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Nationalstaat

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Der Nationalstaat ist ein Staatsmodell,[1] das auf der Idee und Souveränität der Nation beruht. Im Begriff Nationalstaat fallen die Begriffe Staat und Nation zusammen,[2] wobei ein bestimmtes Begriffsverständnis vorausgesetzt wird. Sofern die Ideen der Nation nur als Konstrukt bezeichnet wird, ist eine weitere Diskussion nicht mehr zielführend, sondern eine Scheindiskussion, um letztlich auch den Nationalstaat als Konstrukt zu bezeichnen, den es angeblich in der [[Realität nicht geben könne. Die Geschichte der Völker beweist das Gegenteil. Und in der Coronakrise hat sich gezeigt, dass gerade die Nationalstaaten die beste Gewähr vor einer Ausbreitung der Pandemie bieten.

Geschichte

Nationalstaaten sind eine Entwicklung der europäischen Neuzeit, finden sich aber auch in Ideen wie Eretz Israel. Voraussetzung war stets die Bildung eines Nationalbewusstseins. Frühere Staaten waren meist Vielvölkerstaaten. Die meisten Nationalstaaten entstanden jedoch im 20. Jahrhundert, insbesondere nach dem Ende des Kolonialismus, auch wenn diese Staaten in aller Welt nicht immer dem europäischen Verständnis entsprechen. Führende Nationalstaatspolitiker wollten häufig eine wirtschaftliche Unabhängigkeit erreichen.

Kennzeichnend für den Nationalstaat waren zu Beginn bestimmte Symbole wie Nationalhymne und Nationalflagge sowie gemeinsame kulturelle Gemeinsamkeiten wie eine Sprache, die zur Amtssprache erhoben wurde. Eine Ebene internationaler Diplomatie und eine frühe Form nationalstaatlichen Handelns bildete der Westfälische Friede von 1648, auf dessen Grundlage sich später das Völkerrecht entwickelte. Die deutsche Wikipedia sieht die Entwicklung der Nationalstaaten eher unter negativen Vorzeichen wie Staatsverschuldung, hohen Steuern (Absolutismus, Merkantilismus) und heftiger Kriege, welche die Situation der Bevölkerung stark verschlechtert hätten. Dies verkennt die historische Entwicklung völlig. Richtig ist vielmehr - und insofern liegen auch die Wikipedia-Autoren nicht ganz falsch, dass Kriege bei der Bildung der Nationalstaaten ein entscheidende Rolle spielten. Diese Kriege dienten der Abgrenzung und der Verteidigung des eigenen Staatsgebietes, wobei immer wieder ein Aufflammen des Nationalismus zu beobachten war.

Zeitlich ist in Europa eine sehr große Spanne zu beobachten. Spanien und Portugal gehören zu den ersten Ländern, in denen sich sehr früh ein Nationalgefühl herausbildete. In Frankreich gab es zwar ebenfalls bestimmte Traditionen wie die gemeinsame Sprache und Religion, doch erst die Französische Revolution 1789 bildete die bis heute als wesentlich angesehene Grundlage der Nation. In anderen Staaten lief der Prozess sehr viel später ab, zum Beispiel in Italien erst um das Jahr 1900. Es können aus heutiger Sicht drei große Phasen unterschieden werden:

Häufig war eine Ablösung der Monarchie damit verbunden, weil die Könige der verschiedenen Länder teilweise miteinander verwandt waren und keinesfalls immer national handelten. Viele Nationalstaaten durchlaufen eine Phase der Diktatur. Die Religion spielte nicht in allen Ländern eine entscheidende Rolle, wie das Beispiel der Schweiz zeigt. Demgegenüber ist der Staat Israel zwar eine sehr alte Idee, aber in seiner heutigen, eher europäischen Prägung, ein junger Nationalstaat.

Die Modelle der großen Vielvölkerstaaten wie Osmanisches Reich, Österreich-Ungarn, Sowjetunion, Vereinigte Arabische Republik und Jugoslawien sind gescheitert. Der Prozess zur Herausbildung eines Nationalstaates ist von vielen Faktoren abhängig. So stellt sich gegenwärtig in der Türkei die Frage, wie lange dieser Staat die kulturelle Identität der Kurden ignorieren kann, die in anderen Ländern erste Ansätze zur Bildung eines neuen Nationalstaates zeigen.

Literatur

  • Karl W. Deutsch: Nationalism and Social Communication. An Inquiry into the Foundations of Nationality. Cambridge, London 1953

Vergleich zu Wikipedia



Einzelnachweise

  1. Rüdiger Voigt: Weltordnungspolitik. Wiesbaden 2005, ISBN 3-531-14859-1, S. 177 f.; Stefan Heyms, Doris Lindner: „Schreiben für ein besseres Deutschland“. Nationenkonzepte in der deutschen Geschichte und ihre literarische Gestaltung in den Werken. Würzburg 2002, ISBN 3-8260-2257-2, S. 21.
  2. Vgl. Duden, Deutsches Universalwörterbuch, 5. Auflage, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim 2003, Stichwort „Nationalstaat“