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* Die über Jahrhunderte andauernde Isolierung der Juden der Insel zeigt sich auch in ihrer Musik. So hat die [[Synagoge|Synagogal]]musik der Juden von Djerba im Unterschied zu den meisten jüdischen Gemeinden in der [[islam]]ischen Welt anscheinend kaum Einflüsse der arabischen Musik aufgenommen, und gilt als Referenzpunkt für Hyphothesen zum nicht notierten und damit für immer verlorenen Klang der altisraelitischen Musik. Der deutsch-jüdische Musikethnologe und Orientalist [[Robert Lachmann]] (1892-1939) unternahm von 1927 bis 1933 im Auftrag der ''Preußischen Staatsbibliothek'' mehrere Forschungsreisen in den Vorderen Orient und erforschte u.a. die Musiktraditionen der Juden und arabisierten Berber in [[Tripolis]], der [[Kabylei]] und [[Testour]]. Auf Djerba fand er die damals fast vergessene, alteingesessene jüdische Bevölkerung mit ganz eigenen, sich von der umgebenden arabischen Musik unterscheidenden Merkmalen vor. Er machte in Hara Sghira 22 Feldaufnahmen jüdischer Musik auf Wachszylinder, die später Basis für sein 1940 erschienenes Buch ''Gesänge der Juden auf der Insel Djerba'' wurden. <ref>Philip V. Bohlman: ''Jewish Music and Modernity'', Oxford University Press, 2008, S. 41 und 42</ref> Lachmann nahm dabei drei Gattungen von Musik auf: Liturgische Kantillationen, [[piyyut]]im und besondere, nur von Frauen gesungene Lieder. 1960 zeichnete der Schweiter Musikethnologe Wolgang Laade in Hara Kebira eine Beschneidungszeremonie auf.
* Die über Jahrhunderte andauernde Isolierung der Juden der Insel zeigt sich auch in ihrer Musik. So hat die [[Synagoge|Synagogal]]musik der Juden von Djerba im Unterschied zu den meisten jüdischen Gemeinden in der [[islam]]ischen Welt anscheinend kaum Einflüsse der arabischen Musik aufgenommen, und gilt als Referenzpunkt für Hyphothesen zum nicht notierten und damit für immer verlorenen Klang der altisraelitischen Musik. Der deutsch-jüdische Musikethnologe und Orientalist [[Robert Lachmann]] (1892-1939) unternahm von 1927 bis 1933 im Auftrag der ''Preußischen Staatsbibliothek'' mehrere Forschungsreisen in den Vorderen Orient und erforschte u.a. die Musiktraditionen der Juden und arabisierten Berber in [[Tripolis]], der [[Kabylei]] und [[Testour]]. Auf Djerba fand er die damals fast vergessene, alteingesessene jüdische Bevölkerung mit ganz eigenen, sich von der umgebenden arabischen Musik unterscheidenden Merkmalen vor. Er machte in Hara Sghira 22 Feldaufnahmen jüdischer Musik auf Wachszylinder, die später Basis für sein 1940 erschienenes Buch ''Gesänge der Juden auf der Insel Djerba'' wurden. <ref>Philip V. Bohlman: ''Jewish Music and Modernity'', Oxford University Press, 2008, S. 41 und 42</ref> Lachmann nahm dabei drei Gattungen von Musik auf: Liturgische Kantillationen, [[piyyut]]im und besondere, nur von Frauen gesungene Lieder. 1960 zeichnete der Schweiter Musikethnologe Wolgang Laade in Hara Kebira eine Beschneidungszeremonie auf.
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== Einzelnachweise ==
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[[Kategorie:Geschichte der Juden|Tunesien]]
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Die Geschichte der Juden in Tunesien umfasst einen Zeitraum von mehr als 2000 Jahren. Sie lebten in diesem Zeitraum unter wechselnden Herrschern wie Karthagern, Römern, Vandalen, Byzantinern, Arabern, Osmanen, europäischen Kolonialmächten und ab 1956 im Staat Tunesien. Die einst großen jüdischen Gemeinden in Tunesien sind heute fast verschwunden. Die verbliebenen ca. 2000 Juden sind Misstrauen und Diskriminierung ausgesetzt, und durch den Arabischen Frühling ist ihre Lage noch schwieriger geworden.
Schon zu Zeiten der Karthager soll es im Norden Tunesiens jüdische Gemeinden gegeben haben. Manche Forscher datieren die erste jüdische Besiedlung auf den Zeitpunkt der Zerstörung des ersten Tempels durch Nebukadnezar im Jahr 586 v. Chr.. Andere gehen noch weiter zurück und nehmen eine jüdische Besiedlung schon für das 10. vorchristliche Jahrhundert an.[1]
Römische Zeit
Nachweisbar sind jüdische Siedlungen allerdings erst für die römische Zeit nach der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr.. In den nachchristlichen Jahrhunderten kam es im tunesischen Gebiet zu Aufständen gegen die Römer. Viele Juden flohen zu den Berbern an den Rand der Sahara.
Unter den bis zum Jahr 533 herrschenden Vandalen hatten die Juden bei der Religionsausübung freie Hand und innere Autonomie. [2]
Auch zur Zeit Kaiser Justinians, der im Jahr 535 in Nordafrika das Judentum verbot, flüchteten viele Juden in die Wüste, wo sie auch viele Berber zum jüdischen Glauben bekehrten, teilweise aber auch selber "berberisiert" wurden. [3]
Arabische Zeit
Nach der arabischen Eroberungswelle im 7. Jahrhundert lebten die Juden unter arabischer Herrschaft relativ frei. Das jüdische Leben unter den Arabern blieb dennoch von wechselnden Phasen der Sicherheit und Repression geprägt. [4] Hauptsiedlungspunkt der Juden in Tunesien war bis zum 11. Jahrhundert die Stadt Kairouan. Wegen Einfällen der Beni-Hilal-Nomaden flohen die Juden erneut. Viele ließen sich vor den Toren von Tunis im Dorf Melassine nieder. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts wurde ihnen innerhalb der Mauern von Tunis ein eigenes Stadtviertel (Hara) zugeteilt. Viele Juden strömten mit Abschluss der Reconquista (Eroberung Granadas im Jahr 1492) nach Nordafrika und Tunesien. [5] Diese zugewanderten Juden (Grana) waren kulturell weiter entwickelt als die einheimischen Juden und fühlten sich diesen auch überlegen. Die arabischen Herrscher bedienten sich dieses jüdischen Fachwissens. Viele Juden hatten hohe Ämter z.B. in der Finanzverwaltung inne. Ihr Haupttätigkeitsgebiet war allerdings der Fernhandel mit europäischen Mächten. Daneben waren sie auch auf dem Gebiet der Schmuckherstellung aktiv.
Osmanische Zeit
Tunesien erlebte im 18. und 19. Jahrhundert eine Renaissance jüdischen Denkens. Namen, die hier genannt werden müssen, sind Abraham Cohen, der Großrabbiner Isaac Lumbroso, Nathan Borgel oder Uziel el-Haïk. [6]
1856 wurden Christen, Juden und Muslime auf französischen Druck hin rechtlich gleichgestellt.
Im Jahr 1883 wurde Tunesien französisches Protektorat. Das Leben der tunesischen Juden wurde dadurch freier von Benachteiligungen und Diskriminierungen. Ihnen wurden eigene Organisationen und die Errichtung von Schulen gestattet. Dafür kam jetzt andererseits der europäisch-christliche Antisemitismus auch in Tunesien zur Entfaltung.
Um 1914 lebten noch um die 70.000 Juden in Tunesien. [7] Im Jahr 1923 ermöglichte ein Gesetz den tunesischen Juden die Annahme der französischen Staatsbürgerschaft.
Ab Mitte der 1920er-Jahre kam es aufgrund des zunehmenden arabischen Nationalismus zu gehäuften Gewalttaten gegen Juden. [8]
Nach der Niederlage Frankreichs im Zweiten Weltkrieg unterstand Tunesien dem Vichy-Regime. Die dortigen Juden wurden einem neuen Statut unterworfen. Sie wurden sukzessive aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen und ihre Organisationen aufgelöst und ihre Presse unterdrückt. Später folgte die Einziehung ihres Vermögens und ihres Besitzes. Am 9. November 1942 besetzten deutsche und italienische Truppen Tunesien. Es wurden Arbeitslager für Juden eingerichtet. Über 2500 Juden starben innerhalb eines halben Jahres in Tunesien. [9]
Ab 1956
Zum Zeitpunkt der tunesischen Unabhängigkeit im Jahr 1956 lebten circa 85.000 Juden in Tunesien. Der Sechs-Tage-Krieg im Jahr 1967 und die ständigen israelisch-arabischen Konflikte führten in der Folge daraus resultierender arabischer bzw. tunesischer Feindschaft zu großen Auswanderungswellen tunesischer Juden.
Im Jahr 2002 ereignete sich auf Djerba ein hinterhältiger und feiger Anschlag arabischer Terroristen auf die dortige Synagoge. Dabei kamen 19 Menschen ums Leben. [10]
Heute leben weniger als 2.000 Juden in Tunesien. Diese wohnen hauptsächlich in Tunis und auf der Insel Djerba.
Diese sind besonders seit dem Arabischen Frühling einer zunehmenden Diskriminierung ausgesetzt. Die jüdische Gemeinde in Tunesien ist inzwischen vom Aussterben bedroht. [11][12] Im Jahr 2011 wurden im Rahmen der Sturzes von Präsident Ben Ali zweimal jüdische Einrichtungen angegriffen. Bei einem der Übergriffe versuchten Islamisten in die Hauptsynagoge von Tunis einzudringen und riefen dabei judenfeindliche Parolen. [13]
Sonderfall Djerba
Bedeutend waren die jüdischen Gemeinden auf der Insel Djerba. Juden sollen teilweise bis zu 10% der Bevölkerung der Insel gestellt haben. Historisch nicht verifizierbaren Erzählungen zufolge sollen Juden bereits nach der Zerstörung des Ersten Tempels 586 v. Chr. und/oder zur Zeit der Könige David und/oder Salomon und/oder nach Zerstörung des Zweiten Tempels nach Djerba gekommen sein. Historisch belegbar ist das nicht. Vermutlich wanderten sie um das 6. Jahrhundert n. Chr. auf der Insel ein. Im 11. Jahrhundert werden jüdische Händler auf Djerba urkundlich erwähnt, und 1135/1136 sind sie als Gefangene der Normannen urkundlich genannt, welche die Insel kurzfristig eroberten. [14] Die Juden Djerbas lebten sozial fast gänzlich isoliert von der muslimischen Bevölkerung in den beiden städtischen Siedlungen Hara Kebira und Hara Sghbira. Sie hatten eine eigene Verwaltung und eine ganz eigene Lebensweise. Arabische Quellen verschweigen sogar die Existenz der beiden jüdischen Gemeinden, obwohl sie im Geschäftsleben von Houmt Souk eine wichtige Rolle gespielt haben dürften. Sie sollen sich seit ihrer Zuwanderung im 6. Jahrhundert angeblich bis in heutige Zeit nicht mit anderen Gruppen gemischt haben. Sehr wahrscheinlich suchten aber im 8. Jahrhundert jüdische Berberstämme aus dem algerischenAtlas auf der Insel Zuflucht und verstärkten so die alte Gemeinde. [15] Auch während der französischen Kolonialzeit hielten die Juden Djerbas an ihren religiösen und kulturellen Eigenarten fest. Untereinander sprachen sie ein korrumpiertes Hebräisch, im Umgang mit den europäischen Kaufleuten eine Mischung aus Arabisch, Italienisch, Französisch und Spanisch. Der französische Gouverneur fällte folgendes, nicht besonders schmeichelhafte Urteil über die Juden Djerbas: Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes: Datei fehltJuden vor der El-Ghriba-Synagoge auf Djerba
"Sie leben eingeschlossen in ihren Dörfern, widersetzen sich jedem Fortschritt, ganz ihrem Rabbi gehorchend, sind fanatisch und intolerant. Keine der jüdischen Familien schickt ihre Kinder in die französische Schule von Houmt Souk. Wie man mir sagte, sei es ihnen von den Rabbis verboten worden, da kein Rabbiner an der Schule tätig ist."[16]
Seit der Gründung des Staates Israel sind die meisten Juden Djerbas nach dorthin ausgewandert. Gegenwärtig leben kaum mehr als 1000 Juden auf der Insel. [17]
Musik der Juden auf Djerba
Die über Jahrhunderte andauernde Isolierung der Juden der Insel zeigt sich auch in ihrer Musik. So hat die Synagogalmusik der Juden von Djerba im Unterschied zu den meisten jüdischen Gemeinden in der islamischen Welt anscheinend kaum Einflüsse der arabischen Musik aufgenommen, und gilt als Referenzpunkt für Hyphothesen zum nicht notierten und damit für immer verlorenen Klang der altisraelitischen Musik. Der deutsch-jüdische Musikethnologe und Orientalist Robert Lachmann (1892-1939) unternahm von 1927 bis 1933 im Auftrag der Preußischen Staatsbibliothek mehrere Forschungsreisen in den Vorderen Orient und erforschte u.a. die Musiktraditionen der Juden und arabisierten Berber in Tripolis, der Kabylei und Testour. Auf Djerba fand er die damals fast vergessene, alteingesessene jüdische Bevölkerung mit ganz eigenen, sich von der umgebenden arabischen Musik unterscheidenden Merkmalen vor. Er machte in Hara Sghira 22 Feldaufnahmen jüdischer Musik auf Wachszylinder, die später Basis für sein 1940 erschienenes Buch Gesänge der Juden auf der Insel Djerba wurden. [18] Lachmann nahm dabei drei Gattungen von Musik auf: Liturgische Kantillationen, piyyutim und besondere, nur von Frauen gesungene Lieder. 1960 zeichnete der Schweiter Musikethnologe Wolgang Laade in Hara Kebira eine Beschneidungszeremonie auf.
↑Wolfgang Benz: Handbuch des Antisemitismus - Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart, Band I, K. G. Saur Verlag, München, 2008, Länder und Regionen Seite 374
↑Barbara Waldis: Trotz der Differenz: interkulturelle Kommunikation bei maghrebinisch-europäischen Paarbeziehungen in der Schweiz und in Tunesien, Waxmann, München und Berlin, 1998, Seite 83
↑Götz Aly und Wolf Gruner: Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band II, Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, München, 2009, Seite 104
↑Bella Gutterman und Avner Shalev (Hrsg.): Zeugnisse des Holocaust - Gedenken in Yad Vashem, 2005, Seite 81
↑Wolfgang Benz: Handbuch des Antisemitismus - Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart, Band I, K. G. Saur Verlag, München, 2008, Länder und Regionen, Seite 89 und 90
↑Anja Schliebitz und Jochen Klinckmüller: Baedecker-Allianz Reiseführer - Tunesien, 2008, Seite 36