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Disruption (Gesellschaft und Politik)
Der Begriff Disruption trat vereinzelt erstmals Mitte der 1990er Jahre in Printmedien im Kontext Mikrobiologie bzw. Werbung auf. Etwa ein Jahrzehnt wurde es gelegentlich im Zusammenhang mit technologischen Neuerungen erwähnt. 2015 häufte sich der Gebrauch des Begriffs Digitale Disruption im Kontext von Wirtschaft und Gesellschaft, besonders in der Start-up-Szene.[1]
Disruption als Kriterium für Startup-Unternehmen
Das Wort Start-up wird in der Gründerszene fast inflationär benutzt, doch nicht jedes junge und innovative Unternehmen ist ein Start-up. Die Besonderheit, die ein solches ausmacht, ist die Kraft zur Disruption. Ein Startup muss eine disruptive Idee besitzen, die dafür sorgt, dass bestehende Strukturen und Organisationen aufgebrochen und im Erfolgsfall zerstört werden. Das ist jedoch keineswegs negativ und destruktiv gemeint, sondern vielmehr positiv und progressiv. Start-ups sollen durch neue, ganz besondere Konzepte die bisherigen Produkte, Arbeitsweisen und Abläufe derart optimieren, dass diese obsolet werden, was zur Folge hat, dass sie mangels Konkurrenzfähigkeit untergehen und verschwinden. Die Disruption soll alte Strukturen durch komplett neue – meist einfachere oder bequemere, vor allem effektivere – ersetzen. Eine disruptive Idee bedeutet nicht eine simple Weiterentwicklung eines Produktes, sonden stattdessen eine komplette Neuentwicklung mit ganz neuen Ansätzen. Durch Disruption schlägt die Evolution um in Revolution.[2]
Disruption durch Digitalisierung
Durch die fortschreitende Digitalisierung geschehen heutzutage mehr Umbrüche als früher – und diese erfolgen oft auch deutlich schneller.Da deshalb ein bislang analoges Produkt oder eine meist analoge Struktur oft durch digitale Abläufe oder eine rein digitale Dienstleistung ersetzt werden, spricht man bei disruptiven Konzepten häufig auch von einer „digitalen Revolution“. Diese oder andere ähnlich klingende Wortschöpfungen werden gebraucht, weil es noch keine richtige deutsche Übersetzung für das gibt, was mit Disruption gemeint ist.[3]
Beispiele für Disruption
Digitalisierung der Medien
Einst schlossen Musiker und Bands Verträge mit Verlagen, die Werbung und Marketing betrieben und über einen Vetriebspartner die LPs oder Kassetten, später CDs in den Einzelhandel und an die Verbraucher brachten. Ein erster disruptiver Umbruch kam durch MP3-Dateien. Nun konnten Musikstücke über Internet verkauft und getauscht werden, wodurch CD-Presswerke und -Vetrieb, Plattenläden und andere Zwischenschritte wegfielen. Dann erlebte auch diese Form des Musikbusiness eine disruptive Verdängung durch das Streaming.[4]
Bei Videos, Computerspielen, Software und Büchern gab es ähnliche Entwicklungen.
Wissenserwerb
Wollte man früher etwas detailgenau und garantiert sicher wissen, musste man es in Fachbüchern oder Lexika nachschlagen. Wenn man diese nicht besaß, musste man sie sich im Buchhandel kaufen oder eine Bibliothek aufsuchen. Heute ersetzt das schier unendliche Internet mit einer Unzahl von Informationen, beispielsweise in dem kostenlosen Wikipedia das gedruckte Wissen. Auch wenn die Suche im Internet mühsam und die Richtigkeit der Informationen ungewiss sein mögen, sind sie aktueller als jedes Bücherwissen. Die gedruckte 30-bändige Brockhaus Enzyklopädie jedenfalls wird nicht mehr verlegt.[5]
Telekommunikation
Wer unter jungen Leuten kennt noch das Einheitstelephon der Post mit Wählscheibe? Selbst die Handys sind mehr als überholt von Smartphones mit ihrer Vielfalt mobiler Apps: neben Telefonie auch als Notizbuch, Pulsmesser, Foto- und Videokamera, Musikspieler, Spielekonsolen, Informationsmedium etc.[6]
Literatur
- Galloway, Scott: The Four: Die geheime DNA von Amazon, Apple, Facebook und Google. Plassen Verlag, Kulmbach, 2017. ISBN-10: 3864704871; ISBN-13: 978-3864704871.
- Meyer, Jens-Uwe: Digitale Disruption: Die nächste Stufe der Innovation. BusinessVillage GmbH, Göttingen 2016. ISBN-10: 3869803452; ISBN-13: 978-3869803456.
- Mutius, Bernhard von: Disruptive Thinking: Das Denken, das der Zukunft gewachsen ist. GABAL Verlag GmbH, Offenbach 2017. ISBN-10: 9783869367903; ISBN-13: 978-3869367903
Weblinks
- lexikon [8]
- Der Mythos Disruption [9]