hat...“[25]
Der "Kreuzzug der Armen"
Von Frankreich her zogen 1096 Tausende von verarmten Bauern, Bettler und Handwerker unter der Leitung des Eremits Peter von Amiens[26] im "Kreuzzug der Armen" über den Nierrhein in Richtung Jerusalem. Sie begannen ihren Kreuzzug im eigenen Land mit Progromen gegen die Juden, die sie als "Feinde Christi" und "Christusmörder" bezeichneten.
König Heinrich IV. versuchte aus Italien heraus mit Schutzedikten für die Juden dem bösen Treiben Einhalt zu gebieten. Es half nichts: Wenn sich die Juden nicht zwangstaufen ließen, so wurden sie ermordet.
Die Juden verteidigten sich in ihren Getthos, so gut sie es konnten. Doch gelang das nur selten. In manchen Orten versammleten sich die Juden, sprachen das "Schma Israel" und töteten sich gegenseitig in der Tradition des "Kiddusch Haschem"[27][28]
Der Kreuzzug gegen die Juden beginnt unter einem Grafen im eigenen Land
Das Gefolge des Grafen Emicho von Leiningen ließ sich dadurch nicht von Raub, Plünderung und Massenmord abhalten. Am 3. Mai 1096 erreichte er mit seinem Heer die Stadt Speyer. Es mißlang ihm, die jüdische Synagoge während eines Gottesdienstes zu umstellen, da die jüdische Gemeinde Bischof Johann I. von Speyer rechtzeitig um Hilfe gebeten hatte. Er nahm viele Speyerer Juden unter seinem Schutz in seinem Palast auf. Emicho's Gefolge verwüstete daraufhin wütend das Judenvirtel. Elf aufgefundene Juden wurden erschlagen. Andere mußten sich, um dem Tod zu entgehen, zwangtaufen lassen. Eine jüdische junge Frau, die an ihrem Glauben festhielt, beging Kiddusch-ha-Schem, Selbstmord zur Heiligung des göttlichen Namens.[29]
Bischof Johann griff jetzt militärisch ein und ließ Emicho und sein Heer aus der Stadt werfen. Einige der Mörder konnten gefangengenommen werden. Als Strafe für ihre Morde wurden ihnen die Hände abgehackt.[30][25]
Am 18. Mai kam Emicho nach Worms. Die Stimmung war dort gegen die Juden schon angeheizt. Es ging das Gerücht um, die Juden hätten eine Frau ertränkt und ihre Leiche gekocht. Mit der Brühe wollten sie die Brunnen der Stadt vergiften. Auch in dieser Stadt flüchteten die meisten Juden in den Bischofspalast. Bischof Albrand ließ sich den Schutz bezahlen. Viele Juden die keinen Einlaß in den Palast gefunden hatten, töten sich selbst. Am 23. Mai stürmten Emichos Männer, verstärkt durch viele Einwohner von Worms, Albrands Palast. Zwischen 400 und 800 Juden wurden dort ermordet.[30][25]
Dann ritt Graf Emicho nach Mainz. Auch Erzbischof Ruthard von Mainz versuchte, die Juden zu schützen. Ebenso ohne Erfolg. Wieder gab es Zwangstaufen, wieder begingen viele Juden Kiddusch-ha-Shem. Zwischen 1.000 und 1.200 (andere Quellen berichten von 1300) Menschen starben. Oberrabbiner Kalonymos fand mit 62 Gemeindemitgliedern Schutz im Dom. Ruthard ließ sie nach Rüdesheim bringen.[30][25]
In Köln und Trier wiederholten sich die Judenpogrome.[30]
Anschließend zog er weiter nach Bamberg, wo er "mit der Schärfe des Schwertes von der Religion der Liebe" den dort lebenden Juden das Christentum predigte. Er zwang sie, sich taufen zu lassen. Im darauffolgenden Jahr durften die so getauften Juden, mit Billigung des damaligen Bamberger Bischofs Rupert und des Kaisers Heinrich IV. zu ihrem Glauben zurückkehren.[31]
Emicho wandte sich anschließend in Richtung Jerusalem. Insgesamt haben er und seine Männer über 4000 Juden allein im Rheinland ermordet.[30] Aber auch andere haben Judenpogrome durchgeführt. Insgesamt sollen es innerhalb der zwei Monate April und Mai 1096 12000 Juden ermordet worden sein.[29] Fast überall versagte zudem der Schutz der christlichen Bischöfe.[30]
Die Böhmischen Juden versuchen sich zu wehren
In Böhmen, wo die Kreuzfahrer hindurchzogen, herrschte Krieg. Dadurch hatten sie ein leichtes Spiel. Wer sich nicht Zwangstaufen ließ, wurde getötet[29]. Auch Gottlieb Bondy berichtet darüber, wobei er auch berichtet, daß sich Juden gewehrt haben:
„Ein Teil der Wallfahrer, welcher durch Böhmen zog, überfiel die Juden und taufte sie; diejenigen, welche sich widersetzten, wurden getödtet. Bischof Kosmas, durch seine Gerechtigkeitsliebe bewogen, versuchte vergeblich zu verwehren, dass die Juden wider ihren Willen getauft werden; denn er hatte niemand, der ihm Beistand geleistet hätte, indem Herzog Bretislaw mit seinem Heere in Polen weilte. Nach kurzer zeit legten die Juden das Christentum wieder ab und kehrten zum mosaischen Glauben zurück. In derselben Zeit wollten die nach Böhmen gekommenen Kreuzfahrer von den Juden Geld erpressen oder sie gefangennehmen. Der König widmete der Sache nur wenig Aufmerksamkeit, er meinte, jeder solle sich selbst wehren; infolge dessen wurden die Kreuzfahrer von den Juden überfallen und an zweihundert Deutsche dabei erschlagen.“
– Gottlieb Bondy: Zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien von 906 bis 1620, HG: Gottlieb Bondy, Prag 1906; ebd. S. 5; Abschn. 10
s.a.: "Geschichte der Judenverfolgung im Mittelalter/ Böhmisches Reich (bis 1400)#1096"
Die Kreuzfahrer kamen nach drei Jahren in Jerusalem an. Auch dort wurden Männer, Frauen und Kinder von den Kreuzfahrern hingemetzelt. Juden wurden in eine Synagoge getrieben und verbrannt. Zehntausend Menschen wurden in dern al-Aqsa-Moschee geköpft.[32]
Nach dem ersten Kreuzzug
1103 benannte Kaiser Heinrich IV. im sogenannten Mainzer Reichslandfrieden die Juden zu besonders schutzbedürftigen Personen und entzog ihnen das Recht, Waffen zu tragen. Auch Geistliche, Frauen, Witwen und Kinder waren in der Urkunde als schutzbedürftige Personen aufgelistet. Ein Verbrechen gegen ein Mitglied dieser Gruppe war zugleich ein Verbrechen gegen das Reich. Es wurden hohe Strafen angedroht.[33]
Zehn Jahre später, 1113, kommt es auch in dem heutigen Russland unter dem Großfürsten Wladimir II. Monomach (1113 - 1125)[34] zu einer Judenverfolgung in Kiew[35]. 1114 werden die Juden aus der Stadt verweisen.[36]
Der zweite Kreuzzug
Zu Beginn des Zweiten Kreuzzuges (1147-1149) hetzte der Mönch Rudolph im Rheinland erneut gegen die dort lebenden Juden. Die Vorwürfe waren, wie bei vielen Pogromen zuvor, Blutbeschuldigung und Hiostienschändigung. Papst Eugen II versuchte durch einen Erlass ("Bulle") ("Sicut Judaeis") die Juden zu schützen. Dieser Erlass verbot die Zwangtaufen, Übergriffe ohne Rechtsverfahren, erpresste Dienstleistungen. Er erlaubte ausdrücklich das ungestörte Feiern jüdischer Feste. Er schützte die jüdischen Friedhöfe. Wer dagegen verstieß, sollte exkommuniziert werden.[37][38]
Petrus Venerabilis von Cluny drängte den fränkischen König Ludwig II., die Juden zwar leben zu lassen, sie aber vollständig zu enteignen. Ihre Besitztümer sollten dazu verwandet werden, die Kreuzfahrer zu verpflegen und auszurüsten. Er begründete dieses damit, daß die Juden weit schlimmere Feinde Gottes wären, als die "sarrazenen" (Muslime).[38] Das der 9. Abt von Cluny[39] eindeutig ein Judenhasser war, geht auch aus einer Anmerkung Günter Sternbergers hervor. So sei der Talmud...
„... ein Werk des Antichrist; den Juden sei er als Strafe für ihre Sünden gegeben worden, um sie vom Alten Testament abzulenken – ein später immer wiederkehrendes Motiv.“
– Günter Sternberger, Der Talmud. Einführung – Texte – Erläuterungen, München 1987, S. 299
Erst Bernhard von Clairvaux[40], seit 1118 Leiter des Zisterzienserordens, bezog gegen die Judenpogrome etwas eindeutiger Stellung:
„Töte sie nicht, damit mein Volk es nicht vergesse; lass sie umherirren durch deine Macht, und stürze sie nieder, Herr, unser Schild!“
– Psalm 59, Vers 12 - "Elberfelder Übersetzung"
Er war der Ansicht, daß die Juden in der ganzen Welt zerstreut sind, um als lebendiges Zeichen für das leiden Jesu Christi zu dienen und die Völker auf die kommende Erlösung hinzuweisen. Auch die Juden würden dann, gemäß dem Römerbrief Kap. 11, Vers 25 f. errettet werden.
„Meine Brüder und Schwestern, ich muss euch jetzt mit Gottes geheimnisvollem Plan bekannt machen. Wenn ihr euch auf eure eigene Klugheit verlasst, könnt ihr leicht zu falschen Schlüssen kommen. Gott hat verfügt, dass ein Großteil des jüdischen Volkes sich gegen die Einladung zum Glauben verhärtet. Aber das gilt nur so lange, bis alle, die er aus den anderen Völkern erwählt hat, den Weg zum Heil gefunden haben.
Wenn das geschehen ist, dann wird das ganze Volk Israel gerettet werden, wie es in den Heiligen Schriften vorhergesagt ist: "Vom Zionsberg wird der Retter kommen und alle Auflehnung gegen Gott von den Nachkommen Jakobs nehmen.
Dann werde ich ihnen ihre Verfehlungen vergeben, sagt Gott; und so erfüllt sich der Bund, den ich mit ihnen geschlossen habe."“– Römer 11, Vers 25-27, "Gute Nachricht"
Sie müssten dazu verschont werden, so Berhard. Sie sollten jedoch auf die Zinsen für ihre Kredite verzichten. Wenn man die Juden töte, so könne es den Kreuzfahrern ähnlich gehen, wie denen in Ungarn. Bernhard von Clairvaux konnte durch diese Äußerungen Gemetzel, wie im Jahre 1096 geschehen, verhindern.[38]
Einzelnachweise
- ↑ "Lessing-Gymnasium Döbeln - Jüdische Geschichte und Kultur": "Pestjahre und Pogrome: Die Judenpogrome während der Pestepidemien in Europa"
- ↑ "Lessing-Gymnasium Döbeln - Jüdische Geschichte und Kultur": "Gerüchte und Legenden: Ritualmordlegende"
- ↑ "hagalil.com: Heinrich Heine: Der Rabbi von Bacherach, (1840)"
- ↑ "judentum.org: Die altbewährte Mär vom "Gottesmord": Hostienfrevel
- ↑ "hagalil.com": Der letzte Aufstand gegen die Besatzer: Bar Kochba scheitert
- ↑ Nachum Tim Gidal: "Die Juden in Deutschland von der Römerzeit bis zur Weimarer Republik"; ISBN 3-89508-540-5; S. 22f.
- ↑ Nachum Tim Gidal: "Die Juden in Deutschland von der Römerzeit bis zur Weimarer Republik"; ISBN 3-89508-540-5; S. 24f.
- ↑ Nachum Tim Gidal: "Die Juden in Deutschland von der Römerzeit bis zur Weimarer Republik"; ISBN 3-89508-540-5; S. 25.
- ↑ Michael Kühntopf: "Juden, Juden, Juden Band I - Jüdische Chronik - bis 07. November 1862"; ISBN 978-3-8334-8628-9; S. 110
- ↑ Michael Kühntopf: "Juden, Juden, Juden Band I - Jüdische Chronik - bis 07. November 1862"; ISBN 978-3-8334-8628-9; S. 145
- ↑ Nachum Tim Gidal: "Die Juden in Deutschland von der Römerzeit bis zur Weimarer Republik"; ISBN 3-89508-540-5; S. 25.
- ↑ M. Kühntopf berichtet in: "Juden, Juden, Juden Band I - Jüdische Chronik - bis 07. November 1862" (ISBN 978-3-8334-8628-9) auf Seite 145, daß Theodosius bereits im Jahre 415 den Bau neuer Synagogen verbot
- ↑ "Lessing-Gymnasium Döbeln - Jüdische Geschichte und Kultur": "Juden im Frühmittelalter"
- ↑ "hagalil.com": "Juden und Muslime: Der Mythos einer interreligiösen Utopie", ebd. 11. Absatz
- ↑ Michael Kühntopf: "Juden, Juden, Juden Band I - Jüdische Chronik - bis 07. November 1862"; ISBN 978-3-8334-8628-9; S. 177
- ↑ Michael Kühntopf: "Juden, Juden, Juden Band I - Jüdische Chronik - bis 07. November 1862"; ISBN 978-3-8334-8628-9; S. 178
- ↑ Nachum Tim Gidal: "Die Juden in Deutschland von der Römerzeit bis zur Weimarer Republik"; ISBN 3-89508-540-5; S. 28f.
- ↑ Michael Kühntopf: "Juden, Juden, Juden Band I - Jüdische Chronik - bis 07. November 1862"; ISBN 978-3-8334-8628-9; S. 188
- ↑ Michael Kühntopf: "Juden, Juden, Juden Band I - Jüdische Chronik - bis 07. November 1862"; ISBN 978-3-8334-8628-9; S. 189
- ↑ "Goethe-Universität Frankfurt - FACHBEREICH RECHTSWISSENSCHAFT Forschungsstelle für jüdisches Recht - Marcus Cohn: "Jüdisches Lexikon - ZINS", ebd.: "2. Die Zinsgeschäfte der Juden im Mittelalter.""
- ↑ "hagalil.com: Die Geschichte der Juden in Deutschland - Speyer
- ↑ Nachum Tim Gidal: "Die Juden in Deutschland von der Römerzeit bis zur Weimarer Republik"; ISBN 3-89508-540-5; S. 31.
- ↑ 23,0 23,1 23,2 Michael Kühntopf: "Juden, Juden, Juden Band I - Jüdische Chronik - bis 07. November 1862"; ISBN 978-3-8334-8628-9; S. 201
- ↑ "Deutsche Welle: "Wir Europäer" - Gott will es – der erste Kreuzzug 1097 - 1099
- ↑ 25,0 25,1 25,2 25,3 Michael Kühntopf: "Juden, Juden, Juden Band I - Jüdische Chronik - bis 07. November 1862"; ISBN 978-3-8334-8628-9; S. 202
- ↑ "Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz e.V.: Judenverfolgung im rheinischen Raum zur Zeit des 1. Kreuzzuges (1096)"
- ↑ Nachum Tim Gidal: "Die Juden in Deutschland von der Römerzeit bis zur Weimarer Republik"; ISBN 3-89508-540-5; S. 34f.
- ↑ "hagalil.com: Projekte im jüdischen Religionsunterricht: Themenbeispiele zum Jom haSchoah; ebd.: "Kiddusch Haschem kann im Deutschen mit "Märtyrertum" oder "Aufopferung für Gott" übersetzt werden."
- ↑ 29,0 29,1 29,2 Michael Kühntopf: "Juden, Juden, Juden Band I - Jüdische Chronik - bis 07. November 1862"; ISBN 978-3-8334-8628-9; S. 203
- ↑ 30,0 30,1 30,2 30,3 30,4 30,5 "suite101.de: Die Judenpogrome des ersten Kreuzzuges - Anti-jüdische Ausschreitungen in den rheinischen Städten"
- ↑ "juden-in-bamberg.de: Ein kurzer historischer Abriss der Geschichte jüdischen Lebens im Fürstbistum Bamberg"
- ↑ Michael Kühntopf: "Juden, Juden, Juden Band I - Jüdische Chronik - bis 07. November 1862"; ISBN 978-3-8334-8628-9; S. 204
- ↑ "Universität Salzburg: DIE JUDEN IN DER MITTELALTERLICHEN STADT - 6.Stellung der Juden in der Zeit der Kreuzzüge"
- ↑ "retrobibliothek.de: Meyers Konversationslexikon: Russisches Reich (Geschichte 1054-1340).
- ↑ Nicht zu verwechseln mit der heutigen Stadt Kiew.
„Kiewer Rus - Die Kiewer Rus war ein mittelalterliches Großreich mit Zentrum in Kiew. Es wird als Vorläuferstaat der heutigen Staaten Russland, Ukraine und Weißrussland angesehen. Der Begriff wurde erst in der Neuzeit vom russischen Historiker Nikolai Karamsin als Bezeichnung jener Epoche der Rus geprägt, die Zeitgenossen nannten das Land schlicht „Rus“ oder „russische Erde“.
...
Dieses frühmittelalterliche Großreich, dessen riesiges Gebiet von Ostslawen, Finnen und Balten, sowie (marginal) von iranischen und turkstämmigen Völkern bewohnt wurde, wurde von den hauptsächlich aus Schweden stammenden Warägern oder Rus beherrscht, die den Großteil der Adels-, Händler- und Kriegerschicht bildeten. Die dominierende Kultur und Sprache war jedoch die Slawische, und die Waräger erfuhren bereits nach wenigen Generationen die vollständige Slawisierung.“ - ↑ Michael Kühntopf: "Juden, Juden, Juden Band I - Jüdische Chronik - bis 07. November 1862"; ISBN 978-3-8334-8628-9; S. 206
- ↑ "Focus-Online: Juden und Christen Hostienfrevel, Ritualmorde, vergiftete Brunnen"
- ↑ 38,0 38,1 38,2 Michael Kühntopf: "Juden, Juden, Juden Band I - Jüdische Chronik - bis 07. November 1862"; ISBN 978-3-8334-8628-9; S. 207f.
- ↑ "abaelard.de: Petrus Venerabilis!"
- ↑ "heiligenlexikon.de: Bernhard von Clairvaux"
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