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Weihnukka
Ein jüdisches Weihnachtsfest an sich gibt es nicht. Das "Jüdische Weihnachtsfest", auch teilweise ironisch in Bezug auf das jüdische Chanukka-Fest "Weihnukka" genannt, entstand durch assimilierte und häufig weitgehend säkular lebende Juden im Europa des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Zahlreiche jüdische Familien begingen damals - obwohl beide Feste von der jeweiligen religiösen Bedeutung und historischen Entwicklung gesehen nichts gemeinsam haben - das Weihnachtsfest als völlig säkulares Winterfest inklusive Weihnachtsbaum, Gänsebraten, Bescherung und deutscher Weihnachtslieder. Der Bezug zum jüdischen Chanukka-Fest besteht lediglich darin, dass dieses auch im Dezember stattfindet, manchmal sogar fast auf den selben Tag wie das Weihnachtsfest fällt, und dass es an Chanukka auch Süßigkeiten und Geschenke gibt. Selbst der Begründer des Zionismus, Theodor Herzl, feierte diese Art von "Weihnukka". [1] Schalom Ben-Chorin schrieb über Walter Benjamins Familie:
- "Dort stand ein großer Weihnachtsbaum, wie das in vielen liberalen jüdischen Familien üblich war. Ich kannte das aus meiner Kindheit und beschwerte mich bei Benjamin über das, was ich als offenkundige Geschmacklosigkeit des Milieus, aus dem wir stammten, empfand. Ich hörte von ihm dieselbe Erklärung, mit der auch mein Vater, als ich ihn darob attackierte, mich abgespeist hatte. Benjamin erzählte, dass schon seine Großeltern Weihnachten als ‚deutsches Volksfest’ gefeiert hätten." [2]
Eine Umfrage der Time von 1940 ergab dass in den USA, dem Land mit dem höchsten jüdischen Bevölkerungsanteil, fast die Hälfte der Juden ihre Kinder an Weihnachten beschenkte, ihnen Geschichten von Santa Claus erzählte, Weihnachtsbäume aufstellte und auch nichtjüdische Freunde beschenkte. Während viele Juden diese Übernahme christlicher Gebräuche eher locker sehen, lehnen andere es als übertriebene Anpassung an die christliche Mehrheitsgesellschaft und Preisgabe eigener jüdischer Identität ab.
In Osteuropa wurde von ultraorthodoxen Juden seit dem 17. Jahrhundert außerdem auch eine Art von Anti-Weihnachten namens "Nital" bzw. "Nittel" gefeiert, dass allerdings ganz anders als "Weihnukka" deutlich antichristliche Untertöne aufwies. [3]
Siehe auch...
Einzelnachweise
- ↑ Klaus Davidowicz: Eine kulturhistorische Reminiszenz - Chanukka und Weihnachten auf der Seite der Jüdischen Kulturzeitschrift David
- ↑ Klaus Davidowicz: Eine kulturhistorische Reminiszenz - Chanukka und Weihnachten auf der Seite der Jüdischen Kulturzeitschrift David
- ↑ Ulrich Sahm: Ultraorthodoxe Juden begehen Anti-Weihnachten
Andere Lexika
Wikipedia kennt dieses Lemma (Jüdisches Weihnachten) vermutlich nicht.