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Vergangenheit, die nicht vergehen will

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Vergangenheit, die nicht vergehen will - Eine Rede, die geschrieben, aber nicht gehalten werden konnte ist ein am 6. Juni 1986 in der FAZ erschienener Aufsatz des Historikers Ernst Nolte. [1] In diesem geht er der Frage nach, warum die deutsche Geschichte zwischen 1933 und 1945 der einzige Geschichtsabschnitt ist, der anscheinend immer noch in Deutschland ständig öffentlich gegenwärtig ist und nicht wie alle anderen Abschnitte bzw. Epochen der Geschichte nur noch primär für den Historiker von Interesse ist. Noltes Aufsatz löste damals den sogenannten Historikerstreit aus. Noltes Aufsatz wurde auch in Büchern nachgedruckt. [2]

These

Nolte stellt die These auf, dass normalerweise jede Vergangenheit vergehe. Die Tatsache des Nicht-Vergehens der deutschen Vergangenheit zwischen 1933 und 1945 stelle somit etwas "ganz Exzeptionelles" dar. Während andere wichtige Geschichtsabschnitte wie das Zeitalter Napoleons oder die Augusteische Klassik "offenbar das Bedrängende verloren, das sie für die Zeitgenossen hatten", und den Historikern überlassen werden konnten, unterliege die nationalsozialistische Vergangenheit "anscheinend diesem Hinschwinden, diesem Entkräftigungsvorgang" nicht sondern scheint immer noch "lebendiger und kraftvoller zu werden". Sie sei damit ein "Schreckbild" und eine Vergangenheit, dies sich "geradezu als Gegenwart etabliert" habe.

Mögliche Ursachen

Im weiteren geht Nolte den möglichen Ursachen der von ihm aufgestellten These nach.

  • Ein erster Grund sei, dass auf Menschen einer westlichen am Wohlstand orientierten Gesellschaft wie die Bundesrepublik Deutschland das Bild des Dritten Reiches mit seiner Ideologie und Maxime einer kriegerischen Opferbereitschaft sehr befremdlich wirke. Für die heutigen Gesinnungspazifisten sei der damalige Bellizismus unverständlich und verstörend. [3]
  • Der damalige deutsche Anspruch auf Weltherrschaft wirkt ungeheuerlich und seltsam angsichts der geschrumpften weltpolitischen Rolle Deutschland als Staat mittlerer Größe nach 1945. [4]
  • Nolte betont als wichtigsten Grund - im Konsens mit fast allen heutigen Historikern - die "Ungeheuerlichkeit der fabrikmäßigen Vernichtung von Millionen von Menschen" im Dritten Reich mittels der sogenannten "Endlösung, die gerade angesichts von Deutschlands heutiger Vorreiterrolle unter den "humanistischen Staaten" umso unfassbarer wirken müsse. [5]

Fragwürdige Formen der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus

Nolte stellt im folgenden einigen Fragen bzw. Überlegungen zur heutigen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus an, welche diese Auseinandersetzung seiner Ansicht nach zum Teil fragwürdig bzw. unglaubwürdig werden lassen. [6]

  • Er gibt zu Bedenken, ob bei dieser Auseinandersetzung nicht auch Interessen im Spiel sein könnten. Er benennt hier den Generationenkonflikt als "Interessen einer neuen Generation im uralten Kampf gegen die Väter".
  • Ferner benennt er die Interessen der Verfolgten und ihrer Nachfahren an einem "permanenten Status des Hervorgehoben- und Priveligiertseins".
  • Er kritisiert ferner dass Schuldvorwürfe von Deutschen gegen Deutsche immer fragwürdig bzw. unaufrichtig seien, da die Ankläger sich selbst oder die Gruppe, die sie vertreten, in die Kritik nicht einbeziehen und bloß Kämpfe gegen "alte Gegner" führen würden.
  • Nolte gibt zu bedenken dass eine zu starke Fixierung auf den Holocaust von anderen Tatbeständen der NS-Zeit wie der Behandlung russischer Kriegsgefangener, der Tötung "unwerten Lebens", dem schon in der Weimarer Republik vorhandenen Antisemitismus, besonders aber von entscheidenden Problemen der Gegenwart, wie z.B. der Abtreibungsfrage oder den Völkermorden z.B. in Vietnam und Afghanistan, ablenke.

Die "asiatische Tat"

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Ernst Nolte: Die Vergangenheit, die nicht vergehen will,...; auf der Seite der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
  2. Als Beispiel sei hier Reinhard Kühnl: Vergangenheit, die nicht vergeht - Die "Historiker-Debatte" - Dokumentation, Darstellung und Kritik, Pahl-Rugenstein Verlag GmbH, Köln, 1987 genannt, in dem Noltes Aufsatz auf Seite 32 bis 37 im Originalwortlaut wiedergegeben ist.
  3. Nach Noltes Aufsatz in Reinhard Kühnl: Vergangenheit, die nicht vergeht - Die "Historiker-Debatte" - Dokumentation, Darstellung und Kritik, Pahl-Rugenstein Verlag GmbH, Köln, 1987, S. 32 und 33
  4. Nach Noltes Aufsatz in Reinhard Kühnl: Vergangenheit, die nicht vergeht - Die "Historiker-Debatte" - Dokumentation, Darstellung und Kritik, Pahl-Rugenstein Verlag GmbH, Köln, 1987, S. 33
  5. Nach Noltes Aufsatz in Reinhard Kühnl: Vergangenheit, die nicht vergeht - Die "Historiker-Debatte" - Dokumentation, Darstellung und Kritik, Pahl-Rugenstein Verlag GmbH, Köln, 1987, S. 33
  6. Folgende Unterpunkte nach Noltes Aufsatz in Reinhard Kühnl: Vergangenheit, die nicht vergeht - Die "Historiker-Debatte" - Dokumentation, Darstellung und Kritik, Pahl-Rugenstein Verlag GmbH, Köln, 1987, S. 33 und 34