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Juden in der AfD
Juden in der AfD ist eine am 7. Oktober 2018 in Wiesbaden gegründete Plattform jüdischer Mitbürger in der demokratisch-freiheitlichen Partei Alternative für Deutschland. Diverse Juden und jüdische Organsiationen können nicht nachvollziehen, warum eine Partei, die Antisemiten in ihren Reihen duldet, eine jüdischen Flügel benötigt.
Selbstdarstellung und Reaktionen
Die Plattform bietet angeblich vielen Juden eine politische Heimat.
Das Gründungsmitglied Dimitri Schulz schreibt dazu:
- "Die AfD ist die einzige Partei der Bundesrepublik, die muslimischen Judenhass thematisiert, ohne diesen zu verharmlosen. Die Masseneinwanderung junger Männer aus dem islamischen Kulturkreis ist wegen derer antisemitischen Sozialisation jüdischem Leben in Deutschland abträglich." [1]
Zum Zweck der Vereinigung äußerte sich Wolfgang Fuhl am 8. Oktober 2018 in der Zeitung Die Oberbadische:
- "Wir wollen innerparteilich und nach außen unsere jüdischen und israelitischen Erfahrungen einbringen. Außerdem wollen wir unsere jüdisch-christlichen und abendländischen Wurzeln verdeutlichen sowie unser wertkonservatives Weltbild transportieren."
Beatrix von Storch, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, betonte:
- "Nach den Christen haben jetzt auch die Juden in der AfD eine Stimme und Ansprechpartner. Damit bauen wir Brücken in die jüdischen Gemeinden." [2]
Von den Parteien CDU, CSU, SPD, FDP, den Grünen und der Linkspartei, aber leider auch einigen jüdischen Verbänden wurde die Plattform Juden in der AfD bereits vor ihrer Gründung mit Hass und Häme überschüttet sowie diffamiert. Dabei ließen besonders Vertreter des israelfeindlichen und antizionistischen linken Spektrums ihrem vulgären Judenhass bereits vor Gründung der Plattform hemmungslos freien Lauf.
Experten zum Thema Judentum wie z.B. Boris Fernbacher - Autor eines grundlegenden Buches über jüdische Musikgeschichte und Gründer des Fernbacher Jewish Music Research Center - begrüßen die geplante Gründung der Plattform Juden in der AfD dagegen ausdrücklich. Fernbacher meint dazu:
- "Der Vorwurf von Systemparteien und Lügenpresse, dass die AfD antisemitisch sei ist an Verlogenheit kaum noch zu überbieten. Die etablierten Parteien sind zwar stark im Kampf gegen den Antisemitismus engagiert, womit aber nur der Kampf gegen die wenigen, durchgeknallten deutschstämmigen Neonazis gemeint ist. Der qualitativ und quantitativ viel gefährlichere islamische Antisemitismus dagegen wird systematisch verharmlost oder totgeschwiegen. Die AfD dagegen hat sich immer von jeglicher Form des Antisemitismus distanziert und auch das Problem des islamischen Antisemitismus thematisiert. Vertreter von SPD, Grünen und Linkspartei hofieren bei Besuchen in Israel terroristische Palästinenser, ehren diese mit Kranzniederlegungen, fordern den Boykott israelischer Waren und treffen sich lieber mit fanatischen Israelfeinden als mit israelischen Politikern. Die Bundesregierung fördert israelfeindliche Gruppierungen finanziell und erkennt Jerusalem nicht als Hauptstadt Israels an. Die AfD dagegen war die einzige Partei, die sich sofort hinter die US-amerikanische Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt stellte, und hat damit ihre Solidarität mit jüdischen Menschen und dem Staat Israel eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Zur Kritik einiger in Deutschland aktiver jüdischer Vereinigungen an der AfD ist anzumerken, dass diese Organisationen ebenso wie die Kirchen in nicht unerheblichem Maße am Tropf finanzieller staatlicher Zuwendungen hängen. Hier gilt das alte Motto "Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich sing." Die AfD ist somit die einzige deutsche Partei, die man uneingeschränkt als Garant jüdischen Lebens in Deutschland bezeichnen kann. Somit ist die Gründung der Plattform Juden in der AfD ein logischer Schritt der Solidarität mit jüdischem Leben in Deutschland und auch Israel."
Diese Einschätzung von Fernbacher trifft in jüdischen Kreisen auf breite Zustimmung. So nahm sie der Religionswissenschaftler, Judaist und AfD-Anhänger Michael Kühntopf mit nur wenigen kleineren textlichen Änderungen in seine Erwiderung auf einen Artikel von Sergey Lagodinsky in der Zeitung Die Welt auf. [3]
Fernbacher analysiert das Problem des Umgangs mit Juden in der AfD weiter:
- "Mit ihrer Hetze gegen Juden in der AfD offenbaren die links-grünen Gutmenschen die häßliche Fratze ihres seit Jahrzehnten virulenten Antisemitismus. Juden in Deutschland haben sich gefälligst so zu verhalten wie es der links-grüne Partei- und Medien-Mainstream erwartet: Als bei offiziellen Anlässen vorzeigbare Opfer oder Zeitzeugen der NS-Zeit und als Befürworter einer multikulturellen Gesellschaft, die Deutschland ablehnen, brav die Systemparteien wählen und die AfD als neue Nazis verteufeln, sind sie gern gesehen. Juden welche die Masseneinwanderung von Muslimen kritisch sehen, stolz auf ihre deutsche Heimat und Kultur sind, konservative Einstellungen pflegen oder gar Mitglieder bzw. bekennende Wähler der AfD sind, passen dagegen nicht in das links-grüne Wunschbild. Ihren Ansichten begegnet man mit Unverständnis, offener Ablehnung und persönlicher Diffamierung. In vielen Fällen, wie z.B. bei Dimitri Schulz, versucht man sogar ihre Zugehörigkeit zum Judentum in Zweifel zu ziehen. Wie in der NS-Zeit heißt es wieder: "Wer Jude ist bestimmen wir!"." [4]
Kritik [5]
Zuerst machte der Publizist Micha Brumlik auf die beabsichtigte Gründung aufmerksam und wies darauf hin, dass die Gruppierung Juden in der AfD „weit rechts stehende Vorgängerorganisationen“ in der Weimarer Republik habe, und nannte explizit den von Max Naumann 1921 gegründeten Verband nationaldeutscher Juden.[6]
Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland (ZdJ) Josef Schuster äußerte sein Unverständnis und sagte: „natürlich treffen Juden nicht nur kluge Entscheidungen“.[7] Laut Schuster meinte ein anderes Mitglied des ZdJ-Präsidiums, dass alle Juden klug seien habe sich spätestens mit der Gründung der JAfD als „wirklich nur ein Vorurteil“ erwiesen.[8] In einer Erklärung des ZdJ und 46 weiterer Organisationen unter dem Titel „Keine Alternative für Juden – Gemeinsame Erklärung gegen die AfD“[9] distanzieren sich diese – auch mit Verweis auf das gemeinsame Vorgehen und Auftreten von AfD-Funktionären mit Rechtsextremen und Neonazis bei den gewalttätigen Chemnitzer Protesten – von der jüdischen Vereinigung innerhalb der AfD. Sie sei eine antisemitische und rechtsradikale Partei, in der Relativierung bis zur Leugnung der Shoa ein Zuhause hätten.[10][11] Mehr als 40 Vereinigungen schlossen sich der Erklärung an, darunter die Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschland, der jüdische Sportverband Makkabi Deutschland und der Bund traditioneller Juden.[12] Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, warnte vor der Vereinigung mit den Worten: „Die AfD unternimmt etwas, um sich als judenfreundlich darzustellen, was sie nicht ist.“ Sie fühle sich dadurch an die Zeit vor der Machtergreifung der NSDAP in den späten 1920er Jahren erinnert.[12] In Frankfurt kam es nach einem Aufruf durch die Jüdische Studierendenunion Deutschland zu Protesten gegen die neue Gruppierung mit bis zu 250 Teilnehmern, darunter auch Vertreter jüdischer Organisationen in Deutschland.[13][14]
Der JAfD-Mitgründer Wolfgang Fuhl, selbst ehemaliges Mitglied des Zentralrates der Juden in Deutschland,[15] hielt dem entgegen, die jüdischen Verbände hätten sich freiwillig der „Merkelpolitik“ unterworfen. Merkel habe mit ihrer Politik erreicht, die Juden in Deutschland zu „spalten“.[11][16] Der religionspolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag Volker Münz erklärte, es widerspreche der Demokratie, wenn die Organisationen vorschreiben wollten, welcher Partei sich Juden anschließen dürften.[17]
Mehrere nicht-jüdische Bundestagsabgeordnete wie Lars Castellucci (SPD), Hermann Gröhe (Unionsfraktion), Christine Buchholz (Linke), Stefan Ruppert (FDP) und Konstantin von Notz (Bündnis 90/Grüne) schlossen sich den Warnungen jüdischer Repräsentanten vor der AfD an oder äußerten ihr Unverständnis in Bezug auf jüdische AfD-Mitglieder.[18] Zwei Tage nach der Gründung der Vereinigung bezeichnete der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann sie als „in hohem Maße irritierend“.[19]
Ricarda Breyton schrieb in der Welt, einer der Gründungsbeteiligten, der Wiesbadener Stadtverordnete Dimitri Schulz,[20] habe sich auf seiner Facebook-Seite als „bibeltreu“ und „Follower of Jesus Christ“ bezeichnet und in seiner Bewerbungsrede für die Landesliste der Hessischen Landtagswahl 2018 die Verbrechen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg relativiert, indem er eine „Erinnerung an Gräueltaten am deutschen Volk“ gefordert habe.[15] Schulz hatte gefordert, an einen »Genozid an den Deutschen in der Sowjetunion« zu erinnern, bei dem „vor dem Zweiten Weltkrieg [...] hunderttausende Deutsche in Gulags und Vernichtungslagern“ aufgrund ihres „Deutsch-Seins“ umgebracht worden seien. Die „positiven Aspekte [der] deutschen Geschichte“ überwiegen laut Schulz „bei weitem alles Negative“.[21]
In der Süddeutschen Zeitung interpretierte Ronen Steinke die Gründung als Inszenierung der AfD-Spitze und kommentierte, die AfD bemühe sich damit nur scheinbar besonders um jüdische Wähler. Während deren Anteil unter den Wahlberechtigten gering sei, wolle man mit der Gründung vielmehr potenzielle nichtjüdische Rechts-Wähler ansprechen. Juden käme „in diesem Spiel nur die Rolle der nützlichen Idioten zu“.[22]
Für Dalia Grinfeld, Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), bleibt die Partei indiskutabel. „Absoluten Blödsinn“ nannte sie es, wenn sich Juden wegen muslimischen Antisemitismus der AfD anschließen, und erklärte: „Die AfD hat keine Lösung dafür. Ängste in der Bevölkerung heizt sie mit ihrer Rhetorik an. Natürlich gibt es muslimischen Antisemitismus, aber es gab auch schon vor der Migrationskrise Antisemitismus in Deutschland.“[23]
Der Vorsitzende der FDP/DVP-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg Hans-Ulrich Rülke meinte, die JAfD sei, „wie wenn man in der Kanalisation einen Schwimmverein gründet“. Laut der Vorsitzenden der israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg Barbara Traub sind nur zwei Mitglieder der JAfD tatsächlich Juden.[24]
Literatur
Siehe auch
Weblinks
- Offizielle Website der Juden in der AfD
- Juden in der AfD (facebook)
- AfD an der Seite Israels (facebook)
- AfD-Spitze unterstützt Zusammenschluß von Juden in der Partei
- Juden in der AfD: „Beinahe jeder von uns wird in Deutschland drangsaliert“
- Interview mit Wolfang Fuhl, Mitglied und Mitinitiator der »Juden in der AfD« - Die Stimmung in den jüdischen Gemeinden ist in Richtung AfD gekippt
- Juden in der AFD willkommen - Gott segne alle Völker überaus aber unser Volk Israel
- Freie-Welt-Interview: Die Stimmung in den jüdischen Gemeinden ist in Richtung AfD gekippt (Oktober 2018)
- Juden in der AfD: Jüdische AfD-Mitglieder gründen Vereinigung, Zeit Online am 7. Oktober 2018 (In Wiesbaden hat sich die Gruppe Juden in der AfD gegründet. Zuvor gab es viel Kritik an der Vereinigung, sie passe nicht zu den antisemitischen Tendenzen in der AfD.) (Zur Vorsitzenden der neuen Gruppe wurde Vera Kosova, AfD-Bundestagswahlkandidatin aus Nürtingen, gewählt.)
- Ich bin Jude, habe Migrationshintergrund - und ich bin in der AfD, Philosophia Perennis am 2. Oktober 2018
- Kolumne Gott und die Welt: Schande und Farce, Taz am 4. September 2018 (widerlicher antisemitischer Hetzartikel gegen die AfD von Micha Brumlik)
- Jüdische Mitglieder in der AfD on YouTube (11. Juli 2017, 98:25 Min.)
Video und Audio
- Jeder 3te Deutsche jüdischen Glaubens wählt AfD! Juden in der Alternative für Deutschland-Wahl
- Israelische Juden würden AfD wählen
- Baumann und Brandner zu Gründung von Juden in der AfD
- GRÜNDUNG DER JAFD - JUDEN IN DER AFD
- Beatrix von Storch zum Thema Jüdisches Leben in Deutschland
Einzelnachweise
- ↑ www.welt.de
- ↑ AfD begrüßt Zusammenschluss von Juden in der Partei
- ↑ Erwiderung von Michael Kühntopf auf einen Artikel von Sergey Lagodinsky
- ↑ Anm.: Frei nach Hermann Görings Ausspruch: "Wer Jude ist, bestimme ich!""
- ↑ [[1]]
- ↑ Micha Brumlik: Schande und Farce. www.taz.de, 4. September 2018
- ↑ Zentralrat der Juden: Kein Verständnis für Engagement von Juden bei AfD, Passauer Neue Presse, 27. September 2018
- ↑ Josef Schuster: Sorge vor wachsendem Antisemitismus, Bayerischer Rundfunk, 24. November 2018
- ↑ Zentralrat der Juden in Deutschland u. a.: "Keine Alternative für Juden – Gemeinsame Erklärung gegen die AfD. 5. Oktober 2018 (https://www.zentralratderjuden.de/fileadmin/user_upload/pdfs/Gemeinsame_Erklaerung_gegen_die_AfD_.pdf).
- ↑ "In weiten Teilen rechtsradikal": Juden protestieren gegen jüdische Vereinigung in der AfD. In: Spiegel Online. 7. Oktober 2018 (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/juden-protestieren-gegen-juedische-vereinigung-in-der-afd-a-1232001.html).
- ↑ 11,0 11,1 Juden in der AfD wehren sich gegen Vorwürfe. www.faz.net, 7. Oktober 2018
- ↑ 12,0 12,1 Charlotte Knobloch warnt vor der Vereinigung "Juden in der AfD". In: Huffington Post. 8. Oktober 2018 (https://www.huffingtonpost.de/entry/charlotte-knobloch-warnt-vor-der-vereinigung-juden-in-der-afd_de_5bbb5d3de4b0876edaa006a1).
- ↑ WELT: „JAfD“: Juden gründen Vereinigung in AfD – Hunderte demonstrieren dagegen. In: DIE WELT. 7. Oktober 2018 (https://www.welt.de/politik/deutschland/article181795790/JAfD-Juden-gruenden-Vereinigung-in-AfD-Hunderte-demonstrieren-dagegen.html).
- ↑ Jüdische AfD-Mitglieder gründen umstrittene Vereinigung. In: Handelsblatt. 7. Oktober 2018 (https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/juden-in-der-afd-juedische-afd-mitglieder-gruenden-umstrittene-vereinigung/23158228.html).
- ↑ 15,0 15,1 Referenzfehler: Es ist ein ungültiger
<ref>-Tag vorhanden: Für die Referenz namensbreytonwurde kein Text angegeben. - ↑ Treife Alternative in: Jüdische Allgemeine, 11. Oktober 2018
- ↑ Referenzfehler: Es ist ein ungültiger
<ref>-Tag vorhanden: Für die Referenz namensZeit1wurde kein Text angegeben. - ↑ Gregor Mayntz: Warnungen vor Plattform „Juden in der AfD“, Rheinische Post, 26. September. 2018
- ↑ „Juden in AfD sind mir vollkommen unbegreiflich“, Stuttgarter Nachrichten, 9. Oktober 2018
- ↑ Dimitri Schulz kandidiert auf Platz 14 der Landesliste der AfD zur Landtagswahl in Hessen 2018
- ↑ Sascha Schmidt: Es droht ein rauer Wind, Der Rechte Rand Nr. 174, September/Oktober 2018
- ↑ Ronen Steinke: Alibi-Juden in der AfD. www.sueddeutsche.de, 7. Oktober 2018
- ↑ Feigenblatt ohne Koscher-Stempel, in: tachles, 12. Oktober 2018
- ↑ Michael Abschlag: Antisemitismus - Schleichendes Gift, Rhein-Neckar-Zeitung, 23. Oktober 2018
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