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Sklaverei in Brasilien
Die Sklaverei in Brasilien erstreckte sich über einen Zeitraum von über 400 Jahre und wurde erst 1888 mit der Lei Áurea (dt.: Goldenes Gesetz) offiziell abgeschafft.
Sklaverei im indigenen Brasilien vor 1516
Lange bevor die ersten portugiesischen Siedler sich 1516 in Brasilien niederließen, war es üblich dass native Bevölkerungsgruppen wie die Papanase, Guaianase oder Tupinambá Angehörige anderer nativer Gruppen versklavten. Die gefangenen und versklavten Personen lebten und arbeiteten dabei in den Gemeinschaften in die sie verschleppt wurden. Dabei dienten sie auch als Trophäen der kriegerischen Kraft des sie versklavenden Stammes. Einige Sklaven konnten fliehen, erreichten aber wegen der Stigmatisierung als ehemalige Sklaven in ihren Herkunftsstämmen nie wieder ihren einstigen gesellschaftlichen Status. In der Sklaverei heirateten manche sogar als Zeichen der Akzeptanz aber auch Unterwerfung. Für von kannibalistischen Stämmen Versklavte bestand jederzeit die Gefahr der blutrünstigen rituellen Opferung.
Versklavung der Ureinwohner ab 1516
Am 22. April des Jahres 1500 landete eine portugiesische Flotte unter dem Kommando von Pedro Álvares Cabral nahe der heutigen Stadt Porto Seguro in der brasilianischen Provinz Bahia. Die eigentliche Kolonisation des Landes begann dann erst ab dem Jahr 1516. Die Portugiesen begannen schon bald damit, einheimischen Stämmen Sklaven abzukaufen oder auch selber Ureinwohner gefangen zu nehmen und zu versklaven. Diese arbeiteten überwiegend auf von den Portugiesen errichteten Zuckerrohrplantagen. Die Ausbeutung indianischer Sklaven erreichte zwischen 1540 und 1570 ihren Höhepunkt. [1] Gegen die Versklavung der Ureinwohner sprachen sich - obwohl sie zu Anfang die Versklavung der Indios als Gerechten Krieg verteidigt hatten - bald viele der ab 1549 nach Brasilien gekommenen Jesuiten aus. Regelmäßig überfielen Siedler jesuitische Missionen um die dort ansässigen Indios zu versklaven. Im Gegensatz zu den puritanisch geprägten Siedlern in Nordamerika hatten die portugiesischen Siedler keine Probleme damit, mit Indio-Frauen zusammenzuleben und gewisse Elemente der indianischen Kultur selber anzunehmen. So war dann im 16. und 17. Jahrhhundert das einheimische Tupi-Guarani und nicht Portugiesisch Umgangssprache in Brasilien. [2] Obwohl der Anteil afrikanischer Sklaven später immer mehr an Bedeutung zunahm, blieb die Versklavung der indigenen Bevölkerung Brasiliens, beonders in entlegenen Regionen wie dem Amazonas-Becken - bis nach Ende des 17. Jahrhunderts eine nicht zu vernachlässigende Tatsache. [3] Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Versklavung der indigenen Bevölkerung Brasiliens wurde lange zugunsten der Erforschung der Geschichte der schwarzen Sklaven Brasiliens vernachlässigt. [4]
Import von Sklaven aus Afrika
Eingeschleppte Krankheiten, hohe Mortalitätsraten auf den Plantagen und die Sklavenjagden dezimierten die indianische Bevölkerung aber bald so stark, dass die Pflanzer zunehmend dazu übergingen, Sklaven aus Afrika zu importieren. [5] Mit dem System der Sklaverei waren die Portugiesen seit dem Jahr 1500 vertraut, als sie damit begannen, auf der Insel Sao Tome Zuckerrohrplantagen durch schwarze Sklaven bewirtschaften zu lassen. Mit dem christlichen König des Kongo schlossen sie einen Vertrag, der Ihnen seine Kriegsgefangenen gegen Bezahlung in Waffen als Sklaven zusicherte. Ab 1538 begann dann auch der Import schwarzer Sklaven nach Brasilien. [6] Der direkte Sklavenhandel Brasiliens mit Afrika begann in den 1550er-Jahren. In den folgenden drei Jahrhunderten wurden dann mehr als 3,9 Millionen Afrikaner nach Brasilien verschleppt. Andere Forscher kommen mit 4,8 Millionen [7] und sogar 5 bis 6 Millionen [8] auf noch höhere Zahlen. Damit nahm das portugiesische Amerika mit fast 41 % den mit Abstand größten Teil der Sklavenimporte in die Amerikas auf. [9]
Lebenswirklichkeit und Kultur der schwarzen Sklaven Brasiliens
Der Weg zur Abschaffung der Sklaverei
Im Vergleich mit dem übrigen Lateinamerika und vor allem den USA entwickelte sich die Anti-Sklaverei-Bewegung in Brasilien relativ spät und langsam. Die Initiative hierzu ging ursprünglich von Großbritannien aus. Seit 1810 hatten den Briten Portugal und später auch dem nach Unabhängigkeit strebenden Brasilien eine Reihe von internationalen Verträgen abgerungen, die den Import afrikanischer Sklaven zunächst beschränkte und schließlich ganz verbot. [10]
Siehe auch
Literatur
- J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei, C.H. Beck, München, 2007, Seite 213 bis 218
- Herbert S. Klein und Francisco Vidal Luna: Slavery in Brazil, Cambridge University Press, 2010
- Kátia M. de Queirós Mattoso: To be a Slave in Brazil / 1550-1888, Rutgers University Press, 1986
- Ursula Prutsch und Enrique Rodrigues-Moura: Brasilien - Eine Kulturgeschichte, transcript, 2014
- Robert Brent Toplin: The abolition of slavery in Brazil, Scribner, New York, 1972
Weblinks
- Camila Loureiro Dias: Indigenous Labor in Native and Brazilian Colonial History - A Historiographic Assessment
- In Brazil the wounds of slavery will not heal auf www.dw.com
Einzelnachweise
- ↑ J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei, C.H. Beck, München, 2007, S. 213
- ↑ Ursula Prutsch und Enrique Rodrigues-Moura: Brasilien - Eine Kulturgeschichte, transcript, 2014, S. 33 bis 35
- ↑ Bandeirantes, Natives, and Indigenous Slavery auf der Seite der Brown University Library
- ↑ Camila Loureiro Dias: Indigenous Labor in Native and Brazilian Colonial History - A Historiographic Assessment
- ↑ J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei, C.H. Beck, München, 2007, S. 213
- ↑ Ursula Prutsch und Enrique Rodrigues-Moura: Brasilien - Eine Kulturgeschichte, transcript, 2014, S. 35 und 36
- ↑ Herbert S. Klein und Francisco Vidal Luna: Slavery in Brazil, Cambridge University Press, 2010, S. 14
- ↑ Ursula Prutsch und Enrique Rodrigues-Moura: Brasilien - Eine Kulturgeschichte, transcript, 2014, S. 35
- ↑ J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei, C.H. Beck, München, 2007, S. 213
- ↑ J. Meissner, U. Mücke und K. Weber: Schwarzes Amerika - Eine Geschichte der Sklaverei, C.H. Beck, München, 2007, S. 214