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Antideutsche

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Als Antideutsche werden Anhänger einer linksextremistischen Strömung verstanden, die sich nach eigener Überzeugung gegen „deutschen Nationalismus“ richten. Beliebte Parolen der Antideutschen sind Rufe "Nie wieder Deutschland"[1] und Bomber Harris, do it again. Sie sind nach der Wiedervereinigung 1990 aus der Antifa-Szene hervorgegangen und unterscheiden durch ihre pro-westliche Orientierung im Sinne der US-Außenpolitik, der NATO und der EU von der klassischen Linken.

Ideologie

Die antideutsche Ideologie basiert auf der Vorstellung, dass die deutsche Geschichte - anders als die der liberalen Westmächte (USA, England, Frankreich) - brutal und unnatürlich verlaufen sei. Deutschland sei einen "Sonderweg" gegangen, indem es lange Zeit die Annahme der "fortschrittlichen", westlichen Werte (die den Antideutschen als weltweit gültiger Maßstab gelten) verweigert habe. Die beiden Weltkriege seien von Deutschland angefangen worden, um die Welt zu erobern, wovon es jedoch von den "fortschrittlichen" Westmächten abgehalten worden sei. Die von deutscher Seite im Zweiten Weltkrieg begangenen Verbrechen seien "einzigartig" und dürfen deshalb nicht mit denen anderer Nationen oder den an Deutschen verübten Verbrechen verglichen werden, weil dies eine "Verharmlosung" sei. Deutschland habe aufgrund der "Einzigartigkeit" seiner "mörderischen" Vergangenheit eine "besondere Verantwortung" gegenüber dem Ausland und jeder Anflug eines wiederkehrenden, deutschen Nationalgefühls müsse energisch bekämpft werden. Diese Ansichten waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Westlichen Welt (insbesondere im anglo-amerikanischen Raum) durchaus verbreitet. Besonders die von den Westalliierten zur Umerziehung des deutschen Volkes eingesetzten Intellektuellen vertraten die Auffassung, dass die Deutschen (nicht etwa wegen Hitler, sondern) durch ihre ganze jahrhundertealte geistige Kultur, Identität und Tradition mental entartet seien und umerzogen werden müssen. Die Westalliierten hätten den Deutschen dann durch die Umerziehung die westlichen Werte beigebracht und sie so von Nationalismus und "Militarismus" "befreit". Antideutsche sehen sich hier als Verteidiger der Werte der westalliierten Umerziehung, wozu besonders die Aufrechterhaltung des in der Welt einmalig negativen Bildes von der eigenen Nation gehört.

Weitere Betätigungsfelder der Antideutschen sind eine bedingungslose Solidarität mit Israel und dem Zionismus, sowie die Bekämpfung des Antisemitismus oder dessen, was von ihnen als solcher eingestuft wird (aus Solidarität mit den einstigen Opfern der Deutschen). Antideutsche vertreten hierbei einen sehr weit gedehnten Antisemitismus-Begriff, bei dem auch Kritik an einflussreichen Banken wie der US-Notenbank (FED) und Goldmann-Sachs als "struktureller" oder "sekundärer Antisemitismus" gilt. Kritik an der Hochfinanz wird auch als sogenannter "regressiver Antikapitalismus" bezeichnet und bekämpft. Allgemein gilt die Vorstellung, dass es in der Politik der Westlichen Welt mächtige Akteure wie die Bilderberger gibt, die eigene Interessen verfolgen und an den Menschen vorbeiregieren, als "antisemitisch", auch wenn damit keine Juden gemeint sind, weil sie derartige "Denkmuster" aufweise. Darum werden "Verschwörungstheorien" von den Antideutschen entschieden bekämpft.

Des Weiteren befürworten Antideutsche Kriegseinsätze der Westlichen Welt (insbesondere der USA) gegen nicht-westliche Staaten, weil ihnen zufolge diesen dadurch "Freiheit" und "Demokratie" gebracht werden, so wie es mit Deutschland einst der Fall gewesen sei. Sie sind der Ansicht, dass Deutschland heute "wegen seiner Vergangenheit" an der Seite der "Guten" (Westliche Welt) Krieg führen solle, um dabei mitzuhelfen, nicht-westliche Staaten zu "befreien". Antideutsche widersprechen sich oft, wenn sie einerseits behaupten, dass die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkrieges "einzigartig" gewesen seien und nicht verglichen werden dürften, sie andererseits aber Politiker wie Assad und Putin mit Hitler vergleichen, um für einen Krieg gegen diese zu werben.

Antideutsche befürworten (obwohl als Linke) oft den Kapitalismus, vor allem dann, wenn er durch neoliberale Privatisierungen deutsches Volkseigentum an ausländische Kapitalanleger preisgibt und durch ein hartes Gegeneinander das Wiederentstehen einer deutschen Volksgemeinschaft verhindert. Einige Antideutsche werfen Privatisierungsgegnern "völkisches" Denken vor.

Statt an wirtschaftlichen Marxismus, sind Antideutsche an der Durchsetzung von kulturellem Marxismus interessiert. Sie orientieren sich hierbei an der "Kritischen Theorie" der neomarxistischen Frankfurter Schule, die einen wesentlichen Anteil an der Umerziehung der Deutschen in der Nachkriegszeit und an der 68er-Revolte hatte. Deren Ideologie hatte der Historiker und Publizist Golo Mann als "Marxismus für feine Leute" bezeichnet. Anders als der klassische Marxismus, will die Frankfurter Schule keine wirtschaftliche Revolution der Arbeiterklasse, sondern eine kulturelle Revolution der intellektuellen Schichten, um damit konservative und traditionelle Wertevorstellungen beseitigen zu können. Dazu zählen beispielsweise das Gender-Mainstreaming und die Frühsexualisierung von Kindern. "Demokratie" wird von Kulturmarxisten nicht als Wahl- sondern als ein ihrer Ideologie entsprechendes Wertesystem gesehen. Darum gilt nach ihnen das Anliegen einer "fortschrittlichen", intellektuellen Minderheit (wie Gender-Mainstreaming) als wichtiger, als die Meinung der "rückständigen" Masse. Antideutsche und Vertreter der Kulturmarxisten sind daher Gegner von direkter Demokratie, weil derartige Anliegen durch diese schwerer oder gar nicht durchsetzbar sind.

Antideutsche unterscheiden sich mit ihren Ansichten bezüglich Kriegspolitik (neokonservativ), Wirtschaftspolitik (neoliberal) und Gesellschaftspolitik (neomarxistisch) von der traditionellen Linken. Sie sind eigentlich auch keine "Extremisten", da sie im Grunde nur die Positionen des bundesdeutschen Establishments vertreten - dies jedoch in überspitzter Form. Der Begriff "Antideutsche" wird von manchen Vertretern dieses Spektrums als Fremdzuschreibung aufgefasst. Viele Antideutsche bezeichnen sich selbst lieber als "Undogmatische Linke".

Die Antideutschen sind innerhalb der linken Szene umstritten. Für einige Linke sind sie aufgrund ihrer Ideologie keine Linken. Ein Hauptargument der Antideutschen gegen ihre Gegner innerhalb des linken Spektrums ist, dass sich diese auf die Zustände in Deutschland konzentrieren sollen, statt die USA zu kritisieren. Dies stehe nämlich nur Amerikanern zu. Deutsche sollen dagegen nur Kritik an ihrem Land üben dürfen. Damit soll jegliche Kritik an der Weltpolitik der USA unterbunden werden. Die Antideutschen widersprechen sich hier jedoch, wenn sie einerseits behaupten, Deutsche dürften nur Deutschland kritisieren und somit "national" denken, andererseits aber wiederum global denken, wenn sie beispielsweise einen Krieg gegen den Iran oder Syrien fordern.

Geschichte

In den 70er Jahren hatten die zionistischen Publizisten Henryk M. Broder, Dan Diner, Wolfgang Pohrt und Eike Geisel die Kritik am Antizionismus in die politische Linke hinein getragen und damit zur späteren Entstehung der Antideutschen beigetragen.[2][3][4]

Als politische Bewegung entstanden die Antideutschen zur Zeit der Wiedervereinigung 1990. Diese wurde von einigen Linken abgelehnt, die behaupteten, dadurch wurde der "deutsche Koloss" wieder in der Mitte Europas enstehen, der die beiden Weltkriege ausgelöst habe und nun einen Dritten anfangen könne.

Während des Golfkrieges 1991 spaltete sich diese Linke in einen Flügel, der gegen den Krieg und einen, der für ihn war. Der irakische Präsident Saddam Hussein hatte damals nämlich Raketen auf Israel abgefeuert. Der Flügel, der für den Krieg war, wurde zu den Antideutschen.

Den Militäreinsatz gegen Serbien im Frühling 1999 lehnten die Antideutschen jedoch mehrheitlich ab und beurteilten die gegen die serbische Soldateska getroffenen Maßnahmen als Wiederholung deutscher Aggression gegen Jugoslawien.[5] Sie begründeten dies, indem sie wahrheitswidrige Behauptungen aufstellten, nach denen Deutschland schuld an diesem Krieg gewesen sei und die NATO in diesen Krieg gezwungen habe. Deswegen forderten die Antideutschen eine „bedingungslose“ Solidarität mit dem Regime von Kriegsverbrecher Slobodan Milošević.

Vertreter

Als eine der wichtigsten Publikationen der antideutschen Bewegung gilt die Wochenzeitung Jungle World.[6][7][8] Bei dem Medium besteht eine Nähe zum Linksextremismus und sie wird vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz beobachtet.[9] Zur Zeit des Bundestagswahlkampfes 2002 veröffentlichte der Gegen-Rechts-Autor Anton Maegerle (SPD-Mitglied) einen Artikel in der Jungle World, in welchem er den Kanzlerkandidaten der CDU, Edmund Stoiber, in die Nähe des "Rechtsextremismus" rückte.[10]

Weitere, bekannte Medien des antideutschen Spektrums, sind das von dem ARD-Tagesschau-Journalisten Patrick Gensing betriebene Blog Publikative.org und das von dem Die-Welt-Journalisten Stefan Laurin[11] betriebene Blog Ruhrbarone. Eigentümerin von Publikative.org ist die anti-rechte Amadeu Antonio Stiftung.

Antideutsche Medien

Einzelnachweise und Bemerkungen