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Marc Lavry

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😃 Profil: Lavry, Marc
Namen Levin, Mark
Persönliche Daten
22. Dezember 1903
Riga
24. März 1967
Haifa


Marc Lavry [1] (* 22. Dezember 1903 in Riga; gest. 24. März 1967 in Haifa) war ein jüdischer Komponist und Dirigent. Er war ein Vertreter des in Palästina ab den späten 1930er-Jahre aufkommenden Mittelmeerstil, der Elemente der arabischen Musik und der orientalischen Juden mit westlich-abendländischen Musikformen mischte. [2]

Leben

  • Bereits mit neun Jahre schrieb er erste Klavierkompositionen. Ab 1915 studierte er in Riga Klavier und später in Oldenburg Architektur und in Leipzig Musik.
  • Danach war er von 1926 bis 1927 Musikdirektor der Oper in Saarbrücken. 1927 und 1928 war ein in Berlin musikalischer Leiter der Balettkompanie von Rudolf Von Laban, mit der er u.a. auch durch Frankreich, Österreich, Ungarn, die Schweiz, die Länder des Balkan und sogar Ägypten tourte. In Berlin lernte und unterrichtete er am Sternschen Konservatorium. Bei Bruno Walter lernte er Dirigat und bei Alexander Glazunov Komposition. Ab 1928 war er Dirigent am Berliner Sinfonie Orchester. Kurz nach der nationalsozialistischen Machtergreifung ging er - nachdem die Nazis das Berliner Sinfonie Orchester aufgelöst hatten - nach Riga, wo er u.a. Opernorchester und das Radioorchester der Stadt dirigierte.
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    Marc Lavry im Jahr 1945 als Dirigent eines israelischen Orchesters
  • 1935 migrierte er dann wegen dem auch in Lettland zunehmenden Antisemitismus nach Palästina. Über sein neues Leben dort äußerte er sich folgendermaßen:
"Nirgends zuvor bin ich solchen geistigen und materiellen Schwierigkeiten begegnet wie in Israel, aber nirgendwo vorher fühlte ich mich so geerdet. Ich spürte, dass ich dort gelandet war wo ich hingehöre und das ich einen Platz gefunden hatte, der es wert war für ihn zu kämpfen. Ich fühlte, dass das Land mich inspirierte und Dort meine besten Kompositionen entstanden." [3]
  • Er komponierte u.a. für das Ohel Theater in Tel Aviv und leitete von 1941 bis 1947 die Palästina-Volksoper. Zwischen 1950 und 1958 war er Musikalischer Direktor von Kol Tziyon, eines Radiosenders der sich an noch in der Diaspora lebende Juden richtete. [4] [5] 1963 zog er auf Einladung des Bürgermeister Abba Hushi nach Haifa, wo er das Sinfonieorchester der Stadt leitete.

Werk

  • Lavrys Oeuvre reicht bis zur Opuszahl 348, und umfastt u.a. vier Symphonien, ein Flötenkonzert und ein Concertino für Flöte, ein Viola- und ein Violinkonzert, ein Harfenkonzert, ein Konzert für Quanun, Englisch Horn, Klarinette und Percussion, zwei Klavierkonzerte, ein Concertino für Harmonika, mehrere Suiten bzw. Tanzsuiten und Symphonische Dichtungen, Militärmärsche, Kammermusik für unterschiedlichste Besetzungen, zwei Opern, vier Oratorien und zwei Kantaten, Chormusik und viele Lieder für Chor, Chor und Orchester und auch Solostimmen mit Chor und Orchester.
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    Notenbeispiel 1: Ausschnitte aus Lavrys Drei Jüdische Tänze (op. 192)
  • Lavry befasste sich bereits in einigen seiner in Deutschland entstandenen Kompositionen mit jüdischer Thematik: Seine Jüdische Suite für Streichorchester oder Streichquartett (op. 17) und das Orchesterwerk Chassidischer Tanz (op. 22) wurden 1930 und 1931 in Berlin uraufgeführt, und 1931 komponiert er das symphonische Gedicht Ahasver - Der wandernde Jude (op. 23). [6] [7]
  • Ebenso wie Paul Ben-Haim erfand sich Lavry in Palästina musikalisch neu: Er führte nie mehr Kompositionen aus seiner Zeit in Europa auf, und sein 1946 entstandenes Klavierkonzert op. 201 nannte er trotz der Existenz des Klavierkonzerts op. 10 von 1931 Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1. [8]
  • Das 1935 geschriebene Al Naharot Bavel (op. 33) für Kammerorchester (dt.: An den Flüssen Babylons) war Lavrys erstes in Palästina verfasstes Werk. Es bezieht sich programmatisch auf Psalm 137, welcher die Trauer und Sehnsucht der nach Babylon verschleppten Juden nach ihrer Heimat
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    In seinem Lied Kineret (op. 89) stellt Marc Lavry den See Genezareth (hier auf einem Foto aus dem Jahr 1890) und seine Umgebung musikalisch dar
    beschreibt. Lavry selber bezeichnete das Werk als "Klage über verwüstete Hoffnungen" und ein "Lied der Umkehr und des Bedauerns". Das Werk beginnt mit langsamen, düsteren Streicherklängen, aus denen sich immer wieder kurze, dramatisch-erregte Orchestereinwürfe erheben. Nach circa 100 Sekunden erklingt erstmalig das wehmütige, von Lavry einem sephardischen Volkslied entnommene Hauptthema in hoher Lage der Violine. Es wird aber sofort von dramatischen Orchestereinwürfen abgelöst und taucht erst ab 3`30 Minuten wieder auf und wird danach vom ganzen Orchester aufgegriffen. Gegen Ende des Stückes begegnen wir dann einer ausgedehnten Solokantilene des Cello.
  • Im selben Jahr schrieb Lavry das Lied Shir Ha-Emek (op. 40) nach einem Gedicht von Rafael Eliaz. Darin geht es um die Besiedlung des Jesreeltales (Emek Jizre'el), welche in Israel zu einem Gründungsmythos wurde. Zwei Jahre später arbeitete Lavry das Lied zum Orchesterwerk Emek (op. 45) um. Beide Kompositionen werden im Pluspediaartikel Emek, op. 45 (Komposition von Marc Lavry) ausführlich dargestellt.
  • Lavrys Drei Jüdische Tänze (op. 192) für Violine und Klavier beginnen mit einem Sher, einem jüdischen Hochzeitstanz der Chassidim. In Lavrys Sher begegnen wir typischen Elementen jüdischer Tanzmusik wie der häufigen Verwendung der übermäßigen Sekunde, [9] der Vorliebe für den 2/4-Rhythmus (hier prägnant nach 20 Sekunden Spieldauer) sowie virtuoser Improvisation. Das zweite Stück (Jemenitischer Hochzeitstanz) bringt eine lieblich-kantable Melodie im langsamen Tempo. Der letzte Tanz ist wieder eine schwungvolle Hora (siehe Notenbeispiel 1).
  • In vielen seiner Werke wendet sich Lavry nationalen, geschichtlichen und biblischen Themen zu: Das Lied Kineret (op. 89) nach einem Gedicht von Avigdor Hameiri stellt den See Genezareth und seine Umgebung dar, und die Orchestersuite Bilder aus Jerusalem (op. 293) beschreibt in sechs kurzen Sätzen u.a. den Blick vom Berg Skopus auf die Stadt, die Klagemauer, die Türme der Stadtmauer, den Markt und die arabischen Stadtviertel. Die symphonische Dichtung Al Mordot Hacarmel (op. 335) zeichnet das in der Nähe von Haifa gelegene Karmelgebirge, und die Phaphsodie Daliat El Carmel (op. 314) beschriebt das Leben im gleichnamigen drusischen Dorf. In der Kantate Alei Dvai (op. 238) vertont er ein Gedicht von Reuven Avinoam über seinen 1948 im [[Israelischer Unabhängigkeitskrieg|Israelischen Unabhängigkeitskrieg gefallenen Sohn, und im Lied Sipur (op. 266) nach einem Text von Ora Shem-Or geht es um einen Soldaten im Sinai-Feldzug von 1956. In seinem Oratorium op. 137 vertont Lavry von Max Brod zusammengestellte Texte aus dem Hohelied Salomos, und im Oratorium op. 279 vertont er Texte des alttestamentarischen Buches Ester. Lavrys 1945 uraufgeführte Oper Dan HaShomer (dt.: Dan der Wächter ) war die erste in hebräischer Sprache komponierte Oper. Sie basiert auf auf einem Text von Shalom Joseph Shapira mit dem Titel Schüsse im Kibbuz. Schauplatz der Oper ist ein fiktiver Kibbuz irgendwo im Palästina der 1930er-Jahre, der einer nicht näher benannten äußeren Bedrohung ausgesetzt ist und sich zu verteidigen versucht. Zu den Beschützern des Kibbuz gehört auch der unabhängige und weltlich eingestellte Dan, der das Gegenbild zu einer Gruppe älterer, die europäische Diaspora und religiöse Tradition repräsentierender Juden darstellt. In der Oper werden bis heute aktuelle Konflikte angesprochen: Der Gegensatz zwischen Tradition und moderner Welt sowie zwischen propagierten Idealen und gelebter Realität. Nach Ohad Stolarz lassen sich in der Oper "nicht nur Elemente der traditionellen eu-ropäischen Oper entdecken, sondern ebenfalls die neue folkloristisch ange-hauchte Musik, wie sie im Israel der Gründerjahre populär wurde". [10]

Literatur

  • Jascha Nemtsov: Doppelt vertrieben - Deutsch-jüdische Komponisten aus dem östlichen Europa in Palästina/Israel, Band XI von Jüdische Musik, Harrassowitz, 2013, Seite 89 bis 150
  • Encyclopaedia Judaica, Band XII / (Kat-Lie), 2. Aufl., Keter Publishing House Ltd., 2007, Seite 534 und 535

Weblinks

Audio und Video

Siehe auch

Andere Wikis

Video und Audio

Andere Wikis

Einzelnachweise

  1. Anm.: Geboren als Mark Levin änderte er später seinen Namen in Marc Lavry, da es bereits einen erfolgreichen Dirigenten und Komponisten desselben Namens gab.
  2. Zum Mittelmeerstil siehe u.a. den gleichnamigen Eintrag in Dan Diner (Hrsg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur, Band IV (Ly-Po), J.B. Metzler, Stuttgart, 2003, S. 212-216
  3. Übersetzt nach der Autobiographie von Mac Lavry auf www.marclavry.org
  4. Habakuk Traber und Elmar Weingarten: Verdrängte Musik - Berliner Komponisten im Exil, Berliner Festspiele GmbH und Argon Verlag GmbH, 1987, S. 339
  5. Irene Heskes: Passport to Jewish Music - Its History, Traditions, and Culture, Greenwood Press, 1994, S. 248
  6. Barbara von der Lühe: Die Emigration deutschsprachiger Musikschaffender in das britische Mandatsgebiet Palästina, P. Lang, 1999, S. 324 und 325
  7. Habakuk Traber und Elmar Weingarten: Verdrängte Musik - Berliner Komponisten im Exil, Berliner Festspiele GmbH und Argon Verlag GmbH, 1987, S. 294
  8. The Marc Lavry Heritage Society
  9. Netanel Draiblate: The Israeli Violin since 1948, University of Maryland, 2015, S. 25 und 26
  10. Ralf Balke: Der Wächter kehrt zurück - 70 Jahre nach der Premiere soll die erste hebräische Oper wieder auf die Bühne; in der Jüdischen Allgemeinen vom 10. Januar 2014

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