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Luftangriff vom 4. Dezember 1944 auf Heilbronn
Nach dem Luftangriff konnte man noch über die Allee nach Hause gehen. Damals war zwischen den beiden Fahrbahnen der Allee ein mehrere Meter breiter Gehweg, der von zwei Baumreihen begleitet wurde. Heute ist davon nichts mehr übrig geblieben. Auf diesem Gehweg wäre gut zu laufen gewesen – die Trümmer waren nicht so weit herübergefallen – wenn nicht immer wieder so viele verkohlte Bäume herumgelegen wären. Immer wieder musste nan über Baumstämme steigen, die zahlreich zwischen Stümpfen der verbrannten Alleebäume herum lagen. Es war auffallend, dass alle eine so schön gleichmäßige Gabelung aufwiesen. Beim Darübersteigen fand man, dass in dem Stapel der verkohlten Bäume ein angekohlter Stoffrest hing. Es gab auch weitere verkohlte Baumstammstücke, an denen auch noch Stofffetzen hingen. Es stellte sich am Ende heraus, dass es gar nicht um verkohlte Baumstämme, sondern um die Reste verkohlter Körper von Menschen handelte. Kopf, Arme und Unterschenkel waren nicht einmal mehr ansatzweise erkennbar. Nur der Rumpf mit mehr oder weniger langen Stummeln der Oberschenkel waren übrig geblieben. Die Stofffetzen waren Reste von Unterwäsche und Oberkleidung. Warum ausgerechnet in Heilbronn so viele verbrannte Menschen? Die mittelalterliche Fachwerkstadt Heilbronns war sehr feuergefährlich und ergab eine außerordentlich hohe Brandlast. Zwischen den hochmittelalterlichen Fachwerkhäusern der einstigen Altstadt Heilbronns hatte es eine einzige, riesige Feuersäule gegeben. Hoch Iodernde Flammen schlugen weit über die Dächer hinauf, es war eine Gluthölle, ein Inferno. Wer da nicht rechtzeitig herausgekommen war, hatte keine Überlebenschance und war verloren, ohne eine Spur zu hinterlassen.
Je weiter man von der verbrannten Altstadt ging, desto geringer war der Verbrennungsgrad der Leichen. Bei den letzten konnte man erkennen, dass es durchweg ältere Personen waren, und auch, ob es eine Frau oder ein Mann war. Mehrere hundert Menschen dürften es gewesen sein, die bei der Flucht aus ihren Kellern im Feuersturm ihr Leben verloren hatten und deren Überreste auf dem Mittelstreifen der Allee lagen; allein in dem Stück zwischen Stadttheater und Karlstraße. Weiter nach Westen waren keine mehr anzutreffen.