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Barta`a
Barta`a ist eine im äußersten Norden des zu Israel gehörenden Westjordanlandes beiderseits der 1949 vereinbarten Demarkationslinie zwischen Israel und Jordanien (Green Line) gelegene Stadt. Die Fläche von Barta`a beträgt 4.320 Dunam, [1] was 4,32 Quadratkilometern entspricht.
Geschichte bis 1949
Das Dorf Barta`a wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Mitgliedern des Stammes der Kabha gegründet, welche mündlicher Überlieferung nach rund 100 Jahre vorher vom circa 20 Kilometer nordwestlich von Hebron gelegenen Bayt Jibrin in das ebenfalls im Norden des Westjordanlandes befindliche Ya'bad gezogen waren. Mitte des 19. Jahrhunderts verließen dann einige Stammesmitglieder Ya'bad auf der Suche nach einem Wohngebiet und kauften das Land bei Barta'a, wo sie eine Quelle und Weideland fanden. [2] So tragen auch heute noch beinahe alle der circa 12.000 Einwohner von Barta`a den Nachnamen Kabha. [3] Nach einer 1922 von den Briten durchgeführten Volkszählung hatte Barta'a eine Bevölkerung von 468 ausschließlich muslimischen Personen, [4] und bei einer erneuten Volkszählung von 1931 waren es 692 Menschen.
1949 bis 1967
Am 3. April 1949 unterzeichneten Jordanien und Israel das Waffenstillstandsabkommen von Rhodos, demzufolge Barta`a in einen zu Jordanien gehörenden Ostteil und einen zu Israel gehörenden Westteil getrennt wurde. Das tiefe Wadi Ara, welches das Dorf seit jeher durchschnitt wurde zur Grenze erklärt. So befand sich auf einmal über Nacht der Dorfbrunnen auf der israelischen und die Moschee auf der jordanischen Seite. Zuerst hinderten nur Soldaten die Einwohner daran diese Grenze zu passieren, doch später wurde ein Zaun errichtet. So wurden eine zweite Moschee, ein zweiter Friedhof und eine zweite Schule errichtet. Auch wurde ein Kanal ausgehoben, der das Wasser von der auf der israelischen Seite gelegenen Quelle zu einem Brunnen auf der jordanischen Seite leiten sollte. Die Palästinenser auf der Ostseite erhielten die jordanische und ihre Brüder auf der israelischen Seite die israelische Staatsbürgerschaft. Da im jungen Israel anfänglich viele Waren rationiert waren, blühte in Barta`a das Schmuggelgeschäft auf illegalen Handelswegen. Dies ließ nach nachdem sich die israelische Wirtschaft gefestigt hatte. [5] [6]
1967 bis 2000
Nach dem Sechstagekrieg kam das Westjordanland und damit auch Barta`a 1967 zu Israel. Doch ähnlich wie nach der deutschen Wiedervereinigung merkten die Menschen von Barta`a bald, dass sie sich in den Jahrzehnten der Trennung fremd geworden waren: Die Familien in West-Barta`a hatten die schöneren Häuser, trugen Jeans und träumten davon, ihre Kinder auf eine Universität zu schicken. In Ost-Barta`a dagegen rann das Abwasser immer noch durch unbefestigte Straßen und die Männer trugen die traditionellen langen Bärte. Gleichzeitig warfen Bewohner aus Ost-Barta`a ihren Verwandten im Westteil der Stadt vor, keine echten Araber und Muslime mehr zu sein, da sie sich unter den jüdischen Israelis als Bürger zweiter Klasse wegducken würden. [7] Ab 1993 gehört Ost-Barta`a zur B-Zone mit israelischer Sicherheitskontrolle sowie palästinensischer Zivilverwaltung. [8]
2000 bis heute
Im Jahr 2000 begann mit der Zweiten Intifada ein gewalttätiger Aufstand der im Westjordanland und Gazastreifen lebenden Palästinenser, bei dem sich die mentale Teilung der Bewohner von Barta`a ebenfalls zeigte: Während die Bewohner des Ostteils der Stadt aktiv und begeistert an der Rebellion teilnahmen, beschränkten sich viele in West-Bata`a lebende Menschen darauf, Essen und Geld an die Aufständischen zu schicken, ihre eigenen Kinder aber von den aus dem Osten erschallenden Kampfrufen abzuschirmen.
Literatur
- Yael Warshel: Experiencing the Israeli-Palestinian Conflict - Children, Peace Communication and Socialization, Cambridge University Press, 2021, Seite 227 bis 265
- Agnes Fazekas: Das geteilte Dorf; in Edition le monde diplomatique - Israel und Palästina Nr. 21/2017, taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Berlin, 2017, Seite 42 bis 45
- Riad Kabha: The Wadi has to Banks - My Life Story, Multi Educator Incorporated, 2017
Weblinks
- Benjamin Hammer: Das geteilte Dorf - Barta'a in Israel und dem Westjordanland, auf der Seite von br24, 7. April 2021
- Leor Bareli: Shopping without borders in the Palestinian village of Barta'a - opinion, in Jerusalem Post vom 6. Juli 2022
- Lydia Aisenberg: Barta‘a – Ein Dorf mit gespaltener Persönlichkeit
- Barta’a Over the Years - A Meditation auf der Seite der Partners for Progressive Israel
- FOKUS: Die Grenzstadt Barta‘a auf www.srf.ch
Einzelnachweise
- ↑ Yael Warshel: Experiencing the Israeli-Palestinian Conflict - Children, Peace Communication and Socialization, Cambridge University Press, 2021, S. 231
- ↑ Muhammad Hasan Amara: Politics and sociolinguistic reflexes - Palestinian border villages, John Benjamins Publishing Company, 1999, S. 12
- ↑ Agnes Fazekas: Das geteilte Dorf; in Edition le monde diplomatique - Israel und Palästina Nr. 21/2017, taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Berlin, 2017, S. 43
- ↑ J. B. Barron: Palestine - Report and General Abstracts of the Census of 1922, Government of Palestine, 1923, Seite 30 (online auf www.archive.org/details/PalestineCensus1922)
- ↑ Agnes Fazekas: Das geteilte Dorf; in Edition le monde diplomatique - Israel und Palästina Nr. 21/2017, taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Berlin, 2017, S. 43
- ↑ Lydia Aisenberg: Barta‘a – Ein Dorf mit gespaltener Persönlichkeit
- ↑ Agnes Fazekas: Das geteilte Dorf; in Edition le monde diplomatique - Israel und Palästina Nr. 21/2017, taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Berlin, 2017, S. 43
- ↑ Barta’a Over the Years - A Meditation auf der Seite der Partners for Progressive Israel